KALIFAT

- 20.02.2019

Die Vorzüglichkeit des Kalifats in Hinblick auf die Bildung und Rechte der Frauen

Seit Jahrzehnten spinnen Säkularisten ein Netz von Lügen rund um das Thema Bildung und den Status von Mädchen und Frauen unter islamischem Recht. Sie nutzten die hohe Analphabetenrate und den knappen Zugang zu Bildung unter säkularen oder pseudo-islamischen Regierungen in der Islamischen Welt über die letzten Jahrzehnte hinweg auf trügerische Weise aus, um so den Islam zu beschuldigen, er würde den Frauen adäquate Bildungsmöglichkeiten vorenthalten. Ihr Ziel bestand darin, Panikmache vor der Rückkehr der islamischen Herrschaft unter dem Kalifat gemäß der Methode des Prophetentums zu betreiben.

Die Wahrheit bezüglich des Bildungsstatus der Frauen unter der Herrschaft dieses glorreichen islamischen Systems ist jedoch weit von den falschen Anschuldigungen und Lügen der Säkularisten entfernt.

Tatsächlich brachte die Offenbarung des Islams der Welt eine klare Sichtweise in Bezug auf die Erlangung von Wissen und Bildung.

Lernen und lehren war eng mit der Religion verflochten und wurde als Gottesdienst angesehen, wodurch es ein Mittel zur Erlangung großen Lohnes im Jenseits darstellt. Der Prophet (s) sagte:

«وَمَنْ سَلَكَ طَرِيقًا يَلْتَمِسُ فِيهِ عِلْمًا سَهَّلَ اللَّهُ لَهُ بِهِ طَرِيقًا إِلَى الْجَنَّةِ»

„Allah macht demjenigen den Weg zum Paradies einfach, der den Weg der Suche nach Wissen beschreitet.“ (Muslim)

Der Islam brachte dem Wissenserwerb deshalb hohe Wertschätzung entgegen, klassifizierte ihn als Akt der Gottesanbetung und machte ihn zum Maßstab für den Rang einzelner Individuen, wodurch er das Ansehen der Gelehrten innerhalb der Gesellschaft steigerte. Allah (t) sprach:

﴿يَرْفَعُ ٱللَّهُ ٱلَّذِينَ ءَامَنُواْ مِنكُمۡ وَٱلَّذِينَ أُوتُواْ ٱلۡعِلۡمَ دَرَجَـٰتٍ

Allah erhöht diejenigen von euch, die glauben, und diejenigen, denen das Wissen gegeben worden ist, um Rangstufen. (58:11)

Ferner sprach der Gesandte Allahs (s):

«وَفَضْلُ الْعَالِمِ عَلَى الْعَابِدِ كَفَضْلِ الْقَمَرِ عَلَى سَائِرِ الْكَوَاكِبِ إِنَّ الْعُلَمَاءَ وَرَثَةُ الأَنْبِيَاءِ إِنَّ الأَنْبِيَاءَ لَمْ يُوَرِّثُوا دِينَارًا وَلاَ دِرْهَمًا إِنَّمَا وَرَّثُوا الْعِلْمَ فَمَنْ أَخَذَ بِهِ أَخَذَ بِحَظٍّ وَافِرٍ»

„Und der Vorrang eines Gelehrten gegenüber einem Diener entspricht der Überlegenheit des Mondes gegenüber dem Rest der Himmelskörper. Wahrlich, die Gelehrten sind die Erben der Propheten, und die Propheten hinterlassen weder dīnār noch dirham. Ihr einziges Erbe ist Wissen; Wer davon nimmt, hat fürwahr den edelsten Anteil“ (Überliefert von Qais bin Kaṯīr)

Der dīn des Islam verpflichtete sowohl die Männer als auch die Frauen zum Wissenserwerb. So sprach der Gesandte Allahs (s):

«طَلَبُ الْعِلْمِ فَرِيضَةٌ عَلَى كُلِّ مُسْلِمٍ»

„Das Streben nach Wissen ist eine Pflicht für jeden Muslim.“ (Von Ibn Māǧa tradiert.)

