KONZEPTION

- 02.07.2018

Islām: Frieden finden durch den Gehorsam einzig und allein gegenüber Allah

Muslimen wird vorgeworfen, sie seien Terroristen. Dem Islām wird nachgesagt, er sei größtenteils gewaltsam und würde mit dem Schwert verbreitet werden. In derartigen Zeiten wäre es nicht verwunderlich, wenn Muslime vehement die häufig übersehenen friedlichen Seiten ihrer Religion verteidigten.

Jedoch verwischt eine übermäßige Übertreibung bestimmter Aspekte der islamischen Lebensweise das Gesamtbild des Islām. Das Hervorheben und gleichzeitige Verschweigen einiger Aspekte des Islām ist gefährlich, denn genau dies kann denjenigen, die dem Islām schaden wollen, in die Hände spielen. Viele dieser Menschen wissen wohl, dass ihre Anschuldigungen bar jeden Beweises sind und sie lediglich darauf abzielen, von den wahren Vorzügen der Lebensweise des Islām abzulenken. Darüber hinaus zielen die Regelungen (der Feinde des Islām) darauf ab, die Muslime unter Druck zu setzen und sich somit vom reinen Islām zu entfernen. Sie möchten, dass die Muslime durch das „Kosten-Nutzen-Denken“ geleitet werden anstatt gemäß dessen zu handeln, was Allah (t) zufriedenstellt. Indem wir einen falschen Islām annehmen, können wir schnell von den Grundfesten und dem, was es heißt ein Muslim zu sein, entfernt werden.

Es ist nicht verwunderlich, Sätze wie „Der Islām bedeutet Frieden.“ zu hören. Es wird gesagt, das Wort „Islām“ und „salām“ (arab. Frieden) hätten denselben Wortstamm, weshalb der Frieden ein Kernelement des Islām ist. Die Schlussfolgerung dessen ist, dass der Islām gleichbedeutend mit Frieden ist und demnach alles, in dem Frieden gefunden werden kann, gleichzeitig Islām bedeutet. Somit kann der Islām jedwede Form annehmen, auch wenn dies Aufgabe oder Stillschweigen gegenüber unterdrückerischen Mördern bedeutet und auch, wenn damit ein friedlicher Prozess mit den Zionisten einhergeht (obwohl dies in der šarīʿa untersagt wird). Dasselbe gilt für jegliche Art von Okkupation muslimischen Landes durch Feinde. In einer derartigen Darstellung des Islām wird die šarīʿa als Maßstab für Urteile über Handlungen durch jede andere Art des Urteils ersetzt, sei sie nur friedlich genug.

Sprachlich gesehen stimmt diese Behauptung jedoch nicht. Ganz zu schweigen davon, dass diese Betrachtungsweise aus Islāmischer Sicht eine Katastrophe darstellt. Es mag stimmen, dass beide Wörter die Buchstaben Sīn, Lām und Mīm besitzen, dennoch gibt es genug andere Beispiele, in denen Wörter drei Buchstaben miteinander teilen. Nur die Wörter silm, salm und salām werden in arabischen Wörterbüchern gelistet, wenn es um Begriffe geht, die die Bedeutung „Frieden“ tragen. Salm und salām haben auch die Bedeutung „aufgeben“. Es ist jedoch notwendig, sich an die Bedeutungen der Wörter unter den Arabern zur Zeit der Offenbarung zu halten, um den Qurʾān verstehen zu können, es sei denn es existiert ein Text, der eine Bedeutung präzisiert. Zum Beispiel bedeutet das Wort ṣalāh in der arabischen Sprache „anflehen“ (duʿāʾ), jedoch gaben die Islāmischen Texte dem Wort eine spezielle Bedeutung: das Durchführen der fünf Pflichtgebete am Tag durch einen Muslim. Kein Muslim würde bestreiten, dass das Durchführen des Gebets fünfmal täglich die Erfüllung der zweiten Säule des Islām bedeutet.

In seinem Tafsir zu folgendem Vers:

﴿بَلَىٰ مَنْ أَسْلَمَ وَجْهَهُ لِلَّهِ وَهُوَ مُحْسِنٌ فَلَهُ أَجْرُهُ عِندَ رَبِّهِ وَلَا خَوْفٌ عَلَيْهِمْ وَلَا هُمْ يَحْزَنُونَ﴾

Aber nein! Wer sich Allah völlig hingibt und dabei Gutes tut, dessen Lohn steht für ihn bei seinem Herrn. Und sie soll keine Furcht überkommen, noch sollen sie traurig sein. (2:112)

erwähnt aṭ-Ṭabarī: „Er meint mit „Islām al-Waǧh“ (Islām des Gesichts): sich selbst gegenüber Allahs (t) Befehl erniedrigen und unterwerfen. Die Herkunft von „al-Islām“ ist: Aufgabe (istislām). Es kommt von „Ich habe mich Seinen Befehlen unterworfen“, was so viel bedeutet wie sich Seinem „Befehl ergeben“. Der Muslim wird nur als solcher bezeichnet, wenn er seinen Körper der Gehorsamkeit Allahs (t) gegenüber opfert.

