AQIDA

- 25.02.2011

Islamische Aqidah und westliche Ideen

Die in den westlichen Staaten lebenden Muslime sind permanent dem Gedankengut, den Ideen und Werten der westlichen Kultur ausgesetzt.

Besonders in den Schulen und Universitäten werden diese Vorstellungen gelehrt, ohne dass den Muslimen eine islamische Perspektive des Lehrstoffes angeboten wird. Daher ist oft zu beobachten, dass sogar muslimische Akademiker, die diese Ausbildung genossen haben, ein Missverständnis der islamischen Lehre aufzeigen und nicht zwischen islamischen Überzeugungen und westlichen Vorstellungen unterscheiden können. Im Folgenden versuchen wir einige wesentliche Inhalte des westlichen Gedankenfundaments zu analysieren und die islamische Betrachtungsweise diesbezüglich zu erarbeiten.

Der Sinn des Lebens

In den Schulen und Universitäten wird der Sinn des Lebens aus einer säkularistischen Sichtweise beigebracht. Dabei gilt der Grundsatz, dass die Religion von den anderen Angelegenheiten des Lebens getrennt werden müsse, so dass die Rolle des Schöpfers (s.w.t.) auf die individuelle Ebene des Menschen reduziert wird und der Mensch sich selbst bei der Organisation seiner Gesellschaft überlassen wird. Dabei gewinnt der paulinische Grundsatz in der Bibel „Gib Gott, was Gottes ist und gib Cäsar, was Cäsars ist" eine Rechtfertigung für die Trennung der Religion vom Alltag der Menschen.Diese kapitalistische Sichtweise steht im fundamentalen Gegensatz der islamischen Betrachtung, die aus der islamischen Grundüberzeugung, der Aqidah, entnommen wird und demzufolge den Sinn des Lebens für die Muslime definiert.

So heißt es hierzu im Qur'an: "Und Ich habe die Dschinn und die Menschen nur darum erschaffen, damit sie Mir dienen sollen." (Sure 51, Al-Dariyat, Vers 56)

In diesem Vers sagt Allah (s.w.t.) unmissverständlich, dass die Menschen nur darum erschaffen wurden, auf dass sie Ihm (s.w.t.) dienen müssen und sich Seinen (s.w.t.) Gesetzen und Regeln in sämtlichen Lebenssituationen unterwerfen müssen.

Nationalismus

Die westliche Betrachtung der Welt in aufgeteilte Nationalstaaten und den sich daraus ergebenden Respekt und Toleranz für verschiedene Religionen, Nationalitäten sowie regionalen und ethnischen Identitäten ist eine dominierende Vorstellung der westlichen Konzeption eines friedlichen Miteinanders. Doch gerade hier steckt der "Teufel im Detail", denn durch diese Vorstellung wird gerade dem Nationalismus Vorschub geleistet und die Muslime werden in afrikanische, dunkelhäutige und arabische Kategorien betrachtet, anstatt sie in ihrer eigentlichen islamischen Identität wahrzunehmen, die eine Einheit der Muslime durch die islamische Aqidah vorgibt. Als Muslime wissen wir nur zu genau, dass eine Aufteilung der Muslime auf nationalistischer Basis verboten ist. So wird in einem von Abu Dawud überlieferten Ausspruch des Propheten Muhammad (s.a.s.) überliefert:

„Derjenige gehört nicht zu uns, der zur asabiyah (Nationalismus) aufruft, oder aber für die asabiyah kämpft und für die asabiyah stirbt."

Das bedeutet also, dass die Muslime, seien sie afrikanischer, asiatischer oder europäischer Herkunft, sich vielmehr durch die islamische Glaubensüberzeugung einheitlich definieren sollten, zumal die Aufteilung in Nationalstaaten ein Ergebnis des Kolonialismus gewesen ist und die islamische Welt diese Aufteilung nicht aus eigenem Antrieb vorgenommen hat. Die westliche Sichtweise der verschiedenen Staaten und Kulturen in dieser Welt lässt den Islam lediglich als eine "Religion" im herkömmlichen Sinne verstehen, wobei die wesentlichen Inhalte des Islam auf eine spirituelle Ebene reduziert werden und sein Geltungsbereich nur im persönlichen Bereich eines jeden angesiedelt ist, ähnlich wie das Christentum und das Judentum heutzutage verstanden werden. Wenn sich die Muslime diese westlichen Vorstellungen zueigen machen, dann verkennen sie, dass der Islam eine vollkommene und verständliche Ideologie darstellt, die Lösungen zu allen Aspekten des Lebens anbietet, seien sie privater, gesellschaftlicher, wirtschaftlicher oder politischer Natur.

