POLITISCHE F&As

- 06.04.2018

Die „Bewegung des Südjemen“ (al-ḥirāk al-ğanūbī) und die Frage nach ihrer Loyalität

Antwort auf eine Frage

Die „Bewegung des Südjemen“ (al-ḥirāk al-ğanūbī) und die Frage nach ihrer Loyalität

 

Frage:

Gilt die sogenannte „Bewegung des Südjemen“ (al-ḥirāk al-ğanūbī) noch als „amerikanisch“ oder ist die Loyalität dieses Rates an Großbritannien übergegangen, da die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) in Stellvertretung Großbritanniens den Rat vereinnahmt haben, wodurch sich diese Bewegung der Gefolgschaft Großbritanniens angeschlossen hat? Anders gefragt: Sind die USA darin gescheitert, „die Bewegung des Südjemen“ zu halten und war es Großbritannien gelungen, diese über die Vereinigten Arabischen Emirate an sich zu binden? Oder agiert diese Bewegung weiterhin loyal zu den USA, während es den VAE aufgrund der starken Armeepräsenz in Aden lediglich möglich war, einen gewissen Einfluss auszuüben, ohne dass die (ganze) Bewegung gleich zu einem Vasall Großbritanniens geworden ist?

 

Antwort:

1. Als die Briten realisierten, dass die USA zu Beginn der Neunzigerjahre die Loyalität von Ali Salim al-Baidh und Ali Nasir Muhammad sowohl über den direkten als auch über den indirekten Weg (über Ägypten und Saudi-Arabien in der Fahd-Ära) gewinnen konnten, waren sie überaus besorgt. Denn es waren die Briten selbst, die über ihre Vasallen die südjemenitische Unabhängigkeitsbewegung, die sogenannte „Front for the Liberation of South Yemen“, gründeten und diese am 20.11.1967 zu Verhandlungen nach Genf einluden. Einige Tage später, am 30.11.1967, wurde der Südjemen von Großbritannien in die Unabhängigkeit entlassen. Nachdem die britischen Truppen das Land verlassen hatten und al-Baidh mit britischer Unterstützung Präsident des Südjemen wurde, betrachtete Großbritannien den Seitenwechsel al-Baidhs als einen Vertrauensbruch. Aus diesem Grunde beschlossen die Briten die Entmachtung beider Männer, zumal sie die Mittel dazu hatten. Denn Großbritanniens Mann Ali Abdallah Saleh verfügte im Nordjemen über eine nicht zu unterschätzende Macht, mit der gerechnet werden musste. 1994 kam es daher zwischen den Truppen des Nord- und des Südjemen nach gerade einmal vier Jahren einer Wiedervereinigung zu kriegerischen Auseinandersetzungen. Nachdem diese mit einer Niederlage der „südlichen“ Militäreinheiten endeten, traten Ali Salem al-Baidh und Nasir Muhammad die Flucht an und verschwanden eine Weile von der Bildfläche.

Im Südjemen kam es danach zu jahrelangen Repressionen und Verfolgungen durch Salehs Regierung, die sich gegen Militärangehörige richteten, bis sich im weiteren Verlauf entlassene Soldaten zu einer Vereinigung zusammenschlossen, deren Forderungen mit den Repressionen, den Diskriminierungen und Rechten, die ihnen vorenthalten wurden, zu tun hatten. Mit den anhaltenden Ungerechtigkeiten gegen sie entwickelten sich separatistische Tendenzen innerhalb älterer Veteranen, die in dieser Vereinigung involviert waren. Diese wandelte sich zu einer Brutstätte für Sezessionisten. Es bildete sich die Keimzelle einer Separatistengruppe, deren Aktivitäten zur Entstehung der heute als „al-ḥirāk al-ğanūbī“ bekannten Bewegung führten (wörtlich: „Bewegung des Südens“), die sich im Jahr 2007 offiziell deklarierte. Daneben existieren weitere Bewegungen, die allerdings weniger bedeutend und von geringerer Effektivität waren, daher werden wir auf sie nicht eingehen.

 

