KONZEPTION

- 28.09.2019

Die Frau aus islamischer Perspektive

In großen Teilen des Westens herrscht die Meinung vor, dass der Islam die Frauen unterdrücke. Viele glauben, dass Sie von den Männern dazu gezwungen werden, ihre Haare zu bedecken, Zuhause an einen Herd angekettet bleiben müssen und dass man bewusst dafür sorgt, dass es ihnen innerhalb einer islamischen Gesellschaft an Bildung und Macht fehlt. Es wird behauptet, dass Frauen in einer islamischen Gesellschaft sogenannte „Bürger zweiter Klasse“ wären. Aus diesem Grund fordert der Westen die Befreiung der Frauen, indem er sie von ihren islamischen Traditionen und Pflichten abzubringen und ihnen westliche Werte zu vermitteln versucht.

Wie aber betrachtet der Islam die Frauen tatsächlich?

Der Islam betrachtet Frauen und Männer gleich in Hinsicht auf den wichtigsten Aspekt: Allahs (t) Offenbarung. Der Koran richtet sich sowohl an die Frauen, als auch an die Männer, mit ähnlichen Rechten, Pflichten und Verboten.

Männer und Frauen werden zur Rechenschaft gezogen, für das was Allah (t) ihnen auferlegt hat, und verschont, für das, was nicht von Ihm (t) von ihnen verlangt wurde. Keiner von ihnen wird aufgrund seines Geschlechts als besser oder würdiger erachtet als der Andere.

Und dennoch werden Männer und Frauen in bestimmten Fällen unterschiedlich von Allah (t) adressiert. In Seiner (t) allumfassenden Weisheit hat Er (t) Frauen und Männer in mancherlei Hinsicht gleich, in anderer Hinsicht jedoch unterschiedlich erschaffen. So sind beide Geschlechter beispielsweise dazu verpflichtet, fünfmal am Tag zu beten und im Monat Ramadan zu fasten. Ebenso haben beide das Recht darauf, Eigentum zu besitzen. Weder Männer noch Frauen dürfen stehlen, Morde begehen oder eine außereheliche Beziehung zum anderen Geschlecht eingehen. Die Strafen für das Übertreten von Verboten sind gemäß der Scharia für beide Geschlechter gleich. Frauen sind jedoch nicht dazu verpflichtet, das Freitagsgebet in einer Moschee zu verrichten, ihre Familie finanziell zu versorgen oder sich während Zeiten des Krieges der Armee anzuschließen, wohingegen Männer diese Pflichten zu erfüllen haben.

Es ist Frauen erlaubt zu arbeiten und sie werden sogar dazu ermutigt, sich eine gute Bildung anzueignen. In den westlichen Gesellschaften allerdings, werden sie schon fast dazu gedrängt ein bezahltes Arbeitsverhältnis aufzunehmen.

Sollte eine Frau sich dazu entscheiden, Zuhause zu bleiben, um sich um ihre Kinder zu kümmern, wird das als Versagen oder Misserfolg gedeutet. Aus diesem Grund fühlen sich viele Frauen dazu gezwungen zu arbeiten, was einen großen Einfluss auf das allgemeine Familienleben und die Erziehung ihrer Kinder hat.

So hat beispielsweise Großbritannien zunehmend Probleme mit der jüngeren Generation: Teenagerschwangerschaften, zerrüttete Familienverhältnisse, Vandalismus, Diebstahl und sogar Mord. Die Politik sucht verzweifelt nach Antworten und Lösungen. Die Ursache für die negative kulturelle Entwicklung der jüngeren Generationen ist zwar nicht immer eindeutig auf ihre Familienverhältnisse zurückzuführen, aber was die Situation noch verschlimmert ist die Tatsache, dass Mütter in Hinblick auf das Familienleben häufig zu beschäftigt, zu erschöpft oder sogar gänzlich abwesend sind. Selbst wenn sie durch ihre Arbeit wohlhabender sein sollten als zuvor, wird der Erziehung ihrer Kinder nicht einfach damit genüge getan, sie hauptsächlich finanziell zu unterstützen.

