KONZEPTION

- 11.12.2018

Vorzüge der Standhaftigkeit

 

Was bedeutet es Standhaftigkeit (ṣabr) hinsichtlich des Islam zu zeigen?

šeiḫ ʿAṭāʾ ibn Ḫalīl Abū ar-Rašta erwähnt in seiner Exegese (tafsīr) der Sure al-Baqara die Vorzüge der Standhaftigkeit (ṣabr). Wir müssen tiefgründig über das Thema der Standhaftigkeit im Islam nachdenken, damit wir die Fehlverständnisse, die zu diesem Thema bei vielen Muslimen vorliegen, beseitigen können.

Viele Muslime denken, dass sie sich von den Leuten isolieren können. Sie erheben nicht ihre Stimme gegen das Übel (munkar), sind stumm gegenüber den Leuten die das Übel begehen, schauen zu wie uns unser Recht weggenommen wird, wie die ḥudūd von Allah (t) außer Kraft gesetzt werden und wie der ǧihād abgeschafft wird. Sie kümmern sich nicht um diese Angelegenheiten und kommen ihrer Pflicht, das Schlechte anzuprangern, nicht nach. Das ist ihr Verständnis von Standhaftigkeit (ṣabr).

Andere denken, dass man sich selbst schützen und vom Unheil fernhalten muss, damit man keiner Gefahr ausgesetzt wird falls die Feinde Allahs (t) einen verfolgen. Sie trauen sich nicht die Wahrheit zu sprechen oder etwas zu tun, was Allah (t) zufrieden stellt. Ganz im Gegenteil, sie verweilen ruhig und verkriechen sich in eine Ecke und reden sich selbst ein, dass sie Standhaft wären.

Das ist nicht die Standhaftigkeit, die Allah (t) von jenen verlangt, für die Er Gärten der Glückseligkeit vorbereitet hat:

﴿إِنَّمَا يُوَفَّى الصَّابِرُونَ أَجْرَهُمْ بِغَيْرِ حِسَابٍ

Gewiss, den Standhaften wird ihr Lohn ohne Berechnung in vollem Maß zukommen. (39:10)

Sondern vielmehr jene Schwäche, vor der der Prophet (s) Zuflucht ersuchte, indem er folgendes Bittgebet sprach:

„O Allah, ich suche Zuflucht bei Dir vor Sorge und Kummer. Ich suche Zuflucht bei Dir vor Unfähigkeit und Faulheit. Ich suche Zuflucht bei Dir vor Feigheit und Geiz. Ich suche Zuflucht bei Dir vor dem Erdrücken der Schulden und der Überwältigung der Männer.“ (al-Buḫārī; Muslim)

Aus islamischer Perspektive bedeutet Standhaftigkeit, dass man die Wahrheit spricht und die Erschwernis auf dem Wege Allahs (t) erträgt, ohne dabei zu schwächeln oder einzuknicken.

Gewiss ist die Standhaftigkeit im Islam das Resultat aus der Gottesfurcht (taqwā). Dies geht aus folgendem Vers hervor:

﴿إِنَّهُ مَن يَتَّقِ وَيَصْبِرْ فَإِنَّ اللَّهَ لَا يُضِيعُ أَجْرَ الْمُحْسِنِينَ

Gewiss, wer gottesfürchtig und standhaft ist - gewiss, Allah lässt den Lohn der Gutes Tuenden nicht verloren gehen. (12:90)

Dies ist gewiss jene Standhaftigkeit, die Allah (t) zu einer Eigenschaft der muǧāhidīn machte, die auf Seinem Weg kämpfen:

﴿وَكَأَيِّن مِّن نَّبِيٍّ قَاتَلَ مَعَهُ رِبِّيُّونَ كَثِيرٌ فَمَا وَهَنُوا لِمَا أَصَابَهُمْ فِي سَبِيلِ اللَّهِ وَمَا ضَعُفُوا وَمَا اسْتَكَانُوا ۗ وَاللَّهُ يُحِبُّ الصَّابِرِينَ

Und mit wie vielen Propheten zusammen kämpften zahlreiche Bekenner des Herrn! Doch sie gaben nicht auf ob dessen, was sie auf Allahs Weg traf, noch wurden sie schwach, noch unterwarfen sie sich. Und Allah liebt die Standhaften. (3:146)

Dies ist die Standhaftigkeit, die aus dem richtigen Verständnis von Schicksal und Bestimmung resultiert. Als Konsequenz daraus bleibt man stets der Wahrheit treu und lässt sich keinesfalls beirren. Man hält am Koran fest, statt sich unter dem Vorwand der Standhaftigkeit von den Ge- und Verboten des Koran fernzuhalten. Durch diese Eigenschaft nähert sich der Diener seinem Herrn an.

