PERSÖNLICHKEITEN

- 22.05.2020

Die Führer von Hizb-ut-Tahrir - Teil 2 - Scheich ʿAbd al-Qadīm Zallūm

 

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen

Die Führer von Hizb-ut-Tahrir

Teil 2

Scheich ʿAbd al-Qadīm Zallūm

Einen besseren Nachfolger für die Führung der Partei hätte es nicht geben können

 

Scheich ʿAbd al-Qadīm ibn Yūsuf ibn Yūnus ibn Ibrāhīm Zallūm war ein renommierter Gelehrter. Er wurde im Jahr 1342 n. H. / 1924 n. Chr. in der Stadt Hebron in Palästina geboren. Seine Familie war für ihre Religiosität und Frömmigkeit bekannt. Sein Vater war ḥāfiẓ und bis zu seinem Lebensende pflegte er den Koran aus dem Gedächtnis zu rezitieren. Zur Zeit der Osmanen war er als Lehrer tätig.

Der Onkel seines Vaters väterlicherseits, ʿAbd al-Ġaffār Yūnus Zallūm, war zur Zeit des osmanischen Kalifats Mufti in Hebron. Die Zallum-Familie ist eine der Familien, die Treuhänder der Abrahamsmoschee in Hebron (al-masğid al-ibrāhīmī) sind. Somit sind sie auch Diener des Propheten Jakobs (Yaʿqūb (a)). Die Zallum-Familie wurde damit betraut, freitags und zu verschiedenen anderen Anlässen die Flagge des Islam auf der Kanzel zu hissen.

Denn das osmanische Kalifat hatte altehrbaren Familien aus Hebron die Verantwortung übertragen, die Abrahamsmoschee zu betreuen. Diese auserwählten Familien empfanden Ehre und Stolz, eine solche Verantwortung übernehmen zu dürfen.

Die ersten fünfzehn Jahre seines Lebens verbrachte Scheich ʿAbd al-Qadīm Zallūm in seiner palästinensischen Heimatstadt Hebron. Er besuchte zunächst die al-Ibrāhīmī-Grundschule. Danach schickte ihn sein Vater zum Studium an die al-Azhar-Universität. Er wollte nämlich, dass sein Sohn zu einem Experten in den islamischen Rechtswissenschaften wird. Daher verließ der Scheich Hebron im Alter von 15 Jahren, um an der al-Azhar-Universität in Kairo zu studieren. Im Jahr 1361 n. H. (1939 n. Chr.) erwarb er seinen ersten Abschluss an der al-Azhar-Universität, die šahādat al-ahlīya al-ūlā. Im Jahr 1366 n. H. (1947 n. Chr.) erwarb er den Hochschulabschluss der Scharia-Fakultät, die šahādat al-ʿāliya li kullīyat aš-šarīʿa. Schließlich erwarb er im Jahr 1368 n. H. (1949 n. Chr.) den Abschluss šahādat al-ʿālamīya mit juristischer Spezialisierung. Dieser Abschluss entspricht in etwa dem heutigen Doktorgrad.

Während des Palästinakrieges organisierte Scheich ʿAbd al-Qadīm Zallūm eine Gruppe von Muslimen und verließ gemeinsam mit ihnen Ägypten, mit dem Ziel, in Palästina den ǧihād zu vollziehen. Als er jedoch dort ankam, war das Waffenstillstandsabkommen bereits verkündet worden und der Krieg beendet. Seine Kommilitonen in der al-Azhar-Universität liebten ihn und nannten ihn „al-Malik“ (der König). ʿAbd al-Qadīm Zallūm war ein herausragender Student. Nach seiner Rückkehr in seine Heimatstadt Hebron im Jahr 1949 n. Chr. widmete er sich der Lehre. Zwei Jahre lang war er als Lehrer an der Schule von Bethlehem tätig. Im Jahr 1951 n. Chr. zog er wieder nach Hebron, wo er als Lehrer an der Usāma ibn Munqiḏ-Schule tätig war.

