PERSÖNLICHKEITEN

- 15.09.2012

Abu Dharr al–Ghifâri

Abu Dharr al-Ghifari aus dem Stamm Ghifar

Man hört oft die Ausrede, dass Muhammad (s) als Prophet ma'sum d. h. unfehlbar war, wenn über seine großartigen Eigenschaften und Taten berichtet wird und der Qur'an ihn als nachahmungswürdiges Beispiel uns ans Herz legt. In der Tat war er (s.a.s.) als Prophet unfehlbar.

Nichtsdestotrotz war er auch ein Mensch und besaß als solcher entsprechend menschliche Eigenschaften. Im Tragen der Botschaft Allahs zeichnete er sich dabei als einzigartig aus.

Neben dem Propheten haben wir zahlreiche weitere nachahmungswürdige Vorbilder im Islam, von denen wir wissen, dass sie die Zufriedenheit Allahs erlangt haben.

In einem Hadith sagt der Prophet (s) über seine Weggefährten: „Meine Sahaba (Gefährten) sind wie Sterne. Wem immer ihr folgt, ihr erlangt Führung." Ein jeder der zahlreichen Sahaba stellt eine islamische Persönlichkeit dar. Sie zeichneten sich durch einen scharfsinnigen Intellekt mit einer islamischen Denkweise sowie einen islamischen Charakter aus. Im Tragen der Da'wa waren sie offen, mutig, standhaft und kompromisslos.

Abu Dharr al-Ghifâri (r.a.) war einer der ersten Muslime. Sein eigentlicher Name war Jundub Ibn Junadah. Nachdem er den Islam angenommen hatte, gab ihm der Prophet (s.a.s.) den Namen „Abdullah", welchen er am liebsten mochte. Er hieß „al- Ghifâri", weil er zum Stamme der Ghifâr gehörte, und sein ältester Sohn hieß Dharr, deswegen wurde er auch Abu Dharr genannt, Abu Dharr al – Ghifâri (r.a.).

Der Stamm Ghifar lebte in der Nähe von Yathrib (späteres Madina), wo die Karawanen der Quraisch vorbeizogen. Sie überfielen die Karawanen und lebten von dem Erbeuteten.

Sie pflegten den Götzen Manat anzubeten. Eines Tages, als sie wegen einer Dürreperiode dem Götzen Opfergaben brachten, bemerkte der junge Abu Dharr, dass der regungslose Götze, der sich weder äußern noch vor dem Urinieren eines Fuchses schützen konnte, kein Schöpfer des Universums sein kann.

Als sich dann die Nachricht unter den arabischen Stämmen ausbreitete, dass in Mekka unter den Quraisch ein Prophet sei, war Abu Dharr, der mittlerweile zu einem jungen Mann herangewachsen war, sehr glücklich. Denn es war ihm bereits von den Schriftbesitzern einiges über den erwarteten Propheten zu Ohren gekommen. Um näheres zu erfahren, schickte er zunächst seinen Bruder Anis nach Mekka. Da ihm jedoch die Informationen seines Bruders nicht ausreichten, reiste er persönlich nach Mekka, um den Propheten zu sehen.

Vor der Kaaba sitzend wartete er auf den Propheten. Als Ali Ibn Abi Talib den Fremden dort sah, bot er ihm an, bei ihm zu übernachten, ohne ihn näher über seine Absichten in Mekka oder seiner Herkunft zu fragen. Auch Abu Dharr erzählte ihm nichts, da ihn sein Bruder über die Situation in Mekka bezüglich der Feindseligkeit der Quraish gegenüber dem Gesandten (s.a.s.) aufgeklärt hatte. So vergingen drei Tage, bis ihn Ali Ibn Talib über seine Absichten in Mekka befragte. Abu Dharr erklärte ihm schließlich, dass er aus dem Stamm der Ghifar komme und angereist sei, um den neuen Propheten zu sehen. Dies erfreute Ali sehr und er versprach, ihn am folgenden Tage zu ihm zu führen. Ali ibn Talib hielt sein Versprechen und brachte den Gast aus dem Stamm der Ghifar unter hohem Sicherheitsaufwand zum Propheten. Die Situation in Mekka war wie Anis berichtet hatte, sehr angespannt.

