SHARIA

- 22.09.2012

„Al-Fatiha“ – die Eröffnende

Allah liebt eine Gemeinschaft, die im Gebet vor Ihm steht und unabhängig von der ethnischen Zugehörigkeit des Einzelnen das Gleiche rezitiert.

'Ubada ibn as-Samit berichtete, dass der Gesandte Allahs (s) sprach:
"Es zählt kein Gebet für denjenigen, der die eröffnende Sure des Koran (Al-Fatiha) nicht rezitiert hat." Der Gedanke und die Sicherheit, auch im Gebet einer Gemeinschaft zugehörig zu sein, lässt den Einzelnen mit den anderen mitfühlen.

Es ist der Glaube an Allah (t) und Seine Gesetze. Diese sind ein Ausdruck der Barmherzigkeit Gottes gegenüber der Menschheit. Erst ihre Umsetzung lässt ihre Wirkung auf die Menschen sichtbar werden. Die Zugehörigkeit zum Unglauben und daraus folgend der Glaube an menschliche Gesetze und ihre Anwendung wird den Menschen keinen Nutzen bringen, da sie ihn im Diesseits durch ihre menschliche Fehlerhaftigkeit und Widersprüchlichkeit ins Unglück stürzen und ihn im Jenseits darüber hinaus der Strafe Gottes aussetzen. Allah (t) sagt: "Und wir senden vom Koran das hinab, was eine Heilung und Barmherzigkeit für die Gläubigen ist; den Ungerechten mehrt es nur den Schaden." (17:82)

Der Koran beginnt mit der Sure "Al-Fatiha", sie bedeutet "die Eröffnende". Doch ist sie trotz ihrer Reihung an vorderster Stelle im Koran nicht die zuerst offenbarte Sure. Vielmehr liegt ihre Besonderheit in ihrem Inhalt: die Lobpreisung Allahs und ein hingebungsvolles Bittgebet an Ihn. Sie umfasst sieben Verse und wurde in Mekka, d. h. vor der Hidschra, offenbart. Unter allen Suren des Koran nimmt sie eine besondere Stellung ein.

Die Sure "Al-Fatiha" wird immerzu und von allen Muslimen, sei es in der Vergangenheit, in der Gegenwart oder in der Zukunft, rezitiert, da es Pflicht ist, sie in jedem Gebet aufzusagen. So hat sie jeder betende Muslim mehrmals am Tage pflichtgemäß vorzutragen. Sie gilt als die „Mutter des Koran", die die täglichen Gebete begleitet. Ohne sie haben die Gebete keine Gültigkeit. Sie „eröffnet" somit nicht nur den Koran, sondern auch das tägliche Gebet.

Abu Sa'id Ibn al-Mu'alla berichtet: "Während ich das Gebet in der Moschee verrichtete, rief mir der Gesandte Allahs (s) zu, und ich reagierte nicht. Ich sagte zu ihm (nach dem Gebet): 'Ich befand mich im Gebet, o Gesandter Allahs!' Er sagte zu mir: 'Sagt Allah nicht: [...] hört auf Allah und den Gesandten, wenn er euch zu etwas aufruft, [...]. Ich will dich eine Sure lehren, die die bedeutendste Sure des Koran ist, und zwar bevor du die Moschee verlässt!' Er nahm mich dann bei der Hand, und als er die Moschee verlassen wollte, fragte ich ihn: 'Hast du nicht zu mir gesagt, dass du mich eine Sure lehren willst, die die bedeutendste Sure des Koran ist?' Er sagte: "Al-hamdu lillahi rabbi-l-'alamin besteht aus den sieben zu wiederholenden Versen und ist der großartigste Koran, der mir gegeben wurde!"

Doch kennt der Mensch das Geheimnis, das ihn mehrmals am Tage begleitet? Die Kraft, die im Koran liegt, darf nicht unterschätzt werden. So besitzt auch die "Al-Fatiha" eine Kraft, die den Muslim nicht nur im Gebet erhellt, sondern darüber hinaus auch eine Wirkung auf seine Seele hat.

Die "Al-Fatiha" beginnt mit der so genannten "Basmala". Der Aussage: "Bismillahi-r-rahmani-r-rahim", d. h. "Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen". Dieser Vers weist darauf hin, dass die Bezeichnung "Allah" nur dem Schöpfer zukommt und Allah der alleinige Gott ist, Dem niemand zur Seite steht. Das Wort "Allah" ist nicht übersetzbar und hat bezeichnenderweise auch keine Mehrzahl.

