SHARIA

- 14.09.2012

Die Kleiderordnung der muslimischen Frau - Teil 2

Der Jilbab ist ein äußeres Kleidungsstück, welches den ganzen Körper bedeckt. Die Definition, Beschreibung und Beschaffenheit des Jilbabs kann der lexikalischen Definition des Begriffs "Jilbab" entnommen werden, beispielsweise arabischen Wörterbüchern.

Ibn Mazur: "Der Jilbab ist das äußere Kleid bzw. der Mantel oder Umhang. Es stammt vom Verb "tajallbaba" mit der Bedeutung "bekleiden" oder "einhüllen". Der Jilbab ist das äußere Gewand bzw. die Bedeckung, welche die Frau über den normalen Kleidern trägt um sich von Kopf bis Fuß zu bedecken. Es verhüllt somit den kompletten Körper."

Al-Fayruz Abadi: "Der Jilbab [...] ist das, was die Kleidung verbirgt - wie eine Abdeckung."

Zutreffende Beschreibungen findet man auch in Lexika nicht-islamischen Ursprungs, wie z. B. in einem Standardwerk des 19. Jahrhunderts, verfasst vom britischen Gelehrten und Lexikographen Edward William Lane (1801-1876):

Arabisch-englisches Lexikon: "Jilbab"[...] Etwas, das den ganzen Körper verdeckt und ein weiter Umhang für die Frauen, kürzer als die Milhafah (Laken); oder etwas, womit die Frau ihre anderen Kleidungsstücke bedeckt."

Eine weitere Beschreibung liefert das Oxford Wörterbuch des Islam, worin es heißt:

"Jilbab - allgemeiner Ausdruck für die äußere Bekleidung der Frauen (Tuch, Mantel, Umhang) in sesshaften arabischen Gemeinden vor und nach dem Aufstieg des Islam. Der Qur'an (33:59) schreibt muslimischen Frauen vor, sich zu bedecken, da es als ein Statussymbol und als eine Defensivmaßnahme gegen sexuelle Belästigungen an öffentlichen Orten fungiert."

Die Definition des Jilbab als ein äußeres Kleidungsstück ist auch textlich gestützt. In diesem Kontext sind die primären islamischen Gesetzestexte gemeint, die vom Gesetzgeber verpflichtend auferlegt wurden, sprich Qur'an und Sunna. So stellt es die folgende Aya der 24. Sura älteren Frauen zur Wahl, sich zu bedecken oder nicht:

(Was nun) die älteren Frauen (betrifft), die nicht mehr auf Heirat hoffen können, so trifft sie kein Vorwurf, wenn sie ihre Tücher ablegen, ohne ihre Zierde zur Schau zu stellen. Aber wenn sie sich dessen enthalten, ist das besser für sie. Und Allah ist Allhörend, Allwissend. ( Sura 24, Aya 60)

Jene Bedeckung, von der hier die Sprache ist, muss zwangsläufig ein äußeres Gewand sein. Denn mit der Kleidung, die abgelegt werden darf, kann unmöglich normale Kleidung gemeint sein, da die Frau ja sonst nackt wäre. Und deshalb haben auch die Gefährten des Propheten, wie Ibn Abbas und Ibn Masud, den Umhang auf den Jilbab bezogen, denn es ist das äußere Gewand, das von Frauen getragen wird. Beide galten als Experten der Qur'an-Deutung.

Maßgeblich ist auch, dass der Jilbab auch in der Sunna als äußeres Kleidungsstück beschrieben wird. Die obige Überlieferung von Umm Atiyya (Teil 1) ist klar in ihrer Indikation, dass der Jilbab ein äußerer Umhang ist. Grund dafür ist, dass der Prophet (s.a.s.) anwies, dass die Frau vor Verlassen des Hauses einen Jilbab anziehen soll - und falls sie keinen hat, soll sie sich von ihrer Schwester einen leihen. Die Tatsache, dass es ihr nicht gestattet ist ohne einen Jilbab hinauszugehen, weist auf die Funktion als äußeres Kleidungsstück auf.