Nachdem ihm Muhammad (s.a.s.) einige Âyât aus dem Qur'an vorgetragen hatte, nahm er den Islam sofort an und gelobte, diese Botschaft an alle heranzutragen.

Der Gesandte (s.a.s.) empfahl ihm, in Mekka niemandem zu erzählen, dass er den Islam angenommen habe. Doch Abu Dharr war so sehr von der neuen Botschaft des Islam begeistert, dass er beabsichtigte, die Quraish öffentlich zum Islam aufzufordern.

Er ging zur Kaaba, wo die Menschen für gewöhnlich versammelt waren und rief mit lauter Stimme: „Ihr Stamm der Quraisch! Hört, ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer Allah, und ich bezeuge, dass Muhammad Sein Gesandter ist!"
Hierauf versammelten sich die Quraisch um Abu Dharr und schlugen heftig auf ihn ein bis er ohnmächtig wurde. Erst als Abbas Ibn Abd al-Muttalib ihnen erzählte, dass er ein Mann aus jenem Stamm sei, der die Handelsroute nach Norden kontrolliert, ließen sie von ihm ab.

Doch Abu Dharr konnte nicht anders, als erneut vor die Kaaba zu treten und mit lauter Stimme die Schahâda, das islamische Glaubensbekenntnis, auszurufen, worauf er ein weiteres Mal brutal zusammengeschlagen wurde.

Schließlich befahl ihm der Prophet (s.a.s.), in sein Dorf zurückzukehren und die Botschaft des Islam dort unter den Menschen zu verbreiten. Abu Dharr tat wie ihm geheißen und war sehr erfolgreich. So traten durch ihn zunächst sein Bruder und seine Mutter und im weiteren Verlauf der überwiegende Teil seines Stammes sowie des Nachbarstammes in den Islam ein.

Nach der Hijra, wanderte auch Abu Dharr nach Medina aus, um in der Nähe des Propheten zu sein.

Auf dem Weg zur Schlacht von Tabuk blieb Abu Dharr hinter den restlichen Truppen der Mujahidin zurück, weil sein Kamel krank war. Abu Dharr entschloss sich, weiter Richtung Tabuk zu ziehen und nicht nach Madina zurückzukehren, wie es einige Muslime mit schwachem Glauben taten. Andere zogen überhaupt nicht aus, als der Prophet zur Schlacht von Tabuk aufrief.

Als die Sahaba rasteten, bemerkten sie eine Person, die auf sie zukam. Sie teilten es dem Propheten mit. Dieser (s.a.s.) sagte: „Möge es Abu Dharr sein!"
Als ihn die Sahaba erkannten, schrieen sie auf und sagten: „O Gesandter Allahs, es ist Abu Dharr."

Der Prophet (s.a.s.) wandte sich schließlich zu Abu Dharr, der sehr müde schien, und sagte: „O Abu Dharr, Allah wird sich deiner erbarmen. Du wirst allein leben, und du wirst allein von dieser Welt gehen, und du wirst allein am Tage des Gerichts auferstehen. Du wirst alleine in den Himmel eingehen, und eine Gruppe Iraker wird deinetwegen Segen erhalten, d.h., sie werden deinen Leichnam waschen, dich einhüllen und für dich beten."

Diese Prophezeiung ging schließlich in Erfüllung, denn nach dem Tode des Propheten (s.a.s.) wanderte Abu Dharr aus Medina nach al-Sham (heutiges Syrien) aus, da er das Verweilen in jener Stadt ohne die Anwesenheit des Propheten (s.a.s.) nicht ertragen konnte.

Zur Zeit des Kalifats von Uthman (r.a.) kam er wieder nach Madina. Hier hatte sich die Gesellschaft nach den „Futuhat" (Eröffnungen fremder Ländereien für den Islam) geändert. Abu Dharr konnte es nicht ertragen, dass die Muslime Nachlässigkeiten im Ausüben des Islam und im Tragen der Da'wa aufwiesen. Er kritisierte sie, wo er nur konnte, sodass der Kalif nach Eingang mehrfacher Beschwerden über Abu Dharr ihn erneut fortschickte, und zwar nach al-Rabathah in den Osten von Medina. Hier verbrachte er den Rest seines Lebens mit seiner Familie, bis er starb.