POLITISCHE F&As

- 29.08.2019

Die Hintergründe der vergangenen und der aktuellen Ereignisse in Aden

Im Namen Allahs des Erbarmungsvollen des Barmherzigen

Antwort auf eine Frage

Die Hintergründe der vergangenen und der aktuellen Ereignisse in Aden

 

Frage:

Was sind die Hintergründe der vergangenen und der aktuellen Ereignisse in Aden? Und wie kann es zu Kampfhandlungen zwischen dem Übergangsrat al-Zubaidis und der Regierung Hadis kommen, obgleich Hadi selbst Aidarous al-Zubaidi als Gouverneur in Aden eingesetzt hatte. Und auch nachdem al-Zubaidi abgesetzt wurde, blieb er in Aden, ohne dass vonseiten der Hadi-Regierung Maßnahmen gegen ihn ergriffen wurden. Mehr noch: Zubaidi zog seine Kämpfer unter den Augen der Regierung zusammen! Und schließlich: Was ist aktuell zu erwarten, nachdem der Südliche Übergangsrat (STC) die Kontrolle über Aden übernommen hat?

Mein Dank und Respekt.

 

Antwort:

Zum besseren Verständnis müssen folgende Punkte erläutert werden:

Erstens: Seit Beginn der Militäroperation „Sturm der Entschlossenheit“ war den Briten bewusst, dass die saudische Intervention in Form militärischer Luftschläge nicht wirklich der Zerschlagung der Huthis galt. Andernfalls hätten sie Bodentruppen eingesetzt. Mit dieser Operation sollten vielmehr die Huthis, die sich den Militärflugzeugen entgegenstellten, als Beschützer des Jemen dastehen. So erscheinen sie als diejenigen, denen Unrecht getan wurde und gleichzeitig als tapfere Helden, sodass sie unter der Bevölkerung und in der öffentlichen Meinung Anerkennung finden, und das sollte ihnen mit einer stärkeren Beteiligung an einer Regierung im Jemen quittiert werden. Die Huthis waren nämlich von einem einfachen Stamm aus der Region Sa´da zu einer Konkurrenz für die Regierung im ganzen Jemen avanciert! Und da den Briten dies bewusst war, sorgten sie dafür, dass sich die Vereinigten Arabischen Emirate im Rahmen des Militärbündnisses (Sturm der Entschlossenheit) an Saudi-Arabien hefteten, um den Emiraten die tatsächliche Konfrontation mit den Huthis zu ermöglichen. Großbritannien begann die Emirate zu mobilisieren, um zwei Ziele zu realisieren:

Das erste Ziel: Die Schaffung einer Alternative zu Abed Rabbo Mansur Hadi, der hilflos und so gut wie gefangen in Saudi-Arabien festsitzt. Die Briten wollten daher für sich in Aden eine Alternative zu Hadi schaffen, der allein ihnen – den Briten – unterworfen und kein Gefangener der Saudis sein soll. Daher machten sich die Emirate Schritt für Schritt an die Hervorbringung einer Alternative ran. Im Süden des Jemen gab es den sogenannten „Hirak-al-Janubi“ (Bewegung des Südjemen), der 2007 offiziell seine Gründung bekanntgab, dessen Vorsitzender der oppositionelle Aktivist Hassan Baoum war. Dieser hatte Verbindungen zu den USA und wurde vom Iran unterstützt. Stets fürchtete Großbritannien dessen Aktivitäten. Doch diese Furcht verstärkte sich erheblich, nachdem Ali Saleh zu Tode kam. Denn der britische Einfluss im Norden schwand zunehmend, nachdem es den Huthis gelang, ihren Einfluss im Norden zu etablieren. Daher begannen die Briten, ernsthaft zu überlegen, eine eigene Macht im Süden aufzubauen, um ein Druckmittel in der Hand zu haben, das ihnen eine Präsenz in der Regierung des gesamten Jemen möglich machen sollte. Sollte dies nicht gelingen, so wenigstens im Süden des Landes. So begannen sie, sich ernsthafte Gedanken über die Sicherstellung ihrer Vormacht zu machen, zumal sie sich nicht komplett auf al-Hadi verlassen konnten, der sich unter der Aufsicht Saudi-Arabiens befand. Und so nahm sich Großbritannien dieser Angelegenheit an, unter Zuhilfenahme der Emirate. Man wollte den eigentlichen „Hirak“ durchdringen bzw. marginalisieren, indem sich ein neuer „Hirak“, der das Feld übernehmen soll, herausbildet. Die Briten konzentrierten sich darauf, mithilfe der Vereinigten Arabischen Emirate und ihrer Helfershelfer eine Parallelbewegung zum Baoum-Lager zu bilden, der dem eigentlichen „Hirak“ in der Südjemenfrage das Wasser abgraben sollte. In Aidarous al-Zubaidi fanden die Briten den geeigneten Mann. Er gehörte zu den prominenten Führungsfiguren in der Südbewegung. Und da er der Briten-Clique nahestand, ernannte Präsident Hadi ihn am 7. Dezember 2015 zum Gouverneur von Aden, nur wenige Monate nach Beginn des saudischen „Sturms der Entschlossenheit“ (März 2015). Das gilt als starkes Indiz dafür, dass die Großbritannien-Vasallen ihm vertrauten. Zubaidi war hochangesehen in Aden, galt er doch als erfolgreicher Gouverneur in der Stadt. Denn er hatte wieder für Strom gesorgt, vertrieb die bewaffneten Gruppen aus der Stadt und führte einen Kampf gegen die Huthis. Er machte auf sich als bedeutende politische Persönlichkeit aufmerksam, die dem legendären Führer der Südbewegung Hasan Baoum zur Konkurrenz wurde. Militärisch stützt sich Aidarous al-Zubaidi auf Hani bin Brik, dem Gründer der Truppen des „Südgürtels“, der weithin als Mann der Emirate im Südjemen bekannt war. Er gründete die als „Sicherheitsgürtel“ bezeichnete Miliz im Süden, die offen von den Vereinigten Arabischen Emiraten unterstützt wurde. (Sasa Post, 02.11.2017) Sowohl al-Zubaidi als auch Brik hatten also einen gewissen Status im Süden. Doch da sie beide der Regierung Hadi angehörten und ihre Loyalität ganz offensichtlich den Briten gilt, was sie als Werbeträger für die Südbewegung ausgeschlossen hätte, bestand der erste Schritt darin, sie aus der Hadi-Regierung herauszutrennen, und das auf eine Weise, die sie (und ganz besonders Zubaidi) als große Gegner des Hadi-Lagers erscheinen lassen. So würden sich die Südbewohner um al-Zubaidi scharen, mit der Folge, dass sich ein neuer „Hirak“ herausbildet. Und genauso geschah es. Am 27. April 2017 verfügte der jemenitische Präsident die Entlassung al-Zubaidis als Gouverneur von Aden und Hani bin Briks als Staatsminister, wobei gegen Letzteren noch Ermittlungen durchgeführt wurden. Tausende Jemeniten gingen daraufhin aus Protest gegen die Beschlüsse Hadis in Aden auf die Straße. Anschließend erklärte sich Zubaidi am 11. Mai 2017 in Aden zum Präsidenten des „Südlichen Übergangsrates“ (STC) und Hani bin Brik zu seinem Stellvertreter. Dem Rat gehörten noch weitere 26 Mitglieder an. Und so brachten die Briten in Form des STC und mithilfe der Emirate eine Alternative zur Hadi-Regierung hervor, um den neuentstandenen Rat dann zum Einsatz zu bringen, wenn dessen Rolle benötigt wurde. Der STC blieb in Aden mit einer nicht zu unterschätzenden Macht, geschützt von der emiratischen Armee.

