PERSÖNLICHKEITEN

- 14.09.2012

Sa'd ibn Abi Waqqas

Sa'd ibn Abi Waqqas zählt zu den ersten Muslimen und Gefährten Muhammads (s.a.s.), zu den Gefährten, mit denen Allah (s.w.t.) und Sein Gesandter (s.a.s.) zufrieden sind.

Sa'd ibn Abi Waqqas wurde im Jahre 32 vor der Hidjra geboren und starb im Alter von etwa 86 Jahren. Sein vollständiger Name ist Sa'd ibn Malik ibn Wahb ibn Abi Manaf ibn Zahra.

Sa'd war ein naher Verwandter von Amina bint Wahb, der Mutter des Propheten (s.a.s.). Aminas Vater war ein Bruder von Sa'ds Großvater, also sein "Großonkel". Der Prophet sagte über Sa'd: "Hier ist mein Onkel, so lasst jeder von euch mir seinen Onkel zeigen." Sa'ds Vater, Malik, hatte den Spitznamen "Waqqas", deshalb war Sa'd als ibn Waqqas bekannt.

Sa'd nahm den Islam früher an als die meisten anderen Prophetengefährten. Eines Tages erzählte er: "In einem Traum sah ich, dass ich an einem sehr dunklen Ort war. Ich konnte alles nur aus großer Entfernung sehen. Ich sah einen leuchtenden Mond, so ging ich auf ihn zu, um mich aus der Dunkelheit zu befreien. Während ich darauf zuging, sah ich, dass 'Ali ibn Abi Talib und Abu Bakr vor mir dort angelangt waren." Als Sa'd aufwachte, dachte er über diesen Traum nach. Dann fragte er Abu Bakr nach der Interpretation dieses Traumes. Abu Bakr erzählte ihm, dass Muhammad ibn 'Abdullah zu einer neuen Religion aufrief, die vor Allem den Götzendienst ablehnte. Sa'd nahm den neuen Glauben sofort an und ging zum Hause des Propheten (s.a.s.) um seinen Islam kundzugeben - dies geschah als er neunzehn Jahre alt war.

Sa'ds Mutter, Hamnah, gehörte zum Stamm der Bani Umayyah. Hamnah sah, wie ihr Sohn mit leiser Stimme den Qur'an rezitierte und wie er Gebete verrichtete, die ihr fremd waren. Sie forderte ihn auf, dies zu erklären. Sa'd sagte ihr, dass er der Religion Muhammads (s.a.s.) folgte. Er lud sie auch ein, den Islam anzunehmen, obwohl der Glaube noch kaum bekannt war. Seine Mutter war verärgert und forderte ihn auf, zum Götzendienst seiner Vorväter zurückzukehren.

Sa'd war gütig zu seinen Eltern, wusste aber auch, dass man unterscheiden muss zwischen Gehorsam der Mutter gegenüber und Zugehörigkeit zu einem Götzenglauben, der der Mutter gefällt. Und so ließ er sich auch nicht dazu bewegen, Götzenbilder anzubeten, nachdem er die Gnade des Islam gefunden hatte. Als seine Mutter merkte, dass sie ihn nicht davon überzeugen konnte, seine Meinung zu ändern, drohte sie ihm mit einem Hungerstreik, bis er die neue Religion aufgäbe. Lieber würde sie sterben.

Die Leute fingen an, ihm Lieblosigkeit seiner Mutter gegenüber vorzuwerfen. Sa'd war es egal, was seine Mutter in dieser Hinsicht sagte, und er gab ihr zu verstehen, dass er den Götzen nie wieder dienen würde. Hamnah versuchte ernsthaft, ihr Versprechen in die Tat umzusetzen. Sie hörte auf zu essen und zu trinken, bis sie ihre Kräfte verlor und dem Tod nahe war. Einige seiner Angehörigen brachten Sa'd zu ihr; sie hofften, dass sie ihm leid täte und er nun tun würde, was sie wollte.

Sa'd ging und sah, dass seine Mutter wirklich schwach war, aber sein Glaube an Allah war stärker als alles andere, und so sagte er ihr: "Ich schwöre bei Allah, Mutter, wenn du sieben Seelen hättest und sie eine nach der anderen aushauchen würdest, würde ich meine Überzeugung nicht ändern. Ob du nun isst oder nicht – es geht mich nichts an." Hamnah musste feststellen, dass ihr Sohn fest auf der neuen Religion beharrte und sie ihn davon nicht abbringen konnte. Somit aß und trank sie wieder wie gewöhnlich.