Die höchste und am meisten respektierte Position in einer islamischen Gesellschaft ist die der Mutter. So sagte der Prophet (s):

«فَقَالَ ‏"‏ هَلْ لَكَ مِنْ أُمٍّ ‏"‏ ‏.‏ قَالَ نَعَمْ ‏.‏ قَالَ ‏"‏ فَالْزَمْهَا فَإِنَّ الْجَنَّةَ تَحْتَ رِجْلَيْهَا ‏"‏»

(…) Er (s) sagte: „Hast du eine Mutter?“ Er (Ǧāhima) sagte: „Ja.“ Er (s) sagte: „Bleib mit ihr, denn das Paradies liegt unter ihren Füßen!” (an-Nasāʾī)

Frauen tragen einen wichtigen Teil zur Vitalität und zum Wohlergehen der Gesellschaft bei. Die Kinder sind die Zukunft jeder Nation und sie verdienen den bestmöglichen Start in ihr Leben. Und wer könnte diese Aufgabe besser erfüllen, ausgewogene, zufriedene und wohlerzogene Kinder großzuziehen, als ihre eigene Mutter? Aus diesem Grund müssen sich muslimische Frauen auch nicht unter Druck gesetzt fühlen zu arbeiten und können frei darüber entscheiden, Zuhause zu bleiben und ihren Kindern eine stabile und aufmerksame Erziehung zu vermitteln. Und wenn sie es dennoch wünschen sollte, so ist es ihr gestattet, ein für sie geeignetes Arbeitsverhältnis aufzunehmen.

Die Scharia ist zum Teil der Sunna des Propheten (s) entnommen, welche stark auf den Überlieferungen und Erzählungen seiner Ehefrauen, Töchter und anderer Frauen aufbaut. Ihre individuellen Aussagen werden von Gelehrten als genauso wertvoll und glaubwürdig eingestuft, wie die der Männer. Bei den jährlichen Sichtungen des Mondes, welche den Beginn oder das Ende des Fastenmonats Ramadan ankündigen, ist die Sichtung durch eine Frau genauso aussagekräftig, wie die Sichtung durch einen Mann.

Die islamische Rechtslegung selbst basiert unter anderem auf den Überlieferungen von Frauen. Ferner sind sie dazu in der Lage – sofern sie die Fähigkeit dazu haben – Rechtssprüche abzuleiten. Es ist den Frauen erlaubt, das Amt des Richters zu belegen und Gerichtsurteile zu fällen. Daran ist klar zu erkennen, dass die Frau im Islam weder rechtlich benachteiligt wird, noch dass sie in ihrer Rolle als Zeugin als unzuverlässig oder gar als unglaubwürdig betrachtet wird. Die rechtliche Aussage einer Frau hat in bestimmten Sachlagen sogar mehr Gewicht, als die eines Mannes. Beispielsweise in speziellen Fällen des Ehebruchs. Allah (t) sprach:

﴿وَالَّذِينَ يَرْمُونَ أَزْوَاجَهُمْ وَلَمْ يَكُن لَّهُمْ شُهَدَاءُ إِلَّا أَنفُسُهُمْ فَشَهَادَةُ أَحَدِهِمْ أَرْبَعُ شَهَادَاتٍ بِاللَّهِ ۙ إِنَّهُ لَمِنَ الصَّادِقِينَ وَالْخَامِسَةُ أَنَّ لَعْنَتَ اللَّهِ عَلَيْهِ إِن كَانَ مِنَ الْكَاذِبِينَ وَيَدْرَأُ عَنْهَا الْعَذَابَ أَن تَشْهَدَ أَرْبَعَ شَهَادَاتٍ بِاللَّهِ ۙ إِنَّهُ لَمِنَ الْكَاذِبِينَ

