HISTORISCHES

- 20.09.2012

Die Schlacht von Uhud – eine Goldgrube der Erkenntnisse - Teil 1

Die Schlacht von Uhud – eine Goldgrube der Erkenntnisse -Teil 1

Der Muslim durchläuft im Leben viele unterschiedliche Stationen. Er wird kleinen und großen Prüfungen unterzogen, sodass die Stärke seines Imans erhöht wird. Deshalb ist es essentiell für ihn, die richtigen Formeln zu haben um unbeschadet das Leben zu bewältigen. Hierzu bedarf es der Prophetengeschichten, die Allah (s.w.t.) im Qur'an erwähnt. Denn die Propheten (a.s.) sind lebendige Beispiele für ein Allah gefälliges Leben auf Erden und für den Erfolg im Jenseits. Jedoch sticht für einen Muslim ein Gesandter besonders hervor, nämlich Muhammad (s.a.s) - das Siegel der Gesandtschaft. Folglich ist das Studium seiner Lebensgeschichte aus vielerlei Gründen verpflichtend für den Muslim:

1) Die Auseinandersetzung mit der Sirah (Lebensgeschichte) des Propheten (s.a.s.) steigert und festigt die Liebe zu ihm, und dies ist ihm gegenüber eine Pflicht. In einem Hadith heißt es: „Ihr seid nicht eher gläubig, bis ihr mich mehr liebt als alle Menschen". Dies hat einen starken Effekt auf die Handlungen und Ideen im Leben des Muslims.

2) Die Sirah ist ein Garant für die Wahrung der islamischen Identität. Doch aufgrund der intoleranten Ideologie des Westens, die gewaltsam versucht, ihr freiheitlich-säkulares Gedankengut in der gesamten Welt zu verbreiten, kommt es unweigerlich zu einem Kampf der Kulturen. Dies drückte Thomas Freedman, ein bekannter Schreiber der New York Times, folgendermaßen aus: „Damit die Globalisierung funktioniert, dürfen die Vereinigten Staaten nicht zögern, als die unbesiegbare Weltsupermacht zu agieren, die sie sind. Die unsichtbare Hand des Marktes funktioniert nicht ohne die sichtbare Faust. McDonalds kann nicht prosperieren ohne McDonnell Douglas, dem Fabrikanten der F-15 Kampfflieger." Anders ausgedrückt, vermögen diese Ideen weder das Glück noch den Frieden der Menschheit wiederherzustellen. Dennoch werden sie der Weltbevölkerung mit Gewalt aufgezwungen. Diese Anschauung versucht, jede andere Ideologie zu entwurzeln. So sagte Alexander Solschenizyn, ein russischer Geschichtsschreiber:" Um ein Volk zu vernichten, muss man vorher seine Wurzeln ausreißen." Gemäß diesen Worten lässt der Westen nichts unversucht, um den Islam – die einzige Ideologie, die sich dem Westen entgegenstellt - aus dem Bewusstsein der Muslime zu löschen; wenn nötig, mit roher Gewalt. Folglich ist es unerlässlich, die Sirah zu kennen um gegen die Feindseligkeiten des ungläubigen Westens gewappnet zu sein.

3) Ein elementares Merkmal der Sirah ist die Tatsache, dass sie eine methodische Vorgehensweise für den Aufstieg und die Implementierung des Islam aufzeigt. So werden die verschiedenen Etappen der Da'wa beschrieben. Von der ersten Phase im dato unislamischen Mekka bis hin zum ersten Islamischen Staat in Medina.

Auch das Potential an Mafaheem – an islamischen Lebensverständnissen -, die die Sira für den Muslim bereithält, ist erstaunlich. Die Mafaheem, die Allah (s.w.t) im Qur'an erwähnt, beispielsweise das Verständnis von Ajal (vorherbestimmte Lebensfrist) oder Sabr (Standhaftigkeit), wurden erst in den Schlachten des Propheten verfeinert. Folglich sind die Schlachten, die der Prophet (s.a.s.) geführt hat, eine Quelle an Erkenntnissen; so auch die Schlacht von Uhud, die in ihrer Art völlig einzigartig ist. In Uhud kam es nämlich zur einzigen Niederlage der Muslime unter dem Propheten (s.a.s), und bekanntlich sind die Lehren, die aus einer Niederlage gewonnen werden (können), sehr wertvoll.

In der Schlacht von Badr trugen die Muslime einen klaren Sieg davon und verdeutlichten dadurch ihr gewaltiges Potential. Folglich waren die Quraish – die bis dato unangefochtene Macht auf der arabischen Halbinsel – sehr darum bemüht, die Festigung und Expansion des Islam zu unterbinden. Sie warteten nur auf eine passende Gelegenheit um den Muslimen den Todesstoß zu versetzen - und diese Gelegenheit bekamen sie bei Uhud. Als öffentlich bekannt wurde, dass die Quraish ihre Armee formierten und für einen Angriff in Marsch setzten, hielt der Prophet (s.a.s) eine Shura (beratende Versammlung) mit seinen Gefährten ab, um das weitere Vorgehen der Muslime zu planen. Es gab zwei unterschiedliche Meinungen bezüglich der Wahl des Schlachtfeldes. Die Mehrheit war der Meinung, die Armee solle ausrücken und die Quraish in offenem Felde stellen. Hingegen waren einige Sahaba und der Prophet (s.a.s.) dafür, dass die Armee in Medina bleiben solle, um so die Stadt als eine Art Festung zu nutzen. Nach einigen Diskussionen willigte der Prophet (s.a.s) mit der Mehrheit ein. Später jedoch bereuten es jene Muslime, die für eine offene Feldschlacht waren, dass sie den Propheten gedrängt hatten. Sie gingen zu Hamzah (r.a.) und beschworen ihn zum Gesandten Allahs zu gehen und ihm nahezulegen, so vorgehen, wie er es für richtig hält. Der Prophet (s.a.s.) lehnte dies jedoch mit folgenden Worten ab: „Es ziemt sich nicht für einen Propheten, seine Rüstung abzulegen, wenn er sie einmal angelegt hat."