Hinzu kommt, dass der Islam Männer und Frauen ermutigte, die Welt um sie herum zu studieren, um ihren Schöpfer noch mehr wertzuschätzen und all das, was Allah (t) erschuf und den Menschen im Diesseits zur Verfügung stellte, effektiv zu nutzen. Auf diese Weise würde die Menschheit Fortschritte in allen Bereichen machen; sei es in der Wissenschaft im Allgemeinen, in der Medizin, Industrie oder in Hinblick auf Technologien. Allah (t) sprach:

﴿إِنَّ فِي خَلْقِ السَّمَاوَاتِ وَالْأَرْضِ وَاخْتِلَافِ اللَّيْلِ وَالنَّهَارِ وَالْفُلْكِ الَّتِي تَجْرِي فِي الْبَحْرِ بِمَا يَنفَعُ النَّاسَ وَمَا أَنزَلَ اللَّهُ مِنَ السَّمَاءِ مِن مَّاءٍ فَأَحْيَا بِهِ الْأَرْضَ بَعْدَ مَوْتِهَا وَبَثَّ فِيهَا مِن كُلِّ دَابَّةٍ وَتَصْرِيفِ الرِّيَاحِ وَالسَّحَابِ الْمُسَخَّرِ بَيْنَ السَّمَاءِ وَالْأَرْضِ لَآيَاتٍ لِّقَوْمٍ يَعْقِلُونَ

In der Schöpfung der Himmel und der Erde; im Unterschied von Nacht und Tag; in den Schiffen, die das Meer befahren mit dem, was den Menschen nützt; darin, dass Allah Wasser vom Himmel herabkommen lässt, und damit dann die Erde nach ihrem Tod wieder lebendig macht und auf ihr allerlei Tiere sich ausbreiten lässt; und im Wechsel der Winde und der Wolken, die zwischen Himmel und Erde dienstbar gemacht sind, sind wahrlich Zeichen für Leute, die begreifen. (2:164)

Ferner sprach Er (t):

﴿وَسَخَّرَ لَكُم مَّا فِي السَّمَاوَاتِ وَمَا فِي الْأَرْضِ جَمِيعًا مِّنْهُ ۚ إِنَّ فِي ذَٰلِكَ لَآيَاتٍ لِّقَوْمٍ يَتَفَكَّرُونَ

Und Er hat euch alles, was in den Himmeln und was auf der Erde ist, dienstbar gemacht, alles von Sich aus. Darin sind wahrlich Zeichen für Leute, die nachdenken. (45:13)

All diese Offenbarungstexte erzeugten in den Muslimen ein unstillbares Verlangen nach Wissen und zudem den Drang, dieses Wissen an andere weiterzugeben. Dabei spielte das Themengebiet stets eine untergeordnete Rolle. Auch sind diese Offenbarungstexte der Grund dafür, dass der Islamische Staat die Bildung von Frauen und Männern in hohem Maße wertschätzte. Dies äußerte sich im Ausbau des Bildungswesens und dem Bau von Schulen, Hochschulen, Universitäten, Bibliotheken und Observatorien. Im neunten und zehnten Jahrhundert wurden in den östlichen und westlichen Provinzen des Islamischen Staates zahlreiche „Häuser des Wissens“ gebaut. Hārūn ar-Raschīd, einer der frühen abbasidischen Kalifen ordnete an, dass jeder Moschee eine Schule angegliedert werden solle. Großwesir Niẓām al-Mulk etablierte im elften Jahrhundert n. Chr. ein Hochschulsystem in der islamischen Welt. Von diesem System profitierten unter anderem das heutige Bagdad, Mossul, Basra und Herat.

Der Kalif Nūr ad-Dīn trat im zwölften Jahrhundert in seine Fußstapfen, indem er viele Institute in Damaskus und anderen großen Städten gründete. Cordoba allein war im Besitz von 70 Bibliotheken. Die Anzahl der Prediger und Lehrer in der islamischen Welt stieg dermaßen rapide an, dass fast jedes Dorf einen eigenen Prediger besaß. An einem gewissen Punkt während der islamischen Herrschaft gab es in Kairo 74 Hochschulen, in Damaskus 73, in Jerusalem 41, in Bagdad 40, in Aleppo 14, in Tripoli 13. Zusätzlich dazu gab es zahlreiche Institute in anderen Städten, welche zehntausenden Studenten freien Zugang zu Bildung ermöglichten.

