KALIFAT

- 22.02.2014

Wissenschaft im Islamischen Staat - Teil I

I.Einleitung:

Wenn wir uns mit der Fragestellung befassen, inwieweit heute muslimische Forscher in der Entwicklung und damit am Fortschritt der modernen Wissenschaften beteiligt sind, so kommen wir zu der nüchternen Erkenntnis, dass unser Beitrag weniger als nur eine Randerscheinung ist.Wie ist es historisch zu dieser Entwicklung gekommen?

Insbesondere nach der Französischen Revolution und der damit verbundenen Emanzipation der europäischen Nationen von den Fesseln des Klerus hat sich die Idee des Säkularismus in sämtlichen gesellschaftlichen Bereichen durchgesetzt.

Bedeutete noch im finsteren europäischen Mittelalter ein Denken losgelöst von den starren kirchlichen Dogmen noch Ketzerei und Gotteslästerung, setzte sich mit der nun neuen Ideologie der kapitalistisch-demokratischen Staaten eine Lebensordnung durch, die den Menschen selbst zum Mittelpunkt und Entscheidungsträger über sein eigenes Leben machte.

Die durch die Aufklärung und den damit verbundenen blutigen Kampf der französischen Revolutionäre erreichten Ideale von Freiheit, Gerechtigkeit, Menschenrechten, Demokratie, etc. genießen im Kontext der eigenen negativen historischen Erfahrungen der Europäer mit dem Machtmissbrauch der Kirche einen Universalanspruch und werden auch folglich nicht in Frage gestellt.Für die Entwicklung der Wissenschaften bedeutete nun das Aufkommen des Säkularismus einen enormen Schub.Die entstandenen Nationalstaaten in Europa begannen fortan um Einfluss zu konkurrieren. Dabei bedeutete vor allem seit Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert die funktionierende und wachsende Wirtschaft und vor allem die Rüstungsindustrie eines Staates auch entsprechendes Gewicht und Bedeutung auf politischer Ebene. Beispielhaft kann hier Großbritannien angeführt werden, dass im Zuge der fortschreitenden zivilisatorischen Entwicklungen im europäischen Kontinent mehr und mehr von seinem einstigen Ruhm als Kolonialmacht verlor und andere Staaten ihre Position ausbauten, wie z.B. Deutschland, dass bis heute als Wirtschaftsmotor Europas gilt.Die Annahme säkularer Idee bedeutete für die europäischen Staaten vor allem einen materiellen Aufstieg und ließ sie zu den führenden Nationen der Welt emporsteigen.

Der Fortschritt in den Wissenschaften, Innovation und das Aneignen von entsprechendem Know-how bedeutet im Kapitalismus daher für jede Nation Vorteile in der Konkurrenz mit anderen Staaten und somit einen zählbaren Wettbewerbsvorsprung.Privatwirtschaft und Staat generieren vor allem im Bereich von Technologie und Entwicklung unzählige Milliarden Euro, um marktführend zu bleiben oder aber zu anderen Nationen aufzuschließen. Der Einfluss des wissenschaftlichen Fortschrittes eines Staates – vor allem in der Rüstungsindustrie - auf seine weltpolitische Bedeutung ist hinreichend untersucht und belegt, dass mit zunehmendem militärischen und wirtschaftlichen Potenzial entsprechend politische Macht resultiert.

Eine Untersuchung der 1000 weltweit führenden Unternehmen aus dem Jahre 2006 belegt, dass deren jährliche Wachstumsraten für die Ausgaben in Forschung und Entwicklung zu den Wachstumsraten ihrer Umsätze aufschlossen. Allein für das Jahr 2006 investierten diese Unternehmen über 447 Mrd. US$ in Forschung und Entwicklung, 95% hiervon belaufen sich dabei auf die Industriestaaten in Nordamerika, Europa und Japan.

Es ist daher nicht verwunderlich, wenn in der Öffentlichkeit stets die Wissenschaftler der führenden Industrienationen sich profilieren und symbolträchtige Auszeichnungen und weltweite Anerkennung finden. Muslime findet man dabei wenige und wenn, dann nicht selten in der Aneignung islamfremder Ideen, wie der aus Bangladesch stammende und in den USA ausgebildete Wirtschaftswissenschaftler Muhammad Yunus, der 2006 für seine Mikrokredittheorie den Friedensnobelpreis überreicht bekam.

