KOMMENTAR

- 26.03.2019

Der Anschlag in Christchurch (Neuseeland) im Blickpunkt

Am vergangenen Freitag kam es in Neuseeland zu einem Anschlag auf die Muslime in Christchurch, einer Stadt auf der Südinsel von Neuseeland. Dieser Vorfall hat weltweit viele Debatten losgetreten. Ein schwer bewaffneter Schütze fuhr am 15.03.2019 zu einer Moschee und eröffnete dort angekommen das Feuer auf all jene, die diese Moschee besuchten. Zuvor veröffentlichte der Täter ein Manifest im Internet, im Rahmen dessen er sein Motiv für diese abscheuliche Tat ausführlich darlegte. Mehrere Minuten lang feuerte er auf Männer, Frauen und Kinder im Inneren der Moschee, ohne auch nur den Hauch von Skrupel zu zeigen. Während der Tat filmte er sich selbst und die Geschehnisse mit einer Kamera, die an seinem Helm befestigt war. Die aufgenommenen Szenen streamte er live, sodass jeder Schaulustige an seiner widerwärtigen Tat teilhaben konnte. Angriffe solcher Art werden zumeist als zufällig oder wahllos abgetan. Tatsache ist jedoch, dass sich die Übergriffe auf Muslime weltweit häufen, sodass es regelmäßig zu solchen Anschlägen kommt. Daher müssen die Probleme, die für solche Anschläge ursächlich sind und die Täter antreiben, nun mehr denn je angegangen werden. Die Politiker schauen weg und versuchen diesem Diskurs auszuweichen.

Während der letzten zwei Jahrzehnte fand ein weltweiter Krieg gegen den Terror statt, der sich gegen die Muslime und ihre Weltanschauung richtete. Dieser Krieg ist maßgeblich dafür ursächlich, dass der Islam und die Muslime zum Feindbild der Menschheit avancierten. Nun könnte womöglich bald der Höhepunkt dieser anti-islamischen Hysterie erreicht werden. Die Notwendigkeit von Interventionen in der islamischen Welt rechtfertigte man mit dem Vorhandensein des radikalen Islam, der eine Bedrohung für die westliche Welt darstelle. Jedoch war dies nur ein Vorwand der ungläubigen Kolonialisten, um in die Geschehnisse der islamischen Welt eingreifen und infolgedessen ihre strategischen Ziele verwirklichen zu können. Man rechnete nicht damit, dass sich die Besatzung der muslimischen Länder derart in die Länge ziehen würde. Als der Hass auf den Islam und die Muslime offen zu Tage trat und die Muslime begannen sich gegen die Besatzung ihrer Länder zur Wehr zu setzen, nutzten westliche Politiker und Medien das Thema des Terrorismus aus, um so die anhaltende Präsenz des Westens in Ländern wie Afghanistan und dem Irak rechtzufertigen.

Nun mag der ein oder andere meinen, dass ihn all diese Krisen und Probleme im Ausland nichts angehen. Sieht man von all diesen ab, so lässt sich auch im Inland, bzw. im europäischen Raum eine gewisse ausländerfeindliche oder islamfeindliche Entwicklung erkennen. Diese anti-islamischen Gefühle werden genutzt, um von wirtschaftlichen Misserfolgen und politischen Missständen abzulenken. Auch versucht man davon abzulenken, dass das, was wir als „unsere Regierungen“ bezeichnen, tatsächlich nur zahlenmäßig winzige Eliten sind. Infolgedessen werden große Teile der Bevölkerung der westlichen Welt radikalisiert, da sie die Muslime und andere Einwanderer für ihre Probleme verantwortlich machen. Dies, obwohl eine winzige politische Elite für all die gesellschaftlichen Probleme verantwortlich ist.