Neben dem wurden viele angesehen Universitäten, renommiert für ihre akademische Exzellenz, im ganzen Staat gegründet und zu Zentren der Bildung für die intellektuelle Elite der Welt und zu Institutionen, welche Studenten aus aller Welt anlockten. Zu ihnen gehören die 859 gegründete Universität al-Qarawīyīn in Marokko, die im Jahr 970 gegründete Al-Azhar Universität in Ägypten, die al-Mustanṣirīya-Universität in Bagdad, welche im Jahr 1227 gegründet wurde, die Universität von Timbuktu und die Universität Istanbul, welche im 15. Jahrhundert gegründet wurde.

Es ist nicht verwunderlich, dass in dieser Atmosphäre des Lernens und Studierens, angetrieben durch das Islamische System des Kalifats, die Bildung der Frauen ebenfalls florierte. Der Prophet (s) selbst sprach der Bildung von Mädchen und Frauen durch seine Worte und Taten einen hohen Stellenwert zu. Auch ʿĀʾiša, die Mutter der Gläubigen, lobte den Wissenserwerb der Frauen. So sprach sie (r):

«نِعْمَ النِّسَاءُ نِسَاءُ الأَنْصَارِ لَمْ يَكُنْ يَمْنَعُهُنَّ الْحَيَاءُ أَنْ يَسْأَلْنَ عَنِ الدِّينِ وَيَتَفَقَّهْنَ فِيهِ»

„Die besten Frauen sind die Frauen der anṣār. Sie scheuen sich nicht, sich mehr Wissen in Bezug auf die Religion anzueignen und auch nicht davor, ihr Verständnis zu vertiefen.“ (al-Buḫārī; Muslim)

Der Gesandte Allahs (s) lehrte sowohl Männer als auch Frauen den Islam in der Moschee und an anderen öffentlichen Orten, setzte jedoch bestimmte Zeiten fest, um speziell Frauen zu unterrichten und ihnen ihre Fragen über den Islam zu beantworten.

Abū Saʿīd al-Khudrī (r) berichtet, dass einige Frauen zum Propheten (s) sagten: „Die Männer haben uns (was den Wissenserwerb angeht) überholt. So richte für uns ebenfalls einen speziellen Tag ein.“ Da setzte der Gesandte einen Tag für sie fest. Er (s) traf die Frauen an jenem Tag und beriet und belehrte sie über die Gebote Allahs (t). (al-Buḫārī)

Dass der Gesandte der Bildung der Frauen einen hohen Stellenwert beigemessen hat, zeigt sich an der Gelehrsamkeit vieler seiner Frauen, der Prophetengefährtinnen (ṣaḥābiyāt) und anderen Frauen zur Zeit des medinensischen Staates. Seine Frau ʿĀʾiša wurde wegen ihrer Expertise in Hinblick auf ahādīth und islamische Rechtsprechung „Juristin der Umma“ genannt. Sie überlieferte über 2200 Berichte vom Gesandten Allahs (s). Es wird gesagt, dass ausschließlich Abū Huraira, ʿAbdallāh ibn ʿUmar und Anas ibn Mālik mehr Berichte überlieferten. Ibn Ḥaǧar al-ʿAsqalānī schrieb: „Ein Viertel der Anordnungen des Propheten (s) wurden von ihr (ʿĀʾiša) tradiert.“ Bekannte Prophetengefährten wandten sich bei religiösen Fragestellungen häufig an sie. Abū Mūsā al-Ašʿarī, einer der Gefährten des Propheten, der selbst für seine juristischen Fertigkeiten bekannt war, sagte: „Wann immer eine Angelegenheit für uns Prophetengefährten zu schwer wurde, fragten wir ʿĀʾiša und sie besaß das nötige Wissen darüber.“ Auch ʿUmar b. al-Ḫaṭṭāb und ʿUthmān ibn ʿAffān wandten sich, als sie Kalifen waren, an ʿĀʾiša, um von ihr spezielle Fragen in Hinblick auf ahādīth oder Rechtsfragen beantwortet zu bekommen.

