PERSÖNLICHKEITEN

- 16.07.2014

Erinnerungen: Im Gefängnis mit dem Amir von Hizb ut Tahrir – Teil 4

بسم الله الرحمن الرحيم

Gefängnis-Memoiren und die Ehre der Gefährtenschaft mit dem Amir von Hizb ut Tahrir, dem ehrwürdigen Gelehrten Sheikh Ata' Bin Khalil Abu Al-Rashtah

(Übersetzt)

Gefängnis-Memoiren und die Ehre der Gefährtenschaft - 4

Es verblieb nicht viel Zeit und Abu Yassin würde in wenigen Wochen seine Strafe abgesessen haben und das Gefängnis verlassen. Damals lautete seine Strafe auf drei ein halb Jahre. Ich freute mich für ihn über das Näherrücken seiner Entlassung und die Wiedervereinigung mit seiner Familie, seinen Lieben und seiner Partei, auf die er mit stoischer Ruhe gewartet hatte. Jedoch trübte ein unerwartetes Ereignis diese Freude, in Form einer böswilligen Übertretung gegen seine Person. Nie hatte ich ihn sich etwas zu Herzen nehmen sehen, außer in jener kritischen Phase. Was ihn am schmerzlichsten traf, war die Behauptung einiger kranker Geister, er befände sich unter den Dissidenten von der Führung Sheikh Abdul Qadeem Zalloums (Rahimahullah). Auf manchen Besuchen wurden ihm diese schlechten Nachrichten mitgebracht. Er fand keine Zuflucht außer bei Allah im letzten Drittel der Nacht. Wie großartig er im Gespräch mit seinem Herren stand! Sein Weggehen betrübte mich, hatte er doch längst die Stellung eines Vaters, Bruders und Freundes eingenommen.

Trotz dieser unheilvollen Prüfung bemühte er sich, die Angelegenheit nicht nach außen zu zeigen. Zu jener Zeit war ich noch kein Shab von Hizb ut Tahrir und so überdachte ich mich selbst eingehend und bat Allah im Istikhara-Gebet um Leitung in der Frage des Eintritts und der Arbeit mit Hizb ut Tahrir. Danach sprach ich mit Abu Yassin über die Frage, ob er mir erlauben würde, ein Shab von Hizb ut Tahrir zu werden. Das Gesicht dieses Mannes leuchtete auf und er gewann sein Lächeln zurück. Wie beflissen er doch war, meine Angelegenheit durch das Studium in der Partei vor seiner Entlassung abzuschließen. Bis zu seiner Entlassung verblieb nur ungefähr eine Woche, weshalb ich die Sache wegen des Schwierigkeitsgrades eines solchen Lehrplans und des Mangels an Büchern ablehnte. So lehrte mich Abu Yassin einige grobe Leitlinien und einige innerparteiliche, administrative Angelegenheiten in allgemeiner Form. Ich betrachte mich selbst als neugeboren im Jahre 1998, aufgrund meines Beitritts zu den Shabab von Hizb ut Tahrir. Nach Allah, dem Erhabenen, gebührt der Dank Abu Yassin, möge Allah in bewahren!

Wie sehr er die Persönlichkeit Muhammad Al-Fatihs (ra) bewunderte! Ich erinnere mich, dass Abu Yassin in nur zwei Minuten eine Weltkarte auf Papier brachte, um mir zu zeigen, bis wohin der Führer Muhammad Al-Fatih mit seinen Eröffnungen gekommen war.

Wenn ich mich bei Abu Yassin entschuldigte, um mich schlafen zu legen, sagte er zu mir: „Einen erholsamen Schlaf." Und wie oft ich von ihm die Worte vernahm: „Auf ein strahlendes, ehrwürdiges Morgen, mit Allahs Erlaubnis!", bevor er sich schlafen legte, um uns voller Hoffnung mit dieser tiefen Überzeugung von der Ehre, dem Sieg und der Befähigung bis zum kommenden Morgen zu verabschieden.

