KOMMENTAR

- 28.02.2019

Hizb-ut-Tahrir: Ein Name, der für die Reinheit und Klarheit der islamischen Idee steht und für die deutliche Methode - in einer Zeit, in der die Vernebelung und Abweichung vom rechten Wege des Propheten zugenommen haben.

 

بسم الله الرحمن الرحيم

Hizb-ut-Tahrir: Ein Name, der für die Reinheit und Klarheit der islamischen Idee steht und für die deutliche Methode - in einer Zeit, in der die Vernebelung und Abweichung vom rechten Wege des Propheten zugenommen haben.

Aus der Feder Abu Aiman al-Athuris – Wilaya Jemen

 

Gelobt sei Allah! Durch den dīn (die islamische Lebensordnung) hat Er der Umma Muhammads (s) Würde statt Erniedrigung verschafft.

Gelobt sei Allah! Durch den dīn hat Er der Umma Muhammads (s) Stärke statt Schwäche verliehen.

Gelobt sei Allah! Durch den dīn hat Er die Umma Muhammads (s) zu intellektueller Erhebung geführt statt in den Niedergang.

Gelobt sei Allah! Durch den dīn hat Er die Umma Muhammads (s) zu Befehlshabern statt zu Befehlsempfängern gemacht.

 

Die nahḍa (der intellektuelle Aufstieg) von Nationen ist an die Ideologien gebunden, auf deren Basis sie leben. Gelingt es einer Nation, ihre Ideologie zu verstehen und umzusetzen, schafft sie es, adäquat an die Welt heranzutreten und die Botschaft ihrer Ideologie zu verbreiten, wird sie den Weg nach oben beschreiten und den Gipfel des Ruhms erklimmen. In dem Maße, in dem die Ideologie im Geiste der Nation lebendig ist, in ihrem Leben verkörpert wird und als Botschaft an die gesamte Menschheit getragen wird, in dem Maße dauert das goldene Zeitalter einer Nation an. Versteht die Nation jedoch die eigene Ideologie fehlerhaft und setzt sie sie nicht richtig um, gerät das Vertrauen der Nation in ihre Ideologie bzw. in die Richtigkeit der Lösungen, die sich aus dieser Ideologie ableiten, ins Wanken. Sodann wird es nicht lange dauern, bis die Armeen, die stets bereitstanden, Länder zu eröffnen und Tag und Nacht die Grenzen bewachten, den Rückzug antreten. Nach und nach wird sich der Verfall dieser Nation bemerkbar machen, bis sie in die Tiefen des Niedergangs versinkt.

Doch selbst wenn eine Nation - und hier ist nun explizit die islamische Umma gemeint - sich in solch einem bedenklichen Zustand befindet, wird es ihr nicht an Aufrichtigen in ihren Reihen mangeln, die über ein geschärftes Empfinden und den Willen zur Veränderung verfügen, die versuchen, dieser Nation wieder Respekt zu verschaffen und ihre ursprüngliche Position wiederherzustellen. Jene Aufrichtigen jedoch werden auf die Erscheinungsformen des gewaltigen intellektuellen Verfalls prallen, den ihre Umma bereits erreicht hat. Sie werden mit jenem Zustand konfrontiert werden, in welchem die Umma sich befindet, weil es ihr an Klarheit fehlt, was die Ideologie betrifft ebenso wie an Klarheit, was die Methode dieser Ideologie angeht. Auch mangelt es ihr an Bereitschaft, diesem Denken zuzuhören und an Vertrauen in die Fähigkeit der Idee, eine Veränderung herbeizuführen.

Und in solch tiefer Finsternis ist die Not nach einem Erneuerer, einem muğaddid, wie es im Arabischen heißt, groß. In seinem Geist kristallisiert sich die Idee der Ideologie heraus, auch wird die Methode deutlich, wie die Ideologie umzusetzen ist. Das Gerüst der Prioritäten, die vonnöten sind, um die Umma wieder der Ideologie zuzuführen und die Ideologie erneut in das Leben der Umma einkehren zu lassen, vervollständigt sich.