Auch andere Wissensfelder lagen ihr (r) zu Füßen. Darunter die Medizin, Dichtkunst, Literatur und die Geschichte der Araber. ʿUrwa ibn az-Zubair sagte über ʿĀʾiša: „Ich habe niemanden gesehen, der mehr Wissen über den Koran, die Pflichten, das Erlaubte und Verbotene, die Dichtkunst, die Literatur, die Geschichte der Araber und über ihre Abstammung hat, als ʿĀʾiša, die Frau des Propheten (s).“

Auch andere Frauen des Propheten (s), wie Um Salama, Ḥafṣa bint ʿUmar, Um Ḥabiba und Maimūna zeichneten sich durch ihren Wissenserwerb aus. Sie hatten gewaltiges Wissen über die ahādīth und waren dazu befähigt, Rechtsurteile auszusprechen. Dies trifft ebenfalls auf zahlreiche Prophetengefährtinnen zu. Darunter Asmāʾ bint Abī Bakr, Um ʿAṭīya, Um Šarīk und Fāṭima bint Qais. Möge Allah mit ihnen allen zufrieden sein.

Andere Frauen waren Expertinnen in der Dichtkunst, wie beispielsweise Tumāḍir bint ʿAmr (al-Ḫansāʾ genannt), Hind bint Aṯāṯa, Um Aiman und Ṣafīya bint ʿAbd al-Muṭṭalib. Der Prophet (s) legte ebenfalls großen Wert auf die Lese- und Schreibfähigkeit. Dies spiegelte sich darin wider, dass er Lailā (al-Šifāʾ) bint ʿAbdallāh anwies, Ḥafṣa das Schreiben zu lehren.

Die Kalifen folgten dem Beispiel des Propheten (s) und nahmen in Hinblick auf die Wichtigkeit der Bildung von Frauen denselben Standpunkt ein, den auch der Gesandte einnahm. Frauen und Mädchen waren in der Lage zu Hause, in den Schulen, in den Moscheen, in den Hochschulen und in anderen Instituten sowohl von Männern als auch von Frauen zu lernen.

Mohammad Akram Nadwi, ein zeitgenössischer Gelehrter indischer Abstammung, führte eine umfangreiche Studie über die Gelehrtinnen der islamischen Geschichte durch. Er berichtet, dass in jeder Stadt, in der Muslime lebten, Frauen in ihrer Umgebung von Gelehrten Wissen bezogen. Bekannte Schulen und Moscheen, deren Unterrichte regelmäßig von Frauen besucht wurden – was aus den Anwesenheitsregistern zu entnehmen war – sind die Umayyaden-Moschee (ǧāmiʿ banī umayya al-kabīr) und die Moschee der Hanbaliten (ǧāmiʿ ḥanābila) in Damaskus, die al-madrasa al-ʿumariyya und dār al-ḥadīṯ al-nūriyya, die ebenfalls in Syrien zu finden sind. An der berühmten Azhar-Universität in Kairo hatten Frauen ebenfalls die Möglichkeit als Studentinnen zu lernen oder als Dozentinnen zu lehren – ein Recht, welches die Frauen im Westen erst viele Jahrhunderte später erhielten. Einige Schulen wurden explizit der Ausbildung von Mädchen und Frauen wegen gegründet. Die erste dieser Art war die ǧāmiʿat al-qarawīyīn al-madrasa. Frauen hatten zudem die Möglichkeit, die islamische Welt zu durchreisen und ungehindert der heutigen Grenzen in allen Gebieten des Islamischen Staates nach Wissen zu streben. Dies, weil die heutigen Grenzen unter dem Kalifat nicht existierten und alle islamischen Länder in einem einzigen Staat vereint waren. Folglich wurden unter der Herrschaft dieses glorreichen Staates viele tausende weibliche Gelehrte ausgebildet.

