KONZEPTION

- 19.03.2020

Das Gottvertrauen ist eine der grundlegenden Säulen der Aufrechterhaltung der Wahrheit

Betrachten wir jene Epoche, in der noch vollständig mit dem regiert wurde, was uns von Allah (t) als Offenbarung herabgesandt wurde, so sehen wir, dass sich die Muslime dieser Zeit durch Kühnheit und Kreativität auszeichneten. Sie waren imstande selbst die furchteinflößendsten Feinde zu besiegen und große Fortschritte bei der Eröffnung neuer Ländereien zu erzielen. Vor keiner noch so gewaltigen Herausforderung schreckten sie zurück. Sie weigerten sich, in Angelegenheiten des Glaubens Rückschritte zu machen oder Kompromisse einzugehen. Der Schlüssel zu ihrer Stärke, ihrer Prinzipientreue und ihrer unerschütterlichen Haltung war ihr Gottvertrauen (tawakkul) – das Vertrauen in Allah (t). Der Begriff des Gottvertrauens ist ein Begriff, der in den Köpfen der Leute heute häufig missverstanden oder fehlinterpretiert wird. Jedoch ist dieser Begriff sehr wichtig, weshalb er unbedingt korrekt verstanden werden muss. Wenn der Muslim nicht versteht, was mit Gottvertrauen (tawakkul) tatsächlich gemeint ist, droht der langwierige und herausfordernde Marsch, den die Muslime vor sich haben, zu scheitern. Dieser Marsch besteht darin, die Geschichte zugunsten der islamischen Umma zu wenden. Wenn die Muslime den Begriff des Gottvertrauens fehlinterpretieren, werden Untätigkeit, Zurückhaltung, Zögern und unangebrachte Übervorsicht über sie vorherrschen. Die gegenwärtige Situation und der Mangel an zur Verfügung stehenden Mitteln würde sie überwältigen.

Ohne ein richtiges Verständnis über den Begriff des Gottvertrauens (tawakkul) lässt der Eifer nach, der Wille wird schwach und die Vision über das, was erreicht werden kann, wird trüb. Wenn Muslime nicht am Gottvertrauen (tawakkul) festhalten, werden sie eine Unfähigkeit verspüren die sie im Glauben lässt, ihre Macht sei begrenzt und dass sie nicht mehr erreichen können, als das, was ihnen von anderen Menschen erlaubt worden ist. So wird es den Muslimen nicht möglich sein, erneut zu wahrer Größe zu gelangen und sich die Vorherrschaft für ihren dīn zu sichern, sollten sie sich nicht auf ihr Gottvertrauen (tawakkul) stützen. Große Vorhaben, wie beispielsweise der Aufruf zum Islam, wenn man Tyrannen gegenübersteht, oder das Streben nach dem materiellen Beistand (nuṣra) zur Wiederherstellung der islamischen Lebensweise könnten sicherlich nicht umgesetzt werden, wenn Muslime ihre Macht ausschließlich auf ihr menschliches Potenzial beschränken würden. Wenn ein Muslim allein die menschliche Fähigkeit betrachtet und demgemäß handelt, gleichen selbst gewöhnliche, alltägliche Aufgaben unüberwindbaren Hürden - also was ist dann mit den großen Aufgaben? Wird der Begriff des Gottvertrauens (tawakkul) jedoch verstanden, bewältigt man Herausforderungen über die eigenen Fähigkeiten und die zur Verfügung stehenden materiellen Mittel hinaus – immer in Abhängigkeit zur grenzenlosen Macht Allahs (t).

