KOMMENTAR

- 17.07.2020

Die Auslöschung der islamischen Identität der Uiguren - Wo sind die muslimischen Herrscher?

Die Kommunisten sind seit langem für ihre Brutalität und Skrupellosigkeit bekannt. Es wird berichtet, dass unter Josef Stalin 20 Millionen Menschen unter dem repressiven kommunistischen Regime ihr Ende fanden. Dem Bericht zufolge starben mehr als 40 Millionen Menschen infolge der Reformen, die von Mao Zedong, dem Vorsitzenden der kommunistischen Partei Chinas, durchgeführt wurden. Die Todesfälle wurden unter anderem durch das kommunistische Wirtschaftsdogma verursacht, das wiederrum eine Hungersnot verursachte.

China hat die uigurische Bevölkerung lange Zeit als eine Bedrohung angesehen. Erstens unterscheidet sie sich ethnisch und kulturell von der Han-Mehrheitsbevölkerung. Zweitens ist die geografische Lage Xinjiangs eine strategische Position in der Belt and Road Initiative (BRI), die China in Angriff nehmen möchte. Die Chinesen haben immer befürchtet, dass dieses Gebiet für sie schwierig zu kontrollieren sein könnte. Die vom chinesischen Regime eingeleiteten Maßnahmen lassen nur eine Schlussfolgerung zu: Jeder Funke der islamischen Identität der Uiguren soll unter dem Vorwand, Terrorismus verhindern zu wollen, in ganz Xinjiang ausgelöscht werden.

Große Teile der uigurischen Bevölkerung sind in Internierungslager verschleppt worden. Einige chinesische Beamte behaupten, dass den Gefangenen dadurch geholfen werde, sich von dem angeblich gefährlichen islamischen „Gedankenvirus“ zu befreien. Berichten zufolge, gesellten sich han-chinesische Siedler zu den Familien, während die Männer der Familien in den Internierungslagern waren. Außerdem wurden die muslimischen Frauen zwangsverheiratet und Schlimmeres. Kinder werden von den Eltern getrennt und in Internate geschickt, in denen sie nach der Doktrin der kommunistischen Partei erzogen werden. Für die Muslime der Region bedeutet dies eine Zwangsassimilierung – man zwingt die Muslime, den Islam zu verlassen und der kommunistischen Partei Chinas gegenüber loyal zu werden.

Die 11 Millionen Muslime in Ostturkestan (Xinjiang) werden von einigen als ethnische Minderheit in China betrachtet. Aus der Sicht des Islam ist dies aber falsch. Sie sind wie die muslimischen Minderheiten in Europa oder Indien Teil der islamischen Umma, die etwa 1,8 Milliarden Menschen umfasst. Die Sicht des Islam in Bezug auf das Verhältnis zwischen den islamischen Glaubensgeschwistern ist klar definiert. Sie sind allesamt verpflichtet sich gegenseitig zu helfen und zu unterstützen.

﴿وَالَّذِينَ كَفَرُوا بَعْضُهُمْ أَوْلِيَاءُ بَعْضٍ ۚ إِلَّا تَفْعَلُوهُ تَكُن فِتْنَةٌ فِي الْأَرْضِ وَفَسَادٌ كَبِيرٌ

Und diejenigen, die ungläubig sind, sind einander Beschützer. Wenn ihr es nicht tut (d.h. die Solidarität zu den Gläubigen aufrechterhalten), wird es im Land Aufruhr und großes Unheil geben. (8:73)

Bei all den Ressourcen, die die islamische Umma besitzt, ihrem Potenzial auf dem Subkontinent, den Reichtümern des Golfs und einer Gesamtstreitmacht von Millionen von Männern: Warum kann sich China heute derart gegen die Muslime wenden und ungestraft davonkommen? Einige geben zu Recht den muslimischen Machthabern die Schuld. Wenn man es aber dabei belässt, dann ist diese Betrachtungsweise oberflächlich. Die wahren Gründe für das inkompetente und ohnmächtige Verhalten der Herrscher der muslimischen Länder müssen erforscht werden, damit eine Lösung gefunden und ausgearbeitet werden kann.