Betrachten wir die historische Entwicklung in der Wissenschaftsgeschichte aber einmal genauer, so werden wir leicht feststellen, dass es gerade die Muslime gewesen sind, die in der Blütezeit des Islamischen Staates zu den Vorreitern in sämtlichen Wissenschaftsfeldern wurden.Von dem umfangreichen Wissen der Muslime haben vor allem die Europäer enorm profitiert. Angetrieben durch die wissenschaftsfeindliche Haltung der Kirche im Mittelalter suchten die Philosophen und Wissenschaftler eine neue Identität für die europäischen Völker. Dabei haben sie sich in Abkehr von der Kirche vornehmlich auf ihre eigene vorchristliche griechisch-römische Kultur zurückbesonnen. Die Epoche der Renaissance seit dem 15. Jahrhundert n. Chr. verdeutlicht in sämtlichen Lebensbereichen die neue geistig-politische Grundhaltung der europäischen Denker. Die Entstehung einer neuen säkularen Lebensordnung für Europa wurde in der Zeit der Aufklärung v. a. in Frankreich von den Dichtern und Denkern auf Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse aus der Epoche der Renaissance erkämpft.

Wie haben nun die Europäer genau von dem Wissen der Muslime profitiert?

Mit der Ausbreitung des Christentums in Europa und der Etablierung der Kirche als Machtinstrument über die europäischen Völker schon im vierten Jahrhundert n. Chr. galten nur die Bibel und die Meinung des Papstes als Quelle der Erkenntnis. Weltliche Wissenschaften galten als Teufelswerk und wurden verdammt. Große Teile der Bevölkerungen waren Analphabeten und hatten keinen Zugang zur Bildung. Parallel bedeuteten der Aufstieg des Islamischen Staates und die damit verbundenen wissenschaftlichen Errungenschaften der Muslime eine neue Orientierung für die europäischen Denker. Sie kamen vornehmlich über drei Wege mit dem Wissen der Muslime in Kontakt:

1. Durch die segensreichen islamischen Eröffnungen (Futuhat) wurde 711 n.Chr. die iberische Halbinsel größtenteils dem Islamischen Staat angeschlossen. In den folgenden Jahrhunderten wurden die Wissenschaften wie im Zentrum der islamischen Welt gefördert und weiterentwickelt. Es entstanden bedeutende Zentren des Wissens in Andalusien, mit der Herausbildung von Schulen, Universitäten, fortschrittlichster städtebaulicher Entwicklung mit Krankenhäusern, Kanalisation, Straßenbeleuchtung etc. Zwangsläufig kamen die Europäer mit dieser neuen Kultur und ihren Errungenschaften in Kontakt und lernten auf vielen Gebieten der Naturwissenschaften von den Muslimen. Die grausame Eroberung Spaniens im Jahre 1492 n. Chr. durch die Katholiken bedeutete die nahezu völlige Auslöschung muslimischen Lebens in Spanien. Nicht nur die Muslime, sondern viele ihrer wissenschaftlichen Schriften wurden auf Scheiterhaufen verbrannt. Es wird berichtet, dass allein die Universität von Cordoba mehr als 1.000.000 Bücher beherbergte – für Europa eine unvorstellbare Größe, denn so viele Bücher gab es bei weitem nicht zusammengenommen auf dem ganzen Kontinent! Etwa 400.000 Werke wurden von den Katholiken als Kriegsbeute entwendet. Weil eben die Europäer keine Wissenschaftskultur besaßen und eben die Kirche das Volk in Dunkelheit beließ, griffen in der Renaissance die Denker auf eben dieses muslimische Wissen zurück. Denn die Muslime waren es, die sich auch mit den Schriften der griechisch-römischen Antike beschäftigt hatten. Sie haben die philosophischen und wissenschaftlichen Werke der Antike nicht nur ins Arabische übersetzt, sondern auch kommentiert und weiterentwickelt. Dadurch gelang es später den Europäern auf für sie längst verloren gegangenes Wissen ihrer eigenen Geschichte zurückzugreifen.

