KONZEPTION

- 21.05.2018

Ramadan - der Monat des Qur'an

﴿يَا أَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا كُتِبَ عَلَيْكُمُ الصِّيَامُ كَمَا كُتِبَ عَلَى الَّذِينَ مِن قَبْلِكُمْ لَعَلَّكُمْ تَتَّقُونَ

O ihr, die ihr glaubt! Das Fasten ist euch vorgeschrieben, so wie es denen vorgeschrieben war, die vor euch waren. Vielleicht werdet ihr (Allah) fürchten. (2:183)

Der Monat des Ramadan, den Allah (t) zum Fastenmonat auserkoren hat, ist angebrochen. Allah (t) hat diesen Monat allen anderen vorgezogen, indem Er (t) ihn zum Monat der Gnade und Andacht für alle Gläubigen gewählt hat. Wahrlich stellt der Ramadan den höchsten aller Monate dar, denn Allah (t) hat in ihm Seine letzte Offenbarung - den Qur'an - herabgesandt.

In diesem Monat lesen wir den Qur'an jeden Tag und rezitieren ihn während des Tarawih sehr lang. Doch verstehen und praktizieren wir den Qur'an auch? Die Frau des Gesandten (s), Aisha (ra.), beschrieb den Charakter des Propheten (s) als wandelnden Qur'an. Spiegelt sich auch in unserer Persönlichkeit die Botschaft des Qur'an wider? Setzen wir ihn in unserem Leben um? Sind wir uns seiner Bedeutung bewusst?

Allah, der Erhabene, sagt:

﴿لَوْ أَنزَلْنَا هَٰذَا الْقُرْآنَ عَلَىٰ جَبَلٍ لَّرَأَيْتَهُ خَاشِعًا مُّتَصَدِّعًا مِّنْ خَشْيَةِ اللَّهِ ۚ وَتِلْكَ الْأَمْثَالُ نَضْرِبُهَا لِلنَّاسِ لَعَلَّهُمْ يَتَفَكَّرُونَ

Wenn Wir diesen Qurʾān (als Offenbarung) auf einen Berg hinabsendeten, würdest du ihn wahrlich aus Furcht vor Allah demütig werden und sich spalten sehen. Diese Gleichnisse prägen Wir den Menschen, auf daß sie nachdenken mögen. (59:21)

Allah (t) teilt der Menschheit mit, dass wenn Er (t) den Qur'an auf einen mächtigen Berg herabgesandt hätte, der Berg aus Furcht vor Allah, dem Erhabenen, zerbröckeln würde. Sind wir aber mit unseren kleinlichen, schwachen Körpern voller Demut vor dem Qur'an, der auf uns und nicht auf einen Berg herabgesandt wurde? Leben wir nach den Ge- und Verboten, die Allah (t) mit dem Qur'an - Seiner letzten Offenbarung - auf uns herabgesandt hat?

Mit Allahs (t) Willen werden wir in diesem Monat fasten, doch werden wir noch lange genug leben, um den nächsten Ramadan zu bezeugen? Wird dies unsere letzte Gelegenheit sein, die Gnade Allahs (t) in diesem Monat zu erfahren? Wir sollten unsere Taten und unser Benehmen kontrollieren, um uns auf den Tag, an dem wir Allah (t) begegnen, vorzubereiten. Jeder einzelne von uns wird völlig allein vor Allah (t) stehen. Weder die Eltern können uns schützen, noch unser Vermögen uns retten. Allah (t) sagt:

﴿يَوْمَ يَفِرُّ الْمَرْءُ مِنْ أَخِيهِ وَأُمِّهِ وَأَبِيهِ وَصَاحِبَتِهِ وَبَنِيهِ لِكُلِّ امْرِئٍ مِّنْهُمْ يَوْمَئِذٍ شَأْنٌ يُغْنِيه

Am Tag, da der Mensch flieht vor seinem Bruder und seiner Mutter und seinem Vater und seiner Gefährtin und seinen Söhnen – jedermann von ihnen wird an jenem Tag eine Angelegenheit haben, die ihn beschäftigt. (80:34-37)

