KOMMENTAR

- 19.05.2019

Die Liebe zum Propheten bedeutet die Errichtung seines Kalifats!

Das vor nicht allzu langer Zeit stattgefundene Aufbegehren von tausenden von Muslimen in Faizabad in Pakistan wurde von vielen lediglich als ein Ausbruch des Unmutes über die amtierende Regierung missverstanden, der keinen Bezug zum Islam hatte. Über mehrere Wochen hinweg kam es aus Sympathie zu jenen Protesten in Faizabad in ganz Pakistan zu weiteren Protesten. Die Situation schien sich zuzuspitzen, die Regierung schien die Kontrolle zu verlieren. So beauftragte diese die Armee damit, den Protesten unter Anwendung von Gewalt Einhalt zu gebieten – das Militär verweigerte dies jedoch.

Nach Einschätzung einiger Analysten stellten die Proteste für das Militär einen Weg dar, Druck gegenüber der Zivilregierung aufzubauen. Andere wiederum behaupteten, dass die Stellungnahme des Militärs, keine Gewalt gegen ihr eigenes Volk anwenden zu wollen, heuchlerisch sei, in Anbetracht der Tatsache, dass durch die Vorkommnisse in Wasiristan ohnehin schon Blut an ihren Händen klebt. Eine andere oberflächliche Einschätzung der Situation besagt, dass das Militär schlichtweg im besten Interesse des pakistanischen Volkes handelt. Die Schwäche der Regierung kam in jedem Fall zum Vorschein und veranschaulichte, dass diese nicht auf Basis der Ansichten des Volkes aufgebaut wurde.

Was jedoch eindeutig ist, ist, dass das pakistanische Volk eine tiefe Liebe zum Islam, zu Allah (t) und Seinem Gesandten (s) verspürt.

 

Was geschah in Faizabad?

Es gab Bestrebungen jenen Eid zu verändern, den Parlamentarier ablegen müssen. Im Rahmen dieser Bestrebungen sollte die Eigenschaft des Propheten (s) als Siegel der Propheten aus dem Eid entfernt werden, was die Krise entfachte. Die Bewegung Tehreek-e-Labbaik Pakistan, angeführt von Khadim Hussain Rizvi, rief am 6. November 2017 zu einem Sitzstreik, einem sogenannten dharna, aus, um die Verabschiedung dieses Gesetzes zu verhindern. Am 27. November wurde eine Einigung zwischen den Protestanten und der Regierung getroffen. Nach anfänglichen Versuchen, die Entscheidung als „klerikalen“ Fehler darzustellen, gab der Justizminister Zahid Hamid nach und bot seinen Rücktritt an. Die Regierung akzeptierte ebenso, den Treueid in seiner ursprünglichen Form zu belassen, um die Krise abzuwenden. Diverse andere Klauseln wurden in der Vereinbarung festgehalten. So wurde eine Ermittlung unter Aufsicht des pakistanischen Senators Raja Zafar ul Haq gegen all diejenigen eingeleitet, die zu der Änderung des Eides aufriefen. Der Ermittlungsreport sollte innerhalb von 30 Tagen veröffentlicht werden und die Beschuldigten nach geltendem Gesetz angeklagt werden.

 

Die Liebe zum Propheten (s) bedeutet, dem Weg des Gesandten zu folgen!

﴿قُلْ إِن كُنتُمْ تُحِبُّونَ اللَّهَ فَاتَّبِعُونِي يُحْبِبْكُمُ اللَّهُ وَيَغْفِرْ لَكُمْ ذُنُوبَكُمْ ۗ وَاللَّهُ غَفُورٌ رَّحِيمٌ

Sag: Wenn ihr Allah liebt, dann folgt mir. So liebt euch Allah und vergibt euch eure Sünden. Allah ist Allvergebend und Barmherzig. (3:31)

﴿وَمَا آتَاكُمُ الرَّسُولُ فَخُذُوهُ وَمَا نَهَاكُمْ عَنْهُ فَانتَهُوا

Was nun der Gesandte euch gibt, das nehmt; und was er euch untersagt, dessen enthaltet euch. (59:7)

﴿لَّقَدْ كَانَ لَكُمْ فِي رَسُولِ اللَّهِ أُسْوَةٌ حَسَنَةٌ لِّمَن كَانَ يَرْجُو اللَّهَ وَالْيَوْمَ الْآخِرَ وَذَكَرَ اللَّهَ كَثِيرًا

Ihr habt ja im Gesandten Allahs ein schönes Vorbild, (und zwar) für einen jeden, der auf Allah und den Jüngsten Tag hofft und Allahs viel gedenkt. (33:21)

Der Sitzstreik in Faizabad bewies, dass viele Muslime in Pakistan alles für den Propheten (s) opfern würden. Was den Muslimen klar werden muss ist, dass nicht nur die Eigenschaft des Gesandten als Siegel der Propheten eine Schicksalsfrage darstellt. Ebenso ist die Frage nach dem Regierungssystem, welches er (s) etablierte, eine Angelegenheit derselben Gewichtigkeit.