2. Die USA nutzten diese Situation, um ein Standbein im Süden des Jemen zu bekommen, so, wie sie dank der vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen bereits ein Standbein im Norden bekommen konnten. Im Kontext der internationalen Auseinandersetzung hat sich der ḥirāk des Südens von einer Bewegung, deren Forderung das Ende der Ungerechtigkeiten war, zu einem neuen Werkzeug der USA gewandelt, um im Jemen, dessen Regierung als pro-britisch galt, intervenieren zu können. Großmächte nutzen stets innenpolitische Konflikte und bestehende Spannungen in kleinen Staaten aus, um sich ihr Einflussgebiet zu schaffen. In den Neunzigerjahren, und zwar nach dem Bürgerkrieg von 1994, unternahmen die USA Versuche, über die Geheimdienste des saudischen Königs Fahd zu den südjemenitischen Militärangehörigen Verbindungen aufzubauen. Salim al-Baidh zählte zwar in jener Zeit zu Amerikas Gefolgsleuten, doch seine damalige Abgeschiedenheit und sein Aufruf zu bewaffneten Aktionen gegen die Regierung von Saleh aus seinem Exil heraus ließen die Amerikaner zögern, auf ihn als alleinigen Erfolgsgaranten zu setzen. Sie hielten daher nach jemandem Ausschau, der mit markanter politischer Arbeit fähig ist, einen südjemenitischen Block zu bilden, dessen Zweck es sein sollte, die Saleh-Regierung effektiv und stark unter Druck zu setzen. Mit dem oppositionellen Aktivisten Hasan Baoum wurden die USA fündig. Er setzte sich aktiv für eine Sezession des Südjemen ein. Schon früh bereiste er die Städte und suchte vor allem die Stämme auf mit dem Appell, ihn in seiner Forderung nach einer Abspaltung vom Norden zu unterstützen. Das alles war das Resultat des Leids und der Marginalisierung, denen die südjemenitische Bevölkerung ausgesetzt war. Baoum erhoffte sich, mit seinen zahlreichen Aktionen eine stärkere öffentliche Meinung für seine Forderungen zu erzeugen. Er wählte dabei den friedlichen Weg und lehnte gewaltsame Aktionen ab. Es blieb auch nicht verborgen, dass die separatistischen Aktivitäten Hasan Baoums ein Echo und oftmals eine Dynamik in den südlichen Regionen auslösten, wo sich die Idee tief verankern konnte, dass deren Marginalisierung eine systematische Politik (des Nordens) darstelle. Von da an war Baoum Verhaftungen und Repressionen seitens der Regierung in Sanaa ausgesetzt. In den Jahren 2007 und 2008 wurde er mehrmals inhaftiert, verbrachte mehr als ein Jahr im Gefängnis und ein weiteres Mal im Jahr 2010. 2011 kam er nach zwei Monaten frei, bevor er im selben Jahr abermals verhaftet wurde. Der Separatist Baoum stieg mit der Zeit durch intensive Aktivitäten, durch die Involvierung ehemaliger Militärs sowie der Stämme und anderer Aktivisten, die gegen die Zentralregierung in Sanaa agitierten, zur großen Symbolfigur des al-ḥirāk al-ğanūbī auf. Auch lag es daran, dass er die sezessionistischen Forderungen vertiefte und ausformulierte. Und es lag nicht zuletzt an seinen Verbindungen zu den USA und an der Unterstützung durch den Iran. Eilige Schritte waren typisch für ihn. Er gründete den Obersten Rat der Südbewegung, dessen Vorsitz er übernahm. „Der Oberste Rat der friedlichen Bewegung zur Befreiung des Südens repräsentiert die Hauptfraktion der Südbewegung, in die ebenfalls andere Fraktionen mit eingebunden sind wie das Oberste Nationale Komitee zur Unabhängigkeit des Südens, der Oberste Nationale Rat zur Befreiung und Wiederherstellung des Südjemen, der Demokratische Zusammenschluss des Südens und die Union der Jungen (Shabab) und Studenten des Südens. Die Provinz Ḍāliʿ gilt als aktivste und brisanteste Region des ḥirāk.“ (Al-Jazeera.net, 03.03.2011) Einige Nachrichtenseiten, wie die Website „Huna Aden“ (13.09.2016), bezeichneten Baoum ganz offen als iranischen Agenten. Bei der Bewegung des al-ḥirāk al-ğanūbī unter Baoums Führung, die hauptsächlich vom Problem der Marginalisierung lebt, handelt es sich also um eine politische Bewegung, die bereits früh in das Geflecht amerikanischer Unterstützung geriet. Sie entwickelte sich zu einem Nukleus, über den die USA auch über den Süden zum Jemen vordringen konnten. Die Bewegungen, Aktionen und Streiks, die vom ḥirāk mit der Stadt Ḍāliʿ als Hochburg getragen wurden (obgleich Baoum selbst aus Mukalla, also der Provinz Hadramaut stammt), können als eine Art Übungsmaßnahmen für die politische Arbeit dieser Gruppe angesehen werden. Die Zentralregierung in Sanaa sah in dieser Bewegung zunächst keine wirkliche Gefahr, denn die Aktionen, die hervorstachen, waren politischer Natur. Man begnügte sich damit, Symbolfiguren wie Hasan Baoum, Ahmad bin Farid, Ali al-Gharib und Ali Munasir für gewisse Zeit zu inhaftieren und dann wieder freizulassen.

 