Al-Qāmūs al-Muḥīṭ definiert al-Islām als „Gehorsamkeit, Zugeständnis und Ergebung“.

Al-Qurṭubī sagt in seinem Tafsir „al-Islām in der Sprache der Araber: Ergebung, Gehorsam und Unterordnen“.

Unterwerfung ist demnach das Kernelement der linguistischen Bedeutung des Wortes „Islām“. Dem Wort Islām ist eine spezifische islamische Bedeutung zugeordnet worden: Ergebung, Gehorsam und Unterwerfung, ohne Widerstand gegenüber Allah (t).

Also ist dies der Mittelpunkt dessen, was es bedeutet ein Muslim zu sein. Unterwerfung gegenüber Allah (t) ist die höchste Form des Gottesdienstes. Unterwerfung ist das, wozu Allah (t) uns auffordert und entspricht dem Instinkt des Menschen. Alles, was existiert, unterwirft sich Allah (t), auch gegen den Willen, denn alles unterwirft sich den Gesetzen des Universums, welches von Allah (t) geschaffen wurde. Menschen haben einen freien Willen darüber, welche Handlungen sie ausführen möchten. Dass wir unsere Handlungen einem geordneten System (šarīʿa) unterwerfen, welches von unserem Schöpfer konzipiert wurde, ist demnach nur natürlich. Unsere Handlungen bewusst an dem auszurichten, was Allah (t) zufriedenstellt, und das zu vermeiden, was Allah (t) unzufrieden machen würde, ist eine umso höhere Form der Anbetung Ihm gegenüber.

Allah (t) fordert uns auf zu überlegen:

﴿أَفَحُكْمَ الْجَاهِلِيَّةِ يَبْغُونَ ۚ وَمَنْ أَحْسَنُ مِنَ اللَّهِ حُكْمًا لِّقَوْمٍ يُوقِنُونَ﴾

Begehren sie etwa das Urteil der Unwissenheit? Wer kann denn besser walten als Allah für Leute, die (in ihrem Glauben) überzeugt sind? (5:50)

Er (t) informiert uns darüber, dass der Pfad der Verbesserung in der bewussten Unterwerfung gegenüber Seinem System zu finden ist.

﴿فَلَا وَرَبِّكَ لَا يُؤْمِنُونَ حَتَّىٰ يُحَكِّمُوكَ فِيمَا شَجَرَ بَيْنَهُمْ ثُمَّ لَا يَجِدُوا فِي أَنفُسِهِمْ حَرَجًا مِّمَّا قَضَيْتَ وَيُسَلِّمُوا تَسْلِيمًا﴾

Doch nein, bei deinem Herrn; sie sind nicht eher Gläubige, bis sie dich zum Richter über alles machen, was zwischen ihnen strittig ist, und dann in ihren Herzen keine Bedenken gegen deine Entscheidung finden und sich voller Ergebung fügen. (4:65)

Der sich ergebende Muslim ist dem Herrn für alle seine Gnaden dankbar. Er ist Ihm immer dankbar dafür, dass Allah (t) ihm eine klare Anleitung und die šarīʿa als Weg gegeben hat. Er tritt voller Buße für vergangene Undankbarkeit Allah (t) gegenüber und möchte sich Allah (t) gegenüber vollends ergeben.

Der sich ergebende Muslim, der einem Problem gegenübersteht, fragt sich „Welche Lösung würde meinen Herrn zufriedenstellen?“ Er sucht in den islamischen Texten nach einem Beleg dafür, welche Handlung Allah (t) in diesem Falle zufriedenstellen, und welche Handlung Ihn nicht zufriedenstellen würde. Dann hält er sich vollkommen an die gefundene Regel und nimmt diese als ḥukm šarʿī (Islamischer Rechtsspruch) für sich an. Ist er nicht in der Lage ein derartiges Gesetz aus den islamischen Quelltexten abzuleiten, so wie es die meisten Muslime in der heutigen Zeit nicht sind, wendet er sich an diejenigen, die dazu in der Lage sind.

Wenn der sich ergebende Muslim nun mitbekommt, dass seine Annahme des islamischen Gesetzes anderen Menschen zuwider ist, so geht er nicht zurück, um nach einem Gesetz zu suchen, dass diesen Menschen genehmer ist. Dies wäre kein Gehorsam gegenüber Allah (t), sondern Gruppenzwang oder das sich Unterordnen der öffentlichen Meinung. Letztendlich würde dies dazu führen, dem Wohlgefallen der anderen zu folgen.

