PERSÖNLICHKEITEN

- 05.08.2014

Erinnerungen: Im Gefängnis mit dem Amir von Hizb ut Tahrir – Teil 5 – letzter Teil

بسم الله الرحمن الرحيم

Gefängnis-Memoiren und die Ehre der Gefährtenschaft mit dem Amir von Hizb ut Tahrir, dem ehrwürdigen Gelehrten Sheikh Ata' Bin Khalil Abu Al-Rashtah

(Übersetzt)

Gefängnis-Memoiren und die Ehre der Gefährtenschaft - 5

Aufgrund einer Operation unter dem Namen „Tötung Khaled Mish'als", ausgeführt von Agenten des zionistischen Mossad, die ohne Verhandlung schnell entlassen wurden, begannen die Dinge im Sult-Gefängnis hochzukochen. So heißt es über die jordanische Regierung im Volksmund: „Die Juden sind das teuerste, was wir besitzen." Wegen der Unruhen seitens der politischen Gefangenen, der ernsthaften Fluchtpläne jener, die lange Haftstrafen abzuleisten hatten und insbesondere, da einige der Leute des Pharao, die ihren Iman verbargen, gewillt waren aus Überzeugung von der Gerechtigkeit unserer Sache, die Flucht zu erleichtern, und nachdem die Gefängnisverwaltung davon Wind bekam, beschlossen sie unsere Verlegung in das Wüstengefängnis von Al-Fajr, im tiefsten Süden Jordaniens. Tatsächlich, im letzten Drittel der Nacht, unter dem Schutz der Dunkelheit, wurden wir unter verstärkter Aufsicht ins Fajr-Gefängnis verlegt, nachdem man uns Ketten angelegt und unsere Augen verbunden hatte. Dies war Ende 1998.

Das Fajr-Gefängnis gehört zu den ältesten Gefängnissen und eignet sich nicht mehr zum Leben. Jedoch erbarmte Allah sich unser, indem er unsere Herzen mit Ruhe und Frieden erfüllte. Als die Verwaltung feststellte, dass wir uns an den neuen Ort gewöhnt hatten, führten sie mehr als 15 Insassen in unser Zimmer ein, aus Drogen- und Körperverletzungsfällen, sowie anderen kriminellen Akten. Sie glaubten wohl, dass wir mit ihnen aneinander geraten würden, jedoch nahmen wir sie auf, kamen ihnen respektvoll entgegen und begannen, sie zu beeinflussen. Zu jener Zeit befand sich keiner der Shabab des Hizb im Gefängnis außer mir und die Abwesenheit des Denkens unter den bewaffneten Organisationen war eine echte Plage.

Mit Blick auf die Gerechtigkeit unserer Sache verband uns eine gute Beziehung mit den Gefängniswärtern, sodass wir erfuhren, dass am morgigen Tag neue Insassen ins Fajr-Gefängnis gebracht würden. Ich schaute auf die Liste, die sich bei einem der Wärter befand und unter den Namen der neuen Insassen befand sich „Ata' Khalil Abu Al-Rashtah". Bis dahin wusste ich nicht, dass Abu Yassin erneut festgenommen worden war, vor allem da er sich erst vier oder weniger Monate außerhalb des Gefängnisses befand. Mein Herz machte einen Sprung bei dieser guten (gleichzeitig schlechten) Nachricht, als ob ich die Entscheidung über meine eigene Entlassung gelesen hätte.

Tatsächlich konnten wir Abu Yassin am folgenden Abend treffen, den besten Insassen und besten Gast. Alle freuten sich über sein Kommen, denn er verlangte allen äußersten Respekt ab. Zu jener Zeit bereitete ich mich auf das Studium des offiziellen Lehrplanes im Gefängnis vor. Meine Eltern – möge Allah ihnen beiden barmherzig sein – versorgten mich mit den notwendigen Büchern. Sie lachten über mich, wie ich über das Studieren nachdenken konnte, wo ich doch zu lebenslänglicher Haft verurteilt war. Ich zahlte die Studiengebühren und begann zu lernen. Und wie mir das Schicksal wohlgesinnt war, kam jemand, der mich motivierte: Abu Yassin. Er unterrichtete mich in einigen Fächern und mit welch schönen Methoden! Er nahm das Fach für mich mit ungeahnter Schnelligkeit auseinander. Was Monate zur Erledigung gebraucht hätte, erledigte ich in weniger als einem Monat. Möge Allah es ihm mit dem Besten vergelten!