An diesem Tag zählen nur unsere Taten. Lasst uns also das vergangene Jahr Revue passieren lassen und darüber nachdenken. Lasst uns über die Handlungen nachdenken, die wir richtig gemacht haben und sie fortwähren lassen, und über die Handlungen, die wir falsch gemacht haben, auf dass wir von ihnen ablassen und Allah (t) um Vergebung bitten. Der Prophet (s) sagte:

«إِذَا دَخَلَ رَمَضَانُ فُتِّحَتْ أَبْوَابُ الْجَنَّةِ، وَغُلِّقَتْ أَبْوَابُ جَهَنَّمَ، وَسُلْسِلَتِ الشَّيَاطِينُ»

Wenn der Monat Ramadan beginnt, öffnen sich die Tore des Paradieses und schließen sich die Pforten der Hölle und werden die Teufel gefesselt. (Bukhari & Muslim)

Basierend auf diesem Hadith sagen die Gelehrten, dass das Paradies seine Tore buchstäblich öffnet, die Hölle ihre Tore schließt und die Shayatin in Ketten gelegt sind. Demnach müssen wir nur unsere inneren Neigungen (Nafs) überwinden.

Lasst uns diese Gelegenheit, in der die Shayatin gefesselt sind, nutzen, um unsere Nafs zu besiegen und den Islam in allen Bereichen unseres Lebens zu implementieren. Sei es in der Moschee oder in der Schule, zuhause oder auf der Arbeit, ob wir ein Haus kaufen oder ein Auto verkaufen. Wir müssen den Islam allumfassend in unserem Leben umsetzen.

Der Ramadan stellt auch eine gute Gelegenheit dar, unser islamisches Wissen zu erweitern und unser Bewusstsein für die islamische Kultur zu vertiefen. Je mehr wir den Islam spürbar wahrnehmen, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass wir unser Leben nach ihm richten. Allah (t) sagt:

﴿وَمِنَ النَّاسِ وَالدَّوَابِّ وَالْأَنْعَامِ مُخْتَلِفٌ أَلْوَانُهُ كَذَٰلِكَ ۗ إِنَّمَا يَخْشَى اللَّهَ مِنْ عِبَادِهِ الْعُلَمَاءُ ۗ إِنَّ اللَّهَ عَزِيزٌ غَفُورٌ

Und unter den Menschen und den Tieren und dem Vieh gibt es (auf ähnliche Weise) unterschiedliche Farben. So ist es. Allah fürchten von Seinen Dienern eben nur die Wissenden. Gewiß, Allah ist Allmächtig und Allvergebend. (35:28)

Im Monat des Ramadan hat der Prophet (s) jede Nacht zusammen mit dem Engel Gabriel (Jibril) den Qur'an studiert. Al-Bukhari und Muslim überlieferten, dass Ibn 'Abbas (Möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: „Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden auf ihm, war der Großzügigste unter allen Menschen, und den Höhepunkt seiner Großzügigkeit erreichte er im Ramadan, wenn ihm Gabriel (Jibril) begegnete. Diese Begegnung mit ihm fand in jeder Ramadan-Nacht statt, denn Gabriel (Jibril) pflegte ihn zu jener Zeit im Koran zu unterweisen. Wahrlich, der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden auf ihm, war mit dem Hergeben von guten Dingen schneller als der unhaltbare Wind.“

Des Weiteren überlieferte Al-Bayhaqi, dass Aisha (Möge Allah mit ihr zufrieden sein) sagte: „Wenn der Monat Ramadan begann, befreite der Prophet alle Kriegsgefangenen und erfüllte jeder Person, die ihn um etwas bat, ihren Wunsch.“

