POLITISCHE F&As

- 13.10.2019

Was steckt hinter der ungewöhnlichen Blitzvisite Netanjahus in London

بسم الله الرحمن الرحيم

Antwort auf eine Frage

Was steckt hinter der ungewöhnlichen Blitzvisite Netanjahus in London

 

Frage:

Am 12. September 2019, mitten in der heißen Wahlkampfphase, ca. zwei Wochen vor der Wahlwiederholung im Zionistenstaat, reiste Netanjahu nach Moskau. Davor noch, am 5. September, war er zu einer Kurzvisite in Großbritannien, wo er sich mit dem britischen Premier traf, der gerade mit den Lasten des Brexit zu kämpfen hat. Es war die Phase, in der Johnson vor dem britischen Parlament eine Niederlage nach der anderen erleiden musste, bei denen es um einen No-Deal-Austritt Großbritanniens aus der EU ging. Aus Netanjahus Besuchen war deutlich herauszulesen, dass er es in seiner Sache eilig hatte! Was verbirgt sich also hinter diesen Besuchen, die ungewöhnlich waren und dringend zu sein schienen? Hatten die Beweggründe mit den Wahlen zu tun oder verbirgt sich ein anderer Zweck dahinter?

 

Antwort:

Die Umstände, unter denen die Besuche stattfanden, weisen darauf hin, dass ihr Zweck nichts mit den Wahlen zu tun hatte, auch wenn die Touren Netanjahus in der Welt seinen Wahlen zugute kamen. Doch es war, in Anbetracht der internationalen und regionalen Umstände, in denen die Reisen stattfanden, nicht der eigentliche Zweck. Um ein deutliches Bild zu vermitteln, wollen wir Folgendes kurz anführen:

Erstens:

Die Beschreibung der Besuche, besonders jenen in die britische Hauptstadt London, als ungewöhnlich und dringend, ist treffend. Der Premier des Zionistenstaates ist mit seinem britischen Amtskollegen Johnson zusammengetroffen, der gerade eine Reihe parlamentarischer Niederlagen einstecken musste, die allesamt mit seinem Versprechen in Verbindung stehen, Großbritannien am 31. Oktober 2019 - mit oder ohne Deal - aus der EU herauszuführen. Er war also nicht in der Verfassung, sich abseits vom Brexit auf internationale Probleme zu konzentrieren. Denn eine Anzahl von Abgeordneten aus seiner eigenen Partei hat gegen ihn gemeutert. Das Parlament hatte für einen Deal mit Brüssel votiert und Johnson aufgefordert, den Austrittstermin um weitere drei Monate zu verschieben. Auch das House of Lords segnete die eiligen Parlamentsbeschlüsse ab. Und es gab Stimmen, die den Rücktritt Johnsons forderten. So war der Besuch Netanjahus unter diesen dramatischen Umständen, in denen sich das Vereinigte Königreich gerade befindet, in der Tat ungewöhnlich und unerwartet. Und wäre die Angelegenheit wohl nicht so dringend gewesen, hätte Netanjahu die Reise nicht angetreten. Was die Visite jedoch noch mysteriöser machte, war sein Meeting mit US-Verantwortlichen in London. Dass US-Vizepräsident Pence London besuchen würde, war seit der Ankündigung durch das Weiße Haus am 14. August 2019 bekannt. Dort sollten die künftigen britisch-amerikanischen Beziehungen nach dem Brexit erörtert und die „Bedrohung durch den chinesischen Einfluss“ diskutiert werden, die sich aus dem Ausbau des 5G-Telekommunikationsnetzes ergibt. Dieses plant nämlich der chinesische Konzern Huawei in Großbritannien zu errichten. Allerdings war zu jenem Zeitpunkt nicht vorgesehen, dass der US-Vizepräsident auf seiner Visite vom US-Verteidigungsminister begleitet werden würde. Ebenso wenig war ein Zusammentreffen mit Verantwortlichen des Zionistenstaates in Großbritannien geplant. All das sei auf Grundlage dessen erwähnt, was die Zeitung „al-Watan“ am 14.08.2019 aus der Erklärung des Weißen Hauses zitierte. Nach Angaben der BBC vom 6. September traf sich Netanjahu sowohl mit dem britischen als auch mit dem amerikanischen Verteidigungsminister. Während das Meeting Netanjahus mit dem amerikanischen Verteidigungsminister in den Medien verbreitet wurde, blieb sein Treffen mit dem US-Vize unerwähnt, obwohl sich beide in London aufhielten. Das ist ein Indiz dafür, dass das Treffen im Geheimen stattfand! Es scheint, dass die Meetings mit dem US-Vizepräsidenten heimlich stattfanden, um beide Seiten davor zu warnen, jenseits amerikanischer Politik Pläne zu schmieden!