Ich war von den Leuten der Nusra nicht wirklich überzeugt und diskutierte diese Angelegenheit viel mit ihm. Da gab er mir eine praktische Lektion in dieser Sache. Wie? Eines Tages rief er nach mir und sagte: „Lies!" Eine der Partei-Verlautbarungen aktuellen Datums hatte ihn erreicht. Wer hatte sie ihm zugeführt? Da wusste ich, dass das Gute und der Sieg vorhanden und möglich waren!

Es vergingen nur wenige Monate und das allgemeine Gesuch um Begnadigung nach dem Tod König Husseins erreichte unser Gefängnis. Es sollten nur wenige Tage vergehen, bis wir die Gefängnismauern verlassen konnten. Alles Lob gebührt Jenem, in Dessen Händen die Schlüssel aller Dinge liegen!

Die Geschichte meines Verlassens des Gefängnisses ist seltsam. Wie konnte ich entlassen werden, wo ich doch zu lebenslanger Haft verurteilt war und das Gesetz der allgemeinen Begnadigung auf mich keine Anwendung fand? Denn Terroristen sind von der Begnadigung ausgenommen. Aufgrund eines Schlupfloches im Begnadigungsgesetz konnte ich, der das höchste Strafmaß (lebenslänglich) besaß, das Gefängnis verlassen, während mein Kamerad Ahmad As-Sa'ub, der für nur 10 Jahre saß, im Gefängnis blieb. Dies obwohl der König Hussein selbst, vermittelt durch seine Eltern, seine Verbindung war. So erfolgte seine Verlegung ins Sawaqa-Gefängnis, in Vorbereitung auf seine Entlassung. Der König Jordaniens verstarb und der König aller Könige verblieb. Ich verließ das Gefängnis, während Ahmad im Sawaqa-Gefängnis blieb. Ich erinnerte mich an Abu Yassins Worte: „Keine Angelegenheit wird auf Erden entschieden, die nicht schon im Himmel entschieden worden wäre."

In jener Phase verbrachte Abu Yassin die meisten seiner Tage fastend und jedem Pflichtgebet ließ er ein weiteres, nachträgliches Pflichtgebet folgen. Wir fragten ihn nach diesen Gebeten und er sagte: „In den Tagen meiner Jugend waren meine Gebete nicht so perfekt, wie es sein muss. Ich versuche das aufzuholen, was vergangen ist."

Ich sah Abu Yassin glücklich, worüber wohl? Er sagte: „Der Hizb ist mit größerer Stärke aus jenem Angriff hervorgegangen, von dem die Leute dachten, dass er den Hizb erledigen würde." Auch fügte er hinzu: „Ich habe meinen Sohn Yassin in den vergangenen Monaten verheiratet, als ich entlassen war und bevor ich wieder verhaftet wurde." Denn Yassin hatte sich geweigert zu heiraten, während sein Vater im Gefängnis saß.

Jedenfalls verließen wir das Gefängnis durch die Gnade Allahs. Nach einigen Tagen besuchte ich Abu Yassin als Gast in seinem Haus in Ar-Rasifa. Wie schön waren das Treffen und der Empfang! Ich kam zum späten Abend und ging mit meiner Mentalität aus Karak davon aus, dass es ein Festmahl geben würde. Nach Stunden des Willkommens sagte er zu seinen Söhnen: „Bereitet das Abendessen vor!" Es bestand aus Olivenöl, Thymian, Eiern und Kartoffeln, eine kalte Mahlzeit also! Doch ich schwöre bei Allah, dem Allmächtigen, nie habe ich ein schöneres Abendessen als jenes in seiner Bescheidenheit gesehen! Gleichzeitig hätte er Besseres serviert, hätte er es gehabt, denn die Großzügigkeit liegt im Vorhandenen. Dieser Mann posierte nicht und verstellte sich nicht. Er gab mir damit eine Lektion darin, jener zu sein, der ich bin und darin, dass die Gastfreundschaft vor allem Anderen in der guten Behandlung liegt. Nach dem Motto: „Komme mir entgegen, speise mich nicht!"

Ich verbrachte einen der schönsten Abende mit Abu Yassin. Er verabschiedete mich am Morgen, nachdem wir das Morgengebet in der Moschee verrichtet hatten. Er leitete jenes Gebet. Ich habe Abu Yassin seit 1999 bis heute nicht gesehen. Ich bitte Allah, den Erhabenen, dass er uns mit dem Kalifat ehrt, nachdem er uns mit diesem würdigen Gelehrten, dem Amir von Hizb ut Tahrir, geehrt hat. Ich bitte Allah, dass er durch seine Hände die Al-Aqsa Moschee befreit und Rom eröffnet. Allah ist der Herr aller Dinge und zu allem fähig.

27. Muharram 1435 n. H.
30.11.2013 n. Chr.