POLITISCHE F&As

- 12.05.2017

Was steckt hinter der amerikanischen Leitzinserhöhung?

Antwort auf eine Frage

Was steckt hinter der amerikanischen Leitzinserhöhung?

 

Frage:

Am 15. März 2017 verkündete Janet Yellen, Chefin des Federal Reserve Board (US-Notenbank), eine durch das Federal Open Market Commitee (Offenmarktausschuss) beschlossene Erhöhung des Leitzinses (ribā) um 0,25 Prozentpunkte. Es ist bereits das zweite Mal, dass der Zinssatz angehoben wurde und dies innerhalb von drei Monaten. Zudem gibt es schon Indizien dafür, dass es in diesem Jahr noch zu zwei weiteren Anhebungen kommen wird. Wie man weiß, kommt es zu Zinserhöhungen, wenn die Wirtschaft eines Landes sich erholt hat, und doch ist die Wirtschaft in den Vereinigten Staaten noch krisengeschüttelt. Wie ist das zu erklären? Vielen Dank.

 

Antwort:

Die Zinsen (ribā) in den USA sind während der Finanzkrise von 2008 bis fast auf null gesenkt worden und blieben es die folgenden sieben Jahre, also bis Dezember 2015, als Yellen andeutete, dass der Leitzins im Laufe des Jahres 2016 einige Male angehoben werden würde. Trotzdem scheiterte dieses Vorhaben, und die Zinserhöhung gelang erst Ende des Jahres. Um die Gründe für eine Leitzinserhöhung- oder senkung zu verstehen, sollen folgende Punkte dargelegt werden:

1. Zweck der Festlegung des Leitzinses, was praktisch gesehen über Beschlüsse zu Kauf und Verkauf von US-Staatsanleihen funktioniert, ist das Steuern der Geldmarktpolitik, um vor allem über die verfügbare Geldmenge auf den US-Märkten Bescheid zu wissen. Das ist aus zwei Hauptgründen wichtig:

· Zu wenig Geld auf den Märkten bei hohem Leitzins führt zu einer Drosselung der Wirtschaft, denn die Nachfrage der Menschen nach Bankkrediten sinkt aufgrund der höheren Zinssätze.

· Zu viel Geld auf den Märkten bei niedrigem Leitzins führt zu Inflation. Denn dann ist das Geldangebot auf den Märkten hoch, da die Kreditnachfrage aufgrund des niedrigen Zinses hoch ist.

2. Seit dem Jahr 2015 predigt Yellin davon, dass es notwendig sei, den Leitzins anzuheben, da die Stagnation der US-Wirtschaft schon lange überwunden sei und man sich im Aufschwung befinde. Eine Anhebung des Leitzinses zu dem Zeitpunkt sei sinnvoller als nach Beginn einer Inflation – so die Wirtschaftsphilosophie Yellins zur Leitzinserhöhung.

3. Allerdings ist dies kein plausibles Argument. Denn die US-Wirtschaft ist nach wie vor schwach. Doch die Geldolitik der USA wie auch die des Westens allgemein ist geknüpft an politische Entscheidungen und basiert nicht, wie angenommen, auf rein ökonomischen Faktoren. Ebenso ist es, entgegen der Annahme, nicht so, dass Entscheidungen der amerikanischen Fed unabhängig von der Regierungspolitik fallen. Fakt ist, dass Entscheidungen, die mit dem Leitzins zu tun haben, Politik in Reinkultur sind und mit politsch-wirtschaftlichen Erfordernissen einhergehen. Die sieben Governors des Federal Reserve werden für einen Zeitraum von vierzehn Jahren vom Präsidenten der Vereinigten Staaten bestimmt und durch Zustimmung des Senats ernannt. Zudem werden der Präsident und dessen Stellvertreter aus dem Board of Governors vom US-Präsidenten für vier Jahre bestimmt, wobei es möglich ist, sie innerhalb ihrer Amtszeit nach Wunsch des US-Präsidenten für weitere Male zu ernennen.

4. In der Praxis wird die amerikanische Geldmarktpolitik von zwei politischen Faktoren bestimmt; lokal und global:

· Auf lokaler Ebene: Amerikanische Präsidenten haben während der Wahlen ein starkes Interesse daran, dass ein Wirtschaftswachstum in den USA vorherrscht. Denn eine starke Wirtschaft soll dafür sorgen, dass ein Präsident wiedergewählt bzw. ein Kandidat der jeweiligen Partei gewählt wird.

· Auf globaler Ebene: Amerika befindet sich in starkem Konkurrenzkampf zur Wirtschaft anderer Staaten. Gegenwärtig ist die Wirtschaft global gesehen nach wie vor aufgrund der Nachwirkungen der weltweiten Rezession von 2008 schwach. Der Zins in Europa und Japan liegt fast bei null. Nun wird die Leitzinserhöhung in den Vereinigten Staaten zu einem immensen Kapitalfluss in Richtung Amerika führen, was sich womöglich katastrophal auf die Wirtschaft der anderen Länder auswirken wird.

5. Die jetzige Anhebung des Leitzinses in den Vereinigten Staaten wird für die Wirtschaft anderer Staaten schmerzhaft sein, wenn auch nicht in dem Ausmaß wie im vergangenen Jahr. Die New York Times schrieb am 9. März 2017 in Bezug auf Europa: „Die offizielle Erhöhung des Leitzinses könnte noch Jahre entfernt liegen. Die Europäische Zentralbank ließ den Index zum Zinssatz unverändert. Die EZB erklärte, dass sie bis Ende des Jahres an Anreizmaßnahmen zum Kauf von Staats- und Unternehmensanleihen festhalten werde, auch wenn ab Beginn des Monats April in verringertem Maße.“

6. China hat indes die Absicht Amerikas hinter der Leitzinserhöhung durchschaut. Europa soll in Bedrängnis gebracht werden und dessen Kapitalvermögen in die Staaten fließen. China hat daher zeitgleich mit Amerika den Leitzins erhöht, um eine chinesische Kapitalflucht in ein zinssatzhöheres Amerika zu verhindern und um einen Anteil am europäischen Kapital, das angelockt werden soll, zu haben. China war also unmittelbar nach der Entscheidung Amerikas gezwungen, ebenfalls eine Anhebung des Leitzinses zu verkünden. Dies geschah laut einer Veröffentlichung auf der Bloomberg-Website unter dem Titel „Die Chinesische Volksbank erhöht zeitgleich mit der Fed die Kreditkosten“. Die Erhöhung der Kreditpreise durch die chinesische Notenbank ist auf die stabile Wirtschaft und auf die florierende Industrie zurückzuführen, die es erlauben, es der Fed in ihrer strafferen Politik nachzutun.

7. Fazit ist, dass die Leitzinserhöhung in den Vereinigten Staaten nicht auf die Überwindung der Rezession zurückzuführen ist, sondern darauf, Kapital aus Europa, wo der Leitzins fast bei null liegt, in Richtung Amerika fließen zu lassen, um höhere Zinssätze für Einlagen zu erhalten. Das Ziel ist also nicht rein ökonomischer Natur, sondern auch, um zur Schwächung Europas beizutragen, damit es in Krisen stürzt, die zu einem Auseinanderbrechen Europas führen.

 

29. Ğumādā l-Āḫira 1438 n. H.

28.03.2017 n. Chr.