Lasst uns also in diesem gesegneten Monat nach Wissen streben, indem wir die Bedeutung der Verse (Ayat) des edlen Qur'an studieren. Lasst uns vom Leben des Propheten (s) und seinen Gefährten lesen. Wie sie gelebt haben und wie sie ihre Leben opferten, um Allahs (t) Wort zum Höchsten zu machen. Erinnern wir uns an Musab ibn Umayr, den Gefährten (Sahabi), der vom reichsten zum ärmsten Mann wurde, so arm, dass er an seinem Tod noch nicht einmal genügend Kleidung besaß, um seinen Körper zu bedecken. Warum kam er in solch eine Situation? Weil er verstanden hat, dass Allahs (t) Versprechen wahr ist. Lasst uns über die Gebote im Bereich zwischenmenschlicher Beziehungen lesen, bzgl. des Handels, der Finanzen, der Landwirtschaft oder auch anderer Bereiche. Lasst uns in Erfahrung bringen, was der Islam über Beziehungen zwischen Männern und Frauen, Familien und Kindern sagt. Der Islam verkörpert eine allumfassende Lebensordnung und in diesem gesegneten Monat sollten wir die aufrichtige Absicht fassen, möglichst viel davon zu erfahren, was uns an Wissen darüber fehlt.

Lasst uns diese Gelegenheit nutzen, um unsere Bande der Brüderlichkeit auszubauen und dafür belohnt zu werden, unsere Geschwister zum Fastenbrechen (Iftar) einzuladen, wie der Prophet (s) sagte:

«مَنْ فَطَّرَ صَائِمًا كَانَ لَهُ مِثْلُ أَجْرِهِ غَيْرَ أَنَّهُ لاَ يَنْقُصُ مِنْ أَجْرِ الصَّائِمِ شَيْئًا»

Wer einen Fastenden speist, bekommt die gleiche Belohnung wie dieser, ohne dass die Belohnung des Fastenden dadurch geschmälert wird. (Ahmad)

Der Monat des Ramadan stellte zur Zeit des Propheten (s) eine Zeit der Reinigung, des Gebieten des Rechten und Anprangern des Unrechts dar. Man strebte mit seinem Leben und opferte seine Besitztümer, um Allahs (t) Wort zum Höchsten zu machen. Nach dem Tod des Propheten (s) trugen die Muslime seine Sunnah weiter und Allah, der Erhabene, ließ die Muslime den Lauf der Geschichte beeinflussen.

Der Ramadan war eine Zeit intensiver Aktivität, in der man den Tag auf dem Sattel und die Nacht im Gebet verbrachte und Allah (t) um Gnade und Vergebung bat. Die Atmosphäre des Ramadan hat unsere Vorväter Unglaubliches meistern lassen.

Also lasst uns den Ramadan wieder zu einem Monat des Gebets, der Gottesdienste, der Rezitation des Qur'an, der Zakah, der Pflege der Verwandtschaftsbande, der Großzügigkeit und der Güte gegenüber den Bedürftigen machen. Zu einem Monat, in dem wir auf unsere Worte und Taten achten, in dem wir unsere Beziehung zu Allah (t) auffrischen, in dem wir unsere Herzen reinigen, in dem wir unser Wissen über den Qur'an, die Sunnah und den Fiqh ausweiten und in dem wir die Da'wah zur Implementierung von Qur'an und Sunnah auf Erden tragen.

Möge Allah (t), der Glorreichste, uns zu einer Generation heranwachsen lassen, die das Fundament der islamischen Herrschaft für die nächsten Generationen setzt und den Islam im Ramadan und über ihn hinaus verkünden lässt.

﴿يَا أَيَّتُهَا النَّفْسُ الْمُطْمَئِنَّةُ ارْجِعِي إِلَىٰ رَبِّكِ رَاضِيَةً مَّرْضِيَّةً فَادْخُلِي فِي عِبَادِي وَادْخُلِي جَنَّتِي

O du Seele, die du Ruhe gefunden hast, kehre zu deinem Herrn zufrieden und mit Wohlgefallen zurück. Tritt ein unter Meine Diener, und tritt ein in Meinen Paradiesgarten. (89:27-30)