Für diejenigen, die ihren Gattinnen (Untreue) vorwerfen, aber keine Zeugen haben außer sich selbst, besteht die Zeugenaussage eines (solchen) von ihnen darin, dass er viermal bei Allah bezeugt, er gehöre wahrlich zu denen, die die Wahrheit sagen, und zum fünften Mal (bezeugt), der Fluch Allahs komme auf ihn, wenn er zu den Lügnern gehören sollte. Und es wehrt von ihr die Strafe ab, dass sie viermal bei Allah bezeugt, er gehöre wahrlich zu den Lügnern, [...] (24:6-8)

Andererseits existiert aber auch die Notwendigkeit, mit zwei Zeugenaussagen von Frauen, die Zeugenaussage eines Mannes aufzuwiegen. Diese Bedingung wurde im Koran ebenfalls für spezielle Fälle offenbart, wie zum Beispiel beim Aufsetzen eines Vertrages über eine Leihgabe. Daher gleicht das Zeugnis zweier Frauen dem Zeugnis eines Mannes nur in bestimmten Sachlagen, vor allem wenn die Handlungen unter der männlichen Gemeinschaft oder im öffentlichen Leben stattfinden. In Bereichen der weiblichen Gemeinschaft und in Bereichen, in denen sich keine Männer befinden, ist jedes Zeugnis einer Frau alleinstehend gültig. Beispielsweise bei einem begangenen Verbrechen in Räumlichkeiten, die nur für Frauen zugänglich sind. Es herrscht im Allgemeinen ein Konsens darüber, dass Männer und Frauen in einer islamischen Gesellschaft verschiedene Rollen einnehmen und sich dadurch gegenseitig komplementieren. So gibt es Bereiche und Angelegenheiten im öffentlichen Leben, mit denen die meisten Frauen nicht vertraut sind, weil sie sich gewöhnlicher Weise nicht aktiv mit ihnen auseinandersetzen.

Einige Gelehrte waren der Ansicht, dass Frauen besondere Aufmerksamkeit und Unterstützung bei ihrer Zeugenaussage benötigen würden, wenn diese ein Gewaltverbrechen wie bspw. Mord betreffen, da die Frau in einer islamischen Gesellschaft im Normalfall vor derartigen Situationen geschützt ist. Demgemäß wären Frauen nur in seltenen Fällen mit einer solchen Sachlage vertraut. Allerdings wurde dies weder im Koran, noch in der Sunna des Propheten Muhammads (s) eindeutig festgesetzt.

Es ist bedauerlich, dass niemand im 21. Jahrhundert unter der Herrschaft des liberalen Säkularismus vor Gewaltverbrechen sicher ist, und deshalb selbst ältere Menschen, Frauen und Kinder regelmäßig als Zeugen vorgeladen werden müssen.

Ihre Zeugenaussagen werden von Fall zu Fall gesondert betrachtet und dem Verbrechen oder dem Streitfall entsprechend beurteilt. Die Scharia hingegen hat bestimmte Mechanismen, um zwischen Männern und Frauen zu differenzieren und so zu bewerten, wessen Zeugenaussage in welcher Situation den größtmöglichen Nutzen mit sich bringt. Diese Tatsache bedeutet aber keineswegs, dass Frauen in den Augen des islamischen Rechts minderwertiger sind als Männer.

Allah (t) befiehlt den Frauen sich zu bedecken, damit diese als gottesfürchtige, muslimische Frauen erkannt werden. Auf diese Weise werden potenzielle Belästigungen durch Männer vermieden. Diese Kleidervorschrift dient aber vor allem dazu, Respekt und Anstand zu wahren, wenn es innerhalb einer islamischen Gesellschaft zur Vermischung der Geschlechter kommen sollte. Allah (t) verpflichtet die Frau im Koran dazu, sich mit Ausnahme des Gesichts und der Hände vollständig zu verhüllen.

Die Aufmerksamkeit der Männer wird so nicht erregt, da muslimische Frauen sich nicht auf ihre weiblichen Reize reduzieren lassen. Hinzu kommt, dass sich Männer ebenfalls anständig kleiden müssen.

