KALIFAT

- 03.06.2012

Ein Zusammenleben der Religionen: Der Islam

In zahlreichen vorangegangenen Abhandlungen wurde bereits ausführlich erläutert, dass der Kapitalismus aufgrund seines Denkfundamentes und seiner Konzeptionen keine Koexistenz der Religionen zulässt. Daher wäre es falsch zu behaupten, der Kapitalismus oder die Demokratie, die lediglich das Regierungssystem des Kapitalismus widerspiegelt, sei der Garant für den Erhalt unserer Identität und Überzeugungen. Der Kapitalismus ist vielmehr der Auslöser und Aggressor, der uns Muslime immer weiter von unserer islamischen Identität abdriften oder gar vollständig vergessen lässt.

Doch wie geht der Islam mit Andersgläubigen um? Gewährleistet der Islam den Anhängern anderer Weltanschauungen, ihre Identität zu wahren? Die 14 Jahrhunderte andauernde Geschichte des Islamischen Staates hat bewiesen, dass der Islam Andersgläubige weder unterdrückt noch von ihnen verlangt, ihre Identität aufzugeben. Beispielsweise wurde niemand dazu gezwungen, sich etwa zur Shariah zu bekennen – im Gegensatz zur Bundesrepublik Deutschland, die fortlaufend von den Muslimen fordert, sich zum Grundgesetz zu bekennen. Dabei geht es wohlgemerkt nicht darum, sich an das Grundgesetz zu halten. Denn es ist dem deutschen Staat durchaus bekannt, dass sich gläubige Muslime an das Gesetz halten. Es geht vielmehr darum, dass die Muslime von ihrer Überzeugung ablassen sollen, dass Allah (s.w.t.) der einzig rechtmäßige Gesetzgeber ist. Somit geht es bei einem Bekenntnis stets um eine Glaubensangelegenheit. Der Islam bietet Angehörigen anderer Religionen Freiraum zur Erfüllung ihrer religiösen Pflichten, behandelt sie auf gütige und gerechte Weise, und niemand muss mit der Angst leben, er könnte seine Identität verlieren. Nun mag man sich die Frage stellen, wieso der Islam einerseits anderen Religionen Freiraum gewährt und gleichzeitig seine Verbreitung auf dem gesamten Globus anstrebt. Wieso ermöglicht das Kalifat ein Zusammenleben verschiedener Religionen, wo es doch seine Herrschaft und seine Ideologie über die gesamte Welt erstrecken mochte. Diese Frage wollen wir in diesem Artikel beantworten, um auch anhand dieses Aspektes die Wichtigkeit für das Vorhandensein eines Islamischen Staates - nicht nur für die Muslime sondern auch für die gesamte Menschheit - aufzuzeigen.

Allah (s.w.t.) hat den Qur'an hinab gesandt um alle Fragen und Probleme des menschlichen Lebens zu lösen. So hat Er (s.w.t.) auch die Fragen bezüglich der Koexistenz der Religionen beantwortet, indem Er (s.w.t.) Nichtmuslimen im Kalifat den Status von Dhimmis (Schutzbefohlenen) verliehen hat. Aufgrund der Rechenschaftspflicht gegenüber Allah (s.w.t.) am Tage des Gerichts, wird sich ein jeder Muslim strengstens davor hüten, die Rechte von Dhimmis zu beschneiden - wie er sich ebenso davor hütet, irgendein anderes göttliches Gesetz zu verletzen. Nur weil es sich bei Dhimmis um Nichtmuslime handelt, bedeutet das nicht, dass der Muslim die Gesetze Allahs weniger achtet. Wie wichtig es ist, die Rechte eines Dhimmis zu achten, verdeutlicht uns der Gesandte (s.a.s.): „Wer einem Schutzbefohlenen Leid zufügt, so bin ich sein Gegner. Und wessen Gegner ich bin, dessen Gegner werde ich am Tage der Auferstehung sein.'' (Kanz al-Ummal).

Zudem hat Allah (s.w.t.) deutlich gemacht, dass einem jeden Nichtmuslim der Schutz seiner Identität gewährt werden muss: ,,Es gibt keinen Zwang im Glauben.'' (2:256). Somit ist jeder Nichtmuslim davor sicher sich seiner Religion zwangsweise zu entledigen und kann sich frei entscheiden zu welcher Religion er sich bekennt. Außerdem werden sie dadurch weder in ihrer Religionsausübung gehindert, noch gestört. Auch stehen ihre Kirchen, Synagogen und Tempel im Schutze des Islamischen Staates, wodurch sie auch in der Gemeinschaft ihre Religion ausüben können. Zudem müssen sie nicht befürchten, aufgrund ihrer Religionsausübung ausspioniert zu werden, da Spionage im Islam verboten ist. Durch das dhimmi-Gesetz haben Nichtmuslime im Grunde die gleichen Rechte, wie auch die Muslime erhalten. So können sich auch Nichtmuslime an der Politik beteiligen und das tägliche Leben mitgestalten, sich an die gleichen Universitäten, wie die Muslime Wissen aneignen und Besitz durch Handel mit Muslimen oder Nichtmuslimen erwerben. Zudem sind die Schutzbefohlenen vom Militärdienst befreit und müssen sich nicht am Krieg gegen andere Staaten beteiligen. Jedoch ist es ihnen gestattet mitzuwirken, wenn es ihrem Willen entspricht, werden aber nicht dazu gezwungen. Auch wenn die Nichtmuslime sich nicht am Krieg beteiligen, so ist ihnen dennoch aufgrund ihres dhimmi-Status, der Schutz der Muslime vor feindlichen Übergriffen sicher und müssen nicht in ständiger Angst leben. Mit den Nichtmuslimen wird nicht wie im Westen umgegangen, indem man sie in Ghettos abschiebt und sie von den Muslimen absondert. Sie dürfen in Stadtbezirke ziehen, in denen sie unter Ihresgleichen sind, können aber auch Tür an Tür mit Muslimen leben und müssen nicht mit Belästigungen durch einen muslimischen Nachbar rechnen. So sagt der Prophet s.a.w.s.: „Dschibril legte mir immer wieder den Nachbarn ans Herz, bis ich dachte, er würde ihm einen Anteil am Erbe zuschreiben. ''

Ein Nichtmuslim muss im Grunde nur eine Steuer an den Staat abgeben: die Dschizya (Schutzsteuer). Während Muslime die teurere Zakat entrichten müssen, werden die Nichtmuslime durch die Dshizya entlastet, wobei nur die Reichen unter ihnen gezwungen sind, diese abzugeben. Nichtmuslime, die nicht im Stande sind die Dschizya zu bezahlen, werden davon befreit. Außerdem werden immer wieder Überschüsse, die der Staat angesammelt hat und nicht benötigt werden, an die Bürger verteilt. Dabei wird kein Unterschied zwischen einem Muslim und einem Nichtmuslim gemacht.

Man erkennt nun, dass der Islam all die Probleme, die einem Zusammenleben der Religionen im Weg stehen könnten, beseitigt und keine diesbezügliche Frage offen gelassen hat. Es ist ganz klar deutlich geworden, dass allein der Islam es vermag ein zufriedenes Miteinander zu schaffen. So sind wir alle bemüht, uns um die Wiedererrichtung eines zutiefst gerechten Islamischen Staats mit all unserer Kraft einzusetzen. Möge Allah s.w.t. uns die Ehre geben, zu denen, die dies vollbringen, zu gehören.