Abu Yassin war ein Dichter. So schrieb er der Tradition nach einige Verse für einige jener Shabab, die Allah mit dem Verlassen des Gefängnisses ehrte. Er hatte eine Gedichtsammlung, die er bewahrte, bis sie konfisziert wurde. Ich erinnere mich noch an einige Verse, die er zu zitieren pflegte, darunter:

„Auf dem Wege Allahs wird alles Weltliche uns leicht – wir verausgaben unsere Seelen und fürchten nicht den Tod."

Mit folgenden Zeilen begrüßte er den Monat Ramadan:

„Willkommen seist du, Ramadan
Mit dir kommt das Gute
In dir auf den Propheten al-Mustapha herab,
kamen die göttlichen Zeichen."

In der Nacht seiner Entlassung schrieb er einige Verse, in denen er den Männern anderer Organisationen Ehre erwies, als diese zu seiner Beglückwünschung zur Entlassung kamen. Ich erinnere an:

„Und Ahamd As-Sa'ub
trägt Dinger in seinen Ohren
den Kopf lächelnd schwenkend
gefolgt vom aufmerksamen Zuhören."

Ahamd As-Sa'ub hatte ein schwieriges Gemüt und zu seinen Habseligkeiten gehörten ein Radio und Kopfhörer.

Auch schrieb er Verse für 'Ikrima Gharayba vom Fall der „Minen von 'Ajaloun", der sich durch einen kuppelförmigen Hut auszeichnete und oft einige Männer um sich versammelte, um mit ihnen selbstgerollte Zigaretten zu rauchen. Über ihn schrieb er:

„'Ikrima und sein Hut
Das Rauchen und die Lichter
Oh 'Ikrima, genug des Unruhestiftens
Die Ermattung hat das Volk befallen."

Auch über mich schrieb er einige Verse, darunter:

„Liebling aller ist unser Salem,
in seinem Herzen findet sich keine Tugendlosigkeit
voll von Herzensstärke
wenn ihn ein Elend trifft."

Ich bemühte mich aufs Äußerste, den Männern die Enge des Gefängnisses durch Fröhlichkeit zu erleichtern. Ich erinnere mich, dass es zu einem Gedränge zwischen Abu Muhammad Al-Maqdisi und einem anderen Mann von den bewaffneten Organisationen, 'Ismat Shukri, kam, wobei ersterer über dem Kopf des anderen einen Mülleimer entleerte. Nach einigen Tagen gingen wir den krank gewordenen 'Ismat besuchen und mussten feststellen, dass er seinen Kopf kahlgeschoren hatte. Ich neckte 'Ismat in Abu Yassins Anwesenheit und sagte: „Diesmal werden deine Haare schnell wachsen." Er fragte: „Warum?" Ich sagte zu ihm: „Weil sie nun gedüngt sind!" Wir lachten ausgiebig über dieses Wortspiel und Abu Yassin lachte jedes Mal wieder, wenn er daran dachte. Er sagte zu mir: „Wie gut du mit Sprache umgehen kannst!"

Abu Yassin – der größten Dank verdient – erinnerte mich an meine gute Behandlung ihm gegenüber, indem ich ihm manchmal einen Dienst erwies. Er sagte zu mir: „Du hast mir gegenüber oft Gutes gezeigt, ich bitte Allah, dass er uns an einem anderen Ort vereinen möge."

Die Wahrheit ist: Selbst wenn ich ihm ein Leben lang Gutes erwiesen hätte, hätte ich ihm nicht mal einen Bruchteil seiner Wohltätigkeit zurückzahlen können. Er weiß nicht, dass ich den Dienst ihm gegenüber in voller Süße genoss, aber Allah ist mein Zeuge.

Abu Yassin wurde aus dem Sult-Gefängnis entlassen und hinterließ eine große Leere, die uns monatelang, bis zur Verlegung ins Wüsten-Gefängnis von Al-Fajr im Süden Jordaniens, schmerzte.

Teil 5 folgt...