PERSÖNLICHKEITEN

- 19.09.2012

Mus’ab Ibn ’Umair (r.a.) – einer der vorbildhaftesten Da’wa-Träger (Teil III)

Die zweite Bai'a (Treueschwur) von 'Aqaba

Die erste Bai'a war eine gute Sache und ein Segen, da trotz der geringen Anzahl derer, die in den Islam eintraten, nur eine Person ausreichte, um mit ihnen eine Veränderung in Medina herbeizuführen.

Diese Person war Mus'ab Ibn Umair (r.a.). Er war in der Lage, die existierenden Ideen und Gefühle in der Gesellschaft umzuwandeln. Knapp ein Jahr nach seiner Ankunft in Yathrib machte sich Mus'ab (r.a.) während der Pilgerzeit mit einer Delegation von fünfundsiebzig Muslimen nach Mekka auf. Bei 'Aqaba stießen sie auf den Propheten (s.a.s.). Dort verpflichteten sie sich nun nicht nur den Islam, seine Ge- und Verbote einzuhalten, sondern darüber hinaus noch den Islam als komplette Lebensordnung und Staatssystem umzusetzen und ihn um jeden Preis zu verteidigen.

Dieser Treueid, den die Muslime aus Yathrib leisteten, wurde später dann als der „Kriegs-Treueid" bezeichnet. Von diesem Augenblick an überstürzten sich die Ereignisse. Kurz nach dem Treueid befahl der Prophet (s.a.s.) den meisten Muslimen, von Mekka nach Yathrib auszuwandern, wo die Ansar ihre Bereitschaft erklärt hatten, den Propheten Muhammad (s.a.s.) als ihr Staatsoberhaupt anzuerkennen, den Islamischen Staat auszurufen und die islamische Gesetzgebung zu implementieren.

Das nächste bedeutungsvolle Ereignis für die Muslime nach der Auswanderung des Propheten (s) nach Medina war die große Schlacht von Badr. Nach dem Kampf wurden die gefangenen Quraish zum Propheten (s.a.s.) gebracht, der sie wiederum der Obhut einzelner Muslime anvertraute. „Behandelt sie gut", wies er die Muslime an. Zu den Gefangenen gehörte auch Abu Aziz Ibn 'Umair, der Bruder von Mus'ab (r.a.). Abu Aziz selbst berichtete: „Ich befand mich in einer Gruppe von Ansar [...] Immer wenn sie zu Mittag oder zu Abend aßen, gaben sie mir, der Anweisung des Propheten, uns gut zu behandeln, folgend, Brot und Datteln zu essen [...] Als mein Bruder Mus'ab vorbeikam, sagte er zu jenem der Ansar, in dessen Gefangenschaft ich mich befand: ‚Binde ihn gut fest! [...] Seine Mutter ist eine sehr wohlhabende Frau und wird dir vielleicht ein (gutes) Lösegeld für ihn zahlen.'"

Abu Aziz traute seinen Ohren nicht. Er wandte sich überrascht an Mus'ab (r.a.) und fragte: „Mein Bruder, betrifft diese deine Anordnung mich?" Mus'ab (r.a.) erwiderte: „Jener ist mein Bruder, du bist es nicht". Er bekräftigte damit, dass für ihn die Verbundenheit durch den Islam mehr zählte als die der Blutsbande.

Bei der Schlacht von Uhud ernannte der Prophet (s.a.s.) Mus'ab (r.a.), dem inzwischen der Name Mus'ab Al-Khair (der Vorzügliche) verliehen worden war, zum Fahnenträger der Muslime. Der schnelle Erfolg seines Heeres in der Schlacht erlitt allerdings einen Rückschlag, als eine Gruppe von Muslimen unter Missachtung der Befehle des Propheten (s.a.s.) ihre Stellungen verließ. Die Streitkräfte der Gegner konnten sich sammeln, eine Gegenoffensive starten und die Muslime von hinten überraschen. Ihr Hauptziel war es, die muslimischen Formationen zu durchbrechen und den Propheten (s.a.s.) selbst zu stellen.