„Mohammed Akram (ein zeitgenössischer Gelehrte indischer Abstammung) begann vor acht Jahren ein einbändiges biographisches Lexikon von weiblichen ḥadīṯ-Gelehrten zu schreiben, ein Projekt, das ihn durch biographischen Lexika, klassischen Texten, Chroniken von Schulen und Universitäten und Briefen nach relevanten Zitaten suchen ließ. „Ich dachte, ich fände womöglich 20 oder 30 Frauen“, sagte er. Bis jetzt hat er in einem Zeitraum von 1400 Jahren etwa 8000 von weibliche ḥadīṯ-Gelehrte gefunden. Sein Lexikon umfasst derzeit 40 Bänder.“ (Auszug aus „A Secret History“ von Carla Power, veröffentlicht im New York Times Magazin, 25.02.2007)

Diese weiblichen Gelehrten waren in allen Wissensbereichen bewandert und wurden zu bekannten Juristinnen, die zur Rechtsprechung befähigt waren, den Koran interpretierten, aḥadīṯ überlieferten und kritisierten, sowie Urteile von Richtern anfochten. Viele von ihnen schrieben zahlreiche Bücher in den unterschiedlichsten Themengebieten. Manche dieser Werke umfassten mehr als zehn Bänder. Sie lehrten in ihren Häusern, Schulen, den großen Moscheen der jeweiligen Städte und den Hochschulen nicht nur Studentinnen, sondern auch Studenten. Einige Hochschulen, so beispielsweise die Saqlatuniyya Madrasa in Kairo, wurden vollständig von Frauen finanziert und verwaltet. Ao. Prof. Ruth Roded ist Dozentin an der Hebrew University in Jerusalem und unterrichtet dort die Geschichte des Islams und des Mittleren Osten. Sie fand Dokumente die belegen, dass der Frauenanteil an vielen klassischen islamischen Hochschulen deutlich höher war, als der Frauenanteil heutiger Universitäten in den Ländern des Westens. Zu den bekanntesten weiblichen Gelehrten zur Zeit des Kalifats gehört Um Darda, die im siebten Jahrhundert n. Chr. lebte und an der Umayyaden-Moschee (ǧāmiʿ banī umayya al-kabīr) in Damaskus, der damaligen Hauptstadt des Kalifats unterrichtete. Einer ihrer Schüler war der damalige Kalif ʿAbd al-Malik ibn Marwān, der ihre Lehrkreise zusammen mit anderen Studenten besuchte. Eine weitere großartige Gelehrte war Nafīsa bint Ḥasan, Urenkelin des Gesandten Allahs (s) und Lehrerin des ehrenwerten Großgelehrten Muḥammad ibn Idrīs aš-Šāfiʿī, der heute als Begründer einer der vier großen Rechtsschulen gilt. Sie lebte im neunten Jahrhundert n. Chr. in Ägypten. Eine weitere berühmte Persönlichkeit war Sit al-Wuzarāʾ bint ʿUmar, die dafür berühmt war, das Ṣaḥīḥ-Werk von al-Buḫārī in Damaskus zu lehren. Sie wurde später nach Kairo eingeladen und unterrichtete dort in der großen Moschee und an anderen Orten. Ihre Vorlesungen wurden von Gelehrten und anderen Würdenträgern der Stadt besucht, sowohl männlichen, als auch weiblichen Geschlechts. All diese Begebenheiten fanden im Rahmen der Grenzen des islamischen Beziehungssystems statt. Dabei wurden die Kleidervorschriften des Islams und getrennte Sitzplätze für Frauen und Männer stets eingehalten.

Eine weitere bemerkenswerte weibliche Gelehrte war Amrā bint ʿAbd ar-Raḥmān, die in Medina Rechtsgutachten zu Geschäftsvorfällen und Bestrafungen herausgab. Imām Mālik verwies in seinem berühmten Werk al-Muwaṭṭaʾ in einigen Fragestellungen bzgl. der Pilgerfahrt (ḥaǧǧ) auf die fatāwā Amrā bint ʿAbd ar-Raḥmāns. ʿĀʾiša bint ʿAbd al-Hādī war eine Gelehrte aus dem neunten Jahrhundert n. Chr. und wurde in der Umayyaden-Moschee in Damaskus zur Hauptlehrmeisterin der Ṣaḥīḥ-Werke von al-Buḫārī ernannt.

