KOMMENTAR

- 08.10.2020

Die USA stehen vor dem Abgrund und für den Westen ist die Errichtung des Kalifats zur erwarteten Wirklichkeit geworden - Teil 1

Die Geschichte der westlichen Kolonialisierung dieser Umma zieht sich bereits seit über einem Jahrhundert. Doch auch wenn es dem Westen gelungen ist, die Länder der Umma zu besetzen, schaffte er es dennoch nicht, die Besetzung fest zu verankern, da sie etwas Erzwungenes ist und damit abgelehnt blieb. Das Resultat dessen ist, dass die islamische Umma, wie für uns alle sichtbar, in einem katastrophalen Zustand ihr Dasein fristet. Die Umma hat den Willen, aus dieser Lage auszubrechen, schafft es aber nicht. Sie weiß sehr wohl, dass der Ausweg aus ihrer Misere in ihrem n, in ihrer islamischen Lebensordnung, liegt, jedoch nicht, wie man auf diesen Pfad gelangt. Sie ist auf der Suche nach jemandem, der ihr das Gegenmittel und den heilenden Balsam bringt, die in der Methode ihres Gesandten (s) liegen. Und dieser Jemand befindet sich in ihren Reihen.

Der Westen ist sich dieser Wahrheit, die ihm so viel Angst bereitet, bewusst. Und er setzt alles in seiner Macht Stehende daran, diese Wahrheit auf skrupellose und hinterhältige Weise aufzuhalten. Er bedient sich dabei aller grausamen Methoden, die der Kolonialismus hergibt. Und trotzdem gelingt es ihm seit nunmehr einhundert Jahren nicht, die Auseinandersetzung zu seinen Gunsten zu entscheiden. Vielmehr wenden sich die Resultate gegen ihn, obgleich er jedes Mittel in der Hand hat, das ihn dazu befähigt, die Auseindersetzung zu gewinnen (Vasallenherrscher, Armeen, die dazu ausgebildet werden, die Herrscher vor ihren eigenen Völkern zu schützen, angeheuerte Gelehrte, säkulare Parteien und gekaufte Medien). Sie alle werden zum Nutzen des Westens instrumentalisiert. Trotzdem besteht die Umma mehr denn je auf einen Wandel und hält beharrlich an dieser Forderung fest. Jeder Handlanger aus ihren Reihen kam bislang bei dieser Auseinandersetzung zu Fall. Der Westen hat das begriffen. Er hat das Scheitern seines Vorhabens eingeräumt, die Muslime daran zu hindern, sich vom Westen unabhängig zu machen und sich aus dessen Fängen zu befreien. Dem Westen ist bewusst geworden, dass die Angelegenheit nur eine Frage der Zeit ist. Er gibt zu, nicht mehr machen zu können, als die Zeit hinauszuschieben, bis er aus den islamischen Ländern hinausgejagt wird.

Doch dieses Eingeständnis bedeutet mitnichten, dass der Westen kapituliert hat, vielmehr ist er stets auf der Suche nach neuen, perfiden Methoden, um den Aufstieg der Umma zu verhindern. Wir alle können verfolgen, wie er für seinen Krieg einen Plan verwirft und zum anderen überspringt, in der Hoffnung, eine Lücke zu finden, durch die er hineingelangen kann (die Besetzung des Irak und Afghanistans, ein neuer Teilungsplan für die Region auf Grundlage der Konfessionen, Rechtsschulen und Ethnien, die Zerschlagung der Revolutionen, das Entfachen konfessionalistischer Konflikte, die Erfindung des Krieges gegen den Terror, der Kampf gegen den politischen Islam, den „Islamismus“, die Kreierung des IS, das Erdogan-Spiel und noch vieles mehr) Augenfällig ist, wie schmutzig und niederträchtig die Methoden sind, die der Westen anwendet, ohne auch nur den geringsten Hauch von Menschlichkeit zu zeigen. Es sind Methoden, die seine Verzweiflung widerspiegeln ob des mangelnden Erfolgs in seinem Kampf gegen den Islam und gegen eine Wiederkehr des Kalifats. Eine der Methoden besteht darin, die Kapazitäten des Feindes (d. h. der muslimischen Länder) langsam ausbluten zu lassen und auszuzehren, was zur allmählichen Zerstörung von Städten und zur Entstehung von Feindseligkeiten unter den Menschen führt, diese zu Flüchtlingen und Vertriebenen macht und sie dazu bringt, mit eigenen Händen, ihre Länder zu zerstören und zu ruinieren. Mit dieser Vorgehensweise will man den Feind, d. h. die Länder der Muslime, nicht militärisch besiegen oder deren militärische Kapazitäten demolieren.

Diese Form zielt vielmehr darauf ab, durch Bürgerkriege und konfessionalistische Konflikte, die der Westen steuert, die Länder zu destabilisieren und gescheiterte Staaten zu schaffen, und zwar langsam und durch Einsatz der Bürger des feindlichen Staates selbst, sodass sie, wenn sie wieder zu sich kommen, gelähmt sind, unfähig, die eigenen Grundbedürfnisse zu stillen, dem Willen des Westens unterworfen. Das zwingt sie dann dazu, sich in die Arme des Westens zu werfen und um Almosen zu betteln. Dies ist nicht unsere Analyse, sondern stammt aus einer Rede von Professor Max G. Manwaring, einem Experten für Militärstrategie am Strategic Studies Institute des US Army War College, die er im Beisein hochrangiger Offiziere der Nato und „israelischer“ Militärverantwortlicher in „Israel“ hielt. Wir sehen, dass genau das in den muslimischen Ländern eifrig umgesetzt wird, von Afghanistan über den Irak, Syrien, Libyen, bis hin zum Jemen und zu weiteren Ländern.