Wahrlich, Allah (t) ist Der Einzige, Der es verdient, dass man sich von Ihm abhängig macht. Er (t) allein ist al-Ḫāliq (Der Schöpfer), Der die gesamte Schöpfung mit ihren unzähligen Galaxien aus dem Nichts heraus erschuf. Allah (t) allein ist al-Qauwī (Der Starke) und al-Muqtadir (Der alles Bestimmende), Der Herr über alle Angelegenheiten, die sich innerhalb dessen abspielen, was Er (t) erschuf. Allah (t) ist al-Muḥī (Der Lebensspendende) und al-Mumīt (Der über den Tod bestimmende). Er allein entscheidet über Leben und Tod zu einer festgesetzten Zeit, sodass keine einzige Seele vor der ihr vorbestimmten Zeit zu sterben vermag, ungeachtet eines Lebens voller Feigheit oder Tapferkeit. Allah (t) ist ar-Razzāq (Der Versorger) und al-Wahāb (Der Geber und Verleiher). Er (t) allein gibt jeder einzelnen Seele ihren Lebensunterhalt (rizq) und vermehrt oder vermindert diesen wie Er (t) es will, ungeachtet des Geizes oder der Großzügigkeit dieser Seele. Und Allah (t) ist al-Muʿiz (Der Verleiher von wirklicher Ehre), al-Muḏill (Der Demütiger der Unterdrücker ihrer Mitmenschen) und al-Fattāḥ (Der Öffnende), Der (t) die islamische Umma über ihre Feinde siegreich werden lässt, und diese durch ihre Hände entehrt.

Es ist Allah (t), der Seinen rechtschaffenen Dienern versichert hat, dass Er (t) ihnen in schwierigen Situationen beistehen wird, die sie um Seinetwillen auf sich nehmen.

Allah (t) sprach:

﴿وَمَن يَتَّقِ اللَّهَ يَجْعَل لَّهُ مَخْرَجًا

Und wer Allah fürchtet, dem schafft Er einen Ausweg (65:2)

Wer also Gottesfurcht (taqwā) in der Umsetzung dessen innehat, was Er (t) anbefohlen hat und in der Vermeidung dessen, was Er (t) verboten hat, dem wird Allah (t) einen Ausweg aus jeder schwierigen Situation ermöglichen, und ihn mit Mitteln versorgen, mit denen er nie gerechnet, geschweige denn über sie nachgedacht hätte.

Von ʿAbdullāh ibn Masʿūd wird berichtet, dass dieser sagte:

„Er (der Gottesfürchtige) weiß, dass es Allah (t) ist, Der gibt, und auch dass es Allah (t) ist, Der verwehrt.“

Und ʿAbdallāh ibn ʿAbbās (r) kommentierte dies, indem er sagte:

„(Allah ermöglicht dem Menschen) Seinen Weg heraus aus all der Pein des Diesseits und des Jenseits.“

So versichert Allah (t) sowohl den Verfechtern des Kalifats, als auch denjenigen, die die Verpflichtung tragen nach dem materiellen Beistand für die Wiedererrichtung des Kalifats zu streben, einen Ausweg aus jeder Schwierigkeit, die sie um Seinetwillen (t) auf sich nehmen.

Der Gläubige Muslim, der den Begriff des Gottvertrauens (tawakkul) verstanden hat, ist bereit persönliche Strapazen auf sich zu nehmen und seinen Reichtum sowie sein Leben zu riskieren in der Gewissheit, dass ihm Allah (t) beistehen wird. Allah (t) sprach:

﴿وَمَن يَتَوَكَّلْ عَلَى اللَّهِ فَهُوَ حَسْبُهُ

Und wer sich auf Allah verlässt, dem ist Er seine Genüge. (65:3)

Das Vertrauen in Allah (t) erweckt im Gläubigen Tapferkeit und löscht Hoffnungslosigkeit, Hilflosigkeit und Negativität aus. Die Sicht wird erweitertet und der Erfindungsreichtum angeregt, um alle aufkommenden Herausforderungen zu bewältigen. Diejenigen, die Gottvertrauen (tawakkul) haben, halten das, was Allah (t) ihnen befohlen hat, nicht für unausführbar oder gar unmöglich. So werden sie mit Seiner (t) Hilfe immer einen Weg oder einen Plan finden und diesen umsetzen. Und diejenigen, die den Begriff des Gottvertrauens (tawakkul) wahrhaftig verstehen, betrachten das, was Allah verboten hat, nicht als Zwang. Kein Gläubiger, der sein Vertrauen in Allah (t) setzt, fürchtet sich vor den Menschen, bei dem Bestreben um das Wohlgefallen Allahs.