3. Amerikas Männer innerhalb des ḥirāk waren vom sezessionistischen Gedanken beseelt, der sich zu einer Art Ideologie entwickelt hatte, an der sie eisern festhielten. Andere, die sich im Fahrwasser des ḥirāk - der ja vom Problem der Marginalisierung des Südens lebt - mittreiben ließen, waren zu einem Teil lokale Aktivisten. Der Rest unterlag dem Einfluss der Briten und ihrer Getreuen im Lande. Ihr Standpunkt war ambivalent und wechselte oft zwischen der Idee der Einheit und der des Separatismus. Sezession war für sie keine Sache der Ideologie. Genau davon profitierte die Zentralregierung in Sanaa, um die sezessionistische Idee aufzuweichen, die zum Pol der amerikanischen Gefolgsleute geworden war. Zu diesem Zweck infiltrierte die Saleh-Regierung die Separatisten-Gruppe mit einer Handvoll eigener Männer. Als echte Gefahr stufte die Regierung in Sanaa, wie gesagt, sie dann doch nicht ein. Doch Ali Abdallah Saleh und seinen britischen Hintermännern wurde bewusst, dass die Bewegung eine nachhaltige Resonanz hatte und die Gefahr, die von ihr ausging, zu wachsen begann, zumal sich die Männer Amerikas an vorderster Front des ḥirāk befanden. Der Staat fing nun an - und mit ihm die Briten und ihre Getreuen in der Region -, sich entschiedener der Vereinnahmung des ḥirāk zu widmen, insbesondere da dieser unter dem zunehmenden Gefühl der Marginalisierung mehr und mehr auf Abspaltung beharrte. Der „britische“ Plan der Vereinnahmung entwickelte sich, einhergehend mit der Entwicklung des ḥirāk, von ernsthaften Versuchen der Infiltrierung hin zu Repressalien, die sich nicht nur auf Verhaftungen beschränkten, sondern auch den Einsatz von Gewalt beinhalteten. Das setzte sich so fort, bis die Arabischen Emirate mit Bodentruppen jemenitisches Land betraten, wobei sie den Umstand ausnutzten, Teil der arabischen Militärallianz zu sein. Einen harten Schlag mussten sie jedoch mit der Ermordung Ali Abdallah Salehs hinnehmen. Denn für die Briten bedeutete es, im Norden hegemonial schwach dazustehen. Sie befürchteten leer auszugehen, sollte es den Huthi-Rebellen gelingen, sich im Norden hegemonial auszubreiten. Die Briten setzten sich nunmehr ernsthaft damit auseinander, im Süden des Jemen eine Macht aufzubauen, damit sie ein Druckmittel in der Hinterhand haben, um bei der Kontrolle des Jemen mitreden zu können. Wenn es schon nicht im gesamten Jemen gelingen sollte, so zumindest im Süden. Nun ging Großbritannien mit ernsten Überlegungen daran, den Einfluss im Süden zu vertiefen, besonders weil man sich auf al-Hadi nicht mehr komplett verlassen konnte. Er galt als von Saudi-Arabien vereinnahmt. Die Briten nahmen sich der Sache über den Weg der Vereinigten Arabischen Emirate an. Zusätzlich begaben sich die Truppen des von Huthi-Rebellen ermordeten ehemaligen Machthabers Ali Abdallah Saleh erneut in den Süden, um sich den Streitkräften der Vereinigten Arabischen Emirate im Kampf gegen die Huthis anzuschließen. Eine jemenitische Regierungsquelle versicherte, dass „Tarik Saleh, ein Neffe Ali Salehs, sich in Aden unter dem Schutz von Streitkräften der Vereinigten Arabischen Emirate aufhalte.“ Die Vereinigten Arabischen Emirate, so heißt es aus Diplomatenkreisen, unternähmen große Anstrengungen, um die gegen Salehs Sohn Ahmad verhängten Sanktionen aufheben zu lassen, damit er in Zukunft eine politische Rolle spielen könne. (Nas Times al-Yamani, 05.02.2018). Der Oberbefehlshaber der Truppen des südjemenitischen Übergangsrates Aidarous al-Zubaidi erklärte: „Wir werden Tarik Saleh unterstützen und uns sowohl im Norden als auch im gesamten Territorium auf seine Seite stellen, bis Sanaa vollständig befreit ist.“ (France 24, 30.01.2018) Das bedeutet, dass die Briten im Südjemen ihr Spiel treiben und ihren Einfluss über ihre Gefolgsmänner aus der Saleh-Verwandtschaft stärken, die in der Republikanischen Garde und in der Partei „Allgemeiner Volkskongress“ eine relevante Rolle spielen. Die Truppen der Separatisten erhielten Rückendeckung von den Vereinigten Arabischen Emiraten, insbesondere da diese mit Luft- und Bodentruppen beteiligt waren, während sich die Teilnahme Saudi-Arabiens auf Luftangriffe beschränkte.

 

4. Großbritannien begann (über die Vereinigten Arabischen Emirate) im Süden des Landes aktiv zu werden, um den eigentlichen ḥirāk entweder zu infiltrieren oder aber durch die Schaffung eines neuen „ḥirāk“ zu verdrängen, der dann dessen Terrain einnimmt. Den Anfang machten die Vereinigten Arabischen Emirate im Lager von Ali Salim al-Baidh, wenngleich die Briten wussten, wie sehr sich gerade die Amerikaner um Ali Salim al-Baidh und Ali Nasir bemühten. Zu diesen Bemühungen gehörte das Angebot iranischer Unterstützung. Dazu zählten auch die Hilfestellung aus Ägypten, das 2014 das Treffen des al-ḥirāk al-ğanūbī in Kairo unter der Führung von Ali Nasir Muhammad möglich machte, und die Hilfe des Libanon, der Ali Salim al-Baidh einen Zufluchtsort und eine mediale Plattform zur Verfügung stellte. Letztere wurde ihm in Oman verwehrt, nachdem er dort 1994 Asyl gefunden hatte. Mit Beginn der saudischen Militäroffensive „Sturm der Entschlossenheit“ im Jahr 2014 zog er nach Riad, das ihn finanziell großzügig bedachte.