Das zweite Ziel: Die Befreiung Hudaidas aus dem Griff der Huthis

a) Die Emirate drangen in den Jemen sowohl aus der Luft als auch vom Boden ein, da ein Luftkrieg alleine die Schlacht am Boden nicht entschieden hätte, sondern erst mit dem Einsatz von Bodentruppen. Daher trieben die Emiratis ihre Streitkräfte und ihre Helfershelfer in Richtung Hudaida, bis sie kurz davor waren, die Hafenstadt den Huthis zu entreißen, hätten sich nicht die Amerikaner mit dem Vorwand humanitärer Unterstützung entgegengestellt. Dass das Interesse an Hudaida so groß war, liegt daran, dass die Briten wussten, dass die Unterstützung des Iran den Rücken der Huthis stärkt. Nachdem der Flughafen von Sanaa geschlossen wurde und die Häfen im Süden eingenommen wurden, blieb der Hafen von Hudaida eine der letzten Lebensadern zur Unterstützung der Huthis aus dem Iran. Aus diesem Grund rückten die Emiratis in Richtung Hudaida vor, um auch dort die Kontrolle zu übernehmen.

Die Huthis ihrerseits sahen sich großen Gefahren ausgesetzt, nämlich in Form einer nahen Eroberung der Stadt Hudaida und des Hafens durch Milizen, die von den Emiraten unterstützt wurden und die schon vor deren Toren standen. So gestaltete sich die Schlacht um Hudaida und eine bevorstehende Einnahme des Hafens durch die Emirate und ihre Milizen zur größten Bedrohung für die Huthi-Herrschaft im Jemen. Um das zu verhindern, mobilisierten die Huthis all ihre Kräfte, während die Amerikaner ihre Verantwortlichen mobilisierten, um die humanitäre Lage im Jemen zu beweinen: Der Hafen von Hudaida sei die Lebensader, um eine Hungerkatastrophe im Jemen noch verhindern zu können. Die Emirate und ihre lokalen Verbündeten warteten nur auf Gelegenheiten von internationalem Format, um weitere Offensiven zu führen und die Kontrolle endgültig über Hudaida zu erlangen, nachdem sie vor deren Toren standen. Das Aufhalten der emiratischen Offensive auf Hudaida wurde daher zur entscheidenden Angelegenheit für die Amerikaner, denn ein Entgleiten Hudaidas aus der Hand der Huthis, hätte sie in Bedrängnis gebracht!

b) Schließlich kam es in Istanbul zu dem grausamen Mord an dem saudischen Journalisten Jamal Kashoggi, was international zu einer anti-saudischen Stimmung führte, in deren Sog auch Donald Trump geriet, da er sich vor das Königreich Saudi-Arabien stellte. Amerika meinte nun, die internationale Aufmerksamkeit auf eine andere Angelegenheit lenken zu müssen, die, so weit es geht, das Thema Kashoggi überdecken und Saudi-Arabien ebenso wie die Trump-Regierung aus der prekären Lage befreien sollte. So kam der Jemen ins Spiel. Der US-Senat stimmte für eine Beendigung der amerikanischen Militärhilfe für den Krieg im Jemen ab. In einem historischen Schritt haben die Mitglieder des US-Senats mit einer Mehrheit von 56 Stimmen zu 41 Gegenstimmen für eine Beendigung der militärischen Unterstützung der von Saudi-Arabien geführten Operation im Jemen gestimmt. (Reuters, 14.12.2018) Auf dieser Grundlage und um dem international in die Bredouille geratenen Königreich herauszuhelfen und Gras über die Kashoggi-Angelegenheit wachsen zu lassen, riefen die USA dazu auf, binnen dreißig Tagen die Waffen ruhen zu lassen. US-Verteidigungsminister James Mattis, forderte die jemenitischen Konfliktparteien zu einer Waffenruhe innerhalb der nächsten dreißig Tage im Jemen auf sowie zu ernsten Verhandlungen zur Beendigung des Krieges im Land. „Die Kriegsparteien im Jemen müssen sich in Richtung Friedensbemühungen bewegen“, betonte er. Er fügte hinzu: „Das benötigen wir binnen der nächsten dreißig Tage. Ich glaube, dass Saudi-Arabien und die Emirate bereit sind, diese Sache anzugehen.“ (al-Khaleej, 31.10.2018)

