PERSÖNLICHKEITEN

- 13.09.2012

Khubaib ibn `Adiy

Die folgende Geschichte ist ein weiteres Zeugnis von der Lauterkeit, Stärke, Entschlossenheit, Zielstrebigkeit, Aufopferungsbereitschaft und Loyalität der Prophetengefährten (Sahaba) insbesondere Khubaib ibn 'Adiys. Sie verkörpern die hervorragendsten Tugenden; Tugenden und Handlungen um derentwillen Allah (s.w.t.) zufrieden mit ihnen ist.

Khubaib ibn 'Adiy gehörte dem Stamm Aws von Medina an. Er gehörte also zu den Ansaar. Seit dem Tage der Hijrah des Propheten (s.a.s.) nach Medina und seinem Eintritt in den Islam, besuchte er den Propheten (s.a.s.) regelmäßig. Seine Seele und sein Bewusstsein waren rein, und sein Glaube war fest. Er wurde von Hassan Ibn Thaabit, einem islamischen Poeten, folgendermaßen beschrieben: „Er sah unter den Ansaar wie ein Falke aus. Allah gab ihm einen adligen Charakter und gute Sitten". Als die Flagge in der Schlacht von Badr gehoben wurde, war er da - ein mutiger Krieger und waghalsiger Kämpfer.

Unter den Götzendienern, die er mit seinem Schwerte während der Schlacht tötete, war Al-Haarith Ibn 'Amr Ibn Nawfal. Nachdem die Schlacht vorbei war und die besiegten, gedemütigten Kämpfer der Quraish nach Mekka flohen, erfuhren die Söhne von Al-Haarith, dass ihr Vater getötet wurde. Sie merkten sich den Namen des Täters, Khubaib Ibn 'Adiy, sehr gut und brannten ihn in ihre Herzen ein.

Die Muslime kehrten von Badr nach Medina zurück und bauten eifrig ihre neue Gemeinde weiter aus. Khubaib war ein wahrer Diener und ein frommer Verehrer der islamischen Glaubensordnung. Er verinnerlichte das Streben nach Vollkommenheit und diente mit dem Geist eines leidenschaftlichen Liebhabers; er betete des Nachts, fastete am Tag und lobte Allah, den Herrn der Welten.

Als der Prophet (s.a.s.) eines Tages nähere Informationen über die Pläne der Mekkaner in Erfahrung bringen wollte, bereitete er eine Expedition vor. Hierzu suchte er sich zehn seiner Gefährten (r.a.) aus, unter anderem Khubaib, und ernannte 'Aasim ibn Thaabit zum Anführer. Der Trupp machte sich auf den Weg zu seinem Ziel, bis er eine Stelle zwischen 'Asafaan und Mekka erreichte. Die Meldung über den muslimischen Vorstoß erreichte eine Sippe aus dem Stamm der Hudhail, die Bani Hayaan genannt wurden. Sie wiederum bereiteten 100 ihrer besten Speermänner vor und zogen aus, um sich den Sahaba entgegenzustellen.

Sie hätten sie fast verloren, wenn nicht einer von ihnen einige fallen gelassene Dattelkerne im Sand entdeckt hätte. Er hob sie auf, erkannte ihre Herkunft und rief laut: „Dies sind Dattelkerne aus Yathrib (Medina). Lasst uns diesen folgen und sie werden uns mit Sicherheit führen". Sie folgten den Dattelkernen und mit der erstaunlichen Navigationsfähigkeit, für die die Araber bekannt waren, entdeckten sie aus einer gewissen Distanz den Trupp der Prophetengefährten. 'Aasim, der Expeditionsführer, bemerkte, dass sie beobachtet wurden und befahl seinen Gefährten, sich auf den Berggipfel zu begeben. Die 100 feindlichen Speermänner näherten sich, umzingelten den Fuß des Berges und belagerten die Muslime. Sie forderten sie auf, sich zu ergeben, nachdem sie ihnen versicherten, ihnen kein Leid zuzufügen. Die zehn Sahaba drehten sich zum Anführer 'Aasim Ibn Thaabit Al-Asch'ariy und warteten auf seinen Befehl. Dieser sagte dann: „Was mich betrifft, bei Allah, ich werde mich nie den Götzendienern unterwerfen. Möge Allah dem Propheten über uns Bescheid geben".

Die Speermänner begannen sodann, ihre Speere zu werfen. 'Aasim, der Anführer der Sahaba, wurde verwundet und starb als Märtyrer. Ebenso fielen weitere sieben Sahaba als Märtyrer. Die übrigen drei Sahaba kamen runter nachdem man ihnen Sicherheit versprochen hatte. Als aber Khubaib und Zaid Ibn Ad-Dithinnah festgebunden wurden, erkannte der dritte von ihnen den Verrat und entschied sich, dort zu sterben, wo auch 'Aasim und seine Gefährten gefallen waren. Auch er fiel als Märtyrer.

Khubaib und Zaid wurden von den verräterischen Speermännern nach Mekka verschleppt. Man erhoffte sich, sie dort verkaufen zu können. Der Name Khubaib erreichte jedes Gehör. Die Söhne von Al-Haarith Ibn 'Aamir erinnerten sich sehr gut an den Namen und waren von Boshaftigkeit und Hass überwältigt. Sie beeilten sich, ihn zu kaufen. Die meisten Bewohner Mekkas, die ihre Väter und Führer in der Schlacht von Badr verloren hatten, stritten darüber, wer ihn denn kaufen dürfe, denn jeder von ihnen wollte Rache an den Muslimen nehmen. Einige andere Götzendiener nahmen Khubaibs Gefährten Zaid Ibn Ad-Dithinnah und ordneten an, ihn schwer zu foltern. Khubaib vertraute sein Leben Allah an, dem Herrn der Welten. Er wandte sich mit einer starken Seele, beruhigt und furchtlos, dem Gebet zu, das von einer inneren Ruhe (Sakina) begleitet war.