 

Zweitens:

Diese Blitzbesuche fanden vor dem Hintergrund ineinander verflochtener Ereignisse statt:

1. Die USA wollen es unterlassen, die Schiffe anderer Staaten zu beschützen. So drückte US-Präsident Trump, seinen Unmut über den, wie er es nannte, „jahrelangen amerikanischen Schutz der Seewege ohne Gegenleistung“ aus und forderte die Staaten der Welt – vor allem China und Japan - dazu auf, „selbst für den Schutz ihrer Schiffe zu sorgen“ (TRT Arabic, 29.07.2019). US-Außenminister Mike Pompeo betonte zudem, dass „die Briten selber die Verantwortung für den Schutz ihrer Schiffe tragen müssten.“ (Anadolu, 22.07.2019) Das bedeutet, dass der Druck der USA auf den Iran im Falle der Festsetzung weiterer Schiffe nachlassen wird.

2. Trotz der Undurchsichtigkeit, die seit der Brexit-Abstimmung von 2016 die Politik in Großbritannien umgibt, und trotz der großen Skepsis hinsichtlich der Realisierung des Brexits, versuchen sich die britischen Politiker hin und wieder in politischen Experimenten, die eine Loslösung aus den Fesseln der EU demonstrieren sollen und an denen der Wille zu einem britischen Alleingang sichtbar wird. Dazu gehört, dass die Briten die von den USA verursachten Spannungen in ihren Beziehungen zum Iran ebenso wie den Ausstieg der USA aus dem Nuklearabkommen mit dem Iran und nicht zuletzt die Anschlagsserie auf Schiffe, die im Golf unterwegs waren, ausgenutzt haben. So hat Großbritannien, entgegen der Linie der Europäischen Union, am 4. Juli 2019 einen iranischen Öltanker festgesetzt. Mit anderen Worten: Gerade dann, als die EU-Staaten versuchen, das angespannte Verhältnis zum Iran zu entschärfen und zu zeigen, dass sie sich nicht von der US-Politik, die sich vom Atomabkommen losgesagt hat, hinterherzerren lassen, und gerade dann, als sie versuchen, ein europäisches Instrumentarium für einen Handels- und Finanzaustausch mit dem Iran zu schaffen, gehen die Briten her, wirken dem entgegen und sorgen für eine Verschärfung des Klimas mit dem Iran. Und mit großer Wahrscheinlichkeit haben die Briten die USA fast an den Abgrund eines Krieges mit dem Iran getrieben, insbesondere als die Krise zwischen Großbritannien und dem Iran sich weiter verschärfte. So hat Großbritannien am 15. August 2019 den beschlagnahmten iranischen Erdöltanker „Grace 1“ wieder freigegeben, nachdem der Iran zugesichert hatte, dass sich das Schiff nicht nach Syrien begeben würde, da das Land mit EU-Sanktionen belegt ist. Doch nach einer langen Verschleierungsfahrt, zunächst in Richtung Griechenland und anschließend in Richtung Türkei, legte der iranische Tanker, der inzwischen in „Adrian Darya 1“ umgetauft wurde, in Syrien an, wie es Russia Today am 06.09.2019 erwähnte und sich dabei auf einen Bericht der Seite Middle East Eye mit Sitz in London bezog. Mit der Fahrt des iranischen Tankers nach Syrien, was der iranischen Zusicherung gegenüber den Briten klar widersprach, hat Großbritannien eine gehörige Ohrfeige bekommen. Andererseits hält der Iran bis zum jetzigen Zeitpunkt den britischen Öltanker „Stena Impero“ fest und gibt ihn nicht frei, was eine zweite Ohrfeige für Großbritannien bedeutet. Auch das Schiff „HMS Montrose“, eine Fregatte der Royal Navy, war intensiven Störaktionen der iranischen Revolutionsgarden ausgesetzt. Nach Aussage des Fregattenkapitäns Will King „ist das Schiff im Persischen Golf beinahe täglich von den iranischen Revolutionsgarden bedrängt worden.“ (Independent Arabic, 03.09.2019)

