KOMMENTAR

- 11.06.2020

Der sogenannte „Deal des Jahrhunderts“ ist vielmehr der Bluff des Jahrtausends

 

US-Präsident Donald Trumps „Deal des Jahrhunderts“ bietet das, was alle bisherigen Gipfeltreffen, Pläne und Konferenzen durchzusetzen versucht haben: und zwar, dass die Muslime den Status quo akzeptieren und ihre Ansprüche gänzlich aufgeben. Die Tatsache, dass sowohl dem zionistischen Gebilde als auch dem Präsidenten der Vereinigten Staaten Betrügereien vorgeworfen werden, ist niemandem entgangen.

Präsident Trump enthüllte am Dienstag, dem 29. Januar 2020, die Einzelheiten seines lang angekündigten „Deal des Jahrhunderts“, also seiner Pläne für Palästina. Trumps Ankündigung des Abkommens war äußerst aufschlussreich. Kein einziger Palästinenser war während der Ankündigung zugegen. Unterstützt wurde Trump vom Premierminister des zionistischen Gebildes. Die USA veröffentlichten ein strategisches Dokument, das dem Zweck dient, dem zionistischen Gebilde konzeptionell darzulegen, wie ein zukünftiger palästinensischer Staat womöglich aussehen könnte. Dabei wurde dieses Dokument ohne jegliche palästinensische Beteiligung erstellt.

Die Reaktionen auf das Trump-Netanyahu-Abkommen waren sehr durchwachsen. Sowohl palästinensische Gruppen und Führungspersönlichkeiten als auch der Sicherheitsdienst des zionistischen Gebildes verurteilten diesen Vorschlag.

Was also beinhaltet dieser sogenannte „Deal des Jahrhunderts“?

Das angebotene Abkommen ist die Kodifizierung der zionistischen Position und dabei in keiner Weise ein ernsthafter Vorschlag für einen ausgehandelten Frieden. Die Trump-Administration fordert von den Palästinensern in allen drängenden Fragen anzuerkennen, dass sie den betreffenden Konflikt verloren haben, sowie die Realität zu akzeptieren, die sich vor Ort etabliert hat. Dies betrifft unter anderem alle Sicherheitsfragen, territoriale Zuweisungen, die Flüchtlingsfrage und die Jerusalemfrage.

Dieser sogenannte „Deal des Jahrhunderts“ verlangt von den Muslimen in Palästina, die aus ihren Häusern vertrieben wurden, dass sie die zionistische Annexion großer Teile des Westjordanlandes und des Jordantals widerstandslos hinnehmen.

Die Palästinenser müssen selbst auf die symbolische Flüchtlingsrückkehr in ihre Häuser verzichten und akzeptieren, dass eine palästinensische Botschaft nur in den entlegenen Außenbezirken Jerusalems errichtet werden darf. Die zionistische Entität würde diese Außenbezirke als „ungeteilte“ Stadt kontrollieren, womit die Zionisten das alleinige Recht hätten zu bestimmen, wann die Palästinenser für ihre eigene Sicherheit sorgen können, sofern der Ausdruck Sicherheit im Falle der Palästinenser überhaupt zutrifft. Zusätzlich sichert sie sich das Recht auf die Wiederbesetzung palästinensischer Gebiete zu, wenn ihre eigene Sicherheit bedroht sein sollte.

Dies ist der neue palästinensische Staat, den man den Muslimen als „Deal des Jahrhunderts“ verkaufen will.

Der Zweck dieses verfluchten „Deal des Jahrhunderts“ ist es, den Konflikt zwischen den Arabern und den Juden zu beenden, ohne ihn tatsächlich zu lösen. Er unterscheidet sich in keiner Weise von vorherigen Plänen. Er unterscheidet sich nicht von den Camp-David-Verhandlungen und Gipfeltreffen, die darauf abzielten, die Zionisten zu einem dauerhaften Teil der Region zu machen. Um dies zu erreichen, muss eine Normalisierung zwischen den Muslimen und den Zionisten durch Bestechungsgelder in Form von Investitionen und einem wirtschaftlichen Deal erfolgen. Sie ersetzen die politische Seite der palästinensischen Sache durch die wirtschaftliche Seite - tauschen also Geld und wirtschaftliche Entwicklung gegen die Politik.