Eine andere Gelehrtin war Um al-Ḫair, Fāṭima bint Ibrāhīm, die im 14. Jahrhundert n. Chr. in der Prophetenmoschee in Medina Schüler in den Wissenschaften des ḥadīṯ unterrichtete. Die Prophetenmoschee wird seit jeher von der Gemeinschaft verehrt, was aufzeigt, welch großen Respekt Um al-Ḫair in der Gesellschaft genoss. Zainab bint Kamāl lebte ebenfalls im 14. Jahrhundert n. Chr. und lehrte mehr als 400 verschiedene ḥadīṯ-Werke. Die große Menge an von ihr geschriebenen Texte zog zahlreiche Studenten an. Ihre überragende intellektuelle Reputation ermöglichte es ihr, an den prestigeträchtigsten akademischen Instituten von Damaskus zu lehren.

Die Schüler vieler dieser weiblichen Gelehrten waren oftmals männliche Juristen und Rechtsgelehrte wie beispielsweise Imām Mālik, Ibn Ḥaǧar al-ʿAsqalānī und Ibn Taimīya (r). Unzählige berühmte Gelehrte erwähnten ihre Lehrerinnen in ihren Büchern, schrieben Biografien über sie und lobten sie für ihr immenses Wissen, ihre Intelligenz, ihre Geduld, ihr tugendhaftes Verhalten, ihre Integrität und ihre Rechtschaffenheit. Zu den Lehrern des angesehenen islamischen Historikers Ibn al-Naǧār zählten beispielsweise etwa 400 Lehrerinnen. Etwa ein Viertel der Lehrer As-Suyūtīs waren Frauen. Der Gelehrte Ibn ʿAsākir überlieferte von über 80 Frauen aḥadīṯ und widmete ein ganzes Buch ihren Biografien. Aus den Biografien zahlreicher Großgelehrter geht deutlich hervor, dass ein wichtiger Faktor für ihren Erfolg, ihre Rechtschaffenheit und ihr Wissen jene Fundamente sind, die ihnen von gelehrten Frauen mitgegeben wurden.

Es besteht kein Zweifel daran, dass Frauen unter islamischer Herrschaft eine essentielle Rolle für die Entwicklung, die Weitergabe und den Erhalt von vielen verschiedenen Themenfeldern und islamischen Wissenschaften spielten. Dadurch bereicherten sie die islamische Kultur. Ferner genossen sie viel Respekt in der Gesellschaft. Sie wurden für ihre Koranexegesen und Rechtsgutachten, sowie ihre Kenntnisse im Allgemeinen geachtet und aufgesucht. Im Vergleich zu männlichen Gelehrten standen sie diesen nicht nach. Auch war bekannt, dass Frauen ihren Studentinnen eine Lehrerlaubnis erteilten. Es existieren sogar Aufzeichnungen darüber, dass weibliche Gelehrte ihr Wissen nutzten, um bestimmte Gerichtsurteile abzuwenden. So intervenierte Amrā bint ʿAbd ar-Raḥmān während einer Gerichtsverhandlung in Medina, als der Richter die Grenzstrafe (ḥadd) über einen Dieb aussprechen wollte, der zuvor einen Silberring stahl. Amrā bint ʿAbd ar-Raḥmān erinnerte den Richter daran, dass diese Strafe nur auf jenen anzuwenden ist, der etwas im Wert eines Viertel Dīnārs oder etwas Höherwertiges stiehlt. Infolgedessen revidierte der Richter seine Entscheidung und entließ den Angeklagten.

All die genannten Gelehrtinnen lebten ein islamisches Leben, wie man es sich vorstellen würde. Sie organisierten ihre Haushalte, kümmerten sich um ihre Kinder, erwarben Wissen und erlangten den Gelehrtenstatus, nahmen an gesellschaftlichen Angelegenheiten teil, standen für Gerechtigkeit ein, geboten das Gute und verboten das Schlechte und zogen den Regenten falls nötig zur Rechenschaft. Mohammad Nadwi Akram schreibt weiter: „Ich habe das letzte Jahrzehnt damit verbracht, viel Material durchzugehen, um Biografien von über 8000 muḥadiṯāt zu verfassen. Über keine von ihnen wurde berichtet, dass sie ihre Familie vernachlässigte oder in Hinblick auf ihre Pflichten gegenüber der Familie nachlässig wurde. Keine von ihnen fühlte sich unbegehrt oder einem Mann unterlegen. Auch vertrat keine von ihnen den Standpunkt, dass sie abgesehen von ihrer Familie gegenüber der Gesellschaft keine Verpflichtungen hätte.“