Auch die Überlieferung von Umm Salama zeigt, dass es sich bei dem Jilbab um ein äußeres Kleidungsstück handelt. Es wird berichtet, dass sie den Propheten (s.a.s.) fragte: "Kann eine Frau beten, wenn sie ein langes Kleid und ein Kopftuch trägt, jedoch keinen Izhar (eine Form des Jilbabs)?" Er (s.a.s.) antwortete: "Falls das Kleid ausreichend lang ist und die Oberfläche ihrer Füße bedeckt." (Abu Dawud)

Die Tatsache, dass Umm Salamah danach fragt, ob ein langes Kleid und ein Kopftuch ausreichen würden, weist darauf hin, dass der Izhar bzw. der Jilbab über der normalen Alltagskleidung getragen wird.

Dies wird auch durch die Meinung der Gefährten unterstützt, die sagten, dass sich die Kleidung der Frau während des Gebets aus den drei oben genannten Teilen zusammensetzt. Das bedeutet, dass der Izhar über der normalen Kleidung getragen wird. So wird berichtet, dass Umar (r.a.) sagte: "Die Frau sollte mit drei Kleiderteilen beten - mit langem Kleid, Kopftuch und Jilbab (Izhar)." Es wird auch berichtet, dass sein Sohn Abdullah ibn Umar sagte: "Die Frau sollte mit einem langen Kleid, einem Kopftuch und einem Milhafa (Jilbab) beten."

In Übereinstimmung mit den oben genannten Berichten, vertritt auch Al-Shirazi die Meinung, dass der Jilbab ein äußeres Kleidungsstück darstellt: "Es ist empfohlen, dass wenn eine Frau betet, ihre Kleidung aus drei Teilen besteht: Ein Kopftuch, welches den Kopf und den Nacken verhüllt, ein Kleid, welches den Körper und die Füße verhüllt und eine Milhafa (Jilbab) um die normale Kleidung zu verdecken. Dies ist gemäß dem Bericht von Umar (r.a.): ‚Die Frau sollte mit folgenden drei Kleidungsstücken beten: Kleid, Kopftuch und Izhar (Jilbab).' Auch wird berichtet, dass Abdullah ibn Umar sagte: ‚Die Frau sollte beim Gebet ein Kleid, Kopftuch und Lihafah (Jilbab) tragen.' Zusätzlich wird empfohlen, dass ihr Jilbab weit genug sein sollte, damit die Form bestimmter Körperteile in Beugepositionen des Gebets nicht zu erkennen ist."

An-Nawawi (gest. 676 nach der Hijra), der Al-Shirazis Muhazzab kommentierte, erläutert die letztere Aussage und schreibt sie Imam Shafi'i (Gründer der shafiitischen Rechtschule) zu: "Diese Anordnung wurde von Ash-Shafi'i festgestellt und die anderen Gelehrten dieser Rechtsschule stimmten dem zu." Auch er vertritt die Meinung, dass der Jilbab "ein über der normalen Kleidung getragenes Kleidungsstück ist, d.h., ein äußeres Kleidungsstück" darstellt: "Diese Meinung ist korrekt, und es ist die Meinung von Ash-Shafi'i."

Ibn Hazm hält in Al-Muhalla fest: "In der arabischen Sprache des Propheten ist der Jilbab eine Oberbekleidung, welche den gesamten Körper bedeckt. Ein Kleidungsstück, welches unzureichend ist und nicht den gesamten Körper bedeckt, kann nicht als Jilbab bezeichnet werden."
Somit ist der Jilbab sowohl im Qur'an als auch in der Sunna klar als Übergewand bzw. äußeres Kleidungsstück definiert. Und genau diese Definition bzw. dieses Verständnis vertraten auch die Gefährten (r.a.), was von den Gelehrten lediglich bestätigt wird.