Im Jahr 1952 traf Scheich ʿAbd al-Qadīm Zallūm auf Scheich Taqī ad-Dīn an-Nabhānī. Scheich ʿAbd al-Qadīm reiste nun häufig nach Jerusalem, um sich mit Scheich Nabhānī abzustimmen und mit ihm die Frage der Parteigründung zu erörtern und zu diskutieren. Scheich ʿAbd al-Qadīm schloss sich der Partei am Tage ihrer Gründung an. Im Jahr 1956 wurde er Teil der Parteiführung. Er war ein großartiger Redner und die Leute liebten ihn. Freitags predigte er vor dem Gebet in der Abrahamsmoschee, wobei sich stets eine große Menschenmenge versammelte, um ihm zuzuhören. Später pflegte er einen Vortrag nach dem Freitagsgebet in der Abrahamsmoschee zu halten, der ebenso von einer großen Menschenmenge besucht wurde. Der Scheich kandidierte im Jahr 1954 und im Jahr 1956 für das Repräsentantenhaus, jedoch manipulierte der Staat die Wahlergebnisse, sodass seine Kandidaturen erfolglos blieben. Später wurde er verhaftet und in das Gefängnis al-Ğafr aṣ-Ṣaḥrāwī gebracht, wo er mehrere Jahre verbrachte. Doch schließlich wurde er mit Allahs Hilfe freigelassen.

Scheich ʿAbd al-Qadīm Zallūm, möge Allah ihm gnädig sein, war im wahrsten Sinne die rechte Hand des Gründers von Hizb-ut-Tahrir und ein Pfeil in seinem Köcher. Wenn es um brisante Missionen ging, vertraute Scheich Nabhānī diese stets Scheich ʿAbd al-Qadīm an. Er zögerte nie auch nur einen Moment lang und zog die daʿwa seiner Familie und dem Luxus dieser vergänglichen Welt vor. An einem Tag sah man ihn in der Türkei, am nächsten im Irak und am übernächsten in Ägypten. Dann reiste er nach Jordanien und wieder einen Tag darauf in den Libanon. Wann immer sein amīr nach ihm verlangte, stand er – das Rechte vollziehend - an seiner Seite. Besonders sein Auftrag im Irak war äußerst brisant und konnte nur von wahrhaften Männern übernommen werden. Er übernahm diese Aufgabe auf Anweisung des amīrs und unter dessen Aufsicht und hatte einen gewaltigen Anteil daran.

Mit dem Tode Scheich Nabhānīs wurde er auserwählt, um die Bürde der daʿwa weiterzutragen. Die daʿwa machte unter seiner Führung sprunghafte Fortschritte und stieg empor. Die von der Partei verwendeten Stilmittel wurden klarer und ihr Aktionsradius weitete sich stark aus, sodass die Ideen der Partei sogar Zentral- und Südostasien erreichten. Das Echo der daʿwa war auch in Europa und anderswo zu hören.

Zu seiner Zeit als amīr der Partei ließen sich einige Leute von den Einflüsterungen des Teufels mitreißen und nutzten den Sanftmut dieses ehrenwerten Gelehrten aus. In einer nächtlichen Verschwörung heckten sie einen Plan aus und versuchten, die Partei von ihrem geraden Weg abzubringen. Diese Clique an Schwurbrechern (nākiṯūn) versuchte, eine tiefe Wunde in den Parteikörper zu reißen. Aber durch die Güte Allahs (t) und die Weisheit und Entschlossenheit Scheich ʿAbd al-Qadīm Zallūms konnten sie nur oberflächliche Kratzer verursachen, die schnell verheilten. Letztlich ging die Partei sogar gestärkt aus dieser Krise hervor. Das Unwesen der Schwurbrecher war schnell erloschen und sie selbst gerieten in Vergessenheit.