Mus'ab (r.a.) erkannte diese Gefahr. Er hob das Banner und rief laut: „Allahu akbar (Allah ist der Größte)!" In einem kritischen Augenblick der Schlacht erreichte Mus'abs (r.a.) ruhmreiches Leben seinen Höhepunkt. Mit der einen Hand das Banner haltend, mit der anderen sein Schwert, stürzte er sich in die Schlacht. Einem Reiter der Quraish gelang es, dicht an ihn heranzurücken und ihm seine rechte Hand abzuschlagen. „Muhammad ist nur ein Gesandter. Schon vor ihm gingen die Gesandten dahin." (ist Teil einer der in Sura 3, Aya 144), rief Mus'ab nun unter Zeugen aus und bestätigte damit, dass er seinen Kampf, so fest seine Verbundenheit dem Propheten (s.a.s.) gegenüber auch war, in erster Linie führte, um das Wohlgefallen Allahs (s.w.t.) zu erlangen, dem seine größte Loyalität galt. Als ihm dann auch noch seine linke Hand abgeschlagen wurde, wiederholte er: „Muhammad ist nur ein Gesandter. Schon vor ihm gingen die Gesandten dahin." Schließlich wurde Mus'ab (r.a.) von einem Speer getroffen. Er fiel und mit ihm das Banner. Die Worte, die er jedes Mal, wenn er getroffen wurde, von neuem ausrief, wurden später dem Propheten (s.a.s.) offenbart und vervollständigt und somit zu einem Teil des Qur'an.

Nach der Schlacht ging der Prophet (s.a.s.) mit seinen Gefährten über das Schlachtfeld, um von den Märtyrern Abschied zu nehmen. Als sie zu Mus'abs (r.a.) Leichnam kamen, flossen Tränen. Außer Mus'abs (r.a.) eigenem Gewand hatten sie kein Tuch finden können, das sie als Leichentuch für seinen Körper hätten verwenden können. Dieses aber war zu kurz; wenn sie seinen Kopf bedecken wollten, blieben die Beine unverhüllt, wenn sie es über die Beine zogen, blieb der Kopf frei. Der Prophet (s.a.s.) gab die Anweisung: „Legt das Gewand über seinen Kopf und bedeckt seine Füße und Beine mit den Blättern des Idhkir (Kräuterpflanze)!" Der Prophet (s.a.s.) empfand angesichts der vielen Gefährten, die in der Schlacht von Uhud getötet worden waren - unter ihnen auch sein Onkel Hamza (r.a.), dessen Körper schrecklich verstümmelt war - tiefen Schmerz und große Trauer. Aufs Äußerste bewegt stand er am Leichnam Mus'abs (r.a.). Er erinnerte sich daran, wie er den modisch und elegant gekleideten jungen Mann zum ersten Mal in Mekka gesehen hatte und blickte auf das kurze Obergewand, das ihn jetzt bedeckte - das einzige Kleidungsstück, das ihm bei seinem Tode noch geblieben war.

Dann rezitierte der Prophet (s.a.s.) die Aaya:
„Unter den Gläubigen gibt es Männer, die wahr machten, was sie Allah versprochen hatten [...]" (Sura Al-Ahzab, Aya 23)

Es war auch die Erinnerung an Mus'ab (r.a.) in seinem Grab, die Gefährten wie Abdur-Rahman Ibn Auf veranlasste, vor Furcht zu weinen, da sie Angst hatten, keinen Anteil am Jenseits zu haben, aufgrund des Überflusses in ihrem diesseitigen Leben. Einmal brachte ihm ein Sklave Essen, um sein Fasten zu brechen und Abdur-Rahman Ibn Auf brach in Tränen aus, als er sich an Mus'ab (r.a.) erinnerte, der starb, ohne die Genüsse dieser Welt gekostet zu haben.

Als der Prophet (s.a.s.) am Tage von Uhud dann noch einmal seine Augen über das Schlachtfeld schweifen ließ, das mit den Leichen der Gefährten übersät war, sagte er: „Der Gesandte Allahs bezeugt, dass ihr in den Augen Allahs am Tage der Auferstehung Märtyrer seid." Er wandte sich an die lebenden Gefährten um ihn herum und sprach: „Ihr Menschen! Besucht sie und wünscht ihnen Frieden, denn - bei Dem, in dessen Hand meine Seele liegt - sie werden bis zum Tage der Auferstehung jedem Muslim, der ihnen Frieden wünscht, den Friedensgruß erwidern."

Friede sei mit dir, o Mus'ab! Friede mit euch, ihr Ersten!

Dies ist die Geschichte eines edlen Weggefährten, der sich weder von Familienbande noch vom Glanze des Diesseits von der Liebe zu Allah abbringen ließ. Lasst es uns dem Gesandten (s.a.s.) und seinen ehrenwerten Gefährten, Friede sei über ihnen, gleich tun und mit vollem Eifer nach dem Wohlgefallen Allahs (s.w.t.) trachten – allen Widrigkeiten zu trotz. Auf dass wir am Tage der Rechenschaftsablegung mit den Gesandten und ihren Gefährten in einer Reihe stehen!