Die in den USA ansässige Denkfabrik Council of Foreign Relations hob Folgendes hervor: „Es war nicht überraschend, dass Palästinenserführer Maḥmūd ʿAbbās den Plan sofort ablehnte. Da wären Trumps Entscheidungen, Jerusalem als israelische Hauptstadt anzuerkennen, die israelische Annexion der Golanhöhen anzuerkennen, die US-Botschaft der Palästinenser in Jerusalem zu schließen und die humanitäre Hilfe der USA für die Palästinenser drastisch zu kürzen. Es ist schwer vorstellbar, dass die Palästinenser positiv auf einen Plan reagieren, bei dem sie keinerlei Mitbestimmungsrecht hatten; ein Plan, der dermaßen zugunsten der Israelis entworfen wurde und in Washington von Trump präsentiert wurde, während Benjamin Netanjahu ihn unterstützte und keine Palästinenser in Sichtweite waren.“

Trotz der Verurteilung des Abkommens aufgrund seiner Einseitigkeit, hat es die überwältigende Unterstützung von Saudi-Arabien, der Vereinigten Arabischen Emirate, Ägyptens, Bahrains, Katars und Marokkos erhalten, die das Abkommen bereits vor seiner Ankündigung befürworteten. Sie setzten sich für das Abkommen ein, obwohl sie nichts zu seinem Inhalt beigetragen haben und nicht davon betroffen sind.

In den letzten zwei Jahrzehnten entwickelte sich ein Bündnis zwischen den Golfstaaten und dem zionistischen Gebilde, welches vor allem den Informationsaustausch und bedingte Zusammenarbeit in Bezug auf die Sicherheit vor terroristischen Bedrohungen und iranischen Stellvertretern umfasst. An der Seite Saudi-Arabiens haben sie, die Golfstaaten, die Präsenz des zionistischen Gebildes in der Region so weit normalisiert, dass sie mittlerweile nicht einmal mehr gegen das zionistische Gebilde wettern.

Die einzigen, die gegen dieses Abkommen sind, sind die Muslime in ihrer Allgemeinheit. So weigern sie sich erneut, den Status quo zu akzeptieren, obwohl ihre Herrscher sie im Stich gelassen haben und sogar Beziehungen zum zionistischen Gebilde unterhalten.

Während die US-Agenda stets darauf ausgerichtet war, das zionistische Gebilde als Mittel zur Verwirklichung ihrer strategischen Agenda in der Region zu unterstützen, scheint der Zeitpunkt der Veröffentlichung des Plans mehr mit der zionistischen und US-amerikanischen Innenpolitik zu tun zu haben, als mit der Überzeugung der Regierung, dass der Moment reif ist, ihren Plan auf den Weg zu bringen. Hochrangige Beamte der US-Regierung äußerten in den letzten 2 Jahren bereits, dass der Plan im Wesentlichen abgeschlossen sei. Es scheint mehr als ein Zufall zu sein, dass er genau zu jenem Zeitpunkt veröffentlicht wurde, als der Premierminister des zionistischen Gebildes, Benjamin Netanjahu, mit Betrugs- und Korruptionsvorwürfen zu kämpfen hat, und Trump sich in einem Amtsenthebungsverfahren befindet. Außerdem befinden sie sich beide auch mitten im Wahlkampf. Die Freigabe des Plans könnte Netanjahu jetzt helfen, indem er die Aufmerksamkeit der jüdischen Bevölkerung von den im Raum stehenden Korruptionsvorwürfen, mit denen er konfrontiert ist, auf die Frage der Sicherheit lenkt. Trump wird alles tun, was er kann, um von seinem Amtsenthebungsverfahren abzulenken.

Wieder einmal wird muslimisches Land von fremden Nationen für ihre eigene beschränkte Agenda missbraucht. Die muslimischen Machthaber saßen wieder einmal apathisch da, als Jared Kushner, Trumps Schwiegersohn, sie alle aufsuchte um ihnen zu sagen, dass sie nicht an den Verhandlungen teilnehmen, sondern diese schlichtweg akzeptieren werden.

Das Ergebnis des Abkommens wird wahrscheinlich dasselbe sein, wie bei allen anderen Abkommen zuvor, die ebenfalls zum Scheitern verurteilt waren.

(E.D.)