Allah (t) sagt:

﴿وَأَنِ احْكُم بَيْنَهُم بِمَا أَنزَلَ اللَّهُ وَلَا تَتَّبِعْ أَهْوَاءَهُمْ وَاحْذَرْهُمْ أَن يَفْتِنُوكَ عَن بَعْضِ مَا أَنزَلَ اللَّهُ إِلَيْكَ ۖ فَإِن تَوَلَّوْا فَاعْلَمْ أَنَّمَا يُرِيدُ اللَّهُ أَن يُصِيبَهُم بِبَعْضِ ذُنُوبِهِمْ ۗ وَإِنَّ كَثِيرًا مِّنَ النَّاسِ لَفَاسِقُونَ﴾

Und so richte zwischen ihnen nach dem, was Allah (als Offenbarung) herabgesandt hat, und folge nicht ihren Neigungen, sondern sieh dich vor ihnen vor, dass sie dich nicht der Versuchung aussetzen (abzuweichen) von einem Teil dessen, was Allah zu dir (als Offenbarung) herabgesandt hat! (5:49)

Der sich ergebende Muslim ist nicht stets auf der Suche nach Textstellen, die er für seine Argumentation oder Ansicht verwenden kann, so dass sie seinem beabsichtigten Zweck dienlich sind. Vielmehr ist es die Wahrheit, die zählt. Der sich ergebende Muslim sucht nicht nach historischen Meinungen von Juristen, welche seinen eigenen Absichten zugutekommen könnten, indem er šāḏ (seltsame) Ansichten annimmt und anwendet. Allah (t) hat uns vor diesem gravierenden Fehler viele Male gewarnt. Der sich ergebende Muslim besitzt Taqwā (Gottesfurcht), welche ihn dabei anleitet zu entscheiden, welche Gesetze anzuwenden sind. Seine einzige Sorge ist es, Allah (t) zufrieden zu stellen. Lässt er diesen Kernaspekt außer Acht, verbleiben lediglich juristische Streitereien. Dadurch wird der Kernaspekt des Islām, die Unterwerfung, gänzlich verfehlt.

Allah (t) sagt:

﴿وَمَن يَبْتَغِ غَيْرَ الْإِسْلَامِ دِينًا فَلَن يُقْبَلَ مِنْهُ وَهُوَ فِي الْآخِرَةِ مِنَ الْخَاسِرِينَ﴾

Und wer eine andere Religion als den Islām begehrt: nimmer soll sie von ihm angenommen werden, und im Jenseits wird er unter den Verlierern sein. (3:85)

Frieden hat seinen Platz im Islām. Frieden ist das, was wir einander für das jenseitige Leben wünschen und worum wir Allah (t) bitten, wenn wir den Friedensgruß aussprechen: „as-salāmu ʿalaikum“. Auch ist der Frieden ein Gesetz der islamischen Außenpolitik, mittels dessen (Friedens-)Abkommen geschlossen werden. Der Frieden ist die natürliche Konsequenz aus der vollständigen Umsetzung der islamischen Gesetzgebung (šarīʿa). Dieses Gesetz regelt unter anderem, wie die Bürger miteinander zu interagieren haben, unabhängig davon, ob es sich bei ihnen um Muslime oder Nichtmuslime handelt. Der Islam sorgt natürlicherweise im Verstand und Herzen eines gläubigen, sich ergebenden Muslim, für Frieden. Andere Überzeugungen mögen zwar kurzfristige Zustände des Friedens hervorbringen, einen Frieden von Dauer vermag aber nur der Islam zu gewährleisten. Denn nur diese Überzeugung steht im Einklang mit dem Verstand und der menschlichen Natur.

Ganz gleich welches Etikett die Menschen dem Islām zuordnen möchten, so hat der Islām die Unterwerfung gegenüber Allahs (t) Religion als Kernelement.

﴿أَلَمْ تَرَ إِلَى الَّذِينَ يَزْعُمُونَ أَنَّهُمْ آمَنُوا بِمَا أُنزِلَ إِلَيْكَ وَمَا أُنزِلَ مِن قَبْلِكَ يُرِيدُونَ أَن يَتَحَاكَمُوا إِلَى الطَّاغُوتِ وَقَدْ أُمِرُوا أَن يَكْفُرُوا بِهِ وَيُرِيدُ الشَّيْطَانُ أَن يُضِلَّهُمْ ضَلَالًا بَعِيدًا

Siehst du nicht jene, die behaupten, an das zu glauben, was zu dir (als Offenbarung) herabgesandt worden ist, und was vor dir herabgesandt wurde, während sie sich in Entscheidungsfragen an falsche Götter wenden wollen, wo ihnen doch befohlen worden ist, es zu verleugnen'? Aber der Satan will sie weit in die Irre führen. (4:60)