Verfügt der Erneuerer nun über diesen Scharfsinn, verkörpert er diese Ideologie, ist er mit ihr verschmolzen und definiert er sein Leben nur noch über sie, misst er der Welt keinen besonderen Wert mehr bei und hat er deren Genüssen entsagt, besitzt er auch den ausreichenden Willen, diese schwere Last zu tragen, und bezieht er obendrein seine Kraft direkt aus seinem Glauben und aus seiner Ideologie, so hat die Umma einen Erneuerer aus ihrer Mitte geboren. Dieser wird den unwegsamen Weg beschreiten, um einen Parteiblock auf dem Boden der Ideologie keimen zu lassen, mit dem er an die Umma herantreten wird. Zu jeder Gelegenheit wird er die Probleme der Umma deutlich zur Sprache bringen und die Methode ihrer Lösung in Form der Ideologie und ihrer Gesetze aufzeigen. Er begibt sich in die intellektuelle Auseinandersetzung mit jeder anderen Idee bzw. jeder anderen Lebensordnung. Er stellt sich dem politischen Kampf und entlarvt die Herrscher, die Vasallen des ungläubigen Westens, und deckt die Verschwörungen auf, die gegen die Umma geschmiedet werden. Dabei bringt er die Fehler in den Ideen und Lösungen der anderen Ideologien ebenso deutlich zum Ausdruck wie deren mangelhafte Betreuung der menschlichen Angelegenheiten. Er zieht die Regenten auf Grundlage der Ideologie zur Rechenschaft und ruft die Umma dazu auf, Gleiches zu tun.

 

Die Entstehung von Hizb-ut-Tahrir

Die Entstehung von Hizb-ut-Tahrir ist eng mit dessen Gründer Scheich Taqī ad-Dīn an-Nabhānī (möge Allah ihm gnädig sein) verbunden. Er hat die größten Niederlagen der Umma und die schwersten Schicksalsschläge, von denen sie heimgesucht wurde, miterlebt. Aus den Ereignissen, die der Umma in jener Zeit das Rückgrat brachen und aus seiner Beschäftigung mit zahlreichen Bewegungen, die sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts um einen Aufstieg der Umma bemühten, zog er seine Lehren. Ihm kam zugute, dass er im Schoße einer Gelehrtenfamilie aufwuchs und sich dort fundamentales Wissen aneignen konnte. Geboren wurde er 1909 im Dorf Ijzim, wo er wohlbehütet unter den Fittichen seines Vaters aufwuchs, dem Fiqh-Gelehrten Ibrahim, der als Lehrer für islamisches Recht im Bildungsministerium von Palästina tätig war. Betreut wurde er ebenfalls von seinem Großvater mütterlicherseits, Scheich Yūsuf an-Nabhānī, einem angesehenen Gelehrten im Osmanischen Staat. Dank dieser besonderen Erziehung war es ihm möglich, noch vor seinem dreizehnten Lebensjahr den edlen Koran auswendig zu lernen. Ihm kamen der reiche Wissensschatz seines Großvaters und dessen Gesprächskreise zum islamischen Recht (fiqh) zugute. Mit den politischen Ereignissen, die sein Großvater mitverfolgte, war Nabhānī ebenso vertraut. Seine außerordentliche Begabung und seine scharfe Intelligenz erregten die Aufmerksamkeit des Großvaters. Und so überzeugte er Nabhānīs Vater von der Notwendigkeit, ihn 1928 an die Azhar-Universität zur Weiterführung seines Studiums des islamischen Rechts zu schicken, das er 1932 abschloss. Daraufhin kehrte Nabhānī nach Palästina zurück, um zunächst als Lehrer für islamische Rechtswissenschaft, dann als Richter am Scharia-Gericht in Jerusalem und schließlich als Mitglied des Berufungsgerichts zu arbeiten.

Scheich Taqī ad-Dīn an-Nabhānī wurde Zeuge der Zerstörung des Kalifats und erlebte die Schläge, von denen die Umma getroffen wurde und die den Körper dieser Umma in Stücke rissen. Er erlebte den Kolonialismus, der über die Umma herfiel ebenso wie die Besetzung Palästinas im Jahr 1948. Er wurde Zeuge der intellektuellen und kulturellen Invasion und erlebte die Haltung der muslimischen Gelehrten, die dieser gefährlichen Invasion apologetisch und mit Uminterpretationen der Offenbarungstexte begegneten, was mit dazu führte, dass sich das westliche Denken in den islamischen Ländern festigen konnte und das Vertrauen der Umma in den Islam als Lebensordnung erschüttert wurde. Während seines Studiums an der Azhar-Universität fragte, forschte und diskutierte Nabhānī, stets auf der Suche nach den Ursachen für den Zustand, in den die Muslime geraten waren, und nach der richtigen Methode zur Wiedererrichtung des imposanten „Bauwerks“ Kalifat, das von den Ungläubigen niedergerissen worden war.