﴿فَنَادَىٰ فِي الظُّلُمَاتِ أَن لَّا إِلَٰهَ إِلَّا أَنتَ سُبْحَانَكَ إِنِّي كُنتُ مِنَ الظَّالِمِينَ

Dann rief er in den Finsternissen: "Es gibt keinen Gott außer Dir! Preis sei Dir! Gewiss, ich gehöre zu den Ungerechten. (21:87)

 

Beispiele für die Standhaftigkeit aus islamischer Sicht

Es ist diese Art der Standhaftigkeit, die die Entschlossenheit des Menschen stärkt und ihn näher zum Paradies bringt – jene Standhaftigkeit, durch die sich auch Bilal, Khabbab und die Familie von Yasir auszeichnete.

So sprach der Gesandte Allahs (s):

„Habt Geduld, Familie Yasir, denn euer Treffpunkt ist das Paradies!“ (aṭ-Ṭabarānī; al-Ḥākim)

Es ist die Standhaftigkeit, durch die sich Khubayb und Zayd auszeichneten. Sie beide sprachen: „Bei Allah, ich würde nicht lieber bei meinen Verwandten und Söhnen sein und weltliche Gesundheit wie Wohlergehen genießen, wenn dafür ein kleiner Dorn dem Propheten (s) schaden würde.

Es ist die Standhaftigkeit, durch die sich jene auszeichnen, die den Tyrannen trotzen, ohne dabei den Tadel des Tadelnden zu fürchten. So sprach der Gesandte Allahs (s):

Nein, bei Allah, entweder ihr gebietet das Gute und verbietet das Schlechte, haltet den Unterdrücker auf und gebietet ihm, gerecht zu handeln und an der Wahrheit festzuhalten, oder Allah wird eure Herzen versiegeln, wie Er die Herzen derjenigen versiegelte, die vor euch waren, und euch verfluchen, wie Er jene verfluchte, die vor euch waren.“ (Abū Dāwūd; Ibn Māǧa, at-Tirmiḏī)

Es ist die Standhaftigkeit, durch die sich die ehrenwerten Prophetengefährten auszeichneten, die Standhaftigkeit der Anwohner des ersten Islamischen Staates und jener Muslime, die in aš-Šiʿb (einem Teil Mekkas) boykottiert wurden; die Standhaftigkeit der Auswanderer nach Abessinien und jener, die verfolgt und bestraft wurden, nur weil sie bezeugten, dass Allah (t) ihr Herr ist; Die Standhaftigkeit der muhāǧirūn und Anṣār während des Konflikts mit den Polytheisten, Persern und Römern, sowie die Standhaftigkeit der Gläubigen und aufrichtigen muǧāhidīn.

Diese Standhaftigkeit manifestiert sich in einem, indem man das Gute gebietet und das Schlechte verbietet, ohne dabei vom Wege Allahs (t) abzuweichen oder zu schwächeln.

Diese Standhaftigkeit fordert Allah (t) von uns im Koran. So sprach der Erhabene:

﴿لَتُبْلَوُنَّ فِي أَمْوَالِكُمْ وَأَنفُسِكُمْ وَلَتَسْمَعُنَّ مِنَ الَّذِينَ أُوتُوا الْكِتَابَ مِن قَبْلِكُمْ وَمِنَ الَّذِينَ أَشْرَكُوا أَذًى كَثِيرًا ۚ وَإِن تَصْبِرُوا وَتَتَّقُوا فَإِنَّ ذَٰلِكَ مِنْ عَزْمِ الْأُمُورِ

Ihr werdet ganz gewiss in eurem Besitz und in eurer eigenen Person geprüft werden, und ihr werdet ganz gewiss von denjenigen, denen die Schrift vor euch gegeben wurde, und denen, die (Allah etwas) beigesellen, viel Beleidigendes zu hören bekommen. Doch wenn ihr standhaft und gottesfürchtig seid, so gehört dies gewiss zur Entschlossenheit (in der Handhabung) der Angelegenheiten. (21:87)