KOMMENTAR

- 03.02.2018

Von der AfD zum Islam

Die Presse stürzte sich auf diese Nachricht: Ein AfD-Politiker war zum Islam konvertiert, d. h. ein Mitglied jener Partei, die vor allem über ihren Islamhass definiert wird. Ihre feindliche Haltung zum Islam ist die erste Assoziation mit der AfD und ihr Markenzeichen. Dass nun mit Arthur Wagner, einem Funktionär der AfD, jemand aus den eigenen Reihen der Partei den islamischen Glauben annimmt, ließ die Öffentlichkeit staunen. Die AfD selbst gab sich scheinbar gleichgültig und hielt sich deutlich zurück. „Religion ist Privatsache. Wir stehen zur Religionsfreiheit des Grundgesetzes“, teilte ein Parteisprecher mit.

Für die meisten ist es unbegreiflich, dass ein Mensch, der sich in einem so islamfeindlichen Umfeld bewegt, den Islam annehmen kann. Hass und Propaganda gegen die Muslime kennzeichnen die Mitglieder der AfD. Bei allen Streitigkeiten innerhalb der Partei war zumindest die antiislamische Haltung ein gemeinsamer Nenner aller. Was den Islam angeht, waren sich die AfD-Mitglieder schon immer einig. Bei Arthur Wagner wird die Einstellung zum Islam in der Vergangenheit nicht anders gewesen sein. Das heißt aber nicht, dass der Übertritt zum Islam kategorisch ausgeschlossen ist und Wagner nur eine Ausnahme darstellt. So schockte der niederländische Politiker Arnoud van Doorn, ehemals Rechtspopulist sowie Freund und Anhänger von Geert Wilders, im Jahr 2013 die Öffentlichkeit, als er zum Islam konvertierte, war er doch zuvor ein eingefleischter Islamhasser.

Hass ist eine Emotion, die unbeständig ist und von äußeren Faktoren abhängt. So kann der Islamhass durch politischen Rechtspopulismus erzeugt und verstärkt werden. Genauso kann das islamfeindliche Klima durch Politik und Medien wieder abgeschwächt werden. Gerade die Islamfeindlichkeit in der Öffentlichkeit hängt von den jeweiligen politischen Interessen und Umständen ab und ist das eine Mal stärker, das andere Mal schwächer zu spüren. Zwar ist die Propaganda gegen den Islam zu verurteilen, aber sie hat auch zur Folge, dass der Islam präsent bleibt. Das führt dazu, dass sich der eine oder andere rational mit dem Islam auseinandersetzt und jemand wie Wagner dann doch die islamische Überzeugung annimmt. Die rationale, unvoreingenommene Auseinandersetzung mit dem Islam eliminiert jede irrationale Emotion.

In der islamischen Geschichte gibt es zahlreiche Beispiele von Menschen, deren Einstellung zum Islam und den Muslimen sich ins Gegenteil gekehrt hat. Ein berühmtes Beispiel ist das von ʿUmar ibn al-Ḫaṭṭāb (r), der sich auf den Weg machte, um den Propheten (s) zu töten. Als er auf dem Wege erfuhr, dass seine Schwester und sein Schwager den Islam angenommen hatten, wollte er zuerst sie zur Rede stellen und suchte sie auf. Er überraschte sie, während sie den Koran rezitierten, und kam so zum ersten Mal mit dem Wort Allahs in direkten Kontakt. Trotz seines Zorns war er in der Lage, sich rational mit dem Text auseinanderzusetzen. Als er die Verse vernahm, war er von der Erhabenheit und Schönheit ihrer Formulierung so beeindruckt, dass er den Islam an Ort und Stelle annahm. Sein Übertritt zum Islam bedeutete damals für die Muslime eine enorme Unterstützung, die ihnen Stärke verlieh und sie mit der Botschaft des Islam als geschlossener Block in die Öffentlichkeit treten ließ. Auch kennt man die Geschichte von Hind, die nach der Schlacht von Uḥud von der Leber Hamzas ibn ʿAbd al-Muṭṭalib (r) aß, der ein Onkel des Propheten (s) war und den sie in der Schlacht von Uḥud für ein Kopfgeld töten ließ. Kaum jemand hasste den Islam so sehr wie Hind, doch auch sie konvertierte letztendlich zum Islam. Die herbe Niederlage von Uḥud wurde den Muslimen vom Feldherrn Ḫālid ibn al-Walīd (r) zugefügt, der das Schwert gegen den Propheten (s) und die Muslime führte. In die Geschichte ging er jedoch als hervorragender islamischer Heerführer ein, nachdem auch er den Islam annahm und seine Fähigkeiten in den Dienst des Islam stellte.

Warum also sollte jemand von der AfD nicht zum Islam konvertieren? Die islamische Überzeugung ist keine Frage der Geburt, die nur jenen Menschen vorbehalten ist, deren Eltern Muslime sind. Es ist nicht der Zufall, der darüber entscheidet, ob man zum Islam findet, sondern die bewusste Entscheidung, die jeder Einzelne für sich persönlich trifft. Der Mensch hat bei geistiger Gesundheit stets das Potential, sich intellektuell zu entwickeln. Da das islamische Überzeugungsfundament ein rational nachvollziehbares ist, setzt der Islam einzig und allein den Verstand voraus, den auch AfD-Mitglieder besitzen. Grundsätzlich spricht der Islam alle Menschen an, denn im Koran heißt es immer wieder: Ihr Menschen …!

 

Um Ahmad