KOMMENTAR

- 24.04.2018

Nichts als Profit

Die Existenz der Dritten Welt ist eine Folge des Kapitalismus, der, da Völker ihre Reichtümer nicht freiwillig herausgeben, mit kolonialistischer Methode vorgeht. Jeder weiß, dass die Ursache für Hunger und Armut in den Ländern der Dritten Welt im kapitalistischen System begründet liegt, das nur funktioniert, wenn sich der kleinere Teil der Weltbevölkerung auf Kosten der anderen bereichert, um ein Leben der Wohlstandsmaximierung führen zu können. Wer das Glück hat, nicht zur Dritten Welt zu gehören, sollte sich aber nicht allzu sehr in Sicherheit wiegen. Der Kapitalismus schlägt aus allem und jedem Profit, wann und wo immer es möglich ist. Nur geschieht es in den westlichen Industriestaaten unauffälliger und moderater als in der Dritten Welt. Aber auch da leiden die Menschen unter dem Kapitalismus, ohne jedoch die Ursache realisieren zu können. Der Mensch hat grundsätzlich und unabhängig von seiner Herkunft keinen Wert im kapitalistischen System, auch wenn es, oberflächlich gesehen, so scheint, als gäbe es Unterschiede unter den Menschen. Die einzige Differenz besteht in den Rahmenbedingungen, die den Grad der Ausbeutung der Menschen festlegen. Deshalb versucht der Kapitalismus die für ihn günstigsten Rahmenbedingungen zu schaffen, wie etwa die Errichtung von Diktaturen in den Ländern der Dritten Welt, weil dort am meisten zu holen ist.

Der Blick auf einen Bereich wie das Gesundheitssystem in einem reichen Land wie Deutschland, der eigentlich frei von Profit und Nutzen sein und nur das Wohlergehen des Menschen im Fokus haben sollte, lässt erkennen, dass der Kapitalismus keine Gelegenheit auslässt und der Mensch ihm grundsätzlich gleichgültig ist. Das kapitalistische System macht ihn zum Freiwild wirtschaftlicher Interessen und liefert ihn auch oder gerade in seinem hilfsbedürftigen Zustand der Profitgier anderer aus. Letztendlich spielt es überhaupt keine Rolle, ob ein kranker Mensch gesund wird, solange seine Krankheit profitabel ist. Gesundheit steht allenfalls an letzter Stelle, weil auch das Gesundheitssystem kapitalistisch ausgerichtet ist. Selbst da schafft der Kapitalismus die entsprechenden Rahmenbedingungen, um nicht nur mit kranken Menschen Gewinn zu machen, sondern um den Gewinn zu steigern.

Aus kapitalistischer Sicht ist Krankheit kein zu bekämpfender Zustand, sondern ein lukratives Geschäft. Dass die Pharmaindustrie nur an Profit interessiert ist und sich allein daran orientiert, streitet niemand ab. Heilung steht nicht im Mittelpunkt, sondern der Verkauf von Medikamenten – selbst wenn sie keine Wirkung haben – zu einem möglichst hohen Preis. Aber auch bei Ärzten ist die Heilung von Menschen in den Hintergrund gerückt, weil das kapitalistische System den Arzt in die Rolle eines Kapitalisten gezwungen hat, der genötigt ist, seinen Beruf nach Kriterien des Profits auszuüben.

Am Beispiel von Krankenhäusern zeigt sich besonders deutlich, dass der Mensch im kapitalistischen System keinen Wert hat, auch nicht in einem westlichen Industrieland wie Deutschland. Es geht hier aber weniger darum, Missstände in deutschen Krankenhäusern oder eine fehlerhafte Gesundheitspolitik anzuprangern. Vielmehr muss reflektiert werden, dass es vor dem Hintergrund des kapitalistischen Systems nie ein für den Menschen adäquates Gesundheitssystem geben kann, weil es zwangsläufig auf der kapitalistischen Idee aufbaut, die den Profit zum alleinigen Maßstab erhebt. Das gilt im Übrigen nicht nur für das Gesundheitssystem, sondern für alle Bereiche. Man braucht die Menschen im Grunde nur in dem Maße gesund zu halten, dass die Wirtschaft keinen Schaden nimmt.