Über den Konflikt zwischen Sa'd und seiner Mutter heißt es im Qur'an: "Und wir haben dem Menschen seine Eltern ans Herz gelegt - seine Mutter trug ihn in Schwäche über Schwäche, und seine Entwöhnung fordert zwei Jahre. Sei Mir und deinen Eltern dankbar. Zu Mir ist die Heimkehr. Doch wenn sie dich auffordern, Mir etwas (in Anbetung) zur Seite zu setzen, wovon du keine Kenntnis hast, dann gehorche ihnen nicht. Im Diesseits aber begleite sie in gütiger Weise." [Sura Luqman 31, Aya 14,15]

Auch sagt Allah: "Und wir haben dem Menschen anbefohlen, seinen Eltern Gutes zu tun. Doch wenn sie dich zwingen wollen, Mir etwas zur Seite zu stellen, von dem du keine Kenntnis hast, so gehorche ihnen nicht. Zu Mir werdet ihr heimkehren, (und) dann will Ich euch verkünden, was ihr getan habt." [Sura Al-'Ankabut - die Spinne (29), Vers 8]

Der Gesandte (s.a.s.) sagte über Sa'd (r.a.), dass er den gleichen Wert habe wie 1000 Krieger. Es wird berichtet, dass es in manchen Schlachten Sa'd und Talha waren, die hinter dem Propheten (s.a.s.) standen, um ihn zu schützen. Eines Tages saß Muhammad (s.a.s.) mit seinen Gefährten (r.a.) beisammen und blickte dann auf einen weit entfernten Ort. Plötzlich hörte er auf, zu ihnen zu sprechen, als ob er gerade eine Offenbarung bekäme und sich darauf konzentrierte. Dann sah der Prophet wieder in die Gesichter seiner Gefährten und sprach: "Schaut, der erste, der nun kommen wird, wird einer von den Leuten des Paradieses sein." Die Gefährten (r.a.) sahen neugierig um sich. Unerwartet erschien Sa'd ibn Abi Waqqas.

Sa'd hatte eine großartige Stellung im Islam. Er bewies seine Tapferkeit in vielen Schlachten, an denen er noch zu Lebzeiten des Propheten teilnahm. Einmal war Sa'd in Begleitung von 'Ammar ibn Yaser, Saed ibn Zaid und 'Abdullah ibn Mas'ud unterwegs nach Mekka, als sie halt machten, um zu beten. Eine Gruppe von Ungläubigen, unter ihnen Abu Sufyan, Aknas ibn Scharnaq und 'Abdullah ibn Aqtal, wusste, dass die Muslime am Beten waren. Sie fingen an, sich über sie lustig zu machen und riefen sie beim Namen. 'Abdullah ibn Aqtal zeigte seine Feindseligkeit den Muslimen gegenüber deutlicher als die anderen. Er stürmte los, um einen der Muslime zu verletzen. Sa'd konnte es nicht ertragen, solch eine widerliche Behandlung mit anzusehen. Er ergriff einen neben ihm liegenden Knochen und schlug 'Abdullah damit. Sa'd verwundete ihn, und es war das erste Blut, das im Namen des Islam vergossen wurde.

Sa'd war auch der erste, der mit 'Ubaida ibn Al-Hariths Truppe auszog, um dem Propheten die Neuigkeiten über die ungläubigen Mekkaner zu bringen. Auch diese Gruppe sah sich einer Gruppe von Ungläubigen gegenüber, die sich ihnen gegenüber feindselig zeigte. Sa'd weigerte sich, den Rückzug anzutreten. Er bereitete seine Pfeile vor und schoss sie auf die aggressiven Mekkaner. Aus diesem Grund wird Sa'd auch als der erste Muslim betrachtet, der seine Pfeile gegen die Feinde Allahs richtete.

'Abdullah ibn Mas'ud sagte über Sa'd: "Ich sah Sa'd in der Schlacht von Badr tapfer kämpfen." Er fügte hinzu: "Ich nahm zusammen mit Sa'd und 'Ammar ibn Yaser an dieser Schlacht teil. Wir vereinbarten, die von uns eingesammelte Beute zwischen uns aufzuteilen. Sa'd brachte zwei Gefangene, während 'Ammar und ich keinen einzigen brachten."

In der Schlacht von Uhud blieb Sa'd beim Gesandten (s.a.s.) und stand vor ihm, um ihn zu schützen. Er kämpfte gegen den Feind. An jenem Tag betete Sa'd zu Allah (s.a.s.) um Hilfe und darum, seine Pfeile gegen Seine Feinde und die Seines Gesandten zu schmettern. Der Prophet (s.a.s.) stimmte in Sa'ds Gebet mit ein und bat Allah (s.w.t.) darum, Sa'ds Bitte anzunehmen. Als die Lage schlechter wurde, sagte der Prophet (s.a.s.): "Schieß deinen Pfeil, Sa'd, mein Liebling. Meine Mutter und mein Vater seien Dir geopfert."

'Ali (r) erzählte, dass der Gesandte (s.a.s) diese Worte zu niemandem außer Sa'd sagte. In der Schlacht von Uhud sah Sa'd (r.a.) einen der Ungläubigen, Malik ibn Zuhayr, der Muslime wild tötete. Sa'd beobachtete ihn sorgfältig, ergriff die Gelegenheit und erschoss ihn mit einem Pfeil.