3. Die vom Zionistenstaat geführten Militärschläge gegen iranische Ziele, besonders in Syrien und im Irak.

a) Im Verlauf der syrischen Revolution ist es zur Gewohnheit des Zionistenstaates geworden, Ziele in Syrien anzugreifen, ohne von der sogenannten „Achse des Widerstandes“ einen Gegenschlag zu erhalten. Mehr noch, der Zionistenstaat intensivierte diese Angriffe und richtete seine Schläge gezielt auf führende Köpfe der Hizbollah in Syrien. Bekanntlich ist die Hizbollah der libanesischen Arm des Iran in der Region. Der Iran dementierte jedoch stets, dass diese Angriffe auf Stellungen in Syrien, ihm gegolten hätten. So, als würde ihn der Tod von Syrern und selbst der eigenen Hizbollah-Männer, nichts angehen! Wichtig ist für ihn zu dementieren, dass iranische Staatsbürger unter den Opfern waren. Schließlich jedoch gab der Zionistenstaat bekannt, einen großen Schlag gegen den Iran in Syrien ausgeführt zu haben. Ein israelischer Militärsprecher erklärte, israelische Kampfflugzeuge hätten am heutigen Samstag, den 24. August 2019, iranische Einheiten nahe Damaskus angegriffen, die vorhatten, Drohnen auf Ziele in Israel zu richten. Weiter heißt es in einer Stellungnahme der Armee, der Militäreinsatz habe Einheiten der Al-Quds Brigade sowie schiitischen Milizen gegolten, die in den vergangenen Tagen verstärkt Pläne schmiedeten, um von Syrien aus Angriffe auf Stellungen in Israel zu führen. Ein Militärsprecher sagte Reportern, die Einheiten hätten geplant, mit „Killerdrohnen“ Ziele in Israel anzugreifen. (DW, 24.08.2019) Dieser Vorfall stellt eine offene und direkte militärische Herausforderung des Iran durch den Zionistenstaat dar, was einem Krieg die Türen weit geöffnet hätte, hätte der Iran darauf reagiert, obwohl es auf iranischer Seite durch die zionistischen Angriffe Todesopfer gab. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte bestätigte am Sonntag den Tod zweier Hizbollah-Mitglieder und eines weiteren iranischen Opfers nach einem israelischen Bombardement nahe Damaskus. (Al-Arabiya Net 25.08.2019) Doch weil die USA nicht möchten, dass der Iran sich auf einen Krieg mit dem Zionistenstaat einlässt, in dessen Wirren die USA hineingezogen werden könnten, hat der Iran den Tod iranischer Kämpfer nach dem Luftangriff dementiert.

b) Was den Irak betrifft, so hat der Zionistenstaat seit Anfang August 2019 damit begonnen, Waffendepots der Iraner sowie Militärlager der Popular Mobilation Units, des sogenannten Hashd al-Sha’bi anzugreifen, in denen sich auch iranische Militärexperten aufhalten sollen. Damit sorgt der Zionistenstaat für eine erhebliche Verschärfung des Konflikts mit dem Iran. Dazu zählt etwa die Bombardierung des ebenfalls zum Hashd al-Sha‘bi gehörenden Saqr-Camps am 12.08.2019, das sich südlich von Bagdad befindet. Es handelte sich um den dritten Luftanschlag binnen weniger Wochen. Auch kam es zu einem Angriff auf die Shuhada-Kaserne in der irakischen Provinz Salah ad-Din. Auch dieses Camp gehört dem Hashd al-Sha‘bi. Darüber hinaus griff der Zionistenstaat Waffenlager und Fachleute des Iran direkt an. „France Press“ zitierte einen Polizeioffizier der Provinz Salah ad-Din nach Begutachtung des Anschlagsorts. Demnach war der Tote ein Mitglied des Hashd al-Asha‘bi, während es sich bei den Verwundeten um iranische Militäringenieure gehandelt haben soll, die sich im Camp aufhielten. (Arab 48, 12.08.2019) Anschließend kam es am 25.08.2019 zum Beschuss eines weiteren Stützpunktes nahe der irakischen Stadt al-Qaim sowie auf einen Fahrzeugkonvoi. Und um die Lage zu deeskalieren, spielte der Irak die Opferzahlen herunter, während der Iran bestritt, dass es iranische Todesopfer gab. Doch es ist deutlich geworden, und das ziemlich offenkundig, dass der Zionistenstaat dazu übergegangen ist, den Iran nicht nur in Syrien, sondern auch im Irak direkt herauszufordern.

 

Drittens: Bei Analyse der obigen Punkte können wir Folgendes schlussfolgern:

1. Großbritannien wurde vom Iran gedemütigt, einmal durch die Provokationen gegen seine Schiffe im Golf und ebenso durch den noch immer beschlagnahmten britischen Tanker. All das treibt die Briten dazu an, einen Krieg gegen den Iran anzuzetteln, in welchen sie die Amerikaner verstricken. Und selbstverständlich würde sich auch Großbritannien - um sich am Iran zu rächen – an einem solchen Krieg beteiligen. Daher ist Großbritannien bestrebt, dass der Ton in Richtung Iran weiter aggressiv bleibt. Und deswegen zeigte sich London der optimistisch klingenden Äußerung des US-Verteidigungsministers gegenüber ablehnend. US-Verteidigungsminister Esper betonte im Londoner Royal United Services Institut: „Irgendwie scheint es, dass der Iran sich langsam einem Zustand nähert, in welchem wir Gespräche mit ihm führen können. Wir hoffen, dass es so weitergeht.“ Auf die Frage, worauf sich diese Feststellung gründet, die ihm auf einer späteren Pressekonferenz gestellt wurde, erwiderte Esper, dass dies im Lichte einiger Kommentare geschah, die die Iraner nach dem G7-Gipfel äußerten. (Reuters, 06.09.2019) Großbritannien lehnte jedoch, wenn auch in verdeckter Form, einen solchen Ton ab. So erklärte der britische Verteidigungsminister auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Esper am Freitag, London würde den Vereinigten Staaten stets bei den Gesprächen mit dem Iran Hilfestellung leisten, wenn ein Abkommen möglich ist. Doch er hob nachdrücklich hervor, dass man den Iran nach den Handlungen und nicht nach den Äußerungen beurteilen sollte. (Reuters, 06.09.2019) Und so befindet sich Großbritannien inmitten des brodelnden Irankonflikts, wobei - wie ausgeführt - zahlreiche Faktoren die Briten dazu drängen, einen Krieg gegen den Iran anzufachen. Und was dieses Ziel betrifft, gibt es zwischen Großbritannien und dem Zionistenstaat einen Schnittpunkt. So haben die Angriffe des Zionistenstaates, nachdem der Iran den britischen Öltanker im Golf am 22. August beschlagnahmt hatte, zugenommen, so etwa auf Syrien am 24. August und auf den Irak und den Libanon am 25. August, was einem harmonischen Zusammenspiel (zwischen dem Zionistenstaat und Großbritannien) durchaus ähnelt. Deshalb fällt es nicht schwer zu sagen, dass die Briten dabei sind, den Zionistenstaat in einen Krieg mit dem Iran und dessen Milizen in der Region zu zerren und die entsprechenden Kräfte zu mobilisieren, die ihn zu einem solchen Krieg verführen könnten.

2. Der Zionistenstaat seinerseits fürchtet in der Tat Irans Macht. Er will einen Krieg gegen ihn anzetteln und die USA mit hineinziehen. Doch hat er den sanften Unterton der Amerikaner gegenüber dem Iran wahrgenommen und bemerkt, dass diese einen Krieg mit dem Iran nicht wollen. Vielmehr führen die USA eher politische Manöver durch, die in militärische Drohgebärden und in den Aufbau einer angespannten Atmosphäre am Golf verpackt sind. Dies, um zwei Zielen zu erreichen: Um die Europäer, die um ihre Schiffe bangen, zu stören und um sie mittels des Iran zu demütigen, hier vor allem die Briten, damit diese auf Linie mit der US-Politik gebracht werden. Darüber hinaus sollen die Golfstaaten mit dem Vorwand, sie vor der iranischen Gefahr schützen zu müssen, finanziell erpresst werden! Bezweckt wird mit der Eskalation am Golf also kein Krieg gegen den Iran! Und das genau bestätigt das Verhalten der Amerikaner gegenüber dem Iran. So hat der Iran am 20.06.2019 eine US-Drohne abgeschossen, was von den Amerikanern lautlos abgehandelt wurde. Ferner kommt von US-Seite stets die wiederkehrende Aussage, man wolle keinen Krieg mit dem Iran und auch keinen Regimewechsel. Und als sich die Krise dann noch verschärfte, sprachen die Amerikaner offen von Verhandlungen mit dem Iran! So geschehen in der bereits zitierten Erklärung des US-Verteidigungsministers Esper, der meinte: „Es scheint irgendwie, dass der Iran sich langsam einem Zustand nähert, der Gespräche zulässt. Wir hoffen, dass es so weitergeht.“ (Reuters, 06.09.2019) Präziser wurde es noch, als die Medien über ein Treffen zwischen Trump und Rohani am Rande der UN-Vollversammlung in New York spekulierten, bei dem es um die Sanktionen und die bilateralen Beziehungen gehen sollte. Einige Zeitungen bezeichneten es gar als Deal! Ein möglicher iranisch-amerikanischer Deal zwingt Netanjahu zu einem Besuch Moskaus.(…) Die Quellen wiesen darauf hin, dass Netanjahu beunruhigt sei, angesichts eines möglichen iranisch-amerikanischen Deals, der der „Islamischen Republik“ eine Fortsetzung ihres Atomprogramms sichern und die verhängten US-Sanktionen aufheben würde. Was den israelischen Premierminister Netanjahu am meisten beunruhigt, wäre die künftige Präsenz des Iran in Syrien aufgrund dieses Deals, so die Quellen. (Al-Arab, 09.09.2019) Das ist es auch, was Netanjahu zu einem Besuch nach Sotschi veranlasst hat. Er wollte die Position Russlands wissen, sollte es zu einer Konfrontation kommen, zumal es noch die russisch-iranischen Abkommen gibt. Netanjahu sagte kurz vor seiner Reise in den Badeort Sotschi, wo er sich zu Gesprächen mit Putin treffen wollte: „Dies ist zu diesem Zeitpunkt eine besonders wichtige Reise. Derzeit operieren wir an einer Reihe von Fronten in einer Ausdehnung von 360 Grad, um die Sicherheit Israels zu gewährleisten, während der Iran und seine Stellvertreter versuchen, uns anzugreifen.“ (Al-Sharq al-Awsat, 12.09.2019)

3. Den USA ist die Gefahr der britischen Politik, den Zionistenstaat in einen Krieg gegen den Iran und seine Verbündeten in der Region zu treiben, bewusst. Der Schaden, den dieser Krieg anrichten würde, würde sich nicht nur auf den Iran und seine Partner beschränken. Er würde den Zionistenstaat ebenso treffen wie auch die Amerikaner, die dem Treiben nicht einfach zuschauen könnten, während der Zionistenstaat in einen Krieg verwickelt wird. Daher haben sie die Vorfälle vom 25. August im Libanon, im Irak und einen Tag zuvor in Syrien sehr ernstgenommen und offenbar begonnen, die britischen Bemühungen zu torpedieren, nachdem sie Kenntnis darüber erlangt hatten, dass Premierminister Netanjahu Großbritannien besuchen wollte und dieser Besuch den Stempel militärischer Planungen zu tragen schien. Denn begleitet wurde Netanjahu vom nationalen Sicherheitsberater Meir Ben-Shabbat, vom Marinekommandeur Amikam Norkin und vom Direktor der Abteilung für Operationen bei den Verteidigungsstreitkräften Generalmajor Aharon Haleva. Eine Militärische Planung mit Großbritannien bedeutet, dass der Zionistenstaat Einrichtungen der britischen Militärstützpunkte „Akrotiri“ und „Diklia“ auf Zypern nutzen würde oder dass sich die britische Luftwaffe und Marine in den beiden Stützpunkten heimlich beteiligen könnten. Und das ist ganz und gar nicht abwegig, angesichts der Ohrfeigen, die, wie erwähnt, die Briten vom Iran kassierten. Nachdem die Amerikaner nun davon erfahren hatten, wollten sie den Besuch zum Scheitern bringen, indem sie ihren Verteidigungsminister nach London schickten, um sich mit Netanjahu zu treffen, um die Sicherheitsbedürfnisse des Zionistenstaates zu erörtern und ihm die Zusage zu erteilen, sich seine Sicherheitsneurosen bezüglich des Iran anzuhören. Damit sollte dem Zionistenstaat die Gewissheit vermittelt werden, die Sicherheit des Staates sei gewährleistet und vor jeglicher Gefahr geschützt. Doch unter dem Strich sollte er nur davon abgehalten werden, einen Krieg zu beginnen und mit den Briten zu kooperieren.

 

Viertens:

Daher spricht alles dafür, dass die London-Reise Netanjahus den Zweck hatte, Schritte für eine Verschärfung der militärischen Konfrontation mit dem Iran zu erörtern, die den Amerikanern keine andere Wahl lassen sollte, als sich daran zu beteiligen. Vermutlich wird Großbritannien diese Linie weiterverfolgen, d. h. dem Zionistenstaat einen Krieg schmackhaft zu machen und ihm die militärische Unterstützung zur Verfügung zu stellen, wie die Nutzung der Militärbasen auf Zypern und anderswo und ihm die erforderlichen Erleichterungen in jenen Ländern zu bieten, die der britischen Einflusssphäre unterstehen, wie insbesondere Jordanien und die Vereinigten Arabischen Emirate. Demgegenüber werden die Amerikaner den Iran und seine Milizen weiterhin dazu antreiben, auf die sanfte Tour zu kontern, ohne dass es zu einem harten Gegenschlag kommt. Und das ist seit Jahrzehnten die gewohnte Schiene, die von der sogenannten „Achse des Widerstandes“ gefahren wird, nämlich „zum gegebenen Zeitpunkt und am passenden Ort darauf zu antworten“, oder: Nur so weit zu antworten, dass das Gesicht gewahrt bleibt, jedoch ohne wirklichen Effekt. Außerdem sind die Amerikaner auch innerhalb des Zionistenstaates aktiv, um einen Krieg zu verhindern, und zwar über den US-Einfluss innerhalb der Armee des Staates. Der Zustand ähnelt dem des Jahres 2012, wonach laut jüdischen Quellen der Zionistenstaat gegen den Iran Spionage betrieb, um ihn anzugreifen, während die USA den Zionistenstaat ausspionierten, um in Erfahrung zu bringen, welche Pläne dieser gegen den Iran schmiedete, um ihn an seinem Vorhaben zu hindern. Die gleiche Konstellation haben wir heute. Auch wenn die Waagschale Amerikas hin zur Verhinderung eines Krieges schwerer ist als die der Briten hin zur Entfachung eines Krieges, so bleibt die Situation trotzdem explosiv: Auf der einen Seite der Zionistenstaat, der von den Briten und deren Werkzeugen in Versuchung geführt und gefördert wird, und auf der anderen Seite der Iran und seine Milizen. Dazwischen stehen die Amerikaner, die zwischen beiden Seiten den Taktstock schwingen, bis sich die Angelegenheit zugunsten einer der Seiten entschieden hat!