Als Resultat dieses Fragens, Forschens und Denkens gelangte er zur Idee und Methode, um die Ideologie des Islam im Leben der Muslime erneut zu etablieren. Daher begann er, den „Bauplan“ für jenes Gebäude zu zeichnen und die Art und Menge des „Materials“ zu berechnen, das dafür nötig ist, bis er eine konkrete Vorstellung davon erlangt hatte, wie der Bau in all seinen Etappen vonstattengehen muss, von der Grundsteinlegung bis zur Fertigstellung. Welche Leitlinien und Bereiche sind das nun, die der Gründer (möge Allah ihm gnädig sein) definiert hatte und die von der Partei adoptiert wurden?

 

Erstens: Der intellektuelle Bereich

Gemäß Nabhānī ist der Verstand das Instrument, um Realität und Offenbarungstexte zu verstehen. Er ist jene Instanz des Bewusstseins, die es im Menschen anzusprechen gilt. Nabhānī gelangte zu einer präzisen Definition des Verstandes. Demnach ist Verstand die Übertragung der mittels der Sinnesorgane wahrgenommenen Realität ins Gehirn, welches in der Lage ist, eine Verknüpfung mit den Vorinformationen herzustellen. Diese Vorinformationen müssen vorhanden sein, um die Realität interpretieren und beurteilen zu können. Damit gelangte er zur Erkenntnis, wie der richtige Denkprozess beim Menschen vonstattengeht. Daher stimmen auch seine weiteren Erkenntnisse exakt mit der Realität überein. So definierte er Gesellschaft als eine Struktur, die nicht nur aus Individuen besteht, sondern sowohl aus Individuen als auch aus Ideen, Gefühlen und Systemen. Den Aufstieg (nahḍa) definierte er als die intellektuelle Erhebung, die durch erleuchtendes, an den spirituellen Bereich geknüpftes Denken zustande kommt. Es ist nicht der Fortschritt auf der Ebene des Lebensstandards, der Wissenschaft oder der materiellen Erscheinungsformen. Dies sind vielmehr die Folgen, die sich aus der intellektuellen Erhebung ergeben. Schließlich machte er deutlich, dass der Aufstieg sich ausschließlich durch eine Ideologie vollzieht. Ideologie definierte er als rationales Überzeugungsfundament, aus dem ein System hervorgeht. Er betrachtete Patriotismus, Nationalismus und das Interessendenken (maṣlaḥa) als temporäre, emotionale und zudem unmenschliche Bindungsarten, die sich nicht dafür eignen, eine dauerhafte und gesunde Verbindung unter Menschen herzustellen, wenn diese den Weg des Aufstiegs beschreiten wollen. Er zeigte auf, dass allein die ideologische Bindung in der Lage ist, eine richtige Verbindung unter den Menschen herzustellen. Und die einzig richtige ideologische Bindung ist die der islamischen ʿaqīda, die ʿaqīda von La ilaha illa Allah Muhammad Rasul Allah. Auch differenzierte er zwischen Kultur (ḥaḍāra) und Zivilisation (madanīya), zwischen Geistesbildung (ṯaqāfa) und Wissen (ʿilm), zwischen Regieren und Verwalten etc…

 

Zweitens: Der politische Bereich

Darüber hinaus hat die Partei feste politische Grundsätze aufgestellt, auf deren Basis sie sich politisch bewegt, sowohl im Verstehen und Analysieren als auch im praktischen Vorgehen. Nabhānī definierte Politik als die Wahrnehmung der Interessen der Umma sowohl nach innen als auch nach außen und verstand die islamische ʿaqīda als ein politisch-spirituelles Überzeugungsfundament. Die Partei, die über ein politisches Bewusstsein verfügt, betrachtet die Welt global und gleichzeitig aus einem spezifischen Blickwinkel heraus, nämlich dem der islamischen ʿaqīda. So verfolgt und analysiert die Partei Politik aus der Warte der islamischen ʿaqīda. Zu den Büchern, die die Partei publiziert hat, gehören: „Politische Konzeptionen“, „Politische Anschauungen“, „Politische Ideen“ und „Politische Themen“. Somit verfügt die Partei über umfassende Kenntnis, was die Weltpolitik und die internationale Lage betrifft. Pläne und Verschwörungen, die gegen die Umma geschmiedet wurden, deckte die Partei auf. So wissen wir genau, wie nach Entstehung des Kalifatsstaates mit den Kolonialmächten, die nach den Ländern der Muslime trachten, umzugehen ist. Dabei werden die Ursachen für die Stärke eines jeden Staates aufgezeigt, welche Gefahr von ihm ausgeht und wo seine Stärken bzw. seine Schwächen liegen.