Zur Zeit des Kalifats gingen Frauen auch anderen Themenfeldern und Studien nach. Sie widmeten sich der Medizin, Astronomie, Mathematik, Kalligraphie, Dichtkunst und dem Ingenieurswesen. Lubnā von Córdoba war beispielsweise eine Expertin der Mathematik und Literatur des zehnten Jahrhunderts. Sie war imstande die komplexesten geometrischen und algebraischen Probleme zu lösen. Wegen ihres immensen literarischen Wissens wurde sie als Sekretärin des Kalifen al-Hakam II. eingestellt.

Mariam al-Asṭurlābī war eine Wissenschaftlerin und Erfinderin des zehnten Jahrhunderts n. Chr. Sie entwarf Sternhöhenmesser, die in der Astronomie genutzt werden, um die Position der Sonne und anderer Planeten zu ermitteln. Ihre Entwürfe waren derart innovativ, dass sie vom Stadthalter angestellt wurde. Lubnā aus Andalusien war eine Dichterin, die ebenfalls im zehnten Jahrhundert lebte. Sie zeichnete sich durch ihr grammatikalisches Verständnis und ihre Kenntnisse der Mathematik und Kalligraphie aus. Sie war eine der Hauptschreiberinnen des Staates und wurde mit offizieller Korrespondenz vertraut. Šuhdāʾ al-Baġdadiyya (genannt Faḫr an-nisāʾ - "Ruhm der Weiblichkeit") lebte im 12. Jahrhundert n. Chr. und war Spezialistin für Kalligraphie. Sie schrieb für den abbasidischen Kalifen al-Muqtafī. Man sagt, dass zu ihrer Zeit niemand imstande war, mit ihrer Kalligrafie zu konkurrieren. Die Frauen vom Stamm Zuhr waren Physikerinnen, die im 12. Jahrhundert für den Kalifen Abū Yūsuf Yaʿqūb al-Mansūr arbeiteten. Der osmanische Chirurg Şerefeddin Sabuncuoğlu arbeitete mit Chirurginnen zusammen, die in Anatolien Operationen an Patientinnen durchführten. Unter islamischer Herrschaft waren Frauen oft für ihre kalligraphischen Fähigkeiten berühmt. Sie fertigten von Spanien bis Syrien und vom Irak bis nach Indien Kalligraphien an und kopierten den Koran. Es wird berichtet, dass allein in Ost-Córdoba mehr als 170 Kalligraphinnen lebten, die fähig waren, den Koran kalligraphisch abzubilden. Viele von ihnen investierten ihr Geld in den Bau von Schulen, Universitäten und anderen Instituten. So sicherten sie sich ihren Lohn im Jenseits dadurch, dass sie ihr Leben dem Streben nach Wissen und ihren Wohlstand für die Bildung anderer widmeten.

Fāṭimah bint Ḥuzam al-Kulābīya gründete die erste Mädchenschule. Sie pflegte die Tage von der Legung des Fundaments bis zum vollständigen Ausbau des Gebäudes zu fasten. Fāṭima bint Muḥammad al-Fihrī gründete im Jahr 859 n. Chr. die erste Universität der Welt in Fès in Marokko (Universität al-Qarawīyīn) und spendete ihr gesamtes Erbe für den Bau dieser Universität. Auch sie fastete, bis der Bau abgeschlossen war. Aus dieser Universität wurde eines der renommiertesten und wichtigsten Lernzentren der Welt. Das Studium war kostenlos, während die Studenten Unterkünfte und Lebensmittel für die Studenten finanziert wurden.