2. Durch die islamische Eröffnung von Sizilien und Süditalien im 9. Jahrhundert n.Chr. erreichte die gesamte Region ein hohes kulturelles und soziales Niveau. Über 250 Jahre prägten die Muslime direkt die Zivilisation Süditaliens. Krankenhäuser, Universitäten, Astronomie, Kartographie, Handwerk, Textilindustrie, Kriegskunst u.v.m. bereicherten diese Gebiete. Von hier aus bildeten sich Seebrücken nach Syrien, Jerusalem, Ägypten und andere Kerngebiete des Islamischen Staates. Dies bildete die Grundlage für einen einseitigen Wissenstransfer nach Europa. Die Kreuzzügler nutzten dann später diese Verbindung, um Jerusalem und andere Gebiete des Islamischen Staates barbarisch zu überfallen. Ihre hasserfüllte Gesinnung den Muslimen gegenüber bedarf hier keiner weiteren Erörterung.

3. Das Zentrum und der Osten des Islamischen Staates befanden sich in geografischer Nähe zu Byzanz. Die Byzantiner profitierten von der Gelehrsamkeit der Muslime an ihren östlichen Grenzen. Besonders die Grenzstadt Tabriz entwickelte sich zu einem bedeutenden Zentrum des Handwerks und der Wissenschaften. An den dortigen Universitäten studierten mehr als 7.000 Studenten, während mehr als 400 Wissenschaftler eigene Forschungsquartiere bezogen. Die kostenlose Ausbildung und Forschung wurde durch den Staat unterstützt. Von dieser Atmosphäre profitierten auch viele Byzantiner, Griechen, Georgier, Armenier, Inder, Russen, Afrikaner und andere, die sich zum Zwecke des Wissenserwerbes dort ansiedelten. Durch die Eröffnung Konstantinopels im Jahre 1453 n.Chr. durch die Osmanen wanderten auch viele Byzantiner, die von den muslimischen Wissenschaften profitiert hatten, vornehmlich nach Italien aus und gründeten im Verlauf Universitäten und andere Einrichtungen, die die sogenannte naturwissenschaftliche Revolution in Europa vom 14.-16-Jahrhundert n. Chr. einleiteten.

II. Wissenschaftliche Erfolge der Muslime:

Es ist eine unbestreitbare Tatsache, dass die Muslime aufgrund ihrer ideologischen Führung durch die mit der menschlichen Natur in Harmonie verbundenen Lebensordnung des Islam auch in den Wissenschaften zu Höchstleistungen aufgestiegen sind. Durch ihren Forschungsdrang und Entwicklungsgeist haben sie nicht nur in den Naturwissenschaften neue Maßstäbe gesetzt, sondern auch in den Wirtschafts- und Geisteswissenschaften, der Baukunst, der Medizin, der Kriegstechnik, dem Verwaltungswesen des Staates und auf allen anderen Gebieten, die zivilisatorisch von Belang sind. Wenn wir hier versuchen würden, auf all die hervorragenden Leistungen der muslimischen Wissenschaftler einzugehen, so würden wir sicherlich bei weitem den Rahmen dieses Textes sprengen und nicht mehr aus dem Staunen heraus kommen.Um dennoch einen Überblick über die nach Perfektion strebenden Muslime zu geben, wurden hier einige Beispiele zum besseren Verständnis ausgewählt.