Hier tritt die markante Persönlichkeit des Gesandten Allahs zum Vorschein, und dies sollte ein lehrreiches Beispiel für jeden Amir dieser Ummah sein. Denn kein Mensch folgt einem unentschlossenen, launenhaften Führer. Nach dem Entschluss, ins offene Feld zu ziehen, erstellte der Gesandte einen Schlachtplan. Sodann brachen die Muslime auf, wobei rund ein Drittel der Männer um Abdullah ibn Ubay – dem Kopf der Heuchler – der Schlacht fernblieben; denn bekanntlich trennt der Jihad zwischen wahren Gläubigen und Heuchlern.

Die 700 Mann starke Armee wurde in drei Batallione unterteilt. Das erste Bataillon umfasste die Muhajirun, das zweite die Aus und das dritte die Khazraj. Bei der Betrachtung des Schlachtfeldes fiel dem Gesandten (s.a.s.) auf, dass es hinter den Reihen der Muslime auf dem Berg von Uhud eine ungeschützte Flanke gab. Um diese potentielle Schwachstelle zu beseitigen, wurden 50 Bogenschützen an der Flanke postiert. Die Anweisung war unmissverständlich. Sie sollten unter allen Umständen in ihrer Position verharren, solange sie kein Zeichen erhielten. Der Prophet (s.a.s.) hielt ein Schwert in die Luft und fragte die Sahaba, wer jenes Schwert an sich nehmen und seine Rechte erfüllen möge, indem er die Kuffar bekämpft, bis es sich verbiegt. Daraufhin ergriff Abu Dujana (r.a.) das Schwert und wütete in den Reihen der Götzenanbeter. Das Geschehen auf dem Schlachtfeld spitzte sich immer weiter zu, und den Kuffar drohte die zweite Niederlage nach der Schlacht von Badr, denn die Fahnenträger der Quraish ließen ihre Banner fallen und ergriffen die Flucht.

Im Eifer des Gefechtes waren die Gemüter mancher Muslime vernebelt. So verließen 40 Bogenschützen in der Euphorie des sicher geglaubten Sieges ihre Position, wobei sie die Anordnung ihres Befehlshabers Abdullah ibn Jubair, ihre Stellung beizubehalten, missachteten und auf das Schlachtfeld liefen um Kriegsbeute zu ergattern. Der geniale Krieger Khalid ibn al Walid, der damals noch nicht zum Islam konvertiert war und in den Reihen der Quraish kämpfte, erkannte die ungeschützte Flanke und fiel den Muslimen mit seiner Kavallerie in den Rücken. Die Armee der Muslime war nun beidseitig umgeben von Feinden. Diese Irritationen hatten zufolge, das viele edle Sahaba ihr Leben ließen und Allah (s.w.t.) folgende Verse über die Situation offenbarte: „Allah hat ja Sein Versprechen euch gegenüber gehalten, als ihr sie mit Seiner Erlaubnis vernichtetet, bis dass ihr den Mut verlort und über die Angelegenheit miteinander strittet und euch widersetztet, nachdem Er euch gezeigt hatte, was euch lieb ist. - Unter euch gibt es manche, die das Diesseits wollen; unter euch gibt es aber auch manche, die das Jenseits wollen." (3:152)

Mittlerweile waren um den Propheten herum nur noch zwölf Sahaba und die Reihen der Muslime brachen immer mehr in sich zusammen. Schließlich drangen die Quraish so weit vor, dass sie es vermochten, dem Gesandten Allahs (s.a.s.) mit einem Steinbrocken zu verwunden. Hierauf machten Gerüchte die Runde, der Gesandte Allahs sei in der Schlacht gefallen.

Als die Heuchler diese Gerüchte vernahmen, beschlossen sie, sofort zu Abdullah ibn Ubay zurückzukehren. Diese Reaktion macht deutlich, dass ihre Herzen von Angst erfasst wurden. Denn eine Schlacht verliert man erst dann, wenn die Herzen der Soldaten von Angst gefüllt sind und die innere Kapitulation des Herzens zu einer materiellen Niederlage führt. Hierin ist vor allem für den Da'wa-Träger eine große Lehre enthalten. Denn das Gebieten des Rechten und Anprangern des Unrechten mündet gelegentlich in heikle Situationen, in denen sogar das eigene Leben in Gefahr sein kann. Ist die Persönlichkeit des Da'wa-Trägers nicht stark genug und seine Mafaheem nicht gefestigt, wird er in dieser Situation womöglich einen Kompromiss eingehen und Allah und seinen Gesandten verraten. Möge Allah uns alle hiervor bewahren!

Als die Quraish dem Gesandten immer näher kamen, rief er die Sahaba dazu auf, ihn zu beschützen und versprach ihnen im Gegenzug die höchsten Stufen des Paradieses. Nun schlug die große Stunde der Ansar, der Helfer Allahs. Die Ansar postierten sich, einer nach dem anderen, vor den Propheten und fingen die Pfeile der Götzenanbeter mit ihrer bloßen Brust ab, sodass sieben der Ansar das Märtyrertum erlangten. Im weiteren Verlauf wurde der Prophet (s.a.s.) und sein engster Zirkel weiter auf den Berg von Uhud gedrängt, bis die Quraish keinen Sinn mehr darin sahen weiterzukämpfen und abzogen.