c) Es folgte das Schweden-Abkommen, mit dem das Jemen-Problem beigelegt werden sollte. Den Briten war bewusst, dass dieses Abkommen von Amerika gesteuert wurde - zugunsten der Huthis. Denn die Verhandlungspartner waren zum einen die Huthis und zum anderen al-Hadi, der ohnehin den Saudis ausgeliefert war. Es kursierten zwar Berichte darüber, dass die Regierungsdelegation der Ansicht war, das Abkommen nicht zu unterzeichnen, da es nicht den Abzug der Huthis aus Hudaida vorsah. Doch auf Druck Saudi-Arabiens stimmte al-Hadi zu! Al-Jazeera berichtete Quellen zufolge, die Regierungsdelegation habe Hadi, der sich „in Riad aufhielt“, ein Papier vorgelegt mit der Empfehlung, das Abkommen nicht zu unterzeichnen, da dort nicht explizit der Rückzug der Huthis aus der Stadt und aus dem Hafen von Hudaida festgelegt wurde. Doch der jemenitische Präsident wurde aufgrund des starken Drucks, der die vergangenen Stunden vonseiten Saudi-Arabiens auf ihn ausgeübt wurde, zur Unterzeichnung gedrängt. (Al-Jazeera.net, 13.12.2018) Von amerikanischer Seite wurde dieses Abkommen selbstverständlich offen begrüßt. US-Außenminister Pompeo begrüßte das Abkommen und betonte, dass „der Frieden im Jemen nun möglich ist.“ (BBC, 14.12.2018) Die Amerikaner waren daran interessiert, das Abkommen ohne einen Abzug der Huthis aus Hudaida durchzusetzen und gingen davon aus, dass dies möglich ist. Denn beide Verhandlungsseiten, sowohl die Huthis als auch der in saudischer Hand befindliche Hadi, waren ihnen gegenüber gefügig.

 

Zweitens: Großbritannien war der Ansicht, dass nun die aktive Rolle der Hadi-Alternative angebracht war.

Wann immer es den USA gelingen sollte, die Macht der Huthis im Norden des Jemen zu etablieren, sollte es eine stabile britische Hadi-Alternative im Süden geben, sodass weder die USA noch Saudi-Arabien eine Lösung mit den Huthis finden können. Und das auch nicht in Gegenwart des britischen Vasallen Hadi, der ja von Saudi-Arabien, das wiederum mit den USA verbunden ist, beherrscht wird. Stattdessen würden sie im Süden einen starken britischen „Hirak“ als Hindernis vorfinden, der für Großbritanniens Interessen arbeitet und sich nicht in saudischer Gewalt befindet. Somit wäre Großbritannien Teil einer jeden Lösung für das Jemen-Problem. Auf diese Weise wurde die Alternative, d. h. der Übergangsrat al-Zubaidis, aktiviert, um die Ereignisse in Aden einzuleiten:

1. Die jüngsten Ereignisse in Aden überstürzten sich in auffälliger Form! Eine Eskalation zwischen dem STC und den Streitkräften der international anerkannten Regierung in Aden ging in Gefechte zwischen den Kräften des „Sicherheitsgürtels“ und den Truppen der Regierung über, was am 7. August 2019 seinen Anfang nahm. Und am Abend des 10. August, also nur vier Tage später, gab der „Südliche Übergangsrat“ nach viertägigen Gefechten bekannt, die Kontrolle über den Präsidentenpalast Maashik in Aden übernommen zu haben. (France 24, 10.08.2019) Ebenso fielen weitere Militärstützpunkte und auch die Behörden in Aden.