 

Drittens: Der Bereich des islamischen Rechts (fiqh)

Die Partei erläuterte die Methode des Islam zur Ableitung islamischer Rechtssprüche (iğtihād) und legte darauf aufbauend ihr spezifisches Vorgehen beim iğtihād fest, indem sie die vier islamischen Beweisquellen gemäß den Regeln der islamischen Rechtsgrundlagen (uṣūl al-fiqh) und der entsprechenden Beweisstärke bestimmte: Koran, Sunna, Konsens der Prophetengefährten (iğmāʿ aṣ-ṣaḥāba) und die Rechtsanalogie (qiyās). Die Partei stützt sich dabei auf die korrekte Methode des iğtihād, welche auf die Feststellung des Sachverhalts (Rechtsgegenstand – manāṭ al-ḥukm) bzw. des Verstehens der Realität beruht und des anschließenden Studiums und genauen Prüfens der Offenbarungstexte, die auf die zu untersuchende Realität Bezug nehmen, um sicherzustellen, dass diese die adäquaten Stellen zur Problemlösung sind. Die Partei hebt sich außerdem dadurch ab, dass sie die Realität als Objekt und nicht als Quelle des Denkens betrachtet.

Die Partei weist ein detailliertes, tiefgründiges Islamverständnis auf und betont immerfort die Pflicht, dass der Islam im realen Leben durch die Errichtung eines islamischen Staates implementiert werden muss. Sie zeichnete ein klares Bild von diesem Staat, von dessen Fundamenten und den detaillierten Systemen, die dort zur Anwendung kommen. Deutlich formulierte sie das in ihren Büchern, Schriften, Publikationen und Flugblättern, darunter die Bücher „Der islamische Staat“, „Das Regierungssystem im Islam“, „Die Institutionen im Staate des Kalifats“, „Das Wirtschaftssystem im Islam“, „Das Beziehungssystem der Geschlechter im Islam“, „Das Strafsystem im Islam“, „Die Rechtsbeziehungen“, „Die Finanzen im Staate des Kalifats“, „Die Lebensordnung des Islam“, „Die islamische Persönlichkeit“ (1-3), „Die parteiliche Blockbildung“, „Konzeptionen von Hizb-ut-Tahrir“, „Demokratie ist ein System des Unglaubens“, „Das Kalifat“ und viele weitere. Sie alle hier aufzuführen würde den Rahmen sprengen. Damit hat die Partei deutlich und präzise die Methode formuliert, nach der sie bei ihrer Arbeit vorgeht.

Was die Partei von anderen islamischen Bewegungen unterscheidet, ist die detaillierte Vorstellung darüber, wie der Islam im Leben wieder eingeführt werden kann. Seine Wiedereinführung wird sichtbar, wenn zwei Dinge verwirklicht sind, die die Partei als Ziel ihrer Arbeit festgelegt hat. Diese sind:

Die Wiederaufnahme der islamischen Lebensweise durch die Errichtung des Kalifatsstaates, der den Islam implementiert und durch daʿwa und ğihād für dessen Ausbreitung sorgt.

Zu diesem Zweck hat die Partei ein komplettes, umfassendes Bild über sämtliche Bereiche islamischen Lebens präsentiert und die Tätigkeit des islamischen Staates dargelegt. Auch der ungläubige, kolonialistische Westen hat genau erkannt, dass diese beiden Faktoren die Quelle muslimischer Stärke sind und so von Anfang an darauf hingearbeitet, sie beide zu zerstören. Er legte den Fokus darauf, sie aus dem Leben und dem Geist der Muslime zu verbannen. In diesem Kontext möchten wir an den französischen König Louis IX. erinnern, von dem die Aussage stammt, dass das Geheimnis der muslimischen Stärke darin liege, dass sie den Koran zu ihrem Richter erhoben haben, sich um einen einzigen Kalifen scharen und die Idee des ğihād durch ihre Adern fließt.

In der Tat stellen diese Komponenten die Voraussetzung dar, um Größe zu erlangen: Das Richten nach dem, was Allah herabgesandt hat; die Einheit der islamischen Umma durch einen einzigen Kalifen und der ğihād als Speerspitze des Islam. All das vereint der Kalifatsstaat, der die allgemeine Führerschaft aller Muslime weltweit darstellt, damit das islamische Recht implementiert und der Islam an die Welt durch daʿwa und ğihād herangetragen wird.

