POLITISCHE F&As

- 29.04.2018

Die Wahrheit hinter den jüngsten US-Luftschlägen auf Syrien

Antwort auf eine Frage

Die Wahrheit hinter den jüngsten US-Luftschlägen auf Syrien

 

Frage:

In unserer Veröffentlichung vom 11.04.2018 zum Dreiergipfel zwischen Putin, Rohani und Erdogan hieß es, dass das Trio in Syrien Interessen der USA umsetze, um dort das säkulare Regime unter US-amerikanischer Hegemonie zu festigen. Putin agiert in Syrien somit in Absprache und im Dienste der USA. Wie also ist der amerikanische Luftschlag der vergangenen Nacht auf Syrien zu erklären, wenn Putin militärische Stützpunkte in Tartus und Hamaimim betreibt? Wie kann es sein, dass er im Einvernehmen mit den USA handelt, seine Streitkräfte in Syrien aber gleichzeitig von diesen angegriffen werden? Um was für eine Allianz handelt es sich, die zwischen Amerika, Großbritannien und Frankreich trotz der verschiedenen Interessen, die unter ihnen bestehen, geschlossen wurde? Wir bitten darum, diesen Sachverhalt zu verdeutlichen. Möge Allah es dir mit dem Besten vergelten. Entschuldige diese eilig gestellte Frage.

 

Antwort:

1. Zunächst möchten wir einige Punkte, die in der Frage angesprochen werden, richtigstellen. Die USA haben keine Schläge auf russische Ziele in Syrien ausgeführt. Das wird aus dem Statement, das am Morgen des 14.04.2018 vom russischen Verteidigungsministerium kam, deutlich. Die USA haben vielmehr das Umfeld vor den Toren russischer Stützpunkte angegriffen. Obwohl es gerade die Russen sind, die sich als Herren über Land und Leute in Syrien gebärden und so tun, als hätten sie das Zepter in der Hand, kam von ihnen nur ein Schweigen.

2. Der US-Schlag stellt mehr eine Disziplinierung Russlands dar denn eine Vergeltung für den syrischen Giftgasangriff. Zwar wurden am frühen Morgen ca. zehn Stellungen getroffen, doch seien laut einiger Militärexperten, die in den Medien die Luftschläge kommentierten, nur wenige Chemiewaffenlager oder Forschungseinrichtungen darunter gewesen, sondern mehrheitlich militärische Ziele.

3. Warum ist nun von einer Disziplinierung Russlands die Rede? Trotz der Dienste, die Russland im amerikanischen Interesse in Syrien ausführt, verfielen die Russen in eine Art Selbstüberschätzung. Sie versuchten aus ihren Aktivitäten in Syrien zu profitieren und sich als Hauptakteur in Syrien aufzuplustern, wodurch sie die ihnen zugewiesenen Kompetenzen überschritten, welche darin bestehen, so zu agieren, dass die Vormachtstellung der USA in Syrien gefestigt bleibt, ohne selbst den Platz der USA einzunehmen. Der Schlag in der Nähe russischer Stellungen sollte das Mark Russlands treffen und Russland in seine Schranken weisen. Überschreitet Russland also seine Grenzen, indem es aus seiner ihm zugewiesenen Aufgabe in Syrien zu profitieren versucht und sich als mächtiger und einflussreicher Akteur aufbläst, stellen sich die Amerikaner Russland mit aller Macht in den Weg und demütigen es zudem. So brachte es Russlands Botschafter in Washington in einem Statement zum Ausdruck, als er den US-Angriff als eine persönliche Beleidigung Präsident Putins bezeichnete und nicht nur Russlands.

4. Warum war der Luftschlag als Demütigung Russlands gedacht und weniger als Angriff auf Ziele in Syrien? Der Rummel, den Trump vor dem Luftangriff veranstaltete, ging über mehrere Tage. Die Botschaft, die implizit an das syrische Regime gerichtet war, lautete, seine Stützpunkte zu evakuieren. Die Verluste waren daher fast ausschließlich materieller Natur, obwohl über hundert Raketen abgefeuert wurden. Die Reaktionen des Regimes waren altbekannt und, wie gewohnt, eine Selbstdemütigung. Genau das ist das Schicksal eines Vasallen. Es schert den Herrn nicht im Geringsten, seinen Vasallen zu schlagen, wenn seine Interessen es erfordern. Die Geschichte spricht Bände davon. Außerdem taten die USA Ähnliches schon im letzten Jahr als Reaktion auf die Ereignisse von Khan Shaikhun. Dem Vasallen ist so etwas also nicht fremd, vielmehr ist er darauf „abgerichtet“. Er feiert die Schläge sogar noch als „Sieg“. Doch die Auswirkung, auf die man sein Augenmerk richten sollte, betrifft Russland, das einen Großteil seiner Kriegsschiffe abzog sowie in Erwartung eines Angriffs einige seiner Standorte evakuierte und die Flucht antrat. Obwohl die Raketen in der Nähe russischer Stellungen einschlugen und die Russen sich aufspielen, als hätten sie in Syrien das Sagen, brachten sie ihre Luftabwehr nicht zum Einsatz, wie das russische Verteidigungsministerium am heutigen Mittag erklärte.

