ISLAMRECHTLICHE UND INTELLEKTUELLE F&As

- 09.04.2015

Antwort auf eine intellektuelle Frage

Im Namen Allahs des Erbarmungsvollen des Barmherzigen

In dem von der Partei herausgegebenen Schriftstück „Die politische Aktivierung" (at-taḥrīkas-siyāsī) wird erwähnt, dass der politische Kampf (al-kifāḥas-siyāsī) einen Tätigkeitsstil (uslūb) und keine Methode (ṭarīqa) verkörpere. Wenn es sich so verhält, dass der politische Kampf und die ideologische Auseinandersetzung bzw. das ideologische Ringen (aṣ-ṣirāʿ al-fikrī) Tätigkeitsstile und keine Methode darstellen, bedeutet dies dann, dass die Interaktionsphase (marḥalatat-tafāʿul) zur Methode zählt, was sich aber an politischen und intellektuellen Aktivitäten darin abspielt, zum Tätigkeitsstil? Zu beachten ist, dass in Versen des Heiligen Koran der politische Kampf und das ideologische Ringen mit den Oberhäuptern des Unglaubens unter den Quraischiten klar zutage treten.

Antwort:

Jawohl, die Interaktion zählt zur ṭarīqa. Erwähnenswert ist, dass die politische und intellektuelle Tätigkeit ebenfalls zur ṭarīqa zählen. Die Interaktionsphase erfordert dies und kann ohne diese beiden Tätigkeiten gar nicht stattfinden. Ohne die politische und intellektuelle Aktivität ist es keine Interaktion.

Was den politischen Kampf und das ideologische Ringen anlangt, so bedeuten sie die gnadenlose Herausforderung durch politische und intellektuelle Aktionen. Und diese Herausforderung stellt einen Stil (uslūb) dar, der in einer Situation erforderlich sein kann, in der anderen aber nicht.

Um die Angelegenheit näherzubringen, sei folgendes Beispiel gegeben: Das Verteilen eines Flugblatts kann in kämpferischem Stil erfolgen - öffentlich verteilt in gnadenloser Herausforderung. Es kann aber auch auf normale Art und Weise verteilt werden.

Ringen und Kampf beinhalten nämlich in ihrer Bedeutung gnadenlose Herausforderung und alles, was mit dieser Herausforderung verknüpft ist. Und das sind Tätigkeitsstile.

Was nun im Koran erwähnt wird, so handelt es sich dabei um vereinzelte Fälle, die gegen Oberhäupter des Kufr gerichtet waren, und zwar aus Gründen, die über den normalen Unglauben hinausgingen. So haben diese Personen den Islam und die Muslime in extremer Weise bekämpft, trotz der klaren, wahrheitsbelegenden Beweise, die zu ihnen gelangt sind. Deswegen wurden sie in den Koranversen in dieser harten, unerbittlichen Form angegriffen. Wenn man diese Fälle jedoch zusammenzählt, wird man feststellen, dass es sich um beschränkte Fälle handelt, obwohl die Ungläubigen viele waren.

Auch hat der Gesandte Allahs (s.) gegenüber den Ungläubigen Stile unterschiedlicher Härte verwendet. Als z. B. einer der Oberhäupter der Quraisch (es müsste ʿUtba gewesen sein) zum Propheten kam, trug dieser den Islam mit überzeugendem Beweis, großer Weisheit und in einem ruhigen, beeindruckenden Stil an ihn heran, sodass der Mann in einem anderen Zustand zu den Quraischiten zurückkehrte als er gegangen war, wie es die Oberhäupter der Quraisch, die ihn entsandt hatten, selbst beschrieben. Insbesondere hat er die Ausführungen des Gesandten vor ihnen gelobt.

Ein anderes Mal hingegen traf einer der Oberhäupter der Quraisch (es müsste Wāʾil gewesen sein) den Propheten und hielt offenbar morsche Knochen in der Hand. Wāʾil, ein Oberhaupt des Unglaubens, zeigte sie dem Gesandten Allahs (s.) und fragte ihn: „Kann dein Gott dieses da zum Leben erwecken?" Und der Prophet antwortete ihm:

»نعم ويبعثه حياً«

Ja, und es lebendig wiederauferstehen lassen. Der Gesandte fügte noch hinzu:


»ويدخلك جهنم«

Und dich dann ins Feuer einkehren lassen. In diesem Fall hat der Prophet (s.) nicht nur seine Frage beantwortet, sondern ihm noch eine Schmähung hinzugefügt.

Somit nimmt der Stil an Härte zu oder ab, je nach dem, was für die Person, die einem gegenübersteht, passend ist.