Scheich ʿAbd al-Qadīm stand bis zu seinem 80. Lebensjahr der Partei und der daʿwa vor. Als ob er sich seines nahenden Todes bewusst war, sah er sich dazu veranlasst, von seiner Position als amīr von Hizb-ut-Tahrir zurückzutreten. Nachdem der Scheich zwei Drittel seines Lebens damit verbracht hatte, die Bürde dieser daʿwa zu tragen - fast 25 Jahren als rechte Hand des vorherigen amīr und noch einmal so viel als amīr der Partei – wollte er offenbar mit der Gewissheit vor seinen Schöpfer treten, dass die daʿwa weiter gut voranschreitet. Deshalb wollte er von der Parteiführung zurücktreten, um die Wahl seines Nachfolgers miterleben zu können. Und so geschah es auch: Am Montag, dem 14. Muḥarram 1424 n. H., dem 17. März 2003 n. Chr., trat er als amīr von Hizb-ut-Tahrir zurück.

Ungefähr vierzig Tage danach am Dienstagabend, dem 27. Ṣafar 1424 n. H, dem 29. April 2003 n. Chr., verstarb der große Gelehrte Scheich ʿAbd al-Qadīm Zallūm, amīr von Hizb-ut-Tahrir, im achtzigsten Lebensjahr. Wir gehören Allah und zu Ihm ist unsere Rückkehr. Für ihn wurde eine Kondolenzstätte in der Abū-al-Ġarbīya-aš-Šaʿrāwī-Halle in Hebron eingerichtet. Die Menge an Menschen, die der Beileidsbekundung wegen dort zusammenkam, war schier unglaublich. Aus den verschiedensten Städten und Dörfern kamen die Menschen zusammen. Kondolierende, Dichter und Rhetoriker wetteiferten miteinander im Vortragen von Gedichten und dem Halten von Ansprachen zur Kondolenzbekundung. Ein Telefon, das an den Lautsprecher angeschlossen war, klingelte permanent, um die Beileidsbekundungen aus den verschiedensten Teilen der Welt zu empfangen, so z. B. aus dem Sudan, aus Kuwait, Europa, Indonesien, Amerika, Jordanien und Ägypten. Auch in Amman und anderswo wurden Kondolenzveranstaltungen abgehalten.

Der Scheich war ein tapferer Mann und setzte sich mutig für den Islam ein. Um Allahs Willen fürchtete er nie den Tadel eines Tadelnden. Er war ein sehr aktiver Mann, der sich unermüdlich und ohne zu verzagen für die daʿwa einsetzte. ʿAbd al-Qadīm Zallūm war der Inbegriff islamischer Charakterzüge und Tugenden. Zu allem, was verboten war, hielt er großen Abstand. Zudem zeichnete er sich durch Bescheidenheit, Kultiviertheit, Sanftmut, Großzügigkeit und Nachsicht aus, außer bei islamisch verbotenen Dingen. Ihm nahestehende berichteten, dass er die Nächte über im Gebet verbrachte und häufig weinte, während er die Verse des Koran rezitierte. In der daʿwa war er standhaft und unbeugsam. Er lebte wie ein Fremder, verfolgt von ungerechten Despoten, bis Allah ihn zu Sich rief. Nun fällt sein Lohn Allah anheim, möge Er (t) ihm vielfach gnädig sein!

Die folgenden Bücher, Hefte und Publikationen wurden von Scheich ʿAbd al-Qadīm Zallūm verfasst und von Hizb-ut-Tahrir während seiner Zeit als amīr der Partei veröffentlicht:

I. Die Finanzen im Staate des Kalifats

II. Die Ausweitung und Überarbeitung des Buches: Das Regierungssystem im Islam

III. Die Demokratie ist ein System des Unglaubens

IV. Der islamische Rechtsspruch betreffend: Klonen, Organtransplantation und anderer Fragen

V. Die Methode von Hizb-ut-Tahrir zur Veränderung

VI. Einführung zu Hizb-ut-Tahrir

VII. Die amerikanische Kampagne zur Vernichtung des Islam

VIII. George Bushs Kreuzzug gegen die Muslime

IX. Die Turbulenzen der Finanzmärkte

X. Die Unabdingbarkeit des Kampfes der Kulturen

 

(E. D.)