KONZEPTION

- 09.07.2019

Der Alkoholkonsum ist für einen von zwanzig Todesfällen weltweit verantwortlich

 

Obwohl behauptet wird, dass die jüngere Generation weniger Alkohol konsumiert, hat eine aktuelle Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ergeben, dass der Alkoholkonsum immer noch für 5% aller Todesfälle weltweit verantwortlich ist. Diese Zahl steigt auf 13,2% an, wenn man nur Menschen der Altersgruppe zwischen 20 bis unter 30 Jahren betrachtet.

Um zu verdeutlichen, dass die derzeitige Weltpolitik in Hinblick auf den Umgang mit Alkohol nicht mehr zeitgemäß ist, schrieb Dr. Vladimir Poznyak von der WHO Folgendes:

„Leider hinkt die Umsetzung der effektivsten politischen Optionen hinterher, während sich die Probleme weiterhin verschlimmern.“ Dem fügte er Folgendes hinzu: „Alle Prognosen deuten darauf hin, dass sowohl der weltweite Alkoholkonsum, als auch die damit verbundenen Schäden in den kommenden Jahren ansteigen werden.“

Er warnte, dass „die Regierungen mehr Einsatz zeigen müssten, um die globalen Ziele zu erreichen und die Belastung der Gesellschaft durch Alkohol zu verringern; Dass dies geschehen muss ist klar, doch fehlt der nötige Einsatz, bzw. ist der vorhandene Einsatz in den meisten Ländern der Welt nicht ausreichend.“

Aus dem Bericht der Weltgesundheitsorganisation geht hervor, dass der Alkoholkonsum ein echtes Problem ist, und, dass die derzeit angebotenen Lösungen für dieses Problem nicht funktionieren.

Was die Policen anlangt, die zur Lösung dieses Problems führen sollen, so werden diese ähnlich wie in anderen Fällen viel zu spät implementiert. Man weigert sich die eigentlichen Gründe für das Problem zu untersuchen.

Für die meisten Menschen geht der Alkoholkonsum mit einem gewissen Lebensstil einher. Dies im Gegensatz zu vielen anderen Gesundheitsproblemen der modernen Welt, wie beispielsweise Fettleibigkeit und Überzuckerung. So ist der Alkohol kein fester Bestandteil der täglich konsumierten Lebensmittel, sondern vielmehr ein fundamentaler Bestandteil des täglichen Lebens. Der Mensch nimmt den Alkohol nicht unbewusst zu sich. Seit Jahren tauchen widersprüchliche Studien über die positiven und negativen Auswirkungen des Alkoholkonsums auf den menschlichen Organismus auf. Unabhängig von diesen zeigt die Realität klar auf, dass in Gemeinden und Gesellschaften, in denen der Konsum von Alkohol an der Tagesordnung steht, die destruktiven sozialen und gesundheitlichen Probleme, die der Alkoholkonsum verursacht, nur allzu offensichtlich sind.

Die Verfügbarkeit einer breiteren Produktauswahl und günstigerer Produkte in den Supermärkten hat dazu geführt, dass es zur Selbstverständlichkeit geworden ist, nach einem harten Arbeitstag das eine oder andere Glas Wein zu sich zu nehmen. Und obwohl man versucht hat dem Menschen klarzumachen, welches Maß an Alkohol sie pro Woche „konsumieren sollten“, scheint die Vorstellung darüber, dass der Alkoholkonsum die verdiente Belohnung für hartes Arbeiten ist, zu überwiegen. Tatsächlich verschwendet der Trinkende keinen Gedanken an den Schaden, den er seinem Körper durch den Konsum von Alkohol zufügt.

Diejenigen, die Alkohol bis zum Übermaß konsumieren, tun dies aus einer Reihe von sozioökonomischen Gründen. Dabei versäumt es der Kapitalismus, sich mit diesen Gründen zu befassen. Oftmals wird der exzessive Alkoholkonsum damit begründet, dass man versucht sich anderen Problemen zu entziehen. Dabei sind diese Probleme zwangsläufig Ergebnisse einer Gesellschaft, die auf den Konsum und Individualismus ausgerichtet ist.

Der Kapitalismus weiß einen konsumorientierten Lebensstil effektiv zu vermarkten. So dreht sich das Leben des Menschen in kapitalistischen Gesellschaften stets darum, die neuesten Gerätschaften, die besten Beziehungen und das schnellste Auto zu erwerben. Das Problem an einem solchen Lebensstil ist, dass diejenigen, die nicht imstande sind all diese Dinge zu erwerben, rasch zum Alkohol greifen, um mit der daraus resultierenden „Enttäuschung“ fertig zu werden. Auf diese Weise füllen sie die Lücke, die durch den Anspruch entstanden ist, den der Kapitalismus den Menschen auferlegt hat.

Alkoholkonsumbedingte Probleme sind nicht nur auf eine bestimmte sozioökonomische Bevölkerungsgruppe zurückzuführen, obwohl die Art und Weise, wie verschiedene Gruppen den Alkohol konsumieren und welche Alkoholsorten sie bevorzugen, extrem unterschiedlich ist. Tatsache ist jedoch, dass niemand gegen die negativen Auswirkungen des Alkoholkonsums immun ist. Die Gründe des Menschen für den Konsum von Alkohol sind ebenso vielfältig, wie die Menschen selbst, die den Alkohol konsumieren. Angefangen bei Säufern, die nur Alkohol trinken, über Jugendliche, bis hin zu gut bezahlten Führungskräften, die den Alkoholkonsum als Entspannungsmöglichkeit verstehen: jeder dieser Menschen hat einen Grund für seinen Konsum. All dies hängt mit einem Defizit im sozialen Gefüge der kapitalistischen Gesellschaft zusammen. Uns geht es nicht darum all jene Menschen zu verunglimpfen, die Alkohol konsumieren. Vielmehr geht es uns um die Kritik am System selbst, das eine nicht zweckmäßige Lebensweise kreiert und diese den Menschen schmackhaft gemacht hat.