Auch wenn wir ein solch pessimistisches Bild dieser blutigen Auseinandersetzung skizzieren, welche sich zwischen dem Islam und seinen westlich-kolonialistischen Feinden, an deren Spitze die USA und ihr Verbündeter „Israel“ stehen, abspielt und wir die unermüdlichen Bemühungen aufzeigen, den Islam daran zu hindern, im Leben wieder eine relevante Rolle zu spielen. So existiert parallel auch ein ganz anderes, konträres Bild zu dem, was der Westen möchte. Denn die Gräueltaten, die die westlichen Kolonialmächte begehen, haben, wie oben angedeutet, solche Auswüchse angenommen, dass sie mit eigenen Händen ihre aḍāra, ihre Kultur, entblößen und deren Grausamkeit, Unmenschlichkeit und Verderbtheit zum Vorschein bringen. Sie haben sich selbst vorgeführt und gezeigt, dass ihre Kultur, seitdem sie entstanden ist, der Welt nichts als Kriege, Katastrophen und Zerstörung beschert, den Völkern das Blut ausgesaugt und deren Reichtümer geplündert hat. Die beiden Weltkriege gehören hierbei zu den ersten abscheulichen Früchten dieser Kultur, die in erster Linie ihre eigenen Völker getroffen haben. Und heute präsentiert sich diese Kultur in ihrer grausamsten Fratze. Doch die Zeit arbeitet gegen sie und es zeichnet sich ab, dass sie sich selbst zerstören wird und dem Zusammenbruch nahe ist. Die Antirassismus-Proteste, die auf die Tötung des US-Bürgers Floyd folgten und dann auf Europa überschwappten, da Amerika und Europa die gleiche Kultur teilen, sind ein Beleg dafür, dass diese Kultur mit Minen gespickt ist. Diese Ereignisse haben enthüllt, dass die Geschichte der westlichen Kultur von Beginn an auf Kolonialismus, Sklaverei und Völkermord beruht. Das Beste, was dieser Kultur passieren könnte, wäre, sie würde sich selbst abschaffen.

Erwähnenswert ist, dass der Kampf, den der Westen gegen die Muslime und deren n führt und das Hineinsäen der Katastrophen in die Länder, und zwar in einem Land nach dem anderen, die Muslime dazu gebracht hat, sich wieder als eine Umma zu fühlen, Araber ebenso wie Nichtaraber, und diesen Krieg als einen Krieg gegen ihren n zu verstehen. Dies hat in der Umma eine Einheit der Sicht geschaffen und eine erneute Sehnsucht nach einem Leben im Schutze des rechtgeleiteten Kalifats wachgerufen. Die Umma erinnert sich nun der Gerechtigkeit der Kalifen, des Lebens unter dem Dach eines Kalifats und eines Lebens voller Gehorsam gegenüber Allah. Ihr Innerstes wendet sich erneut einem solchen Leben zu und ihre Herzen sehnen sich nach Wiederherstellung ihrer einstigen Größe und nach einem Leben, wie das ihrer Vorgänger, d. h. in einer Atmosphäre der daʿwa, des ǧihād und der Verbreitung des Islam. Infolge dessen studierten sie im Koran, in der Sunna, im iǧmāʿ aṣ-ṣaḥāba und in dem, was die muslimischen Gelehrten in den fiqh-Werken festhielten, die Gesetze Allahs bezüglich der Pflicht zur Arbeit für eine Veränderung durch die Errichtung des Kalifats. So konnten sie in Erfahrung bringen, dass die Tätigkeit zur Veränderung keine Option, sondern eine Pflicht darstellt. Und diese Tatsache ist es, die die Muslime alle Härten ertragen und sie weiter vorwärtsschreiten lässt, hin zur Errichtung des rechtgeleiteten Kalifats. Das lässt sie alles in Geduld ertragen. Würden die Muslime nicht etwas besitzen, das gewaltiger und stärker ist als Unterdrückung, Ungerechtigkeit, Erniedrigung und Armut – und das ist der Iman an Allah und die Überzeugung von der Arbeit für die Sache des Islam – so wären sie nicht zu dieser legendären Standhaftigkeit fähig, angesichts der hinterhältigen Machenschaften der westlichen Kolonialmächte.

Und hier kommen wir zu einer Gleichung: Ein Islam, der vorwärts schreitet, um seine Rolle auf der Bühne des Lebens von neuem zu übernehmen und ein Westen, der rückwärtsschreitet, sich demaskiert hat und im Grunde vor dem Zusammenbruch steht. Das sagen nicht nur wir. Auch viele ihrer eigenen Denker sagen der kapitalistischen Kultur ein solches Schicksal voraus. Und diese lassen sich nach unserer Betrachtung in zwei Kategorien unterteilen: Ein Teil ist der Ansicht, dass die Kultur des Westens gescheitert ist und es an der Zeit ist, sich aufzulösen, ohne jedoch eine Alternative zu nennen. Die zweite Gruppe ist der gleichen Auffassung, glaubt aber, dass der Islam die derzeitige Alternative darstellt und es nur eine Frage der Zeit ist, bis der Islam sich durchsetzen wird. Und das hat uns dazu bewogen, zu sagen, dass die Zeit ein wichtiger Faktor ist, und die ist nicht auf Seiten der sich selbst zersetzenden kapitalistischen Kultur.

Quelle: Al-Waie/Ausgabe 407/Ḏū l-Ḥiğğa 1441 n. H./August 2020