Wie erwähnt, unternahmen die Vereinigten Arabischen Emirate dennoch den Versuch, Einfluss auf den Baidh-Nasir-Flügel zu nehmen. Warum man gerade mit diesem Lager begann, hat zwei Gründe: zum einen, weil er den gewaltsamen Weg beschreitet, zum anderen seine Loyalität zu den Briten in der Vergangenheit. Die Briten selbst steckten hinter der Entstehung seiner „National Liberation Front in South Yemen“, und sie waren es auch, die dafür sorgten, dass al-Baidh die Macht im Südjemen übergeben wurde. Mit ihrem jetzigen Vorgehen wollten sie in ihm die Erinnerung an diese Ära wachrufen, ihn dahin zurückversetzen und ihm diese Zeit wieder näher bringen. Deshalb nahmen sie sich seiner an und waren gütig zu ihm.

Nachdem es mit der Operation der arabischen Militärallianz losging, ließ man al-Baidh von Saudi-Arabien in die Vereinigten Arabischen Emirate ziehen, wo er seinen derzeitigen Aufenthalt in Abu Dhabi hat, obwohl al-Baidh bis dahin in US-treuen Gefilden unterwegs war. So hielt er sich im Libanon insgesamt ca. zwei Jahre auf (2012 und 2013), unterstützt vom Iran und geschützt von der Hisbollah, dem libanesischen Arm des Iran. Anschließend verlegte er seinen Wohnort nach Saudi-Arabien, wo die Vereinigten Arabischen Emirate als Teil der Militärkoalition dessen Vertrauen gewannen. Sie stellten ihm eine Residenz in Abu Dhabi zur Verfügung und umgaben ihn mit einem Nimbus an Respekt und Hochachtung. Allerdings war al-Baidh in Sachen Loyalität für seine Sprunghaftigkeit bekannt. Als er noch den Südjemen regierte, stand er loyal zu Großbritannien. Zu Beginn der Neunzigerjahre allerdings gelang es den Amerikanern, ihn abzuwerben. Während er sich innerhalb der pro-amerikanischen Länder bewegte, blieb er ein Mann Amerikas. In den Vereinigten Arabischen Emiraten versucht man nun seine Loyalität zurückzugewinnen. Und es ist nicht ausgeschlossen, dass er anschließend erneut die Flagge wechselt. Sollte es dann dazu kommen, wären Spannungen zwischen ihm und den Vereinigten Arabischen Emiraten vorprogrammiert. Derzeit jedenfalls fühlt er sich eher dem Übergangsrat zugeneigt, über den er sich lobend aussprach. Denn al-Baidh, Ex-Vizepräsident des Jemen, gab seinen Segen dazu und begrüßte den Appell, eine „politische Entität im Süden“ zu errichten. Das tat er einen Tag, nachdem drei Gouverneure aus dem Südjemen der Bildung eines solchen Staatswesens zustimmten, zu dem wiederum Aidarous al-Zubaidi, der Gouverneur von Aden, aufgerufen hatte. Al-Baidh versicherte in einer Stellungnahme, deren Kopie al-Arabi al-Jadid vorliegt, dass er diesen Vorstoß „mit allem, was möglich ist“, begrüße. Er hielt die unterschiedlichen politischen Kräfte des Südjemen und unabhängige Persönlichkeiten dazu an, „positiv mit diesem Vorstoß zu interagieren und aus dem Modus des Abwartens und der Gleichgültigkeit herauszutreten und sich nicht auf eine nächste Etappe zu verlassen“. Dieses Statement al-Baidhs erfolgte nur einen Tag, nachdem drei Gouverneure sich hinter diesen Aufruf stellten. Es handelte sich um al-Khidr al-Sa´idi, den Gouverneur von Abyan, Nasir al-Khabji, den Gouverneur von Laḥğ, und Fadl al-Ja´di, den Gouverneur von Ḍāliʿ, die sich allesamt hinter die Forderung des Gouverneurs von Aden Aidarous al-Zubaidi nach Bildung einer „südjemenitischen Entität“ stellten. (al-Arabi al-Jadid, 16.09.2016) In der Sache ist er ähnlich eingestellt wie sein Kollege Ali Nasser Muhammad: Den einen Tag war dieser ein Befürworter der Sezession des Südjemen, den anderen für eine geeinte Regierung im Jemen, jedoch unter eigenen Bedingungen. Auf eine an ihn gerichtete Frage, wie denn die Lösung im Jemen aussehen könnte, antwortete er am 04.10.2017 (also noch vor dem Bruch Salehs mit den Huthis Ende 2017): „Die Bildung einer nationalen Einheits- und Konsensregierung; Ausschluss aller Elemente von jedweden offiziellen Posten in der Übergangszeit, die von beiden Seiten ursächlich für den Krieg verantwortlich sind, also sowohl seitens der Huthis als auch seitens der Hadi-Regierung; die Entwaffnung aller Fraktionen und Parteien und die Übergabe der Waffen an das Verteidigungsministerium. Denn der Jemen braucht einen einzigen Präsidenten, eine einzige Regierung und einen einzigen Verteidigungsminister. Und er bedarf des Ganges zu den Wahlurnen in der nächsten Etappe.“ (Al-Ahram al-Arabi, 04.10.2017) Das alles zeigt deutlich: Den Briten ist es gelungen, über den Weg der Vereinigten Arabischen Emirate zu beiden Männern und zu deren Flügel auf einflussreicher Ebene vorzudringen. Denn beide fassen Sezession nicht als etwas unveränderlich Ideologisches auf, wie es der ḥirāk ğanūbī in seinen Ursprüngen tat, sondern als etwas, das sie von äußeren Faktoren abhängig machen.