Imām Aḥmad berichtet, dass Ibn ʿAbbās sagte, dass der Gesandte Allahs (s) zu ihm sprach:

«يَا غُلَامِ! إنِّي أُعَلِّمُك كَلِمَاتٍ: احْفَظْ اللَّهَ يَحْفَظْك، احْفَظْ اللَّهَ تَجِدْهُ تُجَاهَك، إذَا سَأَلْت فَاسْأَلْ اللَّهَ، وَإِذَا اسْتَعَنْت فَاسْتَعِنْ بِاَللَّهِ، وَاعْلَمْ أَنَّ الْأُمَّةَ لَوْ اجْتَمَعَتْ عَلَى أَنْ يَنْفَعُوك بِشَيْءٍ لَمْ يَنْفَعُوك إلَّا بِشَيْءٍ قَدْ كَتَبَهُ اللَّهُ لَك، وَإِنْ اجْتَمَعُوا عَلَى أَنْ يَضُرُّوك بِشَيْءٍ لَمْ يَضُرُّوك إلَّا بِشَيْءٍ قَدْ كَتَبَهُ اللَّهُ عَلَيْك؛ رُفِعَتْ الْأَقْلَامُ، وَجَفَّتْ الصُّحُفُ»

„Mein Junge! Ich lehre dich einige Worte: Bewahre Allah, so wird Er dich bewahren. Bewahre Allah, dann wirst du Ihn bei dir finden. Wenn du irgendjemanden bittest, dann bitte Allah. Wenn du Hilfe suchst, dann suche Hilfe bei Allah. Und wisse, dass, wenn die gesamte Gemeinde beschließt, dir in einer Sache zu nutzen, sie dir nur in etwas nutzt, das Allah schon für dich niedergeschrieben hat, und dass sie, wenn sie beschließt, dir in einer Sache zu schaden, dir nur in etwas schadet, das Allah schon für dich niedergeschrieben hat. Die Schreibfedern sind abgesetzt und die Tinte ist getrocknet.“

Nicht nur, dass Allah (t) der einzige ist, der die Abhängigkeit verdient, nein, Er befiehlt uns das Gottvertrauen (tawakkul) sogar an, so dass derjenige, der sein Vertrauen nicht in Allah (t) setzt, sündhaft ist. Das Gottvertrauen (tawakkul) wird in einem definitiven (qaṭʿī) Text erwähnt. Allah (t) sprach:

﴿إِن يَنصُرْكُمُ اللَّهُ فَلَا غَالِبَ لَكُمْ ۖ وَإِن يَخْذُلْكُمْ فَمَن ذَا الَّذِي يَنصُرُكُم مِّن بَعْدِهِ ۗ وَعَلَى اللَّهِ فَلْيَتَوَكَّلِ الْمُؤْمِنُونَ

Wenn Allah euch zum Sieg verhilft, so kann euch keiner besiegen. Doch wenn Er euch im Stich lässt, wer ist es denn, der euch dann, nach Ihm, noch helfen könnte? Und auf Allah sollen sich die Gläubigen verlassen. (3:160)

As-Saʿdī (r) sagt in seinem tafsīr zu diesem Vers:

„Stütze dich auf Allah (t) und niemanden sonst, da Er (t) der einzige Helfer ist. Auf Ihn zu vertrauen ist ein Teil des Monotheismus (tauḥīd), sich (in Hinblick auf das beabsichtigte Resultat einer Handlung) auf andere zu verlassen stellt širk dar und bringt demjenigen, der ihn begeht, nichts.“

Es sprach der Erhabene:

﴿قُل لَّن يُصِيبَنَا إِلَّا مَا كَتَبَ اللَّهُ لَنَا هُوَ مَوْلَانَا ۚ وَعَلَى اللَّهِ فَلْيَتَوَكَّلِ الْمُؤْمِنُونَ

Sag: Uns wird nur das treffen, was Allah für uns bestimmt hat. Er ist unser Schutzherr. Auf Allah sollen sich die Gläubigen verlassen. (9:51)

Was nun die folgenden Worte Allahs (t) anlangt:

﴿هُوَ مَوْلَانَا

Er ist unser Schutzherr. (9:51),

so sagt Al-Baġawī – möge Allah mit ihm barmherzig sein - in seinem tafsīr: „Er (t) ist sowohl unser Helfer, als auch unser Beschützer.“

Und Ibn Kaṯīr kommentiert den Vers mit den Worten: „(…) unser Herr und Beschützer.“

So bewegen sich sowohl die Verfechter des Kalifats als auch diejenigen, die dem Streben nach dem materiellen Beistand nachkommen, mit Tapferkeit und mit Optimismus, angetrieben von ihrem Iman, so dass ihre Energie und ihr Bestreben die Schlummernden weckt und die sich Bewegenden antreibt.

Was den ḥadīṯ anlangt, in dem der Gesandte Allahs (s) sprach:

«اعْقِلْهَا وَتَوَكَّلْ»

„Binde es (das Kamel) an und habe Gottvertrauen!“ (at-Tirmiḏī)

So steht dieser weder im Widerspruch zum zuvor erklärten, noch schränkt er das Gottvertrauen (tawakkul) in irgendeiner Weise ein. Vielmehr beinhaltet er die Anweisung, sich neben dem Gottvertrauen auch praktisch zu bemühen. Es war eine Lehre für den Beduinen, der dachte, dass Gottvertrauen (tawakkul) bedeute die Ursachen und Wirkungen zu vernachlässigen. In diesem ḥadīṯ lehrte uns der Gesandte Allahs (t), dass dies nicht der Fall ist. Der Gläubige schaut sich die materiellen Mittel sorgfältig an, arrangiert und plant sie akribisch, erwartet aber ein weitaus größeres Resultat, da er nicht nur von materiellen Mitteln abhängig ist, sondern von der Hilfe Allahs (t).

So lasst uns also alle mit der mächtigen Waffe des Gottvertrauens (tawakkul) bewaffnen. Lasst sie uns als Schild und Schwert auf unserem Marsch zur Wiederherstellung der Herrschaft nutzen, welche Allahs (t) Wohlgefallen mit sich bringt und Seinen (t) Zorn von uns abwendet. Lasst uns nicht auf die Länge des Weges blicken, den wir bereits zurückgelegt haben oder den wir noch zurücklegen müssen. Marschieren wir weiter voll Zuversicht, dass Allah (t) uns zu unserem Ziel führen wird. Lassen wir uns nicht von den Hindernissen abschrecken, die uns in den Weg gelegt werden, ungeachtet dessen, ob es sich um ein einziges oder um eine große Anzahl von Hindernissen handelt – Mit der Hilfe Allahs (t) werden wir diese überwinden, und zwar auf eine Art und Weise, die wir uns weder vorstellen, noch planen könnten, und die den Ungläubigen den Atem verschlägt. Allah (t) sprach:

﴿وَلِلَّهِ غَيْبُ السَّمَاوَاتِ وَالْأَرْضِ وَإِلَيْهِ يُرْجَعُ الْأَمْرُ كُلُّهُ فَاعْبُدْهُ وَتَوَكَّلْ عَلَيْهِ ۚ وَمَا رَبُّكَ بِغَافِلٍ عَمَّا تَعْمَلُونَ

Und Allahs ist das Verborgene der Himmel und der Erde, und zu Ihm wird die ganze Angelegenheit zurückgebracht. So diene Ihm und verlasse dich auf Ihn. Und dein Herr ist nicht unachtsam dessen, was ihr tut. (11:123)

 

(M. U.)