Abū Saʿīd al-Ḥudrī berichtet, dass der Gesandte Allahs (s) sprach:

«إِذَا بُويِعَ لِخَلِيفَتَيْنِ، فَاقْتُلُوا الْآخَرَ مِنْهُمَا»

„Wenn zwei Kalifen die baiʿa geleistet wird, so tötet den Letzteren von beiden.“

Dieser ḥadīṯ indiziert, dass die Einsetzung eines Kalifen eine Angelegenheit von fundamentaler Wichtigkeit ist. Wenn dieser Umstand korrekt verstanden wird, werden nicht nur die Muslime in Pakistan, sondern die Muslime überall auf der Welt nach dem Sturz der Regime, die ihnen aufgezwungen wurden, streben. All diese Unrechtsregime müssen durch eine Regierungsform basierend auf der Sunna des Propheten (s) ersetzt werden.

 

Die Demokratie ist nicht von der Sunna des Propheten

Die Demokratie gehört nicht zum Islam, vielmehr ist sie ein System, welches von den kolonialistischen Mächten durch ihre Handlanger auf die Muslime angewandt wird. Es ist die Demokratie, die zu blasphemischen Gesetzesänderungen in Pakistan führte.

Am 17. September 2017 gab die pakistanische Regierung stolz bekannt, dass sie die Menschenrechte basierend auf westlichen Werten in Pakistan anwenden würde.

„Als Beispiel kann herangeführt werden, dass kein Urteil eines niederen Gerichts in Fällen der Blasphemie von höheren Gerichten bestätigt wurde. Niemand wurde unter Anwendung dieser Gesetze bestraft.“ Die US-Mission teilte den Vereinten Nationen am 12. November 2017 in Genf folgendes mit: „Die Vereinigten Staaten heißen die pakistanische Delegation in der Universal Periodic Review Arbeitsgruppe willkommen und empfehlen Pakistan die Aufhebung der Blasphemiegesetze, sowie ferner, dass diese Gesetze nicht länger über Muslime der Ahmadi-Bewegung und andere Gruppen angewandt wird. Außerdem sollte Pakistan dem UN-Sonderbeauftragten zur Überwachung der Verbreitung und zum Schutz der Meinungsfreiheit Zutritt gewähren.“

Das demokratische System stärkt all jene, die sich nach der Implementierung eines Systems fernab der Sunna sehnen. Demnach dürfen die Muslime ein solches System nicht als das ihrige anerkennen.

 

Die Autorität gebührt den Muslimen in Pakistan

Einige Muslime in Pakistan glauben, dass sie nicht die Möglichkeit hätten, in ihrer derzeitigen Situation eine Veränderung herbeizuwirken. Der Sitzstreik in Faizabad zeigt jedoch deutlich auf, dass dies nicht der Fall ist. Keine Regierung kann der Macht ihres Volkes standhalten. Ihre Legitimität beruht einzig und allein auf der Akzeptanz des Volkes. Aus diesem Grund sind Regierungen darin bestrebt, die Informationen, die an die Öffentlichkeit gelangen, zu überwachen. In den letzten Tagen des Faizabad-Protestes hatte die Regierung eine Medienblockade erwirkt, ebenso wie eine Stilllegung des Mobilfunknetzes, um somit die Bevölkerung im Dunklen über die Geschehnisse zu halten. So sollte bei einem möglichem Kontrollverlust über die Situation der damit verbundene Kollaps der Regierung verhindert werden.

Die Scharia legt die Aufstellung eines Kalifen durch die Umma über die Erteilung der baiʿa fest. Der Kalif erhält über die baiʿa die Autorität, und regiert somit über das Volk. Dass der Kalif die baiʿa vom Volk erhalten muss, belegt, dass die Autorität in den Händen des Volkes liegt. Das Volk ist dazu befugt, diese Autorität weiterzugeben, wie es ihm beliebt.

Um eine Änderung in der Situation und eine Verbesserung der Umstände, in der sich die Muslime heute überall auf der Welt wiederfinden, zu bewirken, muss die Umma den Aufbau eines Staates nach dem Vorbild des Propheten (s) forcieren. Durch die überwältigende Meinung die somit entstehen würde, wären die Regierungen unweigerlich gezwungen den Platz für die Errichtung des Kalifats zu räumen.

