VERLAUTBARUNGEN - DEUTSCHSPRACHIGER RAUM

- 02.03.2012

Absage der Kalifatskonferenz - Erklärung zur Pressekonferenz

Ehrenwerte Geschwister, sehr geehrte Damen und Herren!Aus gewichtigen Gründen sahen wir uns leider genötigt die Kalifatskonferenz am 10. März in Österreich abzusagen. Einige dieser Gründe sind in der folgenden Presseerklärung von D. I. Shaker Assem, dem Mediensprecher von Hizb-ut-Tahrir, angeführt.Wir bitten um Verständnis und um euren Dua.Euer KonferenzteamIm Folgenden die ErklärungIm Namen Allahs, des Erbarmungsvollen des BarmherzigenMeine sehr verehrten Damen und Herren,ich heiße sie recht herzlich zu unserer heutigen Pressekonferenz willkommen, in der wir im Namen unserer Organisation zu den Ereignissen rund um die geplante Kalifatskonferenz und ebenso zu dem von Kardinal Schönborn gegen uns erteilte Predigtverbot im Afro-Asiatischen Institut Stellung nehmen möchten.Hizb-ut-Tahrir ist bekanntlich eine politische Partei, deren Ideologie der Islam und deren Ziel die Wiederaufnahme der islamischen Lebensweise durch die Wiedererrichtung des islamischen Staates – des Kalifats – in der islamischen Welt ist.Die Methode zur Erreichung dieses Zieles ist aus unserer religiösen Überzeugung heraus eine absolut gewaltfreie. Jede Veränderung muss im Kopf der Menschen beginnen, unsere einzige Waffe ist das Wort.Wir laden zum Islam als Lebensordnung ein. Dieser beinhaltet Regelungen für sämtliche Bereiche menschlichen Handelns und bietet unserer Überzeugung nach die richtigen Lösungen für die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Probleme, unter denen die Menschheit heute leidet.Mit der von uns geplanten Kalifatskonferenz wollten wir eben diese Lösungen vorstellen und das Kalifat als Staatsmodell einer breiteren Öffentlichkeit bekannt machen. Deshalb wurde diese Konferenz von uns auch öffentlich beworben, weil wir gerade mit Nichtmuslimen in Österreich in einen ungezwungenen – auch kritischen - Dialog treten wollten, um ihnen die Angst vor dem Islam zu nehmen und die falschen Vorurteile bei ihnen abzubauen. Gerade wegen des äußerst negativen Islambildes in der westlichen Öffentlichkeit, halten wir so einen Dialog für besonders wichtig.Denn gerade im Hinblick auf den arabischen Frühling und die Umbrüche in der islamischen Welt ist erkennbar, dass der politische Islam eine immer wichtigere Rolle einnehmen wird. So haben bei den ersten Wahlen im Nach-Mubarak-Ägypten die so genannten „Islamisten“ über siebzig Prozent der Stimmen erzielt. Ein klarer Beweis dafür, dass die Mehrheit der Bevölkerung den Islam im Staat verwirklich sehen will.Und dies sind nur die Vorzeichen einer grundlegenden Veränderung, die letztlich mit Sicherheit zur Gründung des Kalifats führen werden. Die Rückkehr des Kalifats ist so sicher, wie Sie hier vor mir sitzen, meine sehr verehrten Damen und Herren.Nun stellt sich die Frage, wie der Westen und vor allem Europa als direkter Nachbar der islamischen Welt damit umgehen wird? Will man weiter den Kopf in den Sand stecken, sich der Realität verweigern und das eigene säkulare Modell als einzig heilstiftend lobpreisen? Oder will man endlich vom hohen Ross heruntersteigen, auf die Muslime unvoreingenommen zugehen und sich mit dem Islam als staatsprägende Lebensordnung sachlich auseinandersetzen? Ist nicht gerade hier ein Dialog besonders wichtig?Abseits von der politisch-ideologischen Ausrichtung, die der Einzelne haben mag, geht es vor allem auch um einen sachlichen Diskurs über die Lösungsmodelle für die vielen Krisen, mit denen die Welt heute zu kämpfen hat. Weder hat der Kommunismus funktioniert noch hat der Kapitalismus zum Wohle der Menschheit geführt, wie wir es heute sehen können. Da wäre es doch eigentlich an der Zeit, sich mit alternativen Lösungsmodellen auseinanderzusetzen.Mit der Kalifatskonferenz wollten wir eines dieser Lösungsmodelle vorstellen und in einen sachlichen Dialog eintreten, auf dass sich die Menschen ein eigenes Bild machen und selbst entscheiden, was von diesem Staatsmodell zu halten ist. Weder wollten wir provozieren noch für eine so aufgeheizte Stimmung sorgen. Wir wollten den sachlichen Dialog. Diesen will man hier aber offenbar nicht. Auch sind wir durch mehrere Maßnahmen, die in der letzten Woche seitens der Behörden gegen die Konferenz gesetzt worden sind, zur Erkenntnis gelangt, dass sich offenbar der Staat selbst durch diese Konferenz herausgefordert fühlt. Und das ist etwas, was wir überhaupt nicht wollen.Aus diesen Gründen haben wir uns nach reiflicher Überlegung und interner Beratung entschieden, dass die Konferenz nicht stattfinden soll. Es ist schade, dass ein sachlicher Dialog in Österreich zu diesem Thema offenbar nicht möglich ist.Man sollte sich in diesem Lande auch fragen, wo die viel gepriesene Meinungsfreiheit geblieben ist? Wird sie nur dem gewährt, der sich im politischen Mainstream befindet, dem anderen aber, der Kritik an den fundamentalen Regeln äußert, verweigert? Wird damit nicht ein fundamentaler Wert der hiesigen Gesellschaft zu Grabe getragen? Nichts ist gefährlicher für den Fortbestand eines Gesellschaftssystems, als wenn die Unantastbarkeit seiner fundamentalen Regeln in Frage gestellt wird.Hizb-ut-Tahrir strebt keine Veränderung in Österreich oder in einem anderen westlichen Land an und konzentriert ihre Tätigkeit auf die islamische Welt. Wir wollen auch keinesfalls einen politischen Kampf gegen die hiesigen Regierungen führen. Wir wollten einen offenen Dialog mit den Menschen, der uns leider verweigert wurde.Wir empfinden es auch als schade, dass uns im Afro-Asiatischen Institut durch Kardinal Schönborn ein Predigtverbot erteilt wurde. Vor allem, weil dadurch eine Ära von über 36 Jahren zu Ende geht, in denen wir die Freitagsansprache regelmäßig in den Räumen des Instituts abgehalten haben. Obwohl die Leitung des Afros unsere Weltanschauung nicht teilt, war ein offener und sachlicher Disput stets möglich gewesen. Es ist schade, dass auch dieser nun beendet wurde.Nichtsdestotrotz werden wir uns auch weiterhin für einen Dialog einsetzen und jedem die Hand reichen, der sie annehmen will.