KOMMENTAR

- 01.08.2017

Geheimnisse der Amerikanisch-Syrischen Beziehung

Nach der Niederlage des Osmanischen Reiches im 1. Weltkrieg und dem Vertrag von Sykes-Picot zwischen Frankreich und Großbritannien im Jahre 1916, besetzte Frankreich das Gebiet, das heute als Syrien bekannt ist. Um den Einfluss der USA in Syrien und die Beziehung zwischen dem Assad Regime und den Vereinigten Staaten zu verstehen, muss man die neuere Geschichte Syriens durchleuchten. Die folgenden 10 Kernpunkte sind in chronologischer Reihenfolge angeordnet, beginnend ab dem Zeitpunkt der westlichen Kolonialisierung in Syrien bis zum heutigen Tag, um den Amerikanischen Einfluss auf Syrien aufzuzeigen.

 

1. USA und CIA organisierten seit 1949 Militärputsche in Syrien: Der erste Militärputsch in Syrien im Jahre 1949, ausgeführt von den Amerikanern, wurde durch ihre Botschaft in Damaskus und von der CIA organisiert, was detailliert im Buch „The Game of Nations“ von Miles Copeland aufgezeigt wird. Dies war der Startschuss für den internationalen Kampf um den Nahen Osten zwischen den Vereinigten Staaten, dem neuen Teilnehmer auf der Weltbühne, und den Europäern (Frankreich und Großbritannien), welche großen Einfluss auf diese Region hatten aber geschwächt aus dem 2. Weltkrieg kamen. Die US-Botschaft und die CIA unterstützten weiterhin einige Militärputsche in den 50ern und 60ern gegen die Europäischen Rivalen. Die genannten Ereignisse waren der Grund für die Instabilität Syriens über zwei Jahrzehnte.

2. Hafez' Truppenabzug aus dem Krieg von 1967 um Israel zu sichern: Ex-Präsident Amin al-Hafiz sagte in einem Interview bei Al-Jazeera am 2. Juli 2001, dass Hafez al-Assad, der zur damaligen Zeit Verteidigungsminister war, zu Beginn des Krieges einen ausdrücklichen Befehl für den Rückzug der syrischen Armee aus den Golanhöhen gab. Dies geschah bevor es auch nur Anzeichen für eine Niederlage oder Konfrontation mit der Israelischen Armee gab. Dieser Rückzug ermöglichte die Besatzung eines geopolitisch wichtigen Standortes. Aufgrund dieser Aktion gewann Assad das Vertrauen der Amerikaner, die nördliche Grenze Israels zu schützen, welche er auch über drei Jahrzehnte verteidigte.

3. Unterstützung der USA für Syrien in der UN Resolution 242 im Jahr 1967: Die 242. UN-Resolution gewährt Syrien bis heute die Zurückgewinnung ihrer Territorien. Diese Resolution wurde nach dem Krieg im Jahre 1967 in Kraft gesetzt (dem Krieg mit Israel und dessen Besatzung der Golanhöhen, auch als „Sechs-Tage-Krieg“ bekannt). Die Vereinigten Staaten unterstützten diese Vereinbarung und damit das Recht Syriens auf ihre Gebiete. Dies steht im starken Gegensatz zur Position Israels, mal abgesehen von gelegentlichen Lippenbekenntnissen, jeglichen Gedanken, das geografisch strategische Territorium aufzugeben, zurückzuweisen.

4. Verstärkte Beziehung zwischen USA und Syrien nach dem Krieg von 1973: Nach dem überraschenden Krieg mit Israel im Jahre 1973 sollte Syrien von den USA Sanktionen auferlegt bekommen. Dem zuwiderhandelnd hat Präsident Nixon Syrien 1974 persönlich besucht, um die Beziehungen mit dem Assad-Regime zu stärken.