 

Das Kalifat ist das Regierungssystem des Propheten

Das derzeitige System in Pakistan ist sehr weit von der Sunnah des Propheten (s) entfernt. Der Ruf der Protestanten in Faizabad hätte zu einem deutlich bedeutenderen Wechsel führen müssen. Das pakistanische Regierungssystem basiert auf dem Vermächtnis der britischen Kolonialisten, verpackt unter islamischem Deckmantel. Die Eigenschaft des Gesandten (s) als Siegel der Propheten als Bestandteil des Eides der Parlamentarier ist eines dieser islamischen Elemente. Die Muslime müssen verstehen, dass sie das gesamte System als einen Angriff auf die Sunna des Propheten (s) wahrnehmen müssen. Die folgenden ahādīth belegen, wenn dieser Beleg überhaupt noch vonnöten ist, dass das Kalifat das System ist, dass unser geliebter Prophet (s) uns als Regierungssystem hinterlassen hat. Muslim überlieferte über Abū Hā zim, dass dieser sagte: „Ich begleitete Abū Huraira für fünf Jahre und hörte ihn über den Propheten (s) sagen, dass dieser sprach:

«كانت بنو إسرائيل تسوسهم الأنبياء، كلما هلك نبي خلفه نبي، وإنه لا نبي بعدي، وستكون خلفاء فتكثر، قالوا فما تأمرنا؟ قال: فُوا ببيعة الأول فالأول، وأعطوهم حقهم، فإن الله سائلهم عما استرعاهم»

 „Das Volk Israel wurde von Propheten betreut. Immer wenn ein Prophet starb, folgte ihm ein anderer. Nach mir wird aber kein Prophet mehr sein. Es werden jedoch Kalifen kommen, und deren Zahl wird groß sein.“ Man fragte ihn: „Und was befiehlst du uns?“ Er antwortete: „Erfüllt die baiʿa des jeweils Ersteren und gebt ihnen ihr Recht, denn Allah wird sie über das ausfragen, was Er ihnen in ihre Obhut gelegt hat.“

Muslim tradiert von Al-Āʿraǧ über Abū Huraira über den Propheten, dass er sagte:

«إنَّمَا الْإِمَامُ جُنَّةٌ يُقَاتَلُ مِنْ وَرَائِهِ وَيُتَّقَى بِهِ»

„Der Imam ist ein Schild, man kämpft hinter ihm und schützt sich durch ihn.“

Diese ahādīth belegen deutlich, dass das Kalifat das Regierungssystem nach dem Vorbild der Sunna ist.

 

Muslime müssen das Kalifat fordern

Zu leugnen, dass der Gesandte (s) das Siegel der Propheten ist, ist eine äußerst ernste Angelegenheit. Sie stellt dennoch nicht die Ursache des Problems, in der sich alle Muslime weltweit heute wiederfinden, dar. Die Inaktivität in Bezug auf den Mord an Tausenden unserer Rohingya-Geschwister ist nur eines dieser Probleme. Die Komplizenschaft der Türkei, Saudi-Arabiens, Jordaniens und vieler anderer Staaten bei der Auslöschung der Muslime in Syrien ebenso. Der andauernde Konflikt in Kaschmir und der amerikanische Terror im ganzen Land müssen an dieser Stelle ebenfalls erwähnt werden. Dies ist nur ein Bruchteil der zahlreichen Probleme, unter denen die Muslime derzeit zu leiden haben.

Wenn Muslime wie diejenigen in Faizabad und in ganz Pakistan ihre Forderungen deutlich machen, so müssen diese Forderungen nicht nur kleine Teilaspekte betreffen, sondern eine totale Änderung der Situation beinhalten. Die Muslime müssen die Anwendung des Islam in Form eines Systems fordern. Es muss nach einem System verlangt werden, das wahrhaft die islamischen Anschauungen der Muslime repräsentiert. Lediglich die Absetzung eines einzelnen Politikers oder die Änderung eines einzelnen Gesetzes zu fordern, wird keine langfristige Änderung bewirken. Es ist an der Zeit, dass Muslime sich darüber im Klaren sind, was sie zu fordern haben. Es liegt dann bei Allah (t), ob Er unserer Bitten nach dem Sieg erhört, die Tore für die Vergebung öffnet und die Wiedererrichtung des prophetischen Staates, des Kalifats, bewirkt.

 

Abdulhafeez