Kein einziger Staat in der islamischen Welt hat tatsächlich versucht China von dem, was es tut, abzuhalten. Imran Khan, der Premierminister Pakistans, äußerte sich zur Situation folgendermaßen: „Ehrlich gesagt, darüber weiß ich nicht viel“. Mohammad bin Salman aus Saudi-Arabien deklarierte die brutalen Methoden, die zum Zwecke der „Entradikalisierung“ und der „Extremismusbekämpfung“ zur Anwendung kommen, als „Anrecht“ Chinas. Der chinesische Präsident Xi Jinping äußerte seine Dankbarkeit den Vereinigten Arabischen Emiraten gegenüber, für ihre Unterstützung der repressiven Politik Chinas gegen die muslimischen Uiguren. Darüber hinaus soll sich auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan mit folgenden Worten geäußert haben: „Tatsache ist, dass Menschen aller Ethnien in Xinjiang dank Chinas Wohlstand ein glückliches Leben führen.“ Diese Aussage wurde allerdings von einer staatlichen chinesischen Tageszeitung umschrieben, um die öffentliche Meinung positiv zu beeinflussen.

Dadurch wird ersichtlich, dass die Machthaber aus der islamischen Welt nicht bereit sind, das Verhalten Chinas in Frage zu stellen. Der malaysische Premierminister Mahatir sagte, dass er uigurische Flüchtlinge aufnehmen werde, während die Türkei Demonstrationen gegen das chinesische Regime zuließ. Jedoch gab es darüber hinaus so gut wie gar keine Unterstützung. China wird wegen seiner Politik gegenüber den Uiguren vor allem von den Vereinigten Staaten von Amerika unter Druck gesetzt. Die USA betrachten dies als eine günstige Gelegenheit. Das Interesse der USA besteht auf keinen Fall darin, den Muslimen in irgendeiner Weise zu helfen, weil sie ihnen wohlgesonnen sind. Sie haben in ihren so genannten „Kriegen gegen den Terror“ Millionen von unschuldigen Muslimen getötet. Dafür wurden sie bis heute nicht zur Rechenschaft gezogen.

Während sich Pakistan mit der CPEC („China-Pakistan Economic Corridor“) beschäftigt, die Golfstaaten den chinesischen Markt als Großabnehmer für Öl betrachten und die Türkei die militärische Zusammenarbeit mit China in Waffenfragen anstrebt, ist die USA über das Verhalten der Chinesen bestürzt. Das Verhalten der muslimischen Regenten ist die Konsequenz, die sich aus dem mangelnden Festhalten am Islam als Grundlage all ihrer Prioritäten ergibt, was sich gleichzeitig in ihren Handlungen widerspiegelt. Sie streben stets nach wirtschaftlichem Nutzen, statt ihre Prioritäten gemäß dem Islam auszurichten. Aus diesem Grund sieht man keinerlei Unterstützung seitens der Herrscher und Regierungen in Bezug auf die Notlage der Muslime in Ostturkestan. Dieses Problem stellt die Ursache dar, muss konsequent angegangen und nicht nur verstanden werden.

Obwohl viele Muslime Sympathie für die muslimischen Uiguren hegen, reicht es auf keinen Fall aus, es dabei zu belassen. Es ist eine Pflicht, den Islam als Grundlage der Regierung zu fordern. Die Muslime insgesamt dürfen jene Regierungsformen nicht länger tolerieren, die ihnen in der Kolonialzeit aufgezwungen wurden. Sie dürfen nicht mehr denken, dass die islamische Umma verloren ist. Sie müssen ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen.

Die Muslime dürfen keinesfalls dieselben Handlungsmaßstäbe entwickeln, die ihre Herrscher tagtäglich anwenden. Sie richten ihre Handlungen stets auf Grundlage von Schaden und Nutzen aus. Sie müssen verstehen, dass der Islam breit gefächert ist und sämtliche Staaten in der islamischen Welt dazu verpflichtet, alle ihnen zur Verfügung stehenden Mittel auszuschöpfen, um den unterdrückten Muslimen zu helfen, wo immer sie auch sein mögen.

Um unseren uigurischen Brüdern und Schwestern zu helfen, müssen wir, die im Westen lebenden Muslime, unsere Anstrengungen darauf richten, die Wiedererrichtung des Rechtgeleiteten Kalifats zu unterstützen. Es kann über uns eine Zeit kommen, in der wir mit einer ähnlichen Notlage konfrontiert werden. Sollten wir keine Mühe aufbringen, die Entstehung des Islamischen Staates zu unterstützen, so werden wir uns auf die Hilfe eines Imran Khan verlassen müssen. Und das möchte in solch einer Situation wahrscheinlich niemand.

(E.D.)