5. In einer Erklärung von heute Morgen wurde seitens eines russischen Offiziellen angekündigt, die Angelegenheit vor den UN-Sicherheitsrat zu bringen. Tatsächlich wurde daraufhin eine Sondersitzung des Sicherheitsrates für 15 Uhr (GMT) einberufen. Mit anderen Worten: Russland agierte so, wie schwache Staaten zu agieren pflegen. Das einzige Mittel und die alleinige Lösung, einer Aggression etwas entgegenzusetzen, sehen sie darin, sich beim UN-Sicherheitsrat zu beschweren. Auch wenn russische Stellungen nicht direkt getroffen wurden, handelte es sich faktisch um einen feindlichen Angriff auf Russland, weil es sich in Syrien mit dem Gebaren einer Großmacht wie zu Sowjetzeiten verhält. Der Schlag sollte demnach, wie schon erwähnt, Russland wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholen. Von russischer Seite wagte man nicht, auch nur einen einzigen militärischen Gegenschlag zu tun. Auf diese Weise offenbart sich die Dimension politischer Dummheit, die Russland an den Tag legt. Die Russen wenden unaufhörlich die größten Anstrengungen in Syrien auf, ohne jedoch das Geringste entscheiden zu können, da alles in US-Hand liegt. Ihre Lektion aus den vielen Jahren in Ägypten scheinen sie nicht gelernt zu haben. Mit einem einzigen Federstrich hatte Anwar al-Sadat sie damals aus dem Land geworfen. Denn die dortige Hegemonie gehörte den Amerikanern, was die Russen jedoch nicht begriffen hatten. Gleiches wiederholt sich nun in Syrien, wo sie die schlimmsten Gräueltaten aus Hass gegen den Islam und die Muslime begehen – und das für die Interessen Dritter. Die Massaker jedoch, die Russland verübt und hinter denen die USA stecken, werden im Gedächtnis der Muslime eingebrannt bleiben. Das Blatt wird sich irgendwann wenden; wenn nicht heute, dann morgen!

6. Was die Frage nach der Allianz zwischen den USA, Großbritannien und Frankreich betrifft, so handelt es sich, präzise betrachtet, nicht um eine Allianz aus ebenbürtigen Staaten. Es ist eine Koalition von Gnaden der USA, wie sie im Irak und bereits auch in Syrien geschlossen wurde, als internationale Koalition unter dem Vorwand der Terrorismusbekämpfung. Die USA erteilten damals Großbritannien und Frankreich die Erlaubnis, an der Koalition teilzuhaben. Diesen Sachverhalt haben wir in früheren Veröffentlichungen detailliert dargelegt.

7. Es schmerzt, dass die einflussreichen Staaten der Welt in unseren Ländern nach Belieben schalten und walten können und deren Geschicke über die Köpfe der Bevölkerung hinweg bestimmen können. Wir dagegen haben keinen Staat, der uns eint und uns unsere würdevolle Größe zurückgibt. Denn sonst hätten die USA in Theorie und Praxis realisiert, dass sie etwa für das Betreten des Mittelmeeres „Gebühren“ zahlen mussten, die vom Gouverneur des osmanischen Staates in Algerien eingetrieben wurden. Auch hätte Frankreich erkannt, dass es den Beistand des Kalifen der Muslime Sulaiman al-Qanuni gesucht hatte, um seinen König zu befreien, der in Gefangenschaft geraten war. Begriffen hätte auch Großbritannien, wie es Entschuldigungen an den Botschafter des osmanischen Staates in London sendete, als ein Theaterschreiber den Propheten (s) beleidigte. Und wann trug sich das zu? Als der osmanische Staat in seinem schwächsten Zustand war, so dass er sich mit einer Entschuldigung zufriedengab. Andernfalls wäre die Reaktion gewiss heftiger ausgefallen.

Jeder Muslim, bei dem noch Blut in den Adern fließt, sollte nach Kräften mit Hizb-ut-Tahrir zusammenarbeiten, um die Herrschaft mit dem Gesetz Allahs wiederherzustellen, durch die Gründung des rechtgeleiteten Kalifats nach dem Plane des Prophetentums. Hernach werden der Islam und die Muslime zu Größe gelangen, der Unglaube und die Ungläubigen Erniedrigung finden.

﴿وَيَوْمَئِذٍ يَفْرَحُ الْمُؤْمِنُونَ * بِنَصْرِ اللَّهِ يَنْصُرُ مَنْ يَشَاءُ وَهُوَ الْعَزِيزُ الرَّحِيمُ

An jenem Tag werden die Gläubigen sich freuen über Allahs Hilfe. Er hilft, wem Er will, und Er ist der Allmächtige, der Barmherzige.“ (30:4-5)

 

27. Rağab 1439 n. H.

14.04.2018 n. Chr.