Als das islamische Kalifat am 28. Rağab 1342 n. H. (3. März 1924 n. Chr.) zerstört wurde, äußerte Curzon, der damalige britische Premierminister, den Satz: „Nun haben wir die größte Stärke bezwungen, die die Muslime besitzen: Den Islam und das Kalifat.“

 

Die Methode von Hizb-ut-Tahrir zur Umsetzung seiner Idee:

Bevor wir uns der Methode widmen, möchten wir noch hervorheben, dass der Islam erst dann im täglichen Leben existiert, wenn folgende drei Pfeiler verwirklicht sind: ʿaqīda, Staat und ğihād. Der Erhabene sagt:

﴿الَّذِينَ آمَنُوا وَهَاجَرُوا وَجَاهَدُوا فِي سَبِيلِ اللَّهِ بِأَمْوَالِهِمْ وَأَنفُسِهِمْ أَعْظَمُ دَرَجَةً عِندَ اللَّهِ وَأُولَٰئِكَ هُمُ الْفَائِزُونَ

Diejenigen, die glauben und ausgewandert sind und mit ihrem Gut und ihrer eigenen Person für Allahs Sache kämpfen, haben den höchsten Rang bei Allah. Und dies sind wahrlich die Gewinner. (9:20)

„Diejenigen, die glauben…“, steht für die ʿaqīda, „…ausgewandert sind…“, steht für den Staat, die Stätte des Islam, in die man auswandert, und „…kämpfen….“, steht für den ğihād auf dem Wege Allahs.

Was nun die Methode (ṭarīqa) betrifft, so wurde sie aus der Methode des Gesandten (s) abgeleitet, wie er den islamischen Staat gegründet hat. Wir halten fest, dass der Gesandte (s) in der mekkanischen Phase drei Etappen durchschritten hat:

Die erste Etappe: Die Ausbildung und Blockbildung auf spiritueller Basis und auf Basis der ʿaqīda, um islamische Persönlichkeiten aufzubauen. Das bedeutet, dass auf Grundlage des Islam ein Block entsteht und ausgebildet wird.

Die zweite Etappe: Die Interaktionsphase der daʿwa. In ihr stechen intellektuelle Auseinandersetzung, politischer Kampf und die Suche nach Unterstützung hervor. Die Gesellschaft wird mit den islamischen Ideen und Konzepten angesprochen, die die Partei adoptiert hat.

Die dritte Etappe: Die Errichtung des Staates und die Übernahme der Macht

Dies ist, zusammengefasst, die islamrechtliche Methode. Es handelt sich um eine klare Methode für das Tragen der islamischen daʿwa. Die Partei trägt die daʿwa, ohne sich auf Friedensangebote einzulassen oder sich jemandem anzubiedern und ohne eine stufenweise Implementierung oder Kompromisse zu akzeptieren. Sie schmeichelt niemandem auf Kosten der islamischen Ideologie und orientiert sich dabei am Beispiel des Gesandten Allahs (s), als die Quraiš mit ihm für einen Kompromiss über Macht, Geld und Rang verhandeln wollten, während er aber standhaft blieb und nur das Wohlgefallen Allahs vor Augen hatte, bis Allah ihm schließlich den Sieg verlieh.

 

Resumée

Hizb-ut-Tahrir zeichnet sich durch eine genaue Vorstellung und ein unversehrtes Verständnis vom Islam und vom Staat des Islam aus. Um sein Projekt in die Tat umzusetzen, hat er einen Verfassungsentwurf erstellt, bestehend aus 191 Artikeln, die durch korrekten iğtihād gemäß der Stärke des Beweises (dalīl) abgeleitet wurden und auf der Grundlage der islamischen Rechtsquellen sowie der Rechtsprinzipien, die die Partei adoptiert hat, beruhen. Die Partei hat dafür gesorgt, dass sämtliche Bereiche des Lebens im Verfassungsentwurf enthalten sind. Allah (t) allein preisen wir dafür, dass Er der Partei diesen Erfolg beschieden hat. Der Erhabene sagt:

﴿فَلَا تُزَكُّواْ أَنفُسَكُم هُوَ أَعلَمُ بِمَنِ ٱتَّقَىٰ

So erklärt nicht euch selbst für rein. Er weiß besser, wer gottesfürchtig ist.

