AQIDA

- 04.09.2012

Al-Kauthar – die Unnachahmlichkeit der kürzesten Sura des Qur’an - Teil III

Wortfolge / Wortanordnung

إِنَّ شَانِئَكَ هُوَ الْأَبْتَر
„Inna Schani'aka huwa l-Abtar"
„Wahrlich, dein Verleumder ist derjenige ohne Stammhalter."

Das Wort "Abtar" drückt in der arabischen Tradition – wie bereits erwähnt - soviel aus wie „Lass ihn nur; er ist eh von der Stammhalterschaft abgeschnitten und hat keine Nachkommen. Wenn er tot ist, wird man sich nicht mehr an ihn erinnern."
Dieser Sachverhalt fällt nicht einfach nur auf die Verleumder des Propheten (s.a.s.) zurück, wie im vorigen Punkt beschrieben, sondern ist gezielt an das Ende der Sura gesetzt. Kein weiteres Wort folgt dem Wort "Abtar", genau wie jemand, der keine Stammhalterschaft hat und dem niemand mehr folgen wird.

Wahl der Artikel, Spezifizierung bzw. Ausschließlichkeit

هُوَ الْأَبْتَر
„huwa l-Abtar"
„er ist derjenige ohne Stammhalterschaft"

Das Pronomen "huwa" (er) und der Artikel "al" weisen durch ihren spezifizierenden Charakter auf eine bestimmte Zielgruppe hin (beispielsweise auf die Feinde des Propheten (s.a.s.)).
Der Artikel „al" wird im Arabischen entweder spezifizierend gebraucht (li l-Ahd), um – wie im vorliegenden Fall - eine bestimmte Person oder Zielgruppe zu bezeichnen („er ist der Abgeschnittene"), oder zur generellen Bestimmung der Art bzw. Gattung einer Sache oder Person (li l-Dschins). D. h. diese Person oder diese Leute sind von dieser Art Menschen.

Mit der Bezeichnung "huwa" ("er ist derjenige") wird die Ausschließlichkeit untermauert, d. h. das Wort "Abtar" trifft allein auf den Widersacher zu. Mit anderen Worten wird ausschließlich er abgeschnitten und ohne Erwähnung bleiben - was auch zugetroffen ist.

Rhythmus und Klang

Der Qur'an wird als eine unnachahmliche Symphonie beschrieben, deren Rhythmus sogar erwachsene Männer zum Weinen bringt. Der Qur'an benutzt nicht nur die treffendsten Wörter und Formulierungen, sondern erreicht durch seine einzigartige literarische Formulierungsweise auch ein entsprechend außergewöhnliches Klangbild. Die einzelnen Verse der Sure enden auf folgenden Reimwörtern:

„... Kauthar"
„... wanhar"
„... Abtar"

Bemerkenswert hierbei ist, dass die Endreime der zweiten und dritten Aya dem Wort Kauthar einen Nachschwung verleihen, als ob Al-Kauthar die gesamte Sura dominieren würde. Als ob das Wort überhöht und überlängt sei, um die Bedeutung dieses Begriffes hervorzuheben und dem Anliegen dieser Sura zusätzlich Nachdruck zu verleihen.

Offenbarungsanlässe und Details zur Erfüllung der Prophezeiung

Wie im zweiten Teil erwähnt, beinhaltet diese Sure eine Prophezeiung, die sich deutlich erfüllt hat. Folgende Untersuchung bestätigt nun im Detail die sachliche Genauigkeit und präzise Vorhersagung dieser Sure. Als sie nämlich offenbart wurde, befand sich der Gesandte (s.a.s.) an einem Tiefpunkt seines Lebens. Es schien so, als hätten seine Widersacher dauerhaft die Oberhand und die Kontrolle über das Geschehen. Aber das Blatt wendete sich und das Siegel der Propheten (s.a.s.) erwies sich nicht nur als erfolgreichster Gesandter im Sinne der Botschaftsverkündung, sondern auch als Staatsmann, der die Geschicke der jungen Ummah lenkte. Schließlich verloren seine Feinde ihre Macht und ihr Ansehen, so wie es Sure Al-Kauthar vorhersagte.

Eine starke Gelehrtenmeinung darüber, weshalb diese Sura offenbart wurde, nennt als Grund, dass Al-'As Ibn Wa'il über den Propheten (s.a.s.) – wann immer dieser erwähnt wurde – zu sagen pflegte "Lasst ihn, er ist wahrlich ein Mann, der abgeschnitten ist, ohne Nachkommenschaft. Wenn er also stirbt, wird sich niemand seiner erinnern." Daher wurde laut dieser Meinung die Sura offenbart, um den Propheten (s.a.s.) zu stärken.

Eine andere bekannte Meinung nennt Abu Lahab, den Onkel des Propheten und ein einflussreiches Stammesmitglied der Quraisch, als Grund. Dieser verkündete: "Muhammad ist heute Nacht abgeschnitten worden", als der Sohn des Gesandten (s.a.s.) verstarb.

Was Abu Lahab betrifft, so starb er an einer Art Pest und wurde nicht mal von seinen eigenen Söhnen zu Grabe getragen, bis ein führendes Stammesmitglied die Verwesung seines Körpers feststellte. Schließlich platzierten ihn seine Söhne auf einer Mauer und bedeckten seinen Körper mit Steinen. Abu Lahab verlor Macht, Ehre und sogar seine Würde.

Al-'As ibn Wa'il traf ähnliche Schmach. Seine Söhne traten zum Islam über, wurden also zu seinen Feinden, so wie er ein Feind des Islam war. Darüberhinaus nahmen seine Söhne keinen Nachlass von ihm an. Somit wurde auch seine Abstammungslinie beendet. Sura Al-Kauthar hat beide Sachverhalte exakt und präzise vorhergesagt.

Schlussfolgerung

Diese Sura ist wahrlich einmalig und unnachahmlich. Sie besteht aus weniger als 15 Wörtern, trägt aber mehr als 15 verschiedene rhetorische Aspekte und Eigenschaften in sich.

Wie kann ein Mensch eine einzigartige literarische Form und sprachliches Genre erschaffen, die zutreffendsten Worte in der bestmöglichen Anordnung wählen, einen einzigartigen, semantischen Rhythmus erzeugen, prophetische Informationen in präziser und gleichzeitig knapper Form geben – und dies in weniger als 15 Worten?

Wen wundert es da, dass kein noch so großer Dichter – Araber wie Nicht-Araber – es vermag, der sprachlichen Herausforderung des Qur'an gerecht zu werden?

Der Qur'an ist der Nachwelt seit seiner Offenbarung - trotz aller Fälschungsversuche seitens der Feinde des Islam - bis heute unverändert erhalten geblieben und stellt damit ein "lebendes" Wunder und eine Herausforderung für alle Zeiten dar.