KOMMENTAR

- 04.08.2018

Der Islam in den Medien (3)

Angefangen hat das Interesse der Medien am Islam mit der so genannten „Islamischen Revolution“ 1978/79 im Iran. Damit begann im Grunde das weltweite mediale Interesse am Islam, das bis heute nicht nur anhält, sondern zunimmt.

Die Bildsprache hat sich seitdem aber nicht verändert: Massenfotografien von Muslimen, verschleierte Frauen in Schwarz, Kalaschnikows, der Koran usw. direkt auf der Titelseite. Ganz beliebt ist die Farbe Schwarz als Hintergrundfarbe, etwa beim „Spiegel“. Auf der Titelseite der Ausgabe 13 aus dem Jahr 2007 sieht man den oberen Teil des Brandenburger Tores mit der Quadriga auf schwarzem Hintergrund, oben links ist der Halbmond mit Stern als Symbol für den Islam und in der Mitte platziert der Titel „Mekka Deutschland“ mit dem Untertitel „Die stille Islamisierung“. In der Ausgabe 52 desselben Jahres sieht man auf der Titelseite eine in Weiß verschleierte Frau, so beleuchtet, dass besonders viele Schatten entstehen, auf ihrem Schoß ein aufgeschlagener Koran, auf dem sich ebenfalls ein dunkler Schatten legt, und alles wieder vor einem schwarzen Hintergrund. Über dem Kopf der Frau, deren Gesicht man nicht erkennt, weil sie den Kopf nach unten neigt, als würde sie im Koran lesen, steht in großen Buchstaben der Titel „Der Koran“ und darunter der Untertitel „Das mächtigste Buch der Welt“. Eine weitere „Spiegel“-Ausgabe aus dem Jahr 2014 zeigt die neue westliche Vorstellung vom Sensenmann in Form einer Gestalt mit Kapuzenshirt, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen, wo das Gesicht sein müsste nur eine schwarze Leere, und auf dem Shirt steht „la ilaha illallah“ in arabischer Schrift. Darunter ist das Siegel des Propheten. Der Hintergrund ist natürlich wieder schwarz. Nur durch das Licht- und Schattenspiel hebt sich die Gestalt von dem grau-schwarzen Hintergrund ab. Ganz unten steht in dicker roter Schrift „Der Dschihad-Kult“. Wieder eine andere „Spiegel“-Ausgabe aus diesem Jahr zeigt auf dem Titelbild ein Schlauchboot im stürmischen Meer. Die Farbe Schwarz-Rot-Gold dominiert das Bild. Die Farbe Schwarz bildet den Bildhintergrund, eine rote Welle reißt das graue Schlauchboot nach oben und eine gelbe Welle ist im Vordergrund zu sehen. Rechts auf dem schwarzen Hintergrund titelt „Der Spiegel“ in weißer Schrift „Die deutsche Frage“. Im Untertitel heißt es: „Wie gehen wir mit Migranten um? Die Flüchtlingskrise gefährdet Merkels Kanzlerschaft“. Mit der Farbe Schwarz erzeugt „Der Spiegel“ auf der Ebene des Unterbewusstseins ein Gefühl der Angst. Andere Magazine sind da nicht besser. Besonders beliebt beim „Stern“ ist die Frau mit Kopftuch, wenn es um das Thema Islam geht, oder aber auch Bildcollagen, um möglichst viele bedrohliche Motive auf das Titelbild zu packen, um ein Gefühl der Angst vor dem Islam hervorzurufen. So finden sich auf dem Titelbild einer alten „Stern“-Ausgabe Hassan Nasrallah, die Kaaba mit weißgekleideten Pilgern, eine Kalaschnikow, eine Explosion, der Koran, ein Halbmond mit Stern und eine Moschee wieder. Der Titel lautet „Islam“ und der Untertitel „Warum wollen sie uns töten“ mit dem Zusatz „Die Geschichte des Islams“.