„Allah" ist der Eigenname des Schöpfers, des einzigen allmächtigen Gottes. Der Allmächtige besitzt 99 Namen, die gleichzeitig auch seine Eigenschaften manifestieren. Hierzu gehören unter anderem "Der Allerbarmer" und "Der Barmherzige". Der Name "Ar-Rahman", d. h. "Der Allerbarmer", bezeugt die unermessliche Barmherzigkeit Allahs all Seinen Geschöpfen gegenüber, ob gläubig oder ungläubig, ob Mensch oder Tier. So lässt Allah (t) all Seinen Geschöpfen einen Unterhalt zukommen; sie haben Nahrung, Kleidung, Obdach usw. Hingegen beschränkt sich der Begriff "Ar-Rahim", d. h. "Der Barmherzige", ausschließlich auf die Gläubigen.

Der nächste Vers beginnt mit den Worten: "Alles Lob gebührt Allah, dem Herrn der Welten." "Al-hamdu lillah" drückt die Dankbarkeit gegenüber Allah aus. In gleicher Weise beginnen viele Bittgebete mit diesen Worten. Deswegen wird "Al-Fatiha" auch als „Surat Al-Hamd" bezeichnet.

Der Ausdruck "Herr der Welten" meint, dass die Sicherung der Existenz aller Dinge nur bei Allah (t) liegt. Unter "Herr" – arab. „Rabb" - fallen auch die Synonyme Gebieter, Besitzer, Eigentümer, Leiter etc. Allah (t) sagt: "Pharao sprach: 'Und was ist der Herr der Welten?' Er (Moses) sagte: 'Er ist der Herr der Himmel und der Erde und dessen, was zwischen beiden ist, wenn ihr nur Gewissheit wolltet." (26:23 f.)

Weiter heißt es: "[...] dem Allerbarmer, dem Barmherzigen [...]" (1:3). Diese bereits in der „Basmalah" erwähnten Eigenschaften werden hier bewusst wiederholt, um ihren Stellenwert zu betonen. Er ist barmherzig, weil Er Derjenige ist, Der mit Seiner Botschaft rechtleitet. Diese Rechtleitung, die noch explizit angesprochen wird und dem Menschen Glückseligkeit im Diesseits und Heil im Jenseits beschert, ist eine Belohnung Allahs (t) an die Menschen. Er belohnt sie, indem er die Propheten mit der göttlichen Botschaft, der Rechtleitung, entsandt und ihnen somit viel Unheil durch fehlerhafte, menschliche Gesetzgebung erspart hat. Der Glaube an den Islam und an alle früheren Propheten und das Befolgen Seiner Gebote ist im Grunde also ein Geschenk Gottes an die Menschen und ebenso ein Manifest Seiner Barmherzigkeit.

Die vierte Aya der Al-Fatiha erinnert uns daran, dass Allah (t) "der Herrscher am Tage des Gerichts" ist, nach Dem wir alles richten und vor Dem wir uns hüten müssen.

"Dir (alleine) dienen wir, und Dich (alleine) bitten wir um Hilfe." (1:5) Diese Aya beschreibt die gewaltige Macht Allahs (t), da Er uns die Möglichkeit bietet, Ihm unsere aufrichtige Abhängigkeit im Glauben und unsere Unterwürfigkeit zu bekunden. Sie betont auch das gewaltige Vertrauen zu Allah (t), indem die Geschöpfe Ihn um Schutz und Hilfe bitten, da beides nur bei Ihm zu suchen und zu finden ist. Die Aya legt auch die Tatsache dar, dass die Geschöpfe Allahs allein von Ihm abhängen und deshalb nur von Ihm Beistand zu erwarten ist. Allein Allah (t) ist es, Der die Unterstützung gibt oder verwehrt.

Weiter heißt es: "Führe uns den geraden Weg, den Weg derer, denen Du Gnade erwiesen hast, nicht derer, die Deinen Zorn erregt haben, und nicht den Weg der Irregehenden." (1:6 f.) Dieser "gerade Weg" meint die Richtung zum ersehnten Paradies und impliziert die vollkommene und aufrichtige Umsetzung der Glaubensordnung. Mit diesen Worten bittet man Allah um Unterstützung bei der Realisierung jeglicher Ziele. Gleichzeitig bittet man Allah durch die tägliche Rezitation dieser Verse um die Festigung und Stärkung des eigenen Glaubens.

Auf die Bitte um Allahs Gnade, um den Schutz vor Seinem Zorn, vor dem Irregehen und dem Abfall vom Glauben folgt die Beendigung der "Al-Fatiha" mit dem Ausruf "Amin!", d. h. "O Allah, erhöre!".

Dies sind einige der wundersamen Elemente, welche Sure "Al-Fatiha" verbirgt. Sie ist ein Manifest der Gerechtigkeit und Großzügigkeit Allahs und stellt das beste, aber auch das nötigste "Bittgebet" der Menschen dar.