Sa'd war einer der tapfersten Krieger unter den Muslimen. Mut und Weisheit waren seine deutlichsten Eigenschaften. In der Schlacht von Hunayn trug Sa'd die Fahne der Muhadjirun. Er blieb auch beim Propheten (s.a.s.), als einige der Muslime in Panik gerieten und vom Schlachtfeld flohen.

Sa'd begleitete Muhammad (s.a.s.) von der frühen Phase des Islam bis er (s.a.s.) sich von dieser Welt verabschiedete.

Zusätzlich zu seinem Mut war Sa'd auch ein guter Verwalter. Aus diesem Grund erwählte Abu Bakr (r.a.) ihn zum Befehlshaber von Hawazin. Die Leute von Hawazin hatten den Islam erst kürzlich angenommen, und ihr Islam war noch nicht fest. Sie hatten zusammen mit den Leuten von Ta'if in den Schlachten von Hunain und Ta'if gegen den Propheten (s.a.s.) gekämpft. Die Wahl zum Anführer in der Schlacht von Hawazin war auf Sa'd gefallen, weil Abu Bakr meinte, eine so schwierige Schlacht erfordere eine Person, die sowohl militärische als auch administrative Fähigkeiten verkörpere. Sa'd konnte mit beiden Eigenschaften aufwarten.

Die Rolle Sa'ds während des Kalifats von 'Umar ibn Al-Khattab (r.a.) währte lang und war sehr wichtig. Zur Anfangszeit von 'Umars Kalifat besiegten die Muslime das Byzantinische Reich. Zu dieser Zeit nahm die Macht des Persischen Reiches zu und es begann, eine Bedrohung für das Kalifat darzustellen. Die Muslime erkannten, dass ein Krieg gegen die Perser die einzige Lösung war, um deren Macht zu brechen. 'Umar ibn Al-Khattab (r.a.) wollte das Heer selbst anführen. Er schickte Gesandte an die Befehlshaber aller muslimischen Städte, um Männer und Waffen anzufordern.

Die Truppen kamen binnen kurzer Zeit mit all ihrer Ausrüstung in Medina an. 'Umar war drauf und dran, die Armee selbst zu führen, aber die Gefährten baten ihn, in Medina zu bleiben. Sie befürchteten, dass, wenn der Kalif der Muslime fällt, auch der Islamische Staat zusammenbrechen könnte. Ein anderer Feldherr sei jedoch ersetzbar, und würde die Armee geschlagen werden, so wäre es zwar ein Rückschlag, doch das Oberhaupt der Muslime sei noch erhalten und somit auch der Staat. Außerdem könnte er von Medina aus die Kriegslogistik und andere wichtige Dinge koordinieren.

'Umar nahm diesen Ratschlag an, denn der Krieg konnte lange dauern und viel Nachschub und Führung aus der Zentrale erfordern. 'Umar und der Rest der Gefährten fingen also an, sich darüber Gedanken zu machen, wer am besten für die Zuständigkeit der Leitung des Heeres geeignet war.

Eines Tages las 'Umar einen Brief von Sa'd ibn Abi Waqqas, in dem dieser ihm mitteilte, dass er eine Gruppe guter Krieger geschickt habe, wie der Kalif 'Umar es befohlen hatte. Während 'Umar noch den Brief las, riefen die Prophetengefährten, dass sie den Anführer gefunden hätten, der gesucht wurde. 'Umar fragte: "Wer ist dieser Mann?" Sie sagten ihm, dass es Sa'd ibn Abi Waqqas sei. Zusammen entschieden sie, dass Sa'd für diese Mission der beste wäre.

Sa'd gilt auch als ein guter Überlieferer; auf ihn gehen ungefähr 271 Ahadith zurück. Seine Kinder überlieferten Ahadith von 'Aischa (r.a.), 'Abdullah ibn 'Abbas, Sa'd ibn al Musayyab, Al-Ahnaf ibn Qays und anderen. Sa'd war sehr genau in seiner Berichterstattung.

'Abdullah ibn 'Umar hörte zum Beispiel einmal, dass Sa'd erzählte, wie der Prophet bei der Gebetswaschung mit der feuchten Hand über seinen Schuh wischte. Er fragte seinen Vater 'Umar ibn Al-Khattab (r.a.), ob dies stimmte. 'Umar sagte ihm, wenn er einen Hadith von Sa'd höre, müsse er an ihn glauben und brauche ihn nicht zu überprüfen.

Sa'd galt sogar seinerzeit unter den Gefährten des Propheten (s.a.s.) als eine prägnante islamische Persönlichkeit. Unter Muslimen also, die bereit waren, ihr Hab und Gut sowie ihr Leben für den Islam und seine Verbreitung zu opfern; unter Muslimen, deren Generation die edelste überhaupt war. Erst recht sollte Sa'd für uns eine nachahmungswürdige Persönlichkeit darstellen.