Schon früh errichteten die Muslime Krankenhäuser auf einem konzeptionellen Hintergrund, dass sogar heute nicht die besseren Krankenhäuser im Westen aufweisen. Sämtliche Großstädte des islamischen Staates verfügten über Krankenhäuser mit angeschlossenen Universitäten für die Medizinstudenten. Eines der ältesten Krankenhäuser geht auf den Kalifen Harun Ar-Raschid zurück, der in Bagdad im Jahre 786 n. Chr. das sogenannte „alte Krankenhaus" erbauen ließ. Dietrich Brandenburg hat in seinem Buch „Die Ärzte des Propheten" für uns wertvolle Berichte über die Ausbildung der Ärzte und den Bau von Krankenhäusern im Islamischen Staat festgehalten. So berichtet er u.a. über die Krankenhäuser zu Bagdad, Damaskus und Kairo folgendes: „Relativ schnell entstanden bald in allen größeren Städten Krankenhäuser. Ihnen waren oftmals Bibliotheken angegliedert, so dass die Studenten erste praktische Kenntnisse und Erfahrungen insbesondere im Diagnostizieren sammeln und gleichzeitig ihre theoretischen Studien fortführen konnten. Die Ärzte zogen sogar mit beweglichen Krankenstationen in die abgelegenen Landesteile, bauten dort ihre Zelte auf, untersuchten, behandelten und versorgten die Menschen mit den nötigen Arzneimitteln. Zumeist waren den Krankenhäusern auch Apotheken angeschlossen." Die Erbauer der Krankenhäuser achteten meistens auch auf eine entsprechende Umgebung beim Bau des Krankenhauses, so dass die Patienten gleichfalls während ihres Aufenthaltes entspannen konnten, wie das Beispiel des heute noch erhaltenen Krankenhauses ‚Bimaristan al-Qaymari'in Damaskus, welches in den Jahren 1248 – 1257 gebaut wurde, verdeutlicht :„Die Klinik lag in der Vorstadt As-Salihiya an einem Abhang mit hübschem Blick auf die Baumgärten und die eigentliche Stadt. Das Hospital verfügte über eine Poliklinik; die Behandlung einschließlich der Medikamente war kostenfrei. Das Personal setzte sich wie folgt zusammen (in Klammern die Bezüge monatlich in Dirhams): drei Ärzte (60–70), ein Augenarzt (45), ein Aufseher (40), drei männliche Gehilfen (13), weibliche Hilfskräfte (10), je ein Apotheker (26), Oberaufseher der Stiftungen (60), Imam = Vorbeter (40), Maurer(13) und Pförtner (8); zu den Bezügen in Bargeld kam ein Deputat in Weizen." Wie die Patienten aufgenommen, behandelt und wieder entlassen wurden, zeigt das Beispiel des Geschichtsschreibers al-Kindi anhand des ältesten Krankenhauses von Ägypten, „Bimaristan", das der Abbasidenstatthalter (Amir) Ahmad ibn Tulun 873 n. Chr. in Al-Qata'i, einer früheren Vorstadt des heutigen Kairo errichten ließ: „Der Amir setzte es (874/875) im Viertel der Flickschuster, der Markthalle und des Sklavenbasars in Betrieb. Und er bestimmte, dass darin weder Sklaven noch Soldaten behandelt werden sollten; er baute darin zwei Bäder, eines für Männer und eines für Frauen. Er ordnete an, dass dem Kranken bei seiner Ankunft die Kleider und das Geld abgenommen und von einem Beamten des Bimaristan verwahrt werden sollten; dann solle man ihn ankleiden, ihm ein Lager bereiten, ihn speisen und ihm beistehen mit Heilmitteln, Nahrung und Ärzten bis er genesen sei. Und wenn er Hühnchen und Kuchen aß, wurde er entlassen und ihm seine Habe und seine Kleider zurückgegeben... (Der Amir) pflegte jeden Freitag hinzureiten, um die Vorratskammern des Bimaristan und ihren Inhalt und die Ärzte zu kontrollieren; er schaute nach den Kranken, den übrigen Invaliden und den eingeschlossenen Irrsinnigen."

Im Folgenden einige weitere kurze exemplarische Beispiele für die Errungenschaften der Muslime:

• Jabir ibn Hayyan (lateinisiert: Geber, gest. 803 n. Chr.), bekannt als „Vater der Chemie": Er hat mehr als 100 Bücher geschrieben, von denen 22 dem Gebiet der Chemie gewidmet waren wovon das Bekannteste „Kitab Al-Kimya'" (Buch der Chemie) ist. Diverse Ausdrücke, die er verwendete, wie z.B. Alkali, sind heute noch in der Chemie in vielen Sprachen gebräuchlich. Ferner entwickelte er verschiedene chemische Techniken, wie z.B. Destillation, Calcination, Sublimation und Kristallisierung und erfand neue Apparaturen, wie z.B. den Destillierhelm oder den Sublimationstrichter.