All dies konnte durch die Implementierung der islamischen Gesetze unter der Herrschaft des Kalifats realisiert werden. Dieser Staat ermutigte seine Staatsbürger – Männer wie Frauen – dazu, den Islam und die Welt, die sie umgab, zu studieren und alle Lebensbereiche für das Allgemeinwohl weitestgehend zu optimieren. Ferner waren es die islamischen Prinzipien, auf denen das Kalifat aufgebaut wurde. Diese verpflichteten den Staat dazu, der Ausbildung von Frauen einen hohen Stellenwert beizumessen, da es unabdingbar ist, das Potenzial der Frauen gänzlich auszuschöpfen und dabei sicherzustellen, dass ihren Ansprüchen Genüge getan wird.

Eine derartige Realität haben die Frauen auch vom kommenden Kalifat zu erwarten, das – so der Erhabene will – schon bald gemäß der Methode des Prophetentums wiedererrichtet werden wird. Es wird ein erstklassiges Bildungssystem für all seine Bürger implementieren. Das Kalifat ist darüber hinaus dazu verpflichtet, Jungen und Mädchen gleichermaßen kostenfreie Bildungswege zu eröffnen. Dies schließt die Grund- und Hochschulausbildung in den islamischen Disziplinen, der arabischen Sprache, der Mathematik und den experimentellen Wissenschaften wie Biologie, Chemie und Physik mit ein.

„Das Erlernen dessen, was der Mensch im täglichen Leben benötigt, ist eine Pflicht, die der Staat jeder Person, männlich oder weiblich, in der Primär- und Sekundarstufe gewährleisten muss. Der Staat muss dies allen kostenlos zur Verfügung stellen. Auch den Zugang zur Hochschulbildung muss der Staat allen unter Ausschöpfung aller möglichen Ressourcen kostenlos ermöglichen.“ (Präambel zur Verfassung oder die verpflichtenden Gründe dafür – Teil 2, Hizb-ut-Tahrir, S. 356)

Aus dieser Betrachtungsweise heraus wird dieser glorreiche Staat danach streben, Analphabetismus unter Mädchen zu bekämpfen und den Bildungswünschen der Mädchen und Frauen nachzukommen. Er wird sie ermutigen, höhere Bildungsziele anzustreben und ihnen ermöglichen sich in weiten Feldern zu spezialisieren – einschließlich den islamischen Wissenschaften, der Medizin, der Wissenschaft, den Sprachen und den Ingenieurswissenschaften. Er wird ihre individuellen Fähigkeiten und Begabungen fördern, damit sie der Gesellschaft dienlich sind. Ein derartiges Vorgehen wird eine große Anzahl an Gelehrtinnen, Ärztinnen, Krankenschwestern und Lehrerinnen hervorbringen, die den Staatsbürgern das bestmögliche Bildungsniveau und eine optimale Gesundheitsversorgung ermöglichen werden. All dies wird innerhalb der Grenzen des islamischen Beziehungssystems realisiert werden. Dabei ist eine Trennung der Geschlechter an öffentlichen und privaten Schulen vorgesehen. Dadurch werden muslimische Schüler und Schülerinnen in die Lage versetzt, ihre Bildungswünsche im Rahmen der islamischen Gesetzgebung zu erreichen und ihre Ehre und Sicherheit zugleich zu wahren. Ferner wird das Kalifat danach streben, traditionelle oder kulturelle Barrieren jeglicher Art, die der Frauenbildung im Weg stehen oder Mädchen daran hindern, ihr Recht auf Bildung wahrzunehmen, zu beseitigen. Einzig die Implementierung der Gesetze des Erhabenen unter dem Schatten des Kalifats ist es, die eine solch vornehme Vision von der Bildung der Frau realiter umsetzen kann.

﴿الر ۚ كِتَابٌ أَنزَلْنَاهُ إِلَيْكَ لِتُخْرِجَ النَّاسَ مِنَ الظُّلُمَاتِ إِلَى النُّورِ بِإِذْنِ رَبِّهِمْ إِلَىٰ صِرَاطِ الْعَزِيزِ الْحَمِيدِ

Alif-Lām-Rā. Dies ist ein Buch, das Wir zu dir hinabgesandt haben, damit du die Menschen mit der Erlaubnis ihres Herrn aus den Finsternissen hinaus ins Licht bringst, auf den Weg des Allmächtigen und Lobenswürdigen (14:1)