(53:32)

Mit dieser intellektuellen Reinheit und Klarheit stellt die Partei der Umma und der gesamten Welt unablässig ihre Idee und ihr Projekt vor. An der islamrechtlichen Methode zur Errichtung des islamischen Kalifats hält sie fest, standhaft und ohne vom erstrebten Ziel, dieses Kalifat zu errichten, abzulassen, in Erfüllung folgenden Hadithes des Gesandten Muhammad (s):

“تكون النبوة فيكم ما شاء الله أن تكون، ثم يرفعها إذا شاء أن يرفعها، ثم تكون خلافة على منهاج النبوة، فتكون ما شاء الله أن تكون، ثم يرفعها إذا شاء الله أن يرفعها، ثم تكون ملكًا عاضًّا، فيكون ما شاء الله أن يكون، ثم يرفعها إذا شاء أن يرفعها، ثم تكون ملكًا جبرية، فتكون ما شاء الله أن تكون، ثم يرفعها إذا شاء أن يرفعها، ثم تكون خلافة على منهاج النبوة، ثم سكت”

„Das Prophetentum wird unter euch weilen, solange Allah es weilen lässt. Dann wird Allah es aufheben, wenn Er es aufheben will. Sodann wird ein Kalifat gemäß dem Prophetentum entstehen. Es wird weilen, solange Allah es weilen lässt. Dann wird Allah es aufheben, wenn Er es aufheben will. Sodann wird eine bevorrechtete Herrschaft folgen. Sie wird weilen, solange Allah sie weilen lässt. Dann wird Allah sie aufheben, wenn Er sie aufheben will. Sodann wird eine Gewaltherrschaft folgen. Sie wird weilen, solange Allah sie weilen lässt. Dann wird Allah sie aufheben, wenn Er sie aufheben will. Sodann folgt ein Kalifat gemäß dem Plan des Prophetentums.“ Dann schwieg er. (Bei Aḥmad tradiert)

Heute wird Hizb-ut-Tahrir von einer bewussten, aufrichtigen Führung geleitet, die den Weg des Propheten eins zu eins beschritten hat. Gegründet und aufgebaut wurde die Partei vom Hochgelehrten Taqī ad-Dīn an-Nabhānī. In seine Fußstapfen trat der ehrenwerte Gelehrte ʿAbd al-Qadīm Zallūm, „Abū Yūsuf“. Und gegenwärtig hat der Gelehrte und hochqualifizierte Spezialist im Bereich islamischer Rechtsgrundlagen ʿAṭāʾ ibn Ḫalīl Abū ar-Rašta das Steuer der daʿwa in der Hand. In dieser Führung vereinten sich das korrekte Bewusstsein und der richtige Wille. Mit ihnen wurde die Arbeit zu einem Ganzen. Wir bitten Allah (t) um Erfolg und darum, weiterhin das Rechte zu tun!

Allah sei gedankt, dass trotz der relativ kurzen Dauer der daʿwa der Partei, die islamische Umma sich nun nach dem Islam sehnt und danach brennt, erneut von ihm regiert zu werden. Vielleicht ist Hizb-ut-Tahrir jene aufrichtige politische Bewegung, derer die Umma bedarf, um sie von ihrer derzeitigen Tortur zu befreien. Von der Tortur einer Herrschaft, die nicht auf dem beruht, was Allah herabgesandt hat.  und um sie von der Ungerechtigkeit des Kapitalismus zu befreien, der unmenschlich und kriminell ist. Es ist womöglich diese aufrichtige politische Führung, die fähig ist, eine Einheit unter der Umma zu erzeugen, indem ein islamischer Staat errichtet und der Islam über sie angewandt wird. Dieser Staat wird sie die Welt erneut anführen lassen. Wer wenn nicht die Partei, die doch der Lotse ist, der seine Leute kein einziges Mal belogen hat.

Oh Allah! Dein Versprechen ist Wahrheit. Erfreue unsere Herzen mit der Gründung des Staates des Islam, dem Kalifat nach dem Plane des Prophetentums, der Staat, mit dem sowohl der Bewohner der Himmel als auch der Bewohner der Erde Zufriedenheit erlangt. Amin!

 

Quelle: Die Zeitschrift al-Waie, Ausgabe 378/379/380, 33.Jahrgang, Rajab/Shaban/Ramadan 1439 n.H. (April/Mai/Juni, 2018 n.Chr.)