 

5. Der Flügel Hasan Baoums hingegen war politisch-ideologisch durch und durch sezessionistisch. Den Briten war bewusst, dass Gefälligkeitslösungen, Verlockungen oder Bevormundung keinen Sinn gehabt hätten. Und so versuchten sie ihn in Oman über den verwundenen, informellen Weg in Schach zu halten, indem er ohne offiziellen Gerichtsbeschluss unter Hausarrest gestellt wurde. Da sich nämlich der Oman nach außen hin neutral zeigte, hatte Baoum dort Zuflucht gesucht - als ob er nicht wusste, dass der Oman dem britischen Kurs nach einer ihm vorgezeichneten Rolle folgt. Mittels seiner Vasallen in Oman legte Großbritannien Hasan Baoum, als er in der omanischen Stadt Salala lange Zeit unter Hausarrest stand, die Fesseln immer enger an.

Durch die lange Abwesenheit gerade jener Person aus dem ḥirāk ğanūbī, die die Amerikaner favorisierten, standen die pro-amerikanischen Fraktionen im ḥirāk bis zu einem gewissen Grad schwach da. Diese Chance nutzten nun wiederum die Briten. Die Vereinigten Arabischen Emirate (d. h. die Briten) konzentrierten ihre Bemühungen darauf, eine südjemenitische Parallelbewegung zu schaffen, die den Baoum-Flügel in der Südjemenfrage abhängen sollte. Mit Aidarous al-Zubaidi rückten sie ihrem Ziel näher. Er gehört zu den prominenten Führungsfiguren aus dem ḥirāk und ist Gründer der separatistischen Selbstbestimmungsbewegung HATM, die seit 1996 besteht. Aufgrund seiner Nähe zur britischen Clique ernannte Präsident al-Hadi ihn einige Monate nach Beginn von „Sturm der Entschlossenheit“ (März 2015) zum Gouverneur von Aden, was stark darauf hinweist, dass er bei den britischen Vasallen großes Vertrauen genießt. In Aden zollte man al-Zubaidi großen Respekt, da er (aus Sicht der Bewohner) einen guten Job als Gouverneur machte: Er sorgte für Elektrizität, vertrieb bewaffnete Milizen, ging gegen die Huthis vor und wies die Vorschläge des amerikanischen UN-Sondergesandten Ould Cheikh zurück. Das alles spielte sich mit offener, direkter finanzieller und militärischer Rückendeckung der Vereinigten Arabischen Emirate ab. Al-Zubaidi hatte sich zudem als Kämpfer im Bürgerkrieg von 1994 einen Namen gemacht und war früh als Führungsfigur in der Unabhängigkeitsbewegung involviert. Vom Saleh-Regime in Sanaa wurde er seit seiner Flucht nach Djibouti 1994 verfolgt. Neben seinen Erfolgen in seiner Eigenschaft als Gouverneur von Aden und seinem Kampf gegen die Huthi-Rebellen kam ihm seine Herkunft aus der Region Ḍāliʿ, Zentrum und Hochburg der Südbewegung, zugute. Der Fokus im Südjemen richtete sich daher besonders auf ihn als respektierte politische Figur, die Hasan Baoum die historische Führung des ḥirāk streitig machen konnte. Militärisch stützt sich al-Zubaidi auf Hani bin Braik, Gründer der sogenannten „Brigaden des Südgürtels“ und gemeinhin als Gefolgsmann der Vereinigten Arabischen Emirate im Südjemen bekannt: Hani bin Braik hat sich auf dem jemenitischen Feld als Kämpfer gegen die Huthis hervorgetan und fungierte auf politischer Bühne als ein durch die Hand der Vereinigten Arabischen Emirate eingesetzter Minister – ein Einfluss, den er mit großzügiger Unterstützung Abu Dhabis verwirklichen konnte. Er gründete die sogenannten „Kräfte des Schutzgürtels“, eine offen von den Vereinigten Arabischen Emiraten geförderte Miliz im Südjemen. (Sasat Post, 02.11.2017) Demnach hatten al-Zubaidi und Braik einen gewissen Status im Südjemen erlangt. Allerdings saßen sie in der al-Hadi-Regierung, deren Loyalität unverkennbar den Briten galt, was ihnen keine Popularität für ihre Kampagne im ḥirāk ğanūbī verschafft. Der erste Schritt war daher, sie aus der Regierung al-Hadis zu entfernen, und zwar möglichst so, dass beide, vor allem aber al-Zubaidi, als erklärte Gegner des Hadi-Lagers in Erscheinung treten. Von da an sollten sich die Südjemeniten um sie scharen, damit sich auf diese Weise ein neuer „ḥirāk“ formiert. Und in der Tat ist es so gekommen.

