KOMMENTAR

- 02.08.2020

Der Pharao ist fort aber sein Vermächtnis verbleibt

Mit dem Tod des ehemaligen Präsidenten Ägyptens, Ḥusnī Mubārak, starb ein weiterer der berüchtigten Despoten, die der koloniale Westen der muslimischen Welt zu Dutzenden aufzwang. Nun bleibt diesen nur noch die Abrechnung und das Urteil des Allmächtigen (t) abzuwarten.

Viele verbreiteten die frohe Botschaft von seinem Ableben. So brutal war sein Regime gegenüber Gegnern – insbesondere gegenüber jenen, die zu einer Wiederaufnahme des Glaubens in allen Lebensbereichen aufriefen.

Wer kann seine Orchestrierung des Camp-David-Abkommens mit dem unrechtmäßigen, zionistischen Staat vergessen? Er tauschte Palästina gegen Waren und Dienstleistungen aus! Wer kann das Notstandsgesetz vergessen, das dem Land während seiner gesamten Regierungszeit weiterhin auferlegt wurde? Gruppengewalttaten, sexuelle Missbräuche und unbefristete Inhaftierungen ohne Gerichtsverfahren waren zu jener Zeit ein fester Bestandteil der Tagesordnung. Und all dies nur, um die Bevölkerung zu verängstigen. Wer vergisst seinen Umgang mit der Wirtschaft, in der eine ungerechte Einkommensverteilung dafür sorgte, dass es in vielen Haushalten üblich war, dass sechs oder sieben Personen in einem Zimmer schliefen, wobei sie sich dasselbe Bett abwechselnd teilen mussten und die Inflation des Landes grassierte?

Zwar verbreiteten viele die frohe Botschaft von seinem Ableben, allerdings gibt es auch viele, die sich tief im Inneren danach sehnen, dass derartige Zeiten wiederkehren.

Die Unruhen des letzten Jahrzehnts in Ägypten haben einen neuen Diktator hervorgebracht; ein neuer Pharao, der seine Hände an der Kehle der Nation hat und den Namen ʿAbd al-Fattāḥ as-Sīsī trägt.

As-Sīsī, ein wenig bekannter Militärgeneral, der von Muḥammad Mursī als Verteidigungsminister ernannt worden war, nutzte langsam aber sicher den Einfluss der militärischen Streitkräfte und ihrer wirtschaftlichen Interessen, um die Popularität der Muslimbruderschaft zu untergraben. Nach einem blutigen Staatsstreich im Jahr 2014 stieg er an die Spitze auf, um die „Ordnung wiederherzustellen“ – also die militärischen Streitkräfte wieder an die Macht zu bringen.

Die Gemeinsamkeiten zwischen alt und neu sind so groß, dass es den Anschein hat, als ob die Präsidentschaft des verstorbenen Muḥammad Mursī – möge Allah sich seiner erbarmen - nur ein kleiner Rückschlag für die Tyrannen war, wobei der derzeit amtierende Diktator Ägyptens, As-Sīsī, sein Volk mit einem viel höheren Grad an Böswilligkeit und Gleichgültigkeit gegenüber ihrer Notlage regiert.

Nehmen wir zum Beispiel die Wirtschaft, in der As-Sīsī sofort den Ton angab, um die Subventionen für Lebensmittel und Brennstoffe zu kürzen und so die Last vom Staat auf die Bevölkerung zu verlagern: Etwa ein Drittel der Menschen lebt in Armut und ist auf den Staat angewiesen, um zu überleben. Eine vom Internationalen Währungsfonds (IWF) unterstützte Rettungsaktion, eine starke Abwertung der Währung und Bauprojekte aus Selbstgefälligkeit zeigen auf dem Papier, dass Ägypten auf dem besten Weg zu einer Industrienation ist. Die grassierende Inflation aufgrund von staatlichen Sparmaßnahmen, wie Steuererhöhungen und weiteren Subventionskürzungen für den einfachen Bürger, zeugt von einer weiteren Geschichte, in der die Reichen reicher und die Armen ärmer werden.

Die Brutalität hat sich verzehnfacht. Gewalt gipfelt in regelrechten Massakern, wie im Fall der Hunderten von ermordeten Muslimen im Jahr 2013 in Rabaa, deren einziges Verbrechen darin bestand, dass sie sich dafür einsetzten, Allah (t) zur höchsten Instanz in gesetzgeberischen Angelegenheiten zu erheben. Todesurteile werden zu Hunderten aufgrund der bloßen Zugehörigkeit zu „fragwürdigen“ Einzelpersonen und Gruppen verhängt und Tausende wurden ohne jegliche Anklage in den notorisch überfüllten und unmenschlichen Gefängnissen inhaftiert.

Es ist eindeutig, dass sich wenig geändert hat und die Geschichte sich mit beunruhigender Genauigkeit wiederholt. Die zunehmende Häufigkeit der Proteste seit dem Ende des letzten Jahres, bei denen Tausende von Menschen demonstrierten, weil sie nicht über die Mittel für das Nötigste an Nahrung, Unterkunft und Kleidung verfügen, zeigt auf, dass ihre Flitterwochen mit As-Sīsī beendet sind, und sie sich der kalten, harten Realität bewusstgeworden sind.

Ein weiterer Aufstand ist unvermeidlich, denn die Menschen haben erkannt, dass Mubāraks bleibendes Vermächtnis ʿAbd al-Fattāḥ as-Sīsī ist.

Es ist ermutigend in diesen dunklen Zeiten die Gewissheit zu haben, dass unabhängig vom Status einer Person, niemand der Rechenschaftspflicht gegenüber Allah (t) am Tag des Jüngsten Gerichts entkommen kann, und jeder das erhalten wird, was seine Hände vorrausgeschickt haben. Jeder Regent wird bekommen was er verdient, ob es nun der Pharao aus der Zeit Mūsās (a), Mubārak oder as-Sīsī ist.

(E. D.)