ANALYSE

- 28.02.2015

Wirtschaftskrisen im Vergleich zwischen Islam und Kapitalismus – Teil 3

3. Das Eigentum
Die Form des Eigentums und die Art, wie man sich im Kapitalismus Geld aneignet, tragen nicht nur zur Entstehung von Wirtschaftskrisen bei, sondern erschweren auch bereits existierende Wirtschaftskrisen. Während im Sozialismus das Eigentum nur dem Staat zugesprochen wurde und er dem Individuum seinen Besitz verboten hat, spricht der Kapitalismus von der Eigentumsfreiheit, um dem Individuum die Freiheit zuzusprechen, sich aneignen zu können, was auch immer es mag. Aus diesem Grund stach die Eigentumsfreiheit bei dieser Ideologie hervor. Diese Freiheit ist offensichtlich die wichtigste im Kapitalismus, denn sogar das, was zum öffentlichen Sektor gehört, kann auch von Individuen angeeignet werden. Dies bedeutet, dass das Individuum in der Lage ist, sich das anzueignen, was der Gemeinschaft zusteht, wie z.B. Ölquellen und andere Quellen des Reichtums, ebenso Wege und Brücken.

Wenn wir einen genauen Blick auf die Formen des Eigentums in diesem System werfen, dann stellen wir fest, dass sie zu einer schlechten Verteilung führen. Denn wer in der Lage ist, sich das anzueignen, was der Allgemeinheit zusteht, ist auch in der Lage, den Zugang zu diesem Eigentum zu verbieten, da er die Macht über das hat, was ihm gehört. Das bedeutet also, dass die Besitzverteilung grundsätzlich nicht davon abhängig ist, wie die Menschen ihn brauchen, sondern vielmehr von ihrer Fähigkeit abhängt, sich diesen anzueignen; oder, um es anders auszudrücken, der Reiche ist dann derjenige, der in der Lage ist, noch mehr Vermögen anzuhäufen, während der Arme, der aus der Notwendigkeit heraus Eigentum erwirbt, ärmer wird. Und dies führt dazu, dass sich das Vermögen auf eine gewisse Gruppe konzentriert, ohne dass andere den Zugang zu diesem haben, was die zunehmende Verarmung der meisten Individuen bedeutet.

Während der Weltwirtschaftskrise 2008 haben die Politiker des Westens diese Problematik begriffen und so eilten sie zu Verstaatlichungen, obwohl diese dem ideologischen Kapitalismus absolut widersprechen. Sie wurden jedoch dazu getrieben, um das zu retten, was noch zu retten war und um das Vertrauen der Menschen ins Finanzsystem nicht komplett zu verlieren. Darüber hinaus ging es darum, einen schnellen Zusammenbruch des ganzen Wirtschaftssystems zu verhindern.

Zusätzlich zu dem Geldsystem, dem Zinssystem und der Art des Eigentums im kapitalistischen System spielen noch viele andere Ursachen eine indirekte Rolle bei der Entstehung von Wirtschaftskrisen. Hiervon soll die Sichtweise über das Leben mit angeführt werden. Die Sichtweise über das Leben, das die Vertreter dieser Ideologie tragen, besagt, dass dieses Leben ein Ort des Genusses ist und dass das Glück hierbei darin liegt, soviel wie möglich an körperlichen Genüssen zu verspüren.

وَقَالُوا مَا هِيَ إِلَّا حَيَاتُنَا الدُّنْيَا نَمُوتُ وَنَحْيَا وَمَا يُهْلِكُنَا إِلَّا الدَّهْرُ ۚ وَمَا لَهُمْ بِذَٰلِكَ مِنْ عِلْمٍ ۖ إِنْ هُمْ إِلَّا يَظُنُّونَ

(24, الجاثية)

Und sie sagen: "Es gibt nichts als dieses irdische Leben - wir sterben und wir leben - und es gibt nichts anderes als die Zeit (der Todeszeitpunkt), die uns vernichtet." Jedoch besitzen sie darüber kein Wissen; sie vermuten es nur. (Al-Jathiya, 24)

Dadurch verschlingen sie alles, sobald sie meinen, dass es eine Quelle für das Glück sein könnte und so verändert sich die Gesellschaft zunehmend: hin zu einer Konsumgesellschaft statt zu einer Produktionsgesellschaft, was zu einem Handelsdefizit führt und ihre Schulden mehrt. Als Beispiel soll hier der kapitalistische Vorzeigestaat in der Welt angeführt werden, dessen Währung zum Maßstab aller anderen Währungen genommen wird: die USA. Ihr Handelsdefizit belief sich im Jahr 2008 auf 816 Milliarden US-Dollar, d.h. diese Gesellschaft konsumiert viel mehr als was sie produziert, und zwar in der genannten Höhe (816 Mrd.).

Die zentralen Gründe für die Wirtschaftskrisen wurden nunmehr genannt. Wenn wir genauer hinschauen, dann stellen wir fest, dass die Ideologie des Kapitalismus diese Krisen in ihrem Wesen mit sich trägt, und so lebt der Kapitalismus von und leidet zugleich an den Ursachen seiner eigenen Wirtschaftskrisen. Es hilft also auch kein Behandeln hier und dort, da diese Behandlungen nur dem Verarzten der Krankheitssymptome gleichen würden. Was aber die ursächliche Krankheit anbelangt, so liegt sie in der Ideologie des Kapitalismus selbst.

Hierzu sagte Roger Terry in seinem Buch „Economic Insanity": „Die Amerikaner wissen, dass es irgendwo einen Fehler gibt in den USA, sie wissen jedoch nicht, was der Fehler ist. Sie wissen auch nicht, wo dieser Fehler herrührt. Was jedoch das Wichtigste von alldem ist, ist dass sie nicht wissen, wie sie diesen Fehler beheben. Das einzige, wozu sie im Stande sind, ist auf die Symptome zu zeigen."

In Wahrheit jedoch erschwert einiges von dem, was als Lösung vorgestellt wird, die Angelegenheit nur. Weil nämlich diese Lösungen versuchen, die Ergebnisse dieses Systems abzuändern, ohne das System selbst zu verändern, welches diese Ergebnisse geschaffen hat. Das Problem befindet sich nicht in der Art und Weise, wie man das kapitalistische Wirtschaftssystem umsetzt, sondern das Wirtschaftssystem selbst ist das Problem. Der Fehler liegt in dem grundlegenden Aufbau des Wirtschaftssystems und deshalb werden die Teillösungen und die Heilung der Ergebnisse niemals zu einer Befreiung von den Problemen führen. Wenn wir als Muslime zu uns selbst zurückfinden wollen, dann müssen wir die Probleme von der Wurzel her lösen; und nicht etwa durch das Abschneiden einiger Blätter. Wir müssen alle Grundlagen und Voraussetzungen unseres islamischen Systems analysieren und in seiner wahren Gestalt, als Alternative für den Kapitalismus, darlegen."