An deutschen Krankenhäusern sieht es so aus, dass jeder Patient als Fall abgerechnet wird. Das Krankenhaus erhält also eine sogenannte Fallpauschale, und zwar unabhängig von der Aufenthaltsdauer im Krankenhaus. Jeder Patient ist somit kein Mensch, der im Krankenhaus genesen soll, sondern ein Fall, den man schnellstmöglich wieder loswerden möchte, um Platz zu schaffen für den nächsten Fall, für den man eine Pauschale bekommt. Je schneller also ein Krankenhaus einen Fall entlässt, desto gewinnbringender ist das. Das bedeutet aber nicht, dass alle Patienten gleichwertige Fälle darstellen. Denn für manche Behandlungen und Operationen gibt es mehr Geld als für andere, so dass Ärzte oftmals nach wirtschaftlichen Aspekten entscheiden bzw. entscheiden müssen. Die Durchführung einer Operation hängt also nicht von der medizinischen Notwendigkeit ab, sondern davon, wie profitabel sie für das Krankenhaus ist. Krankenhäuser picken sich auf diese Weise profitable Patienten heraus und lehnen weniger lukrative Patienten ab. Darüber hinaus werden die Gesundheit und das Wohl der Menschen aufs Spiel gesetzt, indem ihnen unnötige Operationen aufgeschwatzt werden, weil sie wirtschaftlichen Gewinn bedeuten. Völlig unnötige Operationen sind daher nicht das Ergebnis ärztlicher Inkompetenz, sondern wirtschaftlicher Interessen. Ärzte und Krankenhäuser leugnen nicht einmal diesen profitorientierten Umgang mit den Patienten. Der gesundheitliche Schaden von Menschen wird wissentlich in Kauf genommen. Schuld daran ist aber nicht das einzelne Individuum, sondern der kapitalistische Staat, der die gesetzlichen Rahmenbedingungen hierzu geschaffen hat, weil er die Angelegenheiten der Menschen nach rein kapitalistischen Kriterien wahrnimmt.

Der Kapitalismus schröpft die Menschen in den westlichen Industriestaaten genau wie die Menschen in anderen Teilen der Welt, denn es liegt in der Natur dieser Ideologie. Dass es auch anders geht, führt der Islam vor. Er schützt den Menschen vor jeglicher Profitgier. Dabei geht es nicht um einen Vergleich zwischen dem kapitalistischen und dem islamischen Gesundheitssystem, das ausschließlich die Genesung des Menschen im Fokus hat. Es geht vielmehr darum, dass der Kapitalismus den Menschen in allen Bereichen dem Profit und Nutzen preisgibt, während der Islam den Menschen vollständig davor schützt, ausgebeutet zu werden. Selbst im islamischen Wirtschaftssystem geht es nicht um die Frage nach Profit, sondern um den Menschen und die Gewährleistung seiner Primär- und Sekundärbedürfnisse. Das Wohl der Menschen definiert der Islam nicht über ein Bruttoinlandsprodukt, das nichts darüber aussagt, ob es den Menschen in der Realität tatsächlich gut geht. Ein gutes Bruttoinlandsprodukt kann trotzdem bedeuten, dass die Mehrheit der Bevölkerung arm ist. Der Islam legt vielmehr wert darauf, dass die Grundversorgung eines jeden Individuums gesichert ist und jeder darüber hinaus die Möglichkeit erhält, weitere Bedürfnisse zu befriedigen und seinen Wohlstand zu steigern, jedoch nicht auf Kosten anderer. Profit hat im Islam keinerlei Relevanz – in keinem Bereich.

 

(Autor: Um Ahmad)