Einige Menschen vertreten fälschlicherweise die Meinung, dass diese Kleidervorschrift dazu diene, Frauen zu unterdrücken oder den Trieb der Männer zu kontrollieren. Dabei ist es aus islamischer Sicht ebenso falsch zu behaupten, dass eine Frau, die sich in der Öffentlichkeit unbedeckt aufhält, die Aufmerksamkeit oder die Anziehung der Männer provozieren will.

Jeder muslimische Mann ist dazu verpflichtet, seinen Blick gegenüber Frauen zu senken und sie mit Respekt und Anstand zu behandeln, unabhängig davon, ob sie aus islamischer Perspektive korrekt gekleidet sind oder nicht. Wie sie sich anziehen, ist weder eine Rechtfertigung dafür, ihnen auf illegale Weise Schaden zuzufügen, noch ein Anlass dazu, ihnen nicht die größtmögliche Achtung entgegenzubringen.

In westlichen Gesellschaften hingegen gilt eine andere Kleiderordnung. Nicht selten kommt es vor, dass gerade Frauen unter enormen Druck stehen, weil sie sich schon fast dazu gezwungen fühlen, dem aktuellen Zeitgeist der Mode entsprechen zu müssen. Dabei tendiert die Entwicklung des weiblichen Kleidungsstils immer mehr dazu, weniger Stoff zu tragen und gleichzeitig mehr Haut zu zeigen. So wird ein falsches Bild der Frau gezeichnet, welches dazu dient, dass die Frau attraktiver auf Männer wirkt. Beobachtet man westliche Gesellschaften objektiv, ist klar zu erkennen, dass es keine aktiven Kontrollstrukturen gibt, die dafür sorgen, dass beide Geschlechter in jeder Situation respektvoll und anständig miteinander umgehen. Bedauerlicherweise sprechen Männer in den meisten Fällen abwertend über Frauen und ermutigen sich sogar untereinander dazu, ihren Trieben nachzugehen. Frauen werden nahezu als Ware oder Objekte der Lust und Begierde betrachtet und so auch oftmals in Werbekampagnen von Firmen dargestellt und ausgebeutet. Dieses unrealistisch gezeichnete Bild der perfekten Frau setzt viele Frauen unter Druck, was zweifelsfrei die Ursache dafür ist, dass viele Frauen unter einem verminderten Selbstwertgefühl leiden und infolge dessen sogar an Essstörungen und Depressionen leiden. In gewisser Hinsicht schafft es die Kleiderordnung des Westens, dass die Frau angehimmelt wird, auch wenn dies teilweise ungewollt geschieht. Tatsächlich verschafft diese Kleiderordnung der Frau nicht den gewünschten Respekt.

In Seiner (t) Erhabenheit hat Allah (t) den Muslimen eine besondere Art der Bekleidung auferlegt, als Teil eines umfassenden Beziehungssystems. So ist es nicht verwunderlich, dass sich viele muslimische Frauen selbstständig dazu entscheiden, die islamische Kleiderordnung gegenüber anderen Kleidungsstilen vorzuziehen.

Frauen und Männer sind gleichwertig, aber nicht gleichartig. Aus diesem Grund hat Allah (t), in Seiner (t) allumfassenden Weisheit, beiden Geschlechtern verschiedene Rollen, Rechte, Verantwortungen und Verpflichtungen auferlegt. Dennoch werden von Ihm (t) sowohl Frauen, als auch Männer als gleichwertige Geschöpfe im Koran adressiert. Beziehen sich diese Rechte und Pflichten jedoch auf die Natur des Mannes bzw. auf die Natur der Frau, auf ihre Position in der Gemeinschaft, oder ihre Stellung in der Gesellschaft, unterscheiden sich ihre Rechte und Verpflichtungen zwangsläufig voneinander. So sind Männer beispielsweise von Allah (t) dazu verpflichtet worden, Frauen zu beschützen, sie zu versorgen und ihre Würde zu wahren. Das bedeutet aber keineswegs, dass Frauen deshalb zu weniger fähig sind als Männer. Dieses tiefgründige Verständnis über eine naturgemäße Rollenverteilung, führt zu einem ausbalancierten und harmonischen Leben innerhalb einer geistig aufgestiegenen islamischen Gesellschaft.