 

6. Am 27.04.2017 erließ der jemenitische Staatschef ein Dekret, al-Zubaidi, den Gouverneur von Aden, und den Staatsminister Hani bin Braik abzusetzen, wobei gegen Letzteren Ermittlungen eingeleitet wurden. Tausende Jemeniten gingen daraufhin in Aden / Südjemen aus Protest gegen die Beschlüsse al-Hadis auf die Straße. Einige Fraktionen aus dem ḥirāk gaben am 04.05.2017 in der „Deklaration von Aden“ bekannt, dass sie al-Zubaidi dazu ermächtigt hätten, einen Block zu bilden und anzuführen, welcher die Verwaltung und die Repräsentierung des Südjemen übernehmen solle, um die Ziele und Bestrebungen des Südens zu realisieren. Daneben wurde er dazu autorisiert, alle nötigen Maßnahmen zu ergreifen, die zur Erfüllung der in der Deklaration gelisteten Punkte notwendig sind. Am 11.05.2017, genau eine Woche nach der Beauftragung al-Zubaidis, eine politische Führungsriege zu bilden, um den Süden zu verwalten und zu repräsentieren, verkündete al-Zubaidi in Aden, dass er die Führung des „Southern Transitional Council“ (STC – Südlicher Übergangsrat) übernommen habe mit Braik als seinen Stellvertreter. 26 Personen wurden zudem als Mitglieder bekanntgegeben. Und im Sinne einer taktischen Draufgabe gegenüber Baoum war während seiner diesbezüglichen Rede die frühere Flagge des Südjemen neben ihm platziert. In einer am Donnerstag gehaltenen Fernsehansprache erklärte al-Zubaidi, während die alte Flagge des Südjemen neben ihm aufgestellt war, dass im Einklang mit der „historischen Aden-Deklaration“ eine „Oberste politische Führung im Süden“ gegründet worden sei, die „Südlicher Übergangsrat“ (STC) heißen solle. Zudem ergänzte er, dass Hani bin Braik stellvertretender Chef des Rates sein werde zusätzlich zu weiteren 26 Mitgliedern. Er machte klar, dass der STC es übernehmen werde, die Maßnahmen der Gründung der Komitees des Übergangsrates zu vervollständigen. Er werde den Süden nach innen wie nach außen verwalten und repräsentieren. (CNN arabi, 11.05.2017) Damit haben al-Zubaidi und Braik und im Hintergrund die Vereinigten Arabischen Emirate (bzw. die Briten) die Befugnis übernommen, die komplette Führung des Südens aufzustellen. Die Gouverneure der Provinzen werden ohnehin vom jemenitischen Präsidenten ernannt, entstammen also der jemenitischen Briten-Clique. Auch die übrigen Führungsmitglieder des Übergangsrates sind Befürworter al-Zubaidis. Ihm gelang es sogar, Männer aus dem Baoum-Lager für den Übergangsrat zu gewinnen, wie al-Saidi und Nasir al-Khabji, wenn auch nur temporär. Sollte dann die Wahrheit ans Licht kommen, würden sie austreten oder zum Austritt gezwungen werden. Darüber hinaus könnte es eine Möglichkeit sein, sie abzuwerben. So wurde Nasir al-Khabji schon früh, auch angesichts der erzwungenen „Abwesenheit Baoums vom politischen Parkett“, zu einem Unterstützer al-Zubaidis.

Der Übergangsrat unter al-Zubaidi hatte einen entscheidenden Teil der Kontrolle über Aden in die Hand bekommen. Er verfügt zudem in weiteren südjemenitischen Provinzen über eine relativ hohe Zahl an bewaffneten Kräften unter der Führung Braiks – sogar in Ma´rib. Die Gouverneure der Provinzen scharten sich um al-Zubaidi als Führer. Selbst der Segen der sozialistischen Veteranen des ehemaligen „Südjemen“, wie Ali Salim al-Baidh, der sich schon früh auf Seiten al-Zubaidis positionierte, war ihm sicher. Auch Tariq al-Fadhli mit seinem islamisch gefärbten Flügel, der zudem unter den Stämmen von Abyan einen guten Stand hat, erklärte seine Unterstützung für al-Zubaidi. Und schließlich standen ihm die Vereinigten Arabischen Emirate finanziell, politisch und militärisch zur Seite. Mit all dem haben die Briten das Thema al-ḥirāk al-ğanūbī in einer Konstellation um ihren Vasallen al-Zubaidi herum zu einem hohen Maß entschieden. Sollten sich die politischen Verhältnisse so fortsetzen, besonders mit dieser gewaltigen Präsenz der Vereinigten Arabischen Emirate im Süden, wird die Kontrolle voraussichtlich weiter in ihrer Hand bleiben.