• Al Khawarizmi (lateinisiert: Algorizm, 770–840 n. Chr.), bekannt als „Vater der Algebra und des Algorithmus": Er hat das Rechnen mit Dezimalzahlen entwickelt, das Dividieren beschrieben und Tabellen mit der Sinusfunktion aufgestellt. Auch die Formeln für die Berechnung der Fläche des Kreises, des Halbkreises, der Kugel, der Pyramide und des Kegels gehen auf ihn zurück, wie auch die Berechnung der Konstanten Pi. Er hinterließ zahlreiche Enzyklopädien und andere Werke, in denen er u. a. das Berechnen der Gleichung mittels quadratischer Ergänzung und Äquivalenzumformung oder geographische Erkenntnisse und die Funktion von Uhren und Sonnenuhren veranschaulichte.

• Ibn Al Haitham (lateinisiert: Alhazen, 965–1040 n. Chr.), bekannt als Physiker: Er widmete sich z.B. dem Lichtstrahl und dem Sehvorgang, beschrieb die Reizschwelle und berechnete die Höhe unserer Atmosphäre. Ferner befasste er sich mit der Katoptrik und Dioptrik und optischen Linsen. Die Erfindung der „camera obscura" geht auf ihn zurück. Eines seiner bekanntesten Werke ist das Kitab al-Manazir (Buch des Sehens).

• Al Biruni (973–1048 n. Chr.), gilt als „Universalgenie": Als Mathematiker beschrieb er die geometrische Trigonometrie, in der Geographie berechnete er genauestens den Äquatorumfang und fertigte einen Globus an mit präzisen Orts- und Entfernungsberechnungen, als Astronom berechnete er die Entfernung einiger Sterne sehr genau, als Physiker berechnete er das spezifische Gewicht verschiedener Substanzen sehr genau und als Philosoph befasste er sich mit der aristotelischen Logik, während sein Gedankenaustausch mit „Ibn Sina" für die Entwicklung des dialektischen Denkens sehr bedeutend gewesen ist. Allein das Verzeichnis seiner Werke umfasst 60 Seiten. Er beschäftigte sich dabei z. B. im Kitab al-Hind (Das Buch über Indien) mit der indischen Kultur und Religion, was sogar heutigen Indienhistorikern als Standardwerk gilt, in einem anderen Werk mit der Geschichte des Altertums und im Kitab as-Saidala (Buch der Apotheke) mit der Pharmakologie.

• Ibn Ruschd (lateinisiert: Averroes, 1128–1198 n. Chr.), „der als Aristoteles-Kommentator die westliche Philosophieentwicklung maßgeblich beeinflusst hat", während sein dialektisch theologischer Averroismus nicht nur islamisches Denken, sondern auch die Entwicklung der europäischen Zivilisation prägte und er deutlichen Einfluss auf z.B. Thomas von Aquin und Albertus Magnus hatte.

• Ibn Khaldun (1332–1395 n. Chr.) gilt als bedeutender Geschichtsphilosoph und Wegbereiter politischer Wissenschaften. Ferner ist er der erste Autor, der bei der Analyse historischer Prozesse soziologisch–wissenschaftliche Methoden anwendete. Weiterhin analysierte er systematisch den Aufstieg und Zerfall von Dynastien und Zivilisationen und beschäftigte sich mit dem Phänomen der Gruppendynamik, die durch emotionale Gefühle der Zugehörigkeit, wie z.B. Fanatismus, Patriotismus oder Gemeinschaftssinn, dazu führen, dass sich eine neue Zivilisation oder neue politische Machtverhältnisse etablieren. Seiner Ansicht nach sollten Historiker immer vier Grundüberlegungen beachten, nämlich das Ereignisse einander bestimmen und als Ursache und Wirkung zu begreifen sind, dass eine Analogie zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart bestehe und dass die Umweltbedingungen zu erforschen sowie gesellschaftliche Verbote und ökonomische Bedingungen zu beachten seien. Seine Beobachtungen und Erklärungen haben auch heute noch Gültigkeit. Eines seiner bekanntesten Werke ist das Kitab al-Ibar (Das Buch der geschichtlichen Lektionen).