Die Götzendiener brachten ihm schließlich die Nachricht über den Tod seines Gefährten Zaid Ibn Ad-Dithinnah (möge Allah mit ihm zufrieden sein). Sie hofften, auf diese Weise seinen Willen zu brechen. Schließlich gingen sie dazu über, mit ihm über seinen Glauben zu verhandeln, wobei sie ihm versprachen, sein Leben zu schonen, wenn er von seinem Glauben an Muhammad (s.a.s.) und Seinem Herrn ablässt. Doch vergebens, Khubaib blieb absolut standhaft.

Khubaib (r.a.) blieb unnachgiebig und so entschlossen sie sich, ihn zu töten. Sie brachten ihn an einen Ort, der At-Tan'iim genannt wird; hier sollte er getötet werden. Als sie dort ankamen, bat Khubaib um Erlaubnis, noch zwei Rak'at beten zu dürfen. Sie erlaubten ihm dies mit der leisen Hoffnung, dass er es sich vielleicht doch noch anders überlegen würde und dem Glauben an Allah und Seinen Gesandten abschwören würde.

Khubaib aber betete mit Ernsthaftigkeit, Sanftmütigkeit und Demut. Er spürte die Süße des Glaubens im Inneren seiner Seele, sodass er sich wünschte, ununterbrochen weiterbeten zu können. Jedoch wandte er sich den Mekkanern zu und sprach: „Bei Allah, wäre es nicht deshalb, weil ihr denkt, ich fürchtete den Tod, so würde ich mit dem Beten fortfahren". Dann hob er seine Hände gen Himmel und sprach: „O Allah, erfasse ihre Zahl, vernichte sie alle und lass niemanden von ihnen übrig!". Dann sah er ihre Gesichter scharf an und fing an zu singen: „Wenn ich als Märtyrer sterbe, kümmert es mich nicht, auf welche Art ich meinen Tod für Allahs Sache erfahre. Wenn Er will, wird er die getrennten Gliedmaßen segnen."

Sie errichteten ein riesiges Kreuz aus einem Palmenstamm und banden Khubaib daran fest. Womöglich war es das erste Mal in der arabischen Geschichte, dass ein Todgeweihter gekreuzigt wurde.

Die Götzendiener bereiteten ihre Lanzen und Schwerter vor dem gekreuzigten Khubaib vor. Khubaib jedoch strahlte eine erstaunliche Ruhe aus und verschloss nicht einmal seine Augen. Dann begannen die Speere ihn zu durchstoßen und die Schwerter sein Fleisch in Stücke zu reißen. Ein Führer der Quraisch näherte sich ihm und sagte: „Wäre es dir nicht lieber, wenn Muhammad an deiner Stelle wäre und du stattdessen gesund und sicher bei deinen Verwandten wärst?" Dann erst brach Khubaib wie ein Gewittersturm aus und schrie seinen Mördern zu: „Bei Allah, es wäre mir verhasst bei meinen Verwandten und Söhnen zu sein und weltliche Gesundheit und Wohlergehen zu genießen, während den Propheten (s.a.s.) auch nur ein dünner Dorn stäche". Das waren dieselben verblüffenden und starken Worte, die Zaid einen Tag zuvor ausgesprochen hatte.

An diesem Tag sagte Abu Sufyan, der bis dahin noch nicht den Islam angenommen hatte, seinen Kopf schüttelnd und in Erstaunen versetzt: „Bei Allah! Noch nie habe ich jemanden gesehen, der einen anderen so liebt wie die Gefährten Muhammads Muhammad (s.a.s.) lieben."

Khubaibs Worte waren so provokativ, dass die Speere und Schwerter nun mit noch mehr Wut und Grausamkeit seinen Körper zerfleischten.

Nicht weit vom Geschehen entfernt, flogen Bussarde und andere Greifvögel umher, als ob sie darauf warteten, dass die Schlächter ihre Aufgabe beenden und die Stelle verlassen, damit sie über die Leiche herfallen können. Doch sie drehten plötzlich ab, als ob es ihnen befohlen wurde.

Die Quraisch kehrten zu ihren Häusern in Mekka zurück, während der sterbende Körper des Khubaib zurückblieb und von einer Gruppe von Speermännern der Quraisch bewacht wurde. Als sie Khubaib am Palmenkreuz aufrichteten und festmachten, wandte er (r. a.) sein Gesicht zum Himmel und bat seinen großartigen Herrn: „O Allah! Wir haben die Mission deines Gesandten erfüllt. Berichte ihm am frühen Morgen darüber, was uns zugestoßen ist."

Allah erhörte sein Gebet. In Medina war der Prophet (s.a.s.) von einem starken Gefühl gerührt, denn seine Gefährten mussten eine harte Schicksalsprüfung durchmachen, und er konnte fast den gekreuzigten Körper von einem der beiden sehen. Sofort sandte der Prophet (s.a.s.) Al-Miqdaad Ibn 'Amr und Az-Zubair Ibn Al-'Awaam zu ihnen. Sie bestiegen ihre Pferde und ritten los um den Ort noch schnell zu erreichen. Allah führte sie zu ihrem gewünschten Ziel. Sie machten Khubaibs Körper los und legten ihn auf eine saubere Stelle.

Möge Allah (s.w.t.) uns vor derartigem Ungemach bewahren; sollten wir doch damit geprüft werden, so möge Er (s.w.t.) uns Standhaftigkeit verleihen, wie Er sie Khubaib ibn 'Adiy verliehen hat. Amin!