2. Was zur schnellen Entscheidung, „innerhalb von vier Tagen“, beitrug, war die Tatsache, dass sowohl die Hadi-Regierung und die Institutionen als auch der Präsident der Republik und sein Stellvertreter Großbritannien zugewandt sind, sodass sie dem STC die Durchführung seiner ihm von den Briten zugewiesenen Mission erleichtert haben! So war der „Südliche Übergangsrat“ imstande, die Angelegenheit rasch zu entscheiden. Es gibt einige Indizien, die genau darauf hinweisen:

a) Ein Verantwortlicher aus den Truppen des „Sicherheitsgürtels“ erklärte: „Wir haben den Maashik-Palast kampflos von der Präsidentengarde übernommen.“ (France24, 10.08.2019)

b) Der jemenitische Innenminister Ahmad al-Maisari sagte: „Das Schweigen des jemenitischen Präsidialamtes zu den Vorgängen in Aden ist ominös und inadäquat.“ (Al-Jazeera, 11.08.2019)

c) Der Kommandeur der Special Forces der jemenitischen Regierung, Generalmajor Fadl Baesh, gab am Samstag, den 10.08.2019, bekannt, zum STC übergelaufen zu sein. Dabei wurde ein Video über Plattformen ausgestrahlt, die dem STC gehören, wo Fadl Baesh seine Lossagung von den regulären Regierungsstreitkräften und seinen Beitritt und den seiner Soldaten zu dem Südlichen Übergangsrat unter Vorsitz von Oberst Aidarous al-Zubaidi bekanntgab. (Middle East online, 10.08.2019)

d) Daneben gibt es die bedeutende Rolle der Vereinigten Arabischen Emirate, die sich ebenso wie ihr Meister (Großbritannien) der Täuschung bedienen. Denn die Emirate sind der Hauptunterstützer von al-Zubaidi! Trotzdem haben sie nach jeder Aktion, mit denen sie die Pläne Saudi-Arabiens sabotierten, unverzüglich erklärt, Teil der von Saudi-Arabien geführten Koalition zu sein und gemeinsam für die Stabilität des Jemen zu arbeiten!

 

Drittens:

Es scheint, dass Saudi-Arabien nicht mit dieser Schnelligkeit gerechnet hat, mit der es zu einer Entscheidung gekommen ist, zumal sich das Land mitten in der Pilgerzeit befand. Der STC hat die Stadt Aden am 10. August eingenommen. Nun erst begann Saudi-Arabien die Sache zu realisieren:

a) Die Koalition zur Unterstützung der legitimen Regierung im Jemen forderte am gestrigen Tag zu später Stunde alle militärischen Teile und Formationen im Jemen, darunter die STC-Truppen und die Kräfte des „Sicherheitsgürtels“, die die dortige Lage unter ihre Kontrolle gebracht hatten, zur sofortigen Rückkehr in ihre Standorte auf sowie von den von ihnen in den vergangenen Tagen eroberten Stellungen abzuziehen und kein öffentliches und privates Eigentum anzutasten.(…) Zudem rief die Allianz zur sofortigen Feuerpause in der jemenitischen Interimshauptstadt Aden auf, beginnend mit null Uhr der vergangenen Nacht. Die Allianz betonte, dass ihre Truppen „militärische Stärke“ gegen jeden einsetzen werde, der sich dem widersetzen sollte. Der STC erklärte sich nur Minuten nach Ablauf der Frist mit der Feuerpause einverstanden und schätzte die Einladung Riads zu einem Dialog. (Al-Sharq al-Awsat, 11.08.2019) Gleichwohl erklärte der stellvertretende Präsident des Übergangsrates Hani bin Brik auf Twitter, der Rat sei nach wie vor der Allianz verpflichtet, bekräftigte jedoch, „keine Verhandlungen im Zeichen von Bedrohung“ zu führen. Eine Quelle von verantwortlicher Seite aus der Arabischen Koalition bezeichnete die Erklärung des Übergangsrates zu der Feuerpause als gut, jedoch als nicht ausreichend und unterstrich die Notwendigkeit eines Abzugs des STC aus den Standorten, die er durch bewaffnete Handlungen eingenommen hatte. Laut der Quelle werde das Treffen zwischen den jemenitischen Seiten und Saudi-Arabien stattfinden, „sobald der Übergangsrat abgezogen ist und seine Truppen in ihre Stellungen zurückgekehrt sind.“ (Independent Arabiya, 11.08.2019)

