KOMMENTAR

- 22.10.2019

Das weltweite Armutsproblem zu lösen erfordert mehr als Wohlfahrt

Während des gesegneten Monats Ramaḍān richtet sich die Aufmerksamkeit der Muslime ihrem Vermögen, das sie im Vorjahr angehäuft haben. Die verpflichtende Abgabe (Zakāt) wird berechnet und den dafür Berechtigten ausgezahlt. Zusätzlich zu den obligatorischen Spenden, werden Muslime oft freiwillige Abgaben (Ṣadaqāt) an jene entrichten, die Hilfe benötigen, jedoch nicht unter jene fallen, denen die Zakāt zusteht. Muslime realisieren, dass die Ṣadaqa und die Zakāt zentraler Bestandteil des islamischen Ethos sind, der die Muslime zur großzügigsten Nation macht.

Dieser spendable Geist jedoch, steht im Schatten einer kapitalistischen Welt, in der kein Spendengeld der Welt die Probleme der Armut beseitigen wird, da in dieser kapitalistischen Welt zur Anhäufung von Reichtum in den Händen Weniger ermutigt wird und dies durch den Staat und seine Ideologie gefördert wird. Mit der Zahlung einer relativ unbedeutenden Geldsumme können sich große Unternehmen in Steuerparadiesen registrieren und Steuerzahlungen vermeiden. So zahlte Amazon.com, welches Gesamteinnahmen von 11 Milliarden Pfund aufweist, lediglich 1,7 Millionen Pfund an Steuern und tat dies völlig gesetzeskonform, da seine Verkäufe über Luxemburg umgeleitet werden. Obwohl dies einem harmlos erscheinen mag, gibt es Unternehmen wie Amazon, McDonalds, Starbucks, Costa Coffee etc. einen unfairen Vorteil gegenüber ihren lokalen Mitstreitern, welche bis zu 40% ihrer Profite abtreten müssen, was unausweichlich zu höheren Preisen und letztendlich zu ihrer Schließung und zur Anhäufung des Profits in den Händen der Hauptunternehmen und ihrer institutionellen Aktionäre führt. Kleinunternehmen bereichern ihre Kommunen, da sie sowohl lokal verdienen, als auch lokal ausgeben, statt, dass die Profite in die Konten weitentfernter Aktionäre gepumpt werden.

Die Freigiebigkeit kapitalistischer Staaten den Vermögenden gegenüber geht über Steuern hinaus. Tatsächlich profitieren Unternehmen, insbesondere Finanzinstitute, von weitaus höheren Spenden, als jenen, welche den Armen und Bedürftigen zukommen. Während der Finanzkrise im Jahr 2008, welche das Ergebnis exzessiver Risikofreude und Gewinnrealisierung der Finanzinstitute war, vergab das Vereinigte Königreich 500 Mrd. Pfund Kredite und Garantien an Banken. Folglich wurden einiger dieser Kredite und Investments durch Aktionäre wieder an den Markt gebracht, und zwar mit riesigen Verlusten für den Steuerzahler, jedoch mit einem astronomischen Gewinn für die Aktionäre und einem Jahrzehnt von Einsparungen für die Allgemeinheit, sowie dem damit verbundenen Armutsanstieg.

Die internationale Situation ist sogar noch übler. Armut ist, anders als uns erzählt wird, nicht das unausweichliche Resultat aus Überbevölkerung und Korruption, sondern das direkte Ergebnis aus der Anwendung des kapitalistischen Systems, das heutzutage vorherrscht.

Während anmaßende Behauptungen über Spenden und Hilfeleistungen durch westliche Nationen getätigt werden, scheffelten westliche Unternehmen und Institute 192 Mrd. US-Dollar allein aus Subsahara-Afrika, was die Spenden und Hilfen weit in den Schatten stellt. Und obwohl die herkömmliche Denkweise besagt, dass Korruption der Hauptgrund für Armut sei, sind tatsächlich Steuerhinterziehungen, Kapitalrückführungen, Schuldzinsen und andere „legale“ Wege die Hauptursachen der Kapitalflucht aus Afrika und dem Rest der dritten Welt.

Das Wort „legal“ ist natürlich ein besetzter Begriff. Mit politischen Eingriffen der westlichen kapitalistischen Welt, durch Diktatoren, Putsche und den korrupten politischen Eliten der Entwicklungsländer, können Unternehmen für jedwede Regularien sorgen, welche ihnen die lukrativsten Möglichkeiten bieten, die Ressourcen der jeweiligen Nation ausbeuten. Dies ist auch der Grund, weshalb trotz Rekordwachstumszahlen, die Armut und Verzweiflung in diesen Ländern fortbestehen und kein Spendengeld der Welt diese hunderte von Milliarden an Geldern ausgleichen wird, welche auf die Konten westlicher Banken fließen.

Obwohl der Islam zum Spenden ermutigt, sieht er darin nicht den Hauptmechanismus zur Armutsbekämpfung. Er erkennt, dass Armut kein Ausbleiben von Spenden, sondern vielmehr ein Problem der Vermögensverteilung darstellt. So bringt der Islam eine Fülle an sozialen und finanziellen Vorschriften, die eine Gesellschaft hervorbringen, welche das Anhäufen von Reichtum in den Händen Weniger verhindert, und anstelle dessen den Umlauf und die Umverteilung des Reichtums garantiert.

Während indirekte Steuern, wie etwa die Mehrwertsteuer in der kapitalistischen Welt, darin resultieren, dass Armen das Vermögen unverhältnismäßig als Steuern entzogen wird, wird die Zakāt auf der anderen Seite vom angehäuften Vermögen abgerechnet, auch wenn dieses auf ausländischen Konten liegt. Die Vorstellung eines Steuerparadieses ist dem Islam fremd, denn nicht der Standort des Vermögens ist entscheidend, sondern sein Eigentümer, weshalb die Reichen ihren Abgaben nicht entfliehen können.

Vom Verbot der Aktiengesellschaft bis zu den Gesetzen der Erbschaft – der Islam lehnt die Formation von Megaunternehmen ab, welche von Natur aus danach trachten, Handel und Reichtum in den Händen Weniger anzuhäufen. Die Unternehmensstruktur im Islam ermutigt kleine und mittelständische Unternehmen, sowie Personen- oder Familienbetriebe. Auf diese Art bleibt namenlosen ausländischen Aktionären das Abschöpfen des Vermögens örtlicher Gemeinschaften verwehrt. Anstelle dessen arbeiten die Menschen, verdienen und geben das Geld aus, wodurch die Verteilung und der Umlauf des Vermögens garantiert werden.

Die Führung des islamischen Staates wird westliche Unternehmen aus einer bestimmten Perspektive betrachten. Statt sie als großherzige Institutionen zu betrachten, welche in arme Länder investieren, werden sie als Werkzeuge kriegerischer Nationen erkannt, die schwächere Nationen verelenden und auszubeuten versuchen. Ausländischen Unternehmen wird es nicht gestattet sein die natürlichen Ressourcen des Volkes auszubeuten. Der Islam spricht diese der Öffentlichkeit zu; deren Profite sind dem Schatzhaus (bait al-māl) bestimmt – nicht ausländischen Bankkonten.

Spenden allein werden niemals ausreichend sein um die Armut zu bekämpfen, da diese tief in den Regularien des kapitalistischen Systems verankert ist. Vielmehr ist die Ausrottung des Kapitalismus mit Stumpf und Stiel und die Implementierung des Islam die einzige Lösung.