 

7. Was die USA betrifft, ist ihnen ihr verspätetes Eingreifen bewusst geworden. Ihre Besorgnis kam nach außen zum Tragen. Das zeigte sich an der ablehnenden Haltung ihres Sondergesandten gegenüber dem Übergangsrat: Der UN-Sondergesandte für den Jemen Ould Cheikh richtete sich nach Angaben einer gut informierten Quelle an den abgesetzten Gouverneur Adens Aidarous al-Zubaidi mit einer klaren Drohbotschaft vor dem Hintergrund der angekündigten Bildung eines Übergangsrates zur Abspaltung des Südens. Al-Mashad al-Yamani erfuhr aus gut unterrichteter Quelle, dass Ould Cheikh bei einem Treffen mit al-Zubaidi diesem gegenüber eine klare Drohung aussprach, sollte er auf den angekündigten Übergangsrat beharren, der sowohl vom jemenitischen Präsidialamt als auch vom Golfkooperationsrat, von den Huthi-Rebellen und von vielen aus dem Inneren des ḥirāk abgelehnt wird. Im Falle, dass al-Zubaidi daran festhalte, würden die Vereinten Nationen und der Sicherheitsrat ihn auf die Liste jener setzen, die den Friedensprozess im Jemen behindern, und den in Abschnitt 7 angeführten Beschluss der Resolution 2216 zur Anwendung bringen. Man würde sie wie die Huthis und Ali Abdallah Saleh als „Rebellen“ behandeln. (Russia Today, 14.05.2017) Es scheint, dass die USA die Situation wiedergutmachen wollten. So übten sie auf Oman Druck aus, damit Baoum freigelassen wird. Nachdem der gegen ihn verhängte Hausarrest aufgehoben wurde, begann er, aktiv gegen den Übergangsrat, der von den Vereinigten Arabischen Emiraten gestützt wird, vorzugehen. Hier trat das anglo-amerikanische Ringen um den Jemen prominent in Erscheinung. So war offensichtlich, dass Baoums Aktivitäten deutlich von saudischer Seite unterstützt wurden. Denn die erste Konferenz des Revolutionsrates unter Baoums Leitung in Aden am 17.08.2017 wurde in Sicht- und Hörweite der Saudis abgehalten. Sechshundert seiner Anhänger waren anwesend. Dort bezichtigte Baoum die Vereinigten Arabischen Emirate, den Südjemen zu okkupieren. In der Erklärung der Konferenz heißt es: Wir lehnen es kategorisch ab, dass der Eifer unseres südjemenitischen Volkes ausgenutzt wird, indem Lügen verbreitet werden und das Volk emotional beeinflusst wird, um ihm seine Zustimmung abzuringen und sodann den Volkswillen bezüglich des Südens in eine konträre Richtung zu lenken. Wir versichern, dass der Führer Hasan Baoum, Präsident des Obersten Rates der Revolutionsbewegung, als Führer und Symbol des Südens betrachtet wird, mit dem wir uns rühmen und auf den wir stolz sind. Heute findet im Süden ein erbitterter Machtkampf ausländischer Mächte statt, darunter die Vereinigten Arabischen Emirate, die die Zugänge zum Meer im Südjemen und die Bodenschätze an sich gerissen haben und nun über das Schicksal und die Visionen unseres Volkes bestimmen. Danach kommen sie und lassen einer Handvoll ihrer Getreuen ein paar armselige Brotkrumen übrig. (Aden al-Ghad, 17.08.2017) Das bedeutet, das Baoum-Lager hat den Vereinigten Arabischen Emiraten offen die Feindschaft erklärt und fordert sie auf, den Jemen zu verlassen. Die Baoum-Konferenz bezeichnete das Zubaidi-Lager als „Getreue der Vereinigten Arabischen Emirate, die diesen ein paar Brotkrumen übriglassen.“

Am 11.11.2017 fand eine zweite Konferenz des Baoum-Lagers statt. In der Abschiedserklärung der zweiten Konferenz des Revolutionsrates, die al-Arabi al-Jadid vorliegt, heißt es: Wir rufen die Staaten der sogenannten arabischen Allianz zu einem direkten Dialog auf Augenhöhe mit dem Obersten Rat des ḥirāk auf, nachdem sie all ihre Streitkräfte aus unseren Territorien abgezogen haben, wobei wir die gesellschaftlichen und religiösen Bindungen, die zwischen uns bestehen, respektieren werden. Der unter Baoum geführte Rat bezeichnete die Koalition als „Besatzungsmächte“ und führte weiter aus: Wir beharren auf unser vollständiges Recht, mit allen legitimen Mitteln und Wegen zu gegebener Zeit und an passendem Ort und gemäß unserer nationalen Interessen der Okkupation zu begegnen. In der Erklärung wird nachdrücklich betont, dass jedwede Verhandlung oder Lösung, die die Frage des Südjemen oder dessen legitimen Repräsentanten ausschließt, keinen Erfolg haben wird. Denn die legitimen Repräsentanten sind es, die den ḥirāk vom ersten Tag an geführt haben, und nicht diejenigen, die durch Zufall entstanden sind bzw. durch Geld erschaffen oder vom fremden Besatzer geklont wurden. (al-Arabi al-Jadid, 11.11.2017) Auch wenn in der Erklärung von arabischer Allianz die Rede ist, richtet sie sich hauptsächlich gegen die Vereinigten Arabischen Emirate, denn die Konferenz wurde unter saudischer Schirmherrschaft abgehalten.