b) Um der Verlautbarung der Koalition Glaubwürdigkeit zu verleihen, griff das Militärbündnis eine der Stützpunkte an. Es zielte auf einen der Orte, von dem eine Gefahr für die international anerkannte jemenitische Regierung seitens der Separatisten in der provisorischen Hauptstadt Aden ausging. Laut der Allianz ist es die erste Operation dieser Art, der noch eine weitere folgen könnte, sollte die Waffenstillstandserklärung in Aden nicht eingehalten werden. In dieser wurde auch mit Einsatz von Gewalt gegen diejenigen gedroht, die dagegen verstoßen. (Al-Arabiya, 11.08.2019)

c) Laut der Quelle eines Verantwortlichen aus der Arabischen Koalition hätten die Kräfte des Südlichen Übergangsrates damit begonnen, sich aus einigen Regionen, die sie in Aden unter ihrer Kontrolle hatten, zurückzuziehen, nachdem Streitkräfte der Koalition eine Stellung des STC angegriffen hatten. Dieser Angriff kam nach Warnungen, die die Führung der Koalition in einer Verlautbarung am Samstagabend (10.08.2019) ausgesprochen hatte, wonach eine sofortige Feuerpause in Aden gefordert wurde. (RT, 11.08.2019)

 

Viertens: Voraussichtlich wird eine der zwei folgenden Optionen eintreten:

Erstens: Die Saudis, die beide Konfliktparteien zu einem Dialog aufgerufen haben, werden so weit es geht versuchen, al-Zubaidi und seinen Rat unter ihre Kontrolle zu bringen, ähnlich wie bei Hadi und seiner Regierung, wenngleich es nicht einfach ist, dies zu erreichen. Denn Großbritannien steckt hinter der Gründung des STC, da Hadi in die Gewalt Saudi-Arabiens geraten ist. Daher werden es die Briten nicht zulassen, dass der STC in die gleiche Grube fällt, in die auch Hadi hineinfiel. Wahrscheinlicher ist, dass Saudi-Arabien bei al-Zubaidi und seinem STC mit Zuckerbrot und Peitsche vorgehen wird. Die Saudis werden al-Zubaidi mit der Aussicht ködern wollen, an der Hadi-Regierung mit umfassenden Vollmachten beteiligt zu werden, während Hadi zwar weniger Vollmachten erhalten, jedoch zur Gesichtswahrung Präsident bleiben würde. Die Saudis würden andernfalls al-Zubaidi - sollte er ablehnen - mit militärischen Angriffen drohen. Es wäre nicht abwegig, dass das Treffen zwischen König Salman und dem Kronprinzen von Abu Dhabi am 12.08.2019 diesem Zweck diente, damit die Dinge wieder so eingerenkt werden, wie sie ursprünglich waren. Denn den Saudis ist vollkommen bewusst, dass die VAE hinter der Entstehung des Übergangsrates unter dem Vorsitz al-Zubaidis stecken.

