KONZEPTION

- 09.05.2020

Der reine Fokus auf die Routinen des Lebens ist eine Falle des Diesseits!

Die Verpflichtung eines Muslims besteht darin, dem dīn Allahs (t) vollständig und kompromisslos zu folgen. Auch besteht die Verpflichtung darin, den Islam im alltäglichen Leben zu etablieren. Der Muslim muss die letzte Offenbarung Allahs (t) als Grundlage für die Menschheit einführen und sie als die einzig wahre Lebensordnung darstellen, die in der Lage ist, die Angelegenheiten des alltäglichen Lebens zu organisieren und die Probleme der Menschheit zu lösen. Bei der Erfüllung dieser Aufgabe ist der Muslim mit Erschwernissen und Prüfungen konfrontiert, die ihn schwächen oder daran hindern könnten, seine Aufgabe gerecht zu erfüllen. Infolgedessen muss er sich zwangsweise damit auseinandersetzen, wie er diese Hindernisse überwindet. Dies, um sein Ziel und den Fokus dieser Aufgabe nicht zu verlieren.

Eines der gefährlichsten Hindernisse sind die Abläufe des Alltags, die einen Muslim so sehr beschäftigen, dass er in Versuchung gerät, sein eigentliches Ziel durch Ablenkung aus den Augen zu verlieren. Es sind unvermeidliche Probleme, mit denen jede Person konfrontiert ist. Wenn sich ein Mensch zu sehr mit seinen Alltagsroutinen wie Haushalt, Familie, Arbeit, Studium, Karriere, Hobby usw. beschäftigt, wird er wenig Zeit finden, sich dem eigentlichen Sinn des Lebens zuzuwenden. So ist es die große Kunst, eine Lösung dafür zu finden, wie man die Routinen des Lebens so gestaltet, dass sie einem Menschen bei der Erfüllung seines Ziels helfen und sie ihm auf seinem Weg keine Steine in den Weg legen. Allah (t) sagt im Koran folgendes über das weltliche Leben:

﴿اعْلَمُوا أَنَّمَا الْحَيَاةُ الدُّنْيَا لَعِبٌ وَلَهْوٌ وَزِينَةٌ وَتَفَاخُرٌ بَيْنَكُمْ وَتَكَاثُرٌ فِي الْأَمْوَالِ وَالْأَوْلَادِ ۖ كَمَثَلِ غَيْثٍ أَعْجَبَ الْكُفَّارَ نَبَاتُهُ ثُمَّ يَهِيجُ فَتَرَاهُ مُصْفَرًّا ثُمَّ يَكُونُ حُطَامًا ۖ وَفِي الْآخِرَةِ عَذَابٌ شَدِيدٌ وَمَغْفِرَةٌ مِّنَ اللَّهِ وَرِضْوَانٌ ۚ وَمَا الْحَيَاةُ الدُّنْيَا إِلَّا مَتَاعُ الْغُرُورِ

Wisst, dass das diesseitige Leben nur Spiel und Zerstreuung ist, Schmuck und gegenseitige Prahlerei und Wettstreit nach noch mehr Besitz und Kindern. Es ist wie das Gleichnis von Regen, dessen Pflanzenwuchs den Ungläubigen gefällt. Hierauf aber trocknet er aus, und da siehst du ihn gelb werden. Hierauf wird es zu zermalmtem Zeug. Im Jenseits aber gibt es strenge Strafe und (auch) Vergebung von Allah und Wohlgefallen. Und das diesseitige Leben ist nur trügerischer Genuss. (57:20)

Die tiefe Bedeutung dieses ehrenwerten Verses besteht darin, dass das weltliche Leben (dunyā) ein vorübergehendes Leben ist, so, wie der Frühling und der Herbst vorübergehend sind. Das Diesseits (dunyā) besteht aus eigentlich unbedeutenden Dingen, die der Mensch aufgrund seiner Schwäche als groß und prächtig ansieht. Der Mensch lässt sich täuschen, indem er glaubt, dass die Erreichung der materiellen Genüsse der höchste Erfolg und ein primäres Ziel darstellt. Fakt ist jedoch, dass jedweder Genuss, den man im Diesseits (dunyā) erreichen kann, kurz und unbedeutend ist, sich auf nur wenige Jahre des Lebens beschränkt und durch nur einen Schicksalsschlag unverzüglich zunichte gemacht werden kann. Die reine Konzentration auf die Routinen des Lebens stellt für den Muslim demnach eine Falle dar. Im Gegensatz dazu ist das Leben im Jenseits (ākhira) ein herrliches und ewiges Leben. Die Vorzüge sind unbegrenzt und von ewiger Dauer. Wer Allahs Vergebung erhält und durch seinen Willen erbarmt wird, wird die ewige Glückseligkeit erlangen. Gleichzeitig wird der gesamte Reichtum des weltlichen Lebens und ihrer königlichen Stätte unbedeutend. Derjenige, der von Allahs Qual ergriffen wird, wird sich definitiv im Klaren darüber sein, dass er einen schlechten Handel eingegangen ist.