So lässt sich der fruchtbare Boden, auf dem das Gedankengut rechtspopulistischer und rechtsextremer Gruppen und Individuen fußt, am besten beschreiben. Die Popularität der Rechten nahm zu, sodass Vertreter dieser politischen Richtung in einigen Fällen – wie beispielsweise in den Vereinigten Staaten von Amerika – sogar an die Macht kommen konnten.

Mehrfach sind wir Zeugen darüber geworden, wie die politischen Eliten, die Regierungen und die Medien von all ihren Misserfolgen abzulenken versuchen, indem sie die Migranten im Allgemeinen und Muslime im Speziellen für Probleme verantwortlich machen. Sie schufen über die letzten Monate und Jahre hinweg eine hasserfüllte Atmosphäre. Gleichzeitig lenkten sie von ihrer eigenen Unfähigkeit ab und bewahrten sich selbst vor Diskussionen und Debatten über das, worauf die westlichen Gesellschaften aufbauen. Das Handeln der politischen Eliten, Regierungen und Medien wird nicht länger in Frage gestellt und ihre Überzeugungen dürfen weder kritisiert, noch ausdiskutiert werden. Diese säkularistische Elite hat den Kampf gegen den sogenannten Terrorismus zu ihrer Außenpolitik erklärt und infolgedessen eine chaotische Welt geschaffen. Sie hat die Durchsetzung ihrer eigenen politischen Interessen zum Motiv, was für sie ausreichend genug war, um Gesellschaften voller Hass zu schaffen und diesen Hass weiter zu schüren.

Terroristische Anschläge, Verbrechen im Allgemeinen, wirtschaftliche Probleme, Probleme im Dienstleistungssektor usw.: in all diesen Fällen lastet man die Ursache von Missständen den Muslimen oder Zuwanderern an, was zwangsläufig zu Abneigung und infolgedessen zu Hass gegenüber fremden Völkern führt, da man diese für all seine Probleme verantwortlich macht.

Diese säkularistische Politik dient einzig dem Zweck, die Eigeninteressen der politischen und wirtschaftlichen Elite durchzusetzen, den Angehörigen dieser Eliten einen gewissen Status, und Fortschritte in Hinblick auf ihre politische Karriere zu verschaffen. Dies stellt den Dreh- und Angelpunkt der Politik des Kapitalismus dar. Demgegenüber wird die Betreuung der Angelegenheiten des Volkes, der eigentliche Kernaspekt der Politik, gänzlich vernachlässigt. Das schreckliche Blutbad an den Muslimen von Christchurch ist auf einen einfachen Grund zurückzuführen: der Grund für den Mord an ihnen war, dass sie Muslime waren. Das terroristische Attentat von Brenton Tarrant ist das Ergebnis jener hasserfüllten Ideologie, die nicht nur von extremen Rechten, sondern auch von Think-Tanks, Politikern und Mainstream-Medien der westlichen Welt vertreten wird. Dasselbe Gedankengut fordert das Leben der Muslime in Palästina, Kaschmir und Xinjiang, wo Muslime verfolgt und abgeschlachtet werden.

Der sogenannte Krieg gegen den Terrorismus ist nur ein Vorwand um einen weltweiten Krieg gegen den Islam führen zu können. Betrachtet man die heutige Welt, so scheinen die westlichen Regierungen darüber besorgt, dass die Muslime weltweit ihren Unmut über die Unterdrückung der Muslime kundtun. Dieses islamische Erwachen im In- und Ausland stellt eine Gefahr für die zuvor erwähnte politische Elite dar, da eine Debatte um die Fähigkeit der kapitalistischen Ideologie, Gerechtigkeit und Frieden zu säen, unausweichlich scheint. Die kapitalistische Ideologie wird niemals imstande sein, verschiedene Völker und Religionen zu einen, sodass Menschen unterschiedlicher Abstammung und Kultur harmonisch koexistieren. Eine Debatte rund um diese Behauptung wäre der Nagel im Sarg des kapitalistischen Westens, weshalb seine Wächter weiterhin versuchen werden, einen politischen Diskurs mit allen Mitteln zu vermeiden.