Es stimmt, dass die Regierungen tatsächlich mehr tun müssen, um die Probleme des Alkoholkonsums anzugehen. Allerdings haben kapitalistisch geprägte Gesellschaften keinerlei Motivation die eigentlichen Ursachen des Problems zu korrigieren. Selbst wenn der Alkoholkonsum wie durch ein Wunder weltweit zurückgehen sollte, würden die Menschen stattdessen zu einer anderen Art von Gift wechseln, um künstlich den Lebenssinn zu ersetzen, der ihnen fehlt.

Ein Mensch, der nicht imstande ist Ruhe und Gelassenheit zu finden, wird unweigerlich nach einem Weg zur Flucht aus seiner Misere suchen. Der Kapitalismus stellt den Menschen Möglichkeiten zu einer solchen Flucht zur Verfügung, so z.B. in Form von Materialismus und sinnlichem Genuss.

Soziale Medien, übermäßiger Konsum und mangelndes Selbstwertgefühl erhöhen den Druck, unter dem die Menschen in der modernen Gesellschaft stehen. Die Menschen fühlen sich wertlos, weil sie Fehlentscheidungen trafen, nicht das beste Auto fahren oder einfach mit ihrem Alltag überfordert sind. Hinzu kommen der wirtschaftliche Niedergang und Sparmaßnahmen. Aus all diesen Dingen resultiert ein gesellschaftlicher Zusammenbruch, der nicht aufzuhalten ist.

Der Kapitalismus schafft derartige Probleme nicht nur, sondern bietet gleichzeitig noch eine vermeintliche Lösung für diese an, die jedoch mit hohen Kosten verbunden ist. Wirtschaftlich betrachtet bezeichnet man dies als Win-Win-Situation für den Kapitalismus. Denn faktisch wird eine derartige Entwicklung nur dann zu einem Problem für das System, wenn die Probleme auf die Polizei oder den Gesundheitsapparat übergreifen. Mit anderen Worten ausgedrückt reagiert der Kapitalismus nur, wenn die Probleme das System selbst betreffen.

Der einzige wirkliche Weg, mit der derzeitigen Krise umzugehen, ist, die Probleme der modernen Gesellschaft ganzheitlich anzugehen, statt die Symptome des Problems immer dann zu behandeln, wenn sie sichtbar werden.

Die größte Herausforderung jeder Gesellschaft besteht darin, Individuen zu formen, die sich über ihren materiellen Besitz hinaus selbst wertvoll fühlen, und deren Lebenssinn nicht von dem bestimmt wird, was sie auf Instagram oder Facebook sehen. Prinzipientreue Persönlichkeiten innerhalb der Gesellschaft, die sich ihrer Verantwortung gegenüber der Gesellschaft bewusst sind, werden stets dafür sorgen, dass der Alkoholkonsum weder als Flucht noch als Erfüllung von Vergnügen angesehen wird.

Der Islam verbietet den Konsum von Alkohol – nicht wegen der negativen Nebenwirkungen die der Konsum auf die Gesundheit des Menschen hat, sondern vielmehr wegen der negativen Auswirkungen, die der Konsum auf die Gesellschaft hat.

﴿يَسْأَلُونَكَ عَنِ الْخَمْرِ وَالْمَيْسِرِ ۖ قُلْ فِيهِمَا إِثْمٌ كَبِيرٌ وَمَنَافِعُ لِلنَّاسِ وَإِثْمُهُمَا أَكْبَرُ مِن نَّفْعِهِمَا﴾

Sie fragen dich nach berauschendem Trunk und Glücksspiel. Sag: In ihnen (beiden) liegt große Sünde und Nutzen für die Menschen. Aber die Sünde in ihnen (beiden) ist größer als ihr Nutzen. (2:219)

Es wird berichtet, dass, als jene Koranverse offenbart wurden, die den Konsum von Alkohol verbieten, die Prophetengefährten ihren vorhandenen Alkoholbestand zerstörten und einige von ihnen sogar den Alkohol erbrachen, den sie kurz zuvor noch konsumiert hatten.

Ein derartiger Gehorsam gegenüber den Gesetzen Allahs (t) wird heutzutage vermieden und in der egozentrischen Welt von heute als lächerlich betrachtet. Jedoch ist diese Tradierung das perfekte Beispiel dafür, wie einfach der Gehorsam gegenüber Allah (t) sein kann.

Die Kommerzialisierung von Alkohol hat zahlreiche soziale Probleme verursacht. Der liberale Westen legt sich bei der Lösung dieser Probleme selbst Grenzen auf. Infolgedessen werden Maßnahmen umgesetzt, die sich mit den Symptomen des Problems befassen. Dabei entspringen diese Symptome dem, was der Westen selbst legalisiert hat. Der Islam hingegen verbietet Rauschmittel grundsätzlich, unabhängig davon, welche Steuern erhoben werden könnten oder welche Teilvorteile sich aus diesen ergeben. Der Islam verbietet dem Menschen, zu bestimmen, was richtig und falsch ist – wodurch effektiv verhindert wird, dass die menschlichen Neigungen zum entscheidenden Kriterium für richtig oder falsch werden. Vielmehr ist es Allah (t), Der als Einziger darüber zu entscheiden hat.