Demokratie

Die westlichen Gesellschaften definieren sich als demokratische Gesellschaften. In den Schulen und Universitäten wird auch den muslimischen Schülern beigebracht, dass der Begriff Demokratie aus dem Griechischen stammt und "Demos Cratus" meint, was übersetzt etwa soviel wie die "Souveränität gehört dem Volk" bedeutet. Im Unterricht wird dabei erwähnt, dass die Griechen Europas erste Nation waren, die die Demokratie in Athen als Staatssystem einführten. Wird aber dabei die authentische Geschichte der Demokratie wiedergegeben? Die Griechen sahen aber damals vor, dass nur die Männer das Wahlrecht hatten, während die damalige Mehrheit der Gesellschaft, bestehend aus Frauen, Sklaven, Einwanderern und den Nichtgriechen ausgeschlossen waren. Das Demokratieverständnis der Griechen damals sah es auch vor, dass die eigentliche legislative Macht nur in den Händen der Elite des athenischen Staates verbleiben durfte. Später wurde dieses System von den Griechen selbst als nicht funktionsfähig und untauglich abgelehnt.

Nachdem die französischen Revolutionäre die Dominanz der Kirche in Europa in Frage stellten, einigten sie sich letztendlich bis zum heutigen Tage mit den Kirchenvertretern auf ein Gesellschaftssystem, das eine Kompromisslösung vorsah, so dass die christliche Tradition Europas und die Kirchenhierarchie mit vielen gesellschaftlichen Privilegien erhalten blieb und die Macht weltlichen Regierungen zukam, die wegen der markantesten Erscheinung in ihrer Gesellschaft, die auf den wirtschaftlichen Profit konzentriert ist, als kapitalistische Gesellschaften bezeichnet werden. Die europäischen Intellektuellen der Aufklärung waren in ihrem Denken extrem eurozentriert und wagten keinen Blick über den europäischen Horizont hinaus. Denn wenn sie die Gründe für den Aufstieg der islamischen Gesellschaft vorurteilsfrei analysiert hätten, dann wären sie zwangsläufig zu dem Ergebnis gekommen, dass es nur die islamische Lehre war, die die Ursache für die Dynamik des imposanten Aufstiegs des Islam gewesen ist. Stattdessen haben die Aufklärer, geprägt durch die dunkle Kirchengeschichte Europas und wohl auch beeinflusst durch über tausend Jahre von kirchlichen Hasspredigten und Vorurteilen dem Islam gegenüber, die Religionen per se verurteilt und einen gesellschaftlichen Machtanspruch für obsolet erklärt.

Heute wird in der Schule beigebracht, wie die westlichen Staaten die Demokratie als Staatssystem einführten und zum Teil auf eine lange demokratische Tradition, wie z.B. in Großbritannien, zurückblicken. Bei näherer Betrachtung der demokratischen Systeme westlicher Staaten allerdings fällt auf, dass die Realität eine andere Sprache spricht. Es sind zumeist finanz- und kampanienstarke Lobbygruppen, die die Politik dieser Staaten dominieren und zumeist ist die Legislative von wenigen Politikern dominiert, die Gesetze und Regeln aufstellen, an die die übrige Gesellschaft ihr Leben orientieren muss. Wenn diese wenigen Entscheidungsträger Gesetze beschließen, wonach z.B. Drogen und Homosexualität legalisiert werden sollen, wie in einigen Staaten bereits geschehen, so wird dies einfach gemacht und es gibt keine Möglichkeit dagegen vorzugehen. Weil es keine verbindliche Wertebasis gibt, sind die Werte westlicher Staaten veränderlich und nicht definitiv.