 

8. Fazit: Nach der Niederlage von Ali Salim al-Baidh und Ali Nasir Muhammad 1994 und nachdem Ali Saleh die Macht im Südjemen übernommen hatte und die Südjemeniten marginalisierte sowie repressiv gegen viele Militärangehörige im Süden vorging, lagen darin Gründe dafür, dass seit jener Zeit bis heute zahlreiche Oppositionsbewegungen entstanden sind. Drei stechen besonders hervor:

- Der ḥirāk-Flügel von Ali Salim al-Baidh: Das eine Mal ist er mit den USA und deren Vasallen, das andere Mal mit Großbritannien und den britischen Vasallen.

- Der ḥirāk-Flügel von Hasan Baoum: Er wird von den USA und ihren Vasallen unterstützt, besonders vom Iran.

- Der ḥirāk-Flügel von al-Zubaidi: Er wird von den Briten und deren Vasallen unterstützt, besonders von den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Wie oben erwähnt, haben wir das Augenmerk auf die wichtigsten Positionen der derzeitigen Ereignisse im Jemen gelegt. Es schmerzt, dass die ungläubigen Kolonialmächte mit unseren Angelegenheiten herumspielen und sich dabei rostiger Mittel bedienen: Vasallen aus unseren Reihen. Unser Blut sowohl im Jemen als auch außerhalb des Jemen wird im Interesse der Ungläubigen sinnlos mithilfe lokaler Handlanger vergossen. Diese haben Dinge vergessen oder tun so, als hätten sie diese vergessen. Dächten sie darüber nach, vergössen sie ein Meer von Tränen über das, was sie verbrochen haben:

So hat Allah definitiv verboten, sich als Muslim den ungerechten Ungläubigen hinzugeben:

﴿وَلَا تَرْكَنُوا إِلَى الَّذِينَ ظَلَمُوا فَتَمَسَّكُمُ النَّارُ وَمَا لَكُمْ مِنْ دُونِ اللَّهِ مِنْ أَوْلِيَاءَ ثُمَّ لَا تُنْصَرُونَ﴾

Und sucht nicht eine Stütze bei denen, die Unrecht tun, sonst berührt euch das Höllenfeuer; ihr habt außer Allah keine Schutzherren, auch wird euch dann keine Hilfe zuteil. (11:113)

Und der Gesandte Allahs (s) sagte über zu Unrecht vergossenes Blut, es sei für Allah gewaltiger als der Untergang der Welt. At-Tirmiḏī berichtet in geschlossener Kette von ʿAbdullāh ibn ʿAmr, dass der Prophet (s) sprach:

«لَزَوَالُ الدُّنْيَا أَهْوَنُ عَلَى اللَّهِ مِنْ قَتْلِ رَجُلٍ مُسْلِمٍ»

Wahrlich, der Untergang der Welt ist für Allah geringfügiger als das Töten eines Muslims.

Auch bei ibn ʿAsākir in seinem Hadith-Werk tradiert. Er stufte den Hadith als ḥasan ein. Wie verhält es sich erst dann, wenn das Blut im Interesse der ungläubigen Kolonialmächte vergeudet wird?! Gewiss stellt dies ein mehrfaches Verbrechen dar!

﴿سَيُصِيبُ الَّذِينَ أَجْرَمُوا صَغَارٌ عِنْدَ اللَّهِ وَعَذَابٌ شَدِيدٌ بِمَا كَانُوا يَمْكُرُونَ﴾

Diejenigen, die Übeltaten begehen, wird bei Allah Erniedrigung treffen und eine strenge Strafe dafür, dass sie Ränke zu schmieden pflegten. (6:124)

Dennoch beherbergt der Jemen, den der Gesandte als Land der Weisheit und des Iman umschrieb, gläubige, ehrliche, aufrichtige Männer. Sie werden jene aufhalten, die sich den ungläubigen Kolonialisten hingaben. Mit Allahs Erlaubnis werden sie den Jemen erneut in eine Stätte des Islam verwandeln, als Teil des rechtgeleiteten Kalifats unter dem Banner des Islam stehend. Dadurch wird der Jemen seine Würde zurückerlangen; er wird sein, wie es der Gesandte Allahs (s) in einem Hadith beschrieb:

«أَتَاكُمْ أَهْلُ الْيَمَنِ هُمْ أَرَقُّ أَفْئِدَةً وَأَلْيَنُ قُلُوبًا الْإِيمَانُ يَمَانٍ وَالْحِكْمَةُ يَمَانِيَةٌ»

Das Volk des Jemen ist zu euch gekommen. Es sind jene mit dem sanftesten Gemüt und dem weichsten Herzen. Der Glaube ist unter den Jemeniten zu finden, so, wie die Weisheit unter den Jemeniten zu finden ist.

 

8. Ğumādā l-Āḫira 1439 n. H.

24.02.2018