Um das Bild noch mehr zu verdeutlichen, sei noch Folgendes ausgeführt:

Man möge die nachstehende āya lesen:

]ٱذۡهَبۡ أَنتَ وَأَخُوكَ بِـَٔايَـٰتِى وَلَا تَنِيَا فِى ذِكۡرِى#ٱذۡهَبَآ إِلَىٰ فِرۡعَوۡنَ إِنَّهُطَغَىٰ#فَقُولَا لَهُقَوۡلاً۬ لَّيِّنً۬ا لَّعَلَّهُ يَتَذَكَّرُ أَوۡ يَخۡشَىٰ[

Geht denn mit meinen Zeichen hin, du und dein Bruder, und lasst nicht darin nach, Meiner zu gedenken. (42) Geht beide zu Pharao, denn er hat maßlos übertreten. (43) Jedoch sprecht zu ihm in sanfter Sprache; vielleicht lässt er sich mahnen oder fürchtet sich. (44) (Sura 20)

In dieser āya wird deutlich, dass der ruhige, sanfte, intellektuelle Disput gefordert war.

Nun möge man folgende āyāt zu demselben Thema lesen. Es handelt sich wieder um den Disput zwischen Moses und dem Pharao, jedoch in einer anderen Situation. Als dem Pharao alle Belege und Zeichen dargelegt wurden, er sich aber trotzdem in Hochmut abwandte und in seinem maßlosen Unrecht verweilte, war Moses nicht mehr sanft in seiner Sprache, sondern hart und unerbittlich. So bezeichnete er ihn als maṯbūrā, d. h. als verdammt und verloren. Und dies sind die Verse:

]وَلَقَدۡ ءَاتَيۡنَا مُوسَىٰ تِسۡعَ ءَايَـٰتِۭ بَيِّنَـٰتٍ ۬فَسۡـَٔلۡ بَنِىٓ إِسۡرَٲٓءِيلَ إِذۡ جَآءَهُمۡ فَقَالَ لَهُ ۥ فِرۡعَوۡنُ إِنِّى لَأَظُنُّكَ يَـٰمُوسَىٰ مَسۡحُورً۬ا#قَالَ لَقَدۡ عَلِمۡتَ مَآ أَنزَلَ هَـٰٓؤُلَآءِ إِلَّا رَبُّ ٱلسَّمَـٰوَٲتِ وَٱلۡأَرۡضِ بَصَآٮِٕرَ وَإِنِّى لَأَظُنُّكَ يَـٰفِرۡعَوۡنُ مَثۡبُورً۬ا[

Und wahrlich, Wir hatten Moses neun offenbare Zeichen gegeben. So frage die Kinder Israels, als er zu ihnen kam, sagte Pharao zu ihm: „Ich halte dich, o Moses, zweifellos für verzaubert." (101) Er (Moses) sagte: „Du weißt recht wohl, dass kein anderer als der Herr der Himmel und der Erde diese (Zeichen) als Zeugnisse herabgesandt hat; und ich halte dich, o Pharao, zweifellos für verdammt und verloren. (102) (Sura 17)

So fand der sanfte Disput am Anfang statt, um die Belege und Zeugnisse vorzulegen. Nachdem die definitiven Zeugnisse und Beweise in klarer Form erbracht wurden, Hochmut und Unrecht aber trotzdem bestehen blieben, wurde der Disput hart und unerbittlich.

Ich hoffe, dass das Bild damit klar geworden ist.

Deswegen sagen wir in unseren Büchern über die politischen Tätigkeiten in der Interaktionsphase: „... politische Tätigkeiten stechen darin hervor, ideologische Auseinandersetzung (ideologisches Ringen) und politischer Kampf. ..."

Ringen und Kampf stechen in dieser Phase hervor, aufgrund des für gewöhnlich stattfindenden Zusammenstoßes mit den Oberhäuptern des Unglaubens, für die ein solcher Stil adäquat ist. Mit anderen Ungläubigen hingegen und zu anderer Zeit, kann die intellektuelle und politische Tätigkeit in einem anderen Stil erforderlich sein.

Ich will es noch einmal wiederholen: Politische und intellektuelle Tätigkeit zählt zur Methode (ṭarīqa), weil die Interaktionsphase sie unbedingt erfordert. Hingegen zählt die Steigerung der politischen und intellektuellen Tätigkeit, also Kampf und Ringen, zum Stil (uslūb). Sie wird zum passenden Zeitpunkt und an passender Stelle eingesetzt.

Euer Bruder,

Ata Bin Khalil Abu Al-Rashtah

14. Ṣafar al-Ḫair 1429 n. H.

20. 2. 2008 n. Chr.