Als Muslime müssen wir wissen, dass wir nicht nach Systemen regieren können, die uns belieben, sondern müssen uns dabei vielmehr an die Offenbarung Allahs (s.w.t.) halten. Die Muslime können z.B. nicht mit Mehrheit beschließen, das Zinsen gesetzlich legalisiert werden oder dass der Jihad verboten wird. Die Souveränität gehört allein Allah (s.w.t.).

So heißt es hierzu im Qur'an:

„Wahrlich die Gesetzgebung liegt bei keinem, außer bei Allah. [...]" (Sure 12, Yusuf, Vers 40)

Dieser Vers untermauert eindeutig, dass Allah (s.w.t.) der einzige Gesetzgeber ist und nicht der Mensch und demnach ist es uns nicht erlaubt, ein demokratisches System für muslimische Gesellschaften zu akzeptieren oder dafür zu propagieren. Wir müssen diese Ideen als Kufr betrachten und sie intellektuell ablehnen und die "muslimischen Demokraten" zum wahren Islam aufrufen.

Die Teilnahme an Wahlen

Die Realität in den westlichen Staaten sieht zur Zeit so aus, dass aufgrund zunehmender Einbürgerungen die Anzahl der wahlberechtigten Muslime stetig zunimmt. Muslimische Verbände und Organisationen rufen daher vermehrt zur Teilnahme an den Wahlen auf, mit der Begründung, die Muslime sollten durch die Präferenz zu einer politischen Partei ihren Willen zum Ausdruck bringen, die politischen Entscheidungsträger dazu zu bewegen, sich der Belange der Muslime anzunehmen. Allerdings ist es eine bekannte Tatsache, dass selbst in den westlichen Staaten die so genannte „Partei der Nichtwähler" inzwischen zunehmendst die größte Partei geworden ist und die hiesigen Bevölkerungen selbst von ihren demokratisch gewählten Vertretern nicht mehr überzeugt sind und die gesellschaftliche Mehrheit nur aus Mangel an ihnen bekannten Alternativen an dem demokratischen System festhält.

Aus islamischer Perspektive hat nur Allah (s.w.t.) das Recht, Gesetze zu bestimmen. Folglich dürfen die Muslime nicht an Wahlen teilnehmen, die innerhalb demokratischer Systeme ausgerufen werden, da dies gleichzeitig bedeuten würde, dass sie das Gedankenfundament, die Ideale und die Regierungsform dieser Systeme akzeptieren. Wir wissen aber, dass dadurch elementarste islamische Grundsätze verletzt werden, wie es im Qur'an heißt:

„Nein! Bei deinem Herrn, sie sind nicht eher gläubig, bis sie dich zum Richter über alles machen, was zwischen ihnen strittig ist, und dann in ihren Herzen keine Bedenken gegen deine Entscheidung finden und sich voller Ergebung fügen." ( Sure 4, Al-Nisa, Vers 65 )

Aus diesem Vers wird eindeutig, dass die Souveränität einzig Allah (s.w.t.) gehört. Die Muslime müssen unterscheiden lernen, dass Wahlen prinzipiell zugelassen sind, jedoch nur um die Zustimmung der Umma zu erfahren oder aber im legitimen islamischen Kalifat die Wahl der Vertreter für den Majlis al-Umma zu vollziehen. Ebenfalls kann der Kalif durch allgemeine Wahlen bestimmt werden (uslub). Wenn allerdings die muslimischen Vertreter den Aufruf zur Teilnahme an Wahlen in nichtislamischen Systemen mit dem allgemeinen Nutzen und dem Interesse (Maslaha) der Muslime begründen, so muss dem klar entgegnet werden, dass nach einhelliger Meinung der klassischen muslimischen Gelehrten die Maslaha nur zulässig ist, wenn sie im Ergebnis qur'anischen Geboten und Verboten nicht widerspricht und dem Wohl der ganzen Umma entspricht und nicht nur dem Einiger weniger. Ferner darf die Maslaha nur von dem rechtmäßigen Führer der Muslime ausgesprochen werden, der durch den Treueeid (Bai'a) der Umma erhalten hat.

Wir sehen also, dass die Maslaha nur in einem streng definierten Rahmen praktiziert werden kann und nicht der Willkür von Muslimen überlassen ