KOMMENTAR

- 05.11.2019

Wie der Islam mit Verbrechen und Gesetzlosigkeit umgeht

In der heutigen Zeit werden in der Öffentlichkeit zuhauf Diskurse über Recht, Gerechtigkeit und Sicherheit geführt. Ständig wird propagiert, dass diese Angelegenheiten zu den höchsten ethischen und moralischen Fragen einer demokratischen Gesellschaft gehören. Jede einzelne Regierung verspricht ihren Bürgern ein sicheres und gerechtes Land. Aber entspricht das wirklich der Wahrheit? Leben wir heute in einer Zeit, in der Gerechtigkeit und Rechtlichkeit als Zeichen für den Erfolg von Gesellschaften dienen und in der die Menschheit in Frieden und Harmonie lebt? Oder sehen sich nicht vielmehr alle Länder der Welt mit Kriminalität, Gesetzlosigkeit und mangelnder Sicherheit konfrontiert?

Sehen wir uns nur einige wenige Beispiele für die gegenwärtige Situation in der Welt an, so zeichnet sich ein gänzlich anderes Bild von der Lage, in der die Menschheit sich heutzutage befindet.

Nach Angaben der „Global Economy“ lag die durchschnittliche Diebstahlrate weltweit im Jahr 2016 bei 783 Diebstählen pro 100.000 Menschen. Die höchste Diebstahlrate hatte Dänemark mit 3949 Diebstählen pro 100.000 Einwohner.

Laut „Knoema“ ist El Salvador das Land mit der höchsten Mordrate weltweit. Aktuellen Statistiken aus dem Jahr 2016 zufolge lag die Mordrate in El Salvador bei 82,8 Fällen pro 100.000 Einwohner. Zu den fünf führenden Ländern mit der höchsten Mordrate weltweit gehören neben El Salvador auch Honduras, Venezuela, Jamaika und Belize.

Chile ist das Land mit der weltweit höchsten Rate an Einbrüchen. Im Jahr 2016 lag sie in Chile bei 1.193,9 Fällen pro 100.000 Einwohner. Zu den fünf führenden Ländern mit der höchsten Einbruchsrate gehören auch Dänemark, Österreich, Schweden und Australien.

Argentinien ist das Land mit der höchsten Raubüberfallrate weltweit. Statistiken aus dem Jahr 2016 zeigen, dass es zu 988,9 Fällen von Raubüberfällen pro 100.000 Einwohnern kam. Zu den fünf führenden Ländern mit der höchsten Raubüberfallrate gehören außerdem Chile, Uruguay, Ecuador und Paraguay.

Schweden ist weltweit das Land mit den meisten Vergewaltigungen. So lag die Vergewaltigungsrate im Jahr 2015 in Schweden bei 56,7 Fällen pro 100.000 Einwohner. Zu den fünf führenden Ländern mit den häufigsten Vergewaltigungen gehören auch Island, Guyana, die Vereinigten Staaten von Amerika und El Salvador.

Im Libanon finden weltweit die meisten Entführungen statt. Im Jahr 2016 lag die Entführungsrate im Libanon bei 177,7 Fällen pro 100.000 Einwohner. Zu den fünf führenden Ländern mit der höchsten Entführungsrate gehören auch die Türkei, Kanada, Pakistan sowie St. Vincent und die Grenadinen.

Grenada ist das Land mit den häufigsten Körperverletzungen weltweit. Statistiken aus dem Jahr 2016 zeigen, dass in Grenada 1.721,9 Fälle von Körperverletzung auf 100.000 Einwohner verzeichnet wurden. Zu den fünf führenden Ländern mit der höchsten Rate an Körperverletzungen gehören ebenfalls St. Vincent und die Grenadinen, Barbados, Frankreich und Kolumbien.

Dies sind nur einige Beispiele, die deutlich machen, dass die Idee von Sicherheit und Gerechtigkeit nur eine Illusion des demokratischen oder eines anderen menschengemachten Systems sind. Die gegenwärtig vorherrschenden Systeme sind nicht mit der menschlichen Natur vereinbar und verursachen ein Chaos in einer Gesellschaft. Aufgrund der Idee des Materialismus, der liberalen Freiheiten, der schweren Armut, des Drogen- und Alkoholmissbrauchs, der mangelnden Rechenschaftspflicht, der maroden Institutionen, der Korruption, Bestechung und anderer Gründe, ist die Kriminalität in vielen Staaten heute auf einem epidemischen Niveau.

Es stellt sich also die Frage, wie der Islam Fälle von Verbrechen, Gesetzlosigkeit und mangelnde Sicherheit verhindert und löst? Wir wissen, dass die heidnische Gesellschaft der Araber zur Zeit des Propheten (s) ebenso ignorant war wie heutige Gesellschaften. Was bemerkenswert ist, ist die Tatsache, dass die Araber in der vorislamischen Zeit nie eine andere Autorität als die der Stammesführer anerkannten, und, dass eine spezifische Rechtsordnung unter ihnen nicht herrschte. Mit anderen Worten ausgedrückt war das einzige Gesetz, das bei ihnen herrschte, die Gesetzlosigkeit. Ǧaʿfar bin Abī Ṭālib schilderte dem Negus von Abessinien wie die Araber vor dem Islam waren: „Wir waren ein heidnisches Volk, verehrten Götzen und beteten diese an, aßen das Fleisch verendeter Tiere, begingen Gräueltaten, vernachlässigten unsere Verwandtschaftsbande, fügten unseren Nachbarn Böses zu, und die Starken unter uns unterdrückten die Schwachen.“

Der Islam veränderte das Leben der Araber von Grund auf. So gibt er der Existenz des Menschen einen Sinn und klärt ihn über den Lohn und die Strafe, die er für jede einzelne seiner Handlungen erlangen kann, auf. Das Bewusstsein darüber, dass Allah (t) den Menschen ständig beobachtet, weckt zudem die Gottesfurcht (taqwā) in einem Muslim. Infolgedessen wird der Mensch – ganz im Gegensatz zum Kapitalismus – in der Lage sein, seine Wünsche und Vorstellungen zu kontrollieren und nicht in die Fallen des Materialismus oder der liberalen Freiheiten zu tappen. Diese führen definitiv verstärkt zu unmoralischem Handeln in der Gesellschaft.

Der Prophet (s) hatte das Vergießen von Blut um des Stammes Willen oder um einen persönlichen Gewinn zu erzielen verboten. Ebenso sind Diebstahl und Ehebruch verboten. Das heißt, dass er (s) die Beteiligung an allen Formen von Verhalten verboten hatte, die die Sicherheit des Eigentums, des Lebens, der Ehre oder des Rufs der Menschen gefährden könnten. Das Erzielen unrechtmäßiger Einkünfte wie beispielsweise durch Zinsgeschäfte, die Verleumdung bzw. die bloße Beteiligung an Verleumdung, Schwarzmarktgeschäfte, sowie Bestechung sind ebenfalls verboten worden. Wurde in der arabischen Gesellschaft beispielsweise ein Mitglied eines Stammes ermordet, so wurde sein Tod vergolten, indem man mehrere Mitglieder des Stammes des Mörders tötete. Aber der Islam lehnt diesen Stammesbrauch zu Recht ab, denn nach islamischer Ansicht darf nur der verurteilte Mörder mit der Todesstrafe bestraft werden, da das Töten ohne legale Grundlage verboten ist. Ein weiteres Beispiel ist die Sklaverei. Die Beziehung zwischen Meister und Sklave war voll von Unterdrückung, Demütigung und Ausbeutung. Allah (t) verbietet die Ausbeutung von Sklaven durch ihre Sklavenhalter:

﴿وَلْيَسْتَعْفِفِ الَّذِينَ لَا يَجِدُونَ نِكَاحًا حَتَّىٰ يُغْنِيَهُمُ اللَّهُ مِن فَضْلِهِ وَالَّذِينَ يَبْتَغُونَ الْكِتَابَ مِمَّا مَلَكَتْ أَيْمَانُكُمْ فَكَاتِبُوهُمْ إِنْ عَلِمْتُمْ فِيهِمْ خَيْرًا وَآتُوهُم مِّن مَّالِ اللَّهِ الَّذِي آتَاكُمْ وَلَا تُكْرِهُوا فَتَيَاتِكُمْ عَلَى الْبِغَاءِ إِنْ أَرَدْنَ تَحَصُّنًا لِّتَبْتَغُوا عَرَضَ الْحَيَاةِ الدُّنْيَا وَمَن يُكْرِههُّنَّ فَإِنَّ اللَّهَ مِن بَعْدِ إِكْرَاهِهِنَّ غَفُورٌ رَّحِيمٌ

Diejenigen, die keine (Möglichkeit zum) Heirat(en) finden, sollen keusch bleiben, bis Allah sie durch Seine Huld reich macht. Und denjenigen von denen, die eure rechte Hand besitzt, die einen Freibrief begehren, sollt ihr einen Freibrief ausstellen, wenn ihr an ihnen etwas Gutes wisst. Und gebt ihnen (etwas) vom Besitz Allahs, den Er euch gegeben hat. Und zwingt nicht eure Sklavinnen, wo sie ehrbar sein wollen, zur Hurerei im Trachten nach den Glücksgütern des diesseitigen Lebens. Wenn aber einer sie dazu zwingt, so ist Allah, nachdem sie gezwungen worden sind, Allvergebend und Barmherzig. (24:33)

Ein weiteres Beispiel ist Raub. Im Waddantal, das Mekka mit der Außenwelt verband, lebte der Stamm der Banū Ġifār. Dieser war berüchtigt für die Überfälle auf Handelskarawanen und für die Invasion schwächerer, benachbarter Stämme. Sie waren so gesetzlos, dass sie nicht einmal die vier heiligen Monate respektierten, die von allen Arabern für unantastbar gehalten wurden, und in denen sie das Töten nicht erlaubten. Allgemein betrachtet konzentrierten sich ihre Interessen primär auf Möglichkeiten, andere auszurauben. Als der Stamm jedoch den Islam annahm, gaben sie dieses kriminelle Verhalten auf. Tatsächlich schreibt der Koran vor, dass dem Dieb, ob männlich oder weiblich, die Hand abgeschnitten werden sollte als Vergeltung für das, was er getan hat.

﴿وَالسَّارِقُ وَالسَّارِقَةُ فَاقْطَعُوا أَيْدِيَهُمَا جَزَاءً بِمَا كَسَبَا نَكَالًا مِّنَ اللَّهِ وَاللَّهُ عَزِيزٌ حَكِيمٌ

Der Dieb und die Diebin: trennt ihnen ihre Hände ab als Lohn für das, was sie begangen haben, und als ein warnendes Beispiel von Allah. Allah ist Allmächtig und Allweise. (5:38)

Der Prophet Muhammad (s) erklärte es für die Muslime zur Pflicht, sich ihre Versorgung auf erlaubtem Wege zu verdienen und verbot ihnen gleichzeitig, sich Dinge auf verbotene Weise anzueignen. Er missbilligte außerdem Täuschung bzw. Betrug. Als er entdeckte, dass etwas Weizen der oben trocken erschien, tatsächlich nass war, sprach er (s):

«من غشنا ليس منا»

„(…) Derjenige, der uns betrügt, ist nicht von uns.“ (Muslim)

Das Verständnis von rizq, also dass die Versorgung eines jeden Menschen von Allah vor seiner Geburt festgelegt wurde, ist ein weiterer wichtiger Teil der islamischen Überzeugung. So wird verhindert, dass Menschen dazu verleitet werden, ihr Vermögen durch Diebstahl, Raub oder Betrug zu vermehren. Darüber hinaus bietet das gerechte islamische Wirtschaftssystem jedem einzelnen Bürger einen sicheren und gerechten Lebensstandard, der die Wahrscheinlichkeit minimiert, dass ein Teil der Gesellschaft in Armut und der andere Teil in Wohlstand lebt, was auch zu Korruption und anderem unmoralischen, finanziellen Verhalten führen kann. Eine weitere Herausforderung war die Schaffung von Sicherheit in der Gesellschaft. Der Bau der ersten Moschee war ein wichtiger Bestandteil des Fundaments der Bruderschaft und ein wichtiger Schritt, um Nähe, Zuneigung, Liebe, Zusammenarbeit und Sicherheit unter den Muslimen zu gewährleisten. Darüber hinaus bot die in Medina entstandene politische Struktur gegenseitige Sicherheit in den Beziehungen zwischen Staat und Bevölkerung. Der Prophet (s), der das Staatsoberhaupt in Medina war, behandelte sowohl Muslime als auch Nichtmuslime stets gerecht und sorgte dafür, dass ihnen jene Rechte gewährleistet blieben, die in der islamischen Verfassung verankert waren. Allgemein herrscht darüber hinaus in einer islamischen Gesellschaft eine starke, islamische, öffentliche Meinung zu gutem, moralischem Verhalten und eine Ablehnung korrupter und krimineller Handlungen. So wird die Bevölkerung davon abgehalten, unmoralische oder kriminelle Handlungen zu vollziehen.

All diese erwähnten schlechten sozialen Normen und moralischen Sitten verschwanden, als der Islam die Herrschaft übernahm. Dies zeigt, wie das Weltbild der arabischen Gesellschaft und anderer Länder unter der Herrschaft des Islam radikal reformiert wurden, indem er die Praktiken der vorislamischen Zeit  (ǧāhilīya) auslöschte und durch die erhabenen Überzeugungen, Normen und Praktiken des Islam ersetzt hat, einschließlich der Rechenschaftspflicht gegenüber Allah (t). Der Islam minimierte Kriminalität, Gesetzlosigkeit und Unsicherheit in jedem Land, in dem er als System umgesetzt wurde und verwandelte durch seine Regentschaft die Gesellschaft in eine ehrbare und glorreiche Weltmacht, die jedem einzelnen Bürger Sicherheit und Schutz bot. Es ist genau diese Erleuchtung und Veränderung, die die Menschheit heute braucht. So wie der Islam das Licht in die heidnische Gesellschaft der Araber zur vorislamischen Zeit gebracht und sie aus dem dunklen Schatten der Unwissenheit befreit hat, so vermag auch nur der Islam die Menschheit von der heutigen Epidemie des Verbrechens, der Gesetzlosigkeit und der mangelnden Sicherheit in der Welt zu befreien.

﴿قُلْ هَـذِهِ سَبِيلِي أَدْعُو إِلَى اللّهِ عَلَى بَصِيرَةٍ أَنَاْ وَمَنِ اتَّبَعَنِي وَسُبْحَانَ اللّهِ وَمَا أَنَاْ مِنَ الْمُشْرِكِينَ

Sag: Das ist mein Weg: Ich rufe zu Allah aufgrund eines sichtbaren Hinweises, ich und diejenigen, die mir folgen. Preis sei Allah! Und ich gehöre nicht zu den Götzendienern. (12:108)