Es ließen sich hier noch unzählige Beispiele anführen. Die Bildsprache der Medien zum Thema Islam trägt viel zum Feindbild bei und sorgt dafür, dass der Standpunkt des Lesers in Bezug auf den Islam bereits feststeht, noch bevor er auch nur eine Zeile zu dem Thema gelesen hat. Die Bilder legen fest, was der Rezipient über den Islam zu denken hat. Sie schaffen im Unterbewusstsein eine Verknüpfung zwischen Islam, Gewalt, Terror und Unterdrückung. Der Leser soll bloß nicht unvoreingenommen an das Thema Islam herangehen und sich womöglich eine eigene Meinung bilden, die von dem Islambild der Medien abweicht.

Die Medien haben Stereotype geschaffen, von denen sich die Öffentlichkeit kaum noch lösen kann. Rationale Mechanismen wurden ausgeschaltet. Der Fall Marwa El-Sherbini legt es offen. Im August 2008 wurde Marwa El-Sherbini auf einem Spielplatz in Dresden von einem Deutschen als „Islamistin“, „Terroristin“ und „Schlampe“ beschimpft. Es kam zur Anzeige und schließlich zu einer Gerichtsverhandlung im Juli 2009. Als die schwangere Marwa El-Sherbini den Gerichtssaal nach ihrer Zeugenaussage verlassen wollte, töte der Angeklagte Alex Wiens sie mit 18 Messerstichen vor den Augen ihres Mannes und ihres dreijährigen Sohnes. Der Ehemann wurde mit drei Messerstichen verletzt, als er seiner Frau helfen wollte. Ein Polizist schoss jedoch nicht auf den Angreifer, sondern auf den Ehemann, da es jenseits seiner Vorstellungskraft lag, dass der Muslim das Opfer und der Deutsche der Täter war. Trotz des offensichtlichen fremdenfeindlichen Motivs und Islamhasses behandelten die deutschen Medien den Fall als persönliche Tragödie und unterschlugen das wahre Tatmotiv. Erst die Kritik an der Ignoranz der deutschen Medien durch die ausländische Presse und der Druck aus dem Ausland führten dazu, dass die wahren Hintergründe in den deutschen Medien thematisiert wurden. Die Medien weigern sich schlichtweg, von ihrem negativen Islambild abzurücken. In dieses Bild passt der Muslim als Opfer nicht rein.

Tatsächlich verhält es sich so, dass die öffentliche Meinung über den Islam und das Islambild, das die Medien vermitteln, identisch sind. Die Medien haben die Wahrnehmung des Islam in der Öffentlichkeit wesentlich beeinflusst. Und so kann das Bild der Öffentlichkeit vom Islam nur negativ sein und in Hass gegen die in Deutschland lebenden Muslime zum Ausdruck kommen. Die AfD hat es dadurch bis in den Bundestag geschafft, weil auch sie viel zu viel mediale Aufmerksamkeit mit ihrer Islamfeindlichkeit erhalten hat. Der Hass gegen den Islam ist der gemeinsame Nenner der Parteimitglieder, der sie überhaupt erst verbindet. Heutzutage ist die Islamfeindlichkeit der Grundstein, um politische Karriere zu machen, weil die Medien diese mit ihrem Islambild gesellschaftsfähig gemacht haben.

Die Islamfeindlichkeit in der Gesellschaft haben folglich zu einem großen Teil die Medien zu verantworten, die bewusst ein negatives Islambild geschaffen haben und aufrechterhalten, das die Öffentlichkeit eins zu eins übernommen hat. Das setzt natürlich auch Politiker unter Druck, das Thema Islam aufzugreifen, in den Medien im Allgemeinen und in den Talkshows im Besonderen präsent zu sein und gegen die Muslime zu hetzen. Politik und Medien beeinflussen sich hier gegenseitig. Nicht ohne Grund spricht man von den Medien als vierte Gewalt.

 

(Autor: Um Ahmad)