Was den Russland-Besuch betrifft, so diente er einem ganz anderen Zweck jener in Großbritannien. Die erste Visite nach Großbritannien galt dem Ziel, die Anstrengungen zwischen Netanjahu und Großbritannien zu koordinieren, mit denen die Ereignisse am Golf befeuert werden sollten, um eine Konfrontation mit dem Iran zu erreichen und Amerika in die Verlegenheit zu bringen, sich daran beteiligen zu müssen. Mit der Reise nach Russland sollte hingegen die Position Russlands, was die Präsenz des Iran und die seiner Raketen in Syrien anbelangt, in Erfahrung gebracht werden. Auch wollte Netanjahu wissen, ob Russland willens wäre, „sanften Druck“ auszuüben, damit der Iran aus Syrien abzieht oder zumindest soweit Abstand von Palästina hält, dass ballistische Raketen dem Zionistenstaat nichts anhaben können. Der Russland-Besuch galt also nicht dem Zweck, eine Konfrontation mit dem Iran zu koordinieren. Schließlich ist Russland in Form von Abkommen mit dem Iran verbündet, eine entsprechende Anti-Iran-Kooperation zwischen dem Zionistenstaat und Russland daher nicht zu erwarten.

 

Fünftens:

Abschließend sei gesagt, dass es die dummdreisten Herrscher in den Ländern der Muslime sind, die den ungläubigen Kolonialisten den Zutritt erlauben. Vielmehr scheren sich diese weder um Erlaubnis noch um Einwilligung! Sie mischen sich in die Angelegenheiten der Muslime ein, legen die Lösungen vor und schmieden die Pläne zur Verwirklichung eigener und zur Zerstörung muslimischer Interessen. Und wenn von den Muslimen, den Eigentümern dieser Länder, Gruppen oder Parteien zur Wahrheit aufrufen und die korrekte islamrechtliche Lösung für unsere Angelegenheiten vorlegen, die darin besteht, dass die islamische Lebensweise wiederaufgenommen und das Kalifat wiedererrichtet werden muss, dann gilt es als Verletzung des Gesetzes – es folgt Verurteilung, Folter, Inhaftierung usw. So verbietet man dem Aufrichtigen den Mund, während dem Geplärr der Boshaften Tür und Tor geöffnet wird!

Doch die Wahrheit wird sich - mit Allahs Erlaubnis - durchsetzen und die Falschheit wird ein Ende finden.

﴿وَسَيَعْلَمُ الَّذِينَ ظَلَمُوا أَيَّ مُنْقَلَبٍ يَنْقَلِبُون

Und diejenigen, die Unrecht tun, werden erfahren, welche Einkehr sie nehmen werden. (26:227)

﴿إِنَّ فِي ذَلِكَ لَذِكْرَى لِمَنْ كَانَ لَهُ قَلْبٌ أَوْ أَلْقَى السَّمْعَ وَهُوَ شَهِيدٌ

Hierin lieg wahrlich eine Ermahnung für denjenigen, der Verstand besitzt oder hinhört und Zeuge ist. (50:37)

 

14. Muḥarram 1441 n. H.

13. September 2019 n. Chr.