KOMMENTAR

- 24.07.2018

Treibt Muḥammad bin Salmāns Verwestlichung eine Modernisierung, oder den Vasallenstatus voran?

Die kürzliche Ernennung eines Ministers für Kultur im Zuge der Modernisierungsbestrebungen Muḥammad bin Salmāns wirft die unangenehme Frage auf, wie Saudi-Arabien am Ende dieses Modernisierungsprozesses aussehen wird.

Kommentar:

Der Modernisierungsprozess beinhaltet, um die Vision Saudi-Arabiens bis zum Jahr 2030 umzusetzen, auch die Förderung von Modeshows, Konzerten, Wrestlingshows und sogar Bestrebungen des Mischens der Geschlechter. Nichtsdestotrotz stellt sich die Frage, ob die Regierung wirklich meint, durch solche Events und das Öffnen des Landes für den Tourismus, einem modernen Staat zu ähneln.

Modernisierungstheoretikern zufolge äußert sich der Kernfaktor, der den Unterschied zwischen einer traditionellen und einer modernen Gesellschaft ausmacht, in einer Industrialisierung und fortgeschrittenen Technologie. Nach beiden Maßstäben liegt Saudi-Arabien erbärmlich weit hinter der industrialisierten Welt zurück. Auch 86 Jahre nach der Unabhängigkeit von Großbritannien hat Saudi-Arabien, abgesehen von seinen Ölreserven, nichts vorzuweisen und bleibt ein rückständiger Staat – ein großzügiges Erbe der Saudischen Monarchie.

Egal wie sehr Muḥammad bin Salmān und seine Gefolgsleute versuchen, Saudi-Arabien zu verwestlichen, der Staat ist sehr weit von einer Modernisierung entfernt. Man könnte entgegnen, dass Neon City - ein 500 Milliarden-Dollar-Projekt, um das nächste Dubai in Saudi-Arabien zu errichten - ein Versuch ist, fortschrittliche Technologien zu erhalten. Dies ist jedoch stark vom Wohlwollen der westlichen Nationen abhängig. Es gibt keine Anzeichen, die darauf hindeuten, dass die westlichen Unternehmen ihre Industriegeheimnisse verkaufen, nur um die Modernisierung Saudi-Arabiens voranzutreiben. Dubai hat mit Dubai Silicon Oasis (DSO) versucht, ein ähnliches Projekt, was zu in einem weiteren ungewollten Immobilienprojekt endete.

Der Westen ist der Hauptgrund warum solche Bemühungen zu Transformationen von traditionellen zu modernen Gesellschaften fehlschlagen. Der Westen verteidigt sorgsam seine industriellen Errungenschaften, fortgeschrittenen Technologien und intellektuellen Patente, was ihm erst möglich macht, den Rest der Welt zu kolonialisieren und seine Vorherrschaft zu festigen. Deswegen liegt der Naivling Muḥammad bin Salmān falsch, wenn er denkt, dass eine Modernisierung des Landes käuflich ist.

Abhängigkeitstheoretiker haben lange die Mängel des Modernisierungsprozesses aufgezeigt und deutlich gemacht, wie die Industrialisierung und die Technologien vom Westen ausgenutzt werden, um den Rest der Welt dauerhaft von ihnen abhängig zu machen. Insofern ist der Prozess in Saudi-Arabien mitnichten eine Modernisierung, sondern viel mehr eine Unterwerfung und Amerikanisierung des ganzen Landes – eine Festigung des Vasallenstatus von Saudi-Arabien.

Hätten die saudischen Herrscher den Islam als Ideologie begriffen, wären sie niemals in diese Falle getappt. Der Islam schreibt eine Unabhängigkeit und Selbstversorgung in allen Bereichen vor. Sowohl in der Wirtschaft, als auch in der Politik, im Sozialwesen, dem Bildungswesen und in der Industrie. Ein elementarer Bestandteil der Selbstversorgung ergibt sich direkt aus der islamischen Ideologie, die stets eine Expansion vorantreibt. Dadurch werden einheimische Industrialisierungsmaßnahmen erforderlich, um die Kriegswirtschaft zu fördern, was zwangsläufig dazu führt, dass Durchbrüche in der Technologie erzielt werden, die die Vorrangstellung der muslimischen Welt festigen werden. Der islamische Staat hat sich dieser Herangehensweise viele Jahrhunderte über bedient, und damit die Überlegenheit des Islams im Weltgeschehen sichergestellt.

Der Weg, den Muḥammad bin Salmān und seine Berater eingeschlagen haben, wird nur zu Erniedrigung, Wohlstandsverlust und Bankrott führen. Allah (swt.) sagt:

﴿وَمَنْ أَعْرَضَ عَن ذِكْرِي فَإِنَّ لَهُ مَعِيشَةً ضَنكًا وَنَحْشُرُهُ يَوْمَ الْقِيَامَةِ أَعْمَىٰ

Wer sich aber von Meiner Ermahnung abwendet, der wird ein beengtes Leben führen, und Wir werden ihn am Tag der Auferstehung blind (zu den anderen) versammeln. (20:124)