Diese Welt ist es demnach nicht wert, dass man sich zu sehr an sie bindet. Natürlich sollte der Muslim seine Pflichten gegenüber seiner Familie, seinem Job, seinem Studium und dem Haushalt usw. erfüllen, sich aber nicht zu intensiv auf diese Angelegenheiten konzentrieren, so wie es die kapitalistische und materialistische Welt vorschreibt. Er muss sich stets bewusstmachen, dass dieses Leben nur eine Prüfung ist, sein primäres Ziel Allahs Wohlgefallen Allahs (t) ist, und, dass sein Schicksal (qaḍāʾ) und seine Versorgung (rizq) von Allah (swt) festgelegt sind.

Der Muslim sollte sich auch an den ehrenwerten ḥadīṯ des Propheten (s) erinnern, in welchem er beschreibt, wie die Menschheit mit dem diesseitigen Leben umgehen sollte:

Im Auftrag von ʿAbdallāh ibn ʿUmar (r) wird überliefert, dass der Gesandte Allahs (s) ihn an der Schulter packte und sagte:

«كُنْ فِي الدُّنْيَا كَأَنَّك غَرِيبٌ أَوْ عَابِرُ سَبِيلٍ»

„Wandle in dieser Welt umher, als wärst du ein Fremder.“ (al-Buḫārī)

Diese ehrenwerte Aussage des Propheten (s) sollte eine Person im Umgang mit den Prüfungen des Lebens bestärken. Das Merkmal des hier genannten Fremden besteht darin, seine Bemühungen darauf zu konzentrieren, in das Paradies zu gelangen, da das Paradies seine tatsächliche Heimat darstellt. Ein Reisender ist wachsam und sorgt sich darüber, dass er den falschen Weg geht oder sich verirren könnte, selbst wenn er sich auf dem richtigen Weg befindet. Das bedeutet, dass sich ein Muslim nicht in den Routinen des Lebens verlieren darf, sondern diese Aufgabe mit höchstem Verantwortungsbewusstsein erfüllen sollte.

Sowohl der Koran, als auch die Sunna stellen einen Wegweiser für uns in allen Bereichen des Lebens und in jeder Lebenslage dar. Allah (t) sprach im Koran:

﴿لَّقَدْ كَانَ لَكُمْ فِي رَسُولِ اللَّهِ أُسْوَةٌ حَسَنَةٌ لِّمَن كَانَ يَرْجُو اللَّهَ وَالْيَوْمَ الْآخِرَ وَذَكَرَ اللَّهَ كَثِيرًا

Ihr habt ja im Gesandten Allahs ein schönes Vorbild, (und zwar) für einen jeden, der auf Allah und den Jüngsten Tag hofft und Allahs viel gedenkt. (33:21)

Unser geliebter Prophet (s) ist das beste Beispiel für die Menschheit. Sein Leben war ebenfalls durch alltägliche Angelegenheiten geprägt. Seinen Tag verbrachte er mit Gottesdiensten und mit der Familie. Ebenso versuchte er die Verbindung zur Gesellschaft um ihn herum aufrechtzuerhalten. Auch sein (s) Herz fühlte sich zu bestimmten Dingen hingezogen, jedoch vollzog er seine Handlungen stets gemäß den Gesetzen Allahs (t).

Uns muss bewusstwerden, dass wir im Kapitalismus leben, der uns stets zum Erfolg im Diesseits (dunyā) drängt. Trotzdem schöpfen wir unsere Kraft bis auf die Grenzen aus und konzentrieren uns dabei auf die falschen Dinge. Oft ist es so, dass wir uns selbst falsche Maßstäbe für unser Leben setzen. Demnach sollte sich der Muslim stets über seine Bedürfnisse im Klaren sein, um in Erfahrung zu bringen ob sie sein Ziel beeinträchtigen könnten. Sollte dies der Fall sein, so ist der Muslim dazu verpflichtet Maßnahmen zu treffen, um nicht in die Fallen des weltlichen Lebens (dunyā) zu fallen. Jene Angelegenheiten, die uns das Jenseits (ākhira) vergessen lassen, sind für unsere leidenden Brüder und Schwestern in Syrien, Irak, Afghanistan, Palästina, Myanmar, China usw. absurd. Denn ihre „alltäglichen Routinen“ bestehen aus Raketen, Bomben, Angriffen, dem Verlust von Familienmitgliedern, Hungersnot, Unterdrückung und Folter.

Wenn wir all diese Aspekte betrachten, sehen wir, dass der erfolgreichste im Jenseits (ākhira) derjenige sein wird, der sowohl seinen Morgen als auch seinen Abend mit seinem hauptsächlichen Lebensschwerpunkt in Verbindung bringt. Ein zäher Muslim ist nicht derjenige, der so stark in das alltägliche Leben verfällt, dass er sogar sein Jenseits (ākhira) vergisst. Es ist auch nicht derjenige, der seine Probleme so sehr vernachlässigt, dass er sich selbst von der Belohnung für die Umsetzung dieser Angelegenheiten fernhält. Stark ist derjenige, der sich stets vor Augen hält, dass das Diesseits (dunyā) vergänglich ist und dass man alle Angelegenheiten des Lebens mit dem Jenseits (ākhira) verbinden muss.

﴿يَا قَوْمِ إِنَّمَا هَذِهِ الْحَيَاةُ الدُّنْيَا مَتَاعٌ وَإِنَّ الْآخِرَةَ هِيَ دَارُ الْقَرَارِ

O mein Volk, dieses irdische Leben ist nur Nießbrauch; das Jenseits aber ist die Wohnstätte zum (bleibenden) Aufenthalt.” (40:39)

(A. A.)