Zweitens:

Sollte der STC sich weigern und die Bestrebungen Saudi-Arabiens somit ins Leere laufen, würden die Briten unmittelbar eingreifen, das Gespräch mit den USA suchen und diesen versichern, den Übergangsrat zu Verhandlungen mit den Huthis zu drängen, um eine Lösung zu schaffen, bei der die Huthis großzügig an der Regierung beteiligt würden. Es wird wohl kein Zufall gewesen sein, dass Muhammad al-Bukhaiti, Mitglied des politischen Büros der Huthis, am 11.08.2019, also gleich nachdem der Übergangsrat Aden eingenommen und Saudi-Arabien die Konfliktparteien zu einem Dialog aufgerufen hatte, auf seiner Facebook-Seite schrieb: „Wir laden alle politischen Kräfte, besonders deren zentrale Elemente, verkörpert durch Ansar Allah, die Kongresspartei, die Reformpartei und den Übergangsrat, dazu auf, sich an den Verhandlungstisch zu setzen, um den Krieg zu beenden und sich auf die Bildung einer neuen Übergangsregierung zu einigen, in der alle repräsentiert sind und sich sodann auf einen Versöhnungsplan verständigen.“ Für eine solche Lösung scheinen die Rahmenbedingungen mittlerweile geeignet zu sein. Die USA möchten die Jemen-Frage zu einem Ende bringen, wie aus ihren Erklärungen kurz vor Beginn der Schweden-Verhandlungen herauszuhören war. Und von saudischer Seite will man aus dem Sumpf im Jemen wieder herauskommen. Die Briten wiederum haben nun jemanden, der ihren Befehlen folgt, ohne unter Saudi-Arabiens Fittichen zu stehen, sodass auch sie mit Verhandlungen einverstanden wären und sie diesen nicht mehr im Wege stünden, wie es früher der Fall war, da Hadis Hände gebunden waren. Sollten sich die USA mit Großbritannien auf eine gemeinsame Lösung einigen, würden ihre jeweiligen Getreuen diese Lösung umsetzen, also die Huthis, der STC und Saudi-Arabien. Doch was einer gemeinsamen Lösung unter Kapitalisten stets im Wege steht, ist das Prinzip von Ausbeutung und Nutzen, welches regelrecht durch ihre Adern fließt. Denn die Priorität sowohl bei den Amerikanern als auch bei den Briten ist noch vor einer gemeinsamen Lösung die folgende: Dem anderen die Lösung aufzuzwingen, die den eigenen Interessen dient. Und das ist es, was die Verhandlungen in die Länge ziehen wird, während der Huthi, der Saudi, Abed Rabbo Mansur Hadi und der STC auf der Wartebank sitzen!

 

Fünftens:

Was schmerzt, ist die Tatsache, dass die Jemeniten imstande wären, ihre Angelegenheiten selbst zu lösen, wenn sie Allah (t) gegenüber loyal und aufrichtig gegenüber dem Gesandten (s) wären. Wie können sie denn unseren Feinden die Lösung unserer eigenen Angelegenheiten überlassen?! Die ungläubigen Kolonialisten erörtern und studieren Lösungen, indem sie das Blut der Muslime fließen lassen. Danach nehmen sie um das Schlachtfeld herum Platz, um eine für ihre Interessen günstige Lösung auszuwählen. Die Herrscher und ihre Handlanger in den muslimischen Ländern irren indes in ihrem Fehlgang umher. So, als würde sich alles am Mond abspielen und nicht in den Ländern der Muslime! Unsere Angelegenheiten in die Hände der kolonialistischen Ungläubigen zu legen, damit diese sie lösen, und der unterwürfige Kniefall vor ihnen, stellen ein gewaltiges Verbrechen dar, das den Tätern nichts als Schande im Diesseits und schmerzhafte Strafe im Jenseits beschert.

﴿سَيُصِيبُ الَّذِينَ أَجْرَمُوا صَغَارٌ عِنْدَ اللَّهِ وَعَذَابٌ شَدِيدٌ بِمَا كَانُوا يَمْكُرُون

Diejenigen, die Übeltaten begehen, trifft Erniedrigung bei Allah und eine harte Strafe für ihr falsches Spiel. (6:124)

 

12. Ḏū l-Ḥiǧǧa, n. H.

13.08.2019 n. Chr.