5. Die Akzeptanz der Vereinigten Staaten in Bezug auf die syrische Besatzung des Libanons seit 1976: Syrische Truppen besetzten Libanon zu Beginn des Bürgerkrieges. Das Schweigen der Amerikaner in Bezug auf solch eine Besatzung stellte für Hafez al-Assad ein „grünes Licht“ dar, die Besatzung bis 2005 durchzuführen. Die von Frankreich angeordnete Resolution führte gegen den Willen der Vereinigten Staaten zum Rückzug syrischer Truppen aus dem Libanon. Ein politischer Analyst beschrieb die Rolle der Vereinigten Staaten wie folgt: „Die USA erweckten den Anschein, stillschweigend den Einfluss Syriens auf den Libanon hinzunehmen.“

6. Zusammenarbeit Syriens mit den Vereinigten Staaten durch das Abkommen von Taif im Jahre 1989: Das Abkommen von Taif wurde in Saudi Arabien von verschiedenen libanesischen Fraktionen unterschrieben, um den Bürgerkrieg 1989 zu beenden. Die Vereinigten Staaten waren, neben Frankreich, Saudi Arabien, Ägypten und Syrien, der einflussreichste Staat bei der Gestaltung der Vereinbarung, indem sie „für die syrische Vormundschaft über den Libanon internationale Unterstützung forderten.“

7. Syrien schließt sich den Vereinigten Staaten beim Einfall in den Irak im Jahre 1991 an: Syrien unterstützte die USA beim Feldzug gegen den Irak (Operation Desert Storm) und sendete 14.500 Soldaten, sowie Personal zur Unterstützung für die Invasion im Irak.

8. Die Vereinigten Staaten vermitteln in den 90er-Jahren bei Verhandlungen zwischen Syrien und Israel: Hafez al-Assad akzeptierte die Vereinigten Staaten als Vermittler zwischen Syrien und Israel. Generalstabschef Lt. Gen. Hikmat al-Shihabi führte die Friedensverhandlungen auf syrischer Seite. In einem Interview mit Russia Today TV stellte der syrische Ex-Verteidigungsminister und Stützpfeiler des Assad Regimes, Mustafa Tlass, eindeutig fest, dass al-Shihabi ein CIA-Agent der Amerikaner war.

9. Seit 2001 geheimdienstliche Kooperation zwischen der CIA und Syrien, um Häftlinge zu foltern: Die Zusammenarbeit zwischen der CIA und Syrien war so stark, dass selbst zu der Zeit, als Syrien als Schurkenstaat bezeichnet wurde, das syrische Regime der CIA bei ihrer schmutzigen Arbeit seine Hilfe anbot. Das Regime benutzte seinen weltberühmten Nachrichtendienst, um Kriegsgefangene und Häftlinge dermaßen zu foltern, dass sie die gewünschten Informationen erhielten, um sie an die CIA weiterzugeben. Der kanadische Bürger, Maher Arar, ist hierfür ein berühmtes Beispiel.

10. Die durch die Vereinigten Staaten weiterhin anhaltende Unterstützung des syrischen Regimes während der Syrischen Revolution seit 2011: Wie bereits schon ausführlich im ersten Teil der Serie über die Agenda des Assad-Regimes erläutert wurde, haben die Vereinigten Staaten die tägliche Folter der syrischen Bevölkerung innerhalb der letzten drei Jahre stillschweigend hingenommen. Hinzu kommt, dass die Vereinigten Staaten den Rebellen Waffen verweigern, welche sie benötigen, um sich zu wehren und Assad seines Amtes zu entheben.

 

Es ist eindeutig zu erkennen, dass die Vereinigten Staaten schon früh in der neueren Geschichte Syriens versucht haben, ihre Agenten durch Militärputsche zu stärken. Obwohl die Amerikaner rhetorische Phrasen gegen Syrien äußerten, haben sie die komplette Vorherrschaft erhalten, als ihr Vasall und Agent Hafez al-Assad 1970 an Macht gewann. Seit al-Assad ist Syrien ein Stellvertreter für die amerikanischen Interessen in der Region und ein Schutz für die nördliche Grenze Israels, während sie nach außen hin so tun, als wären sie die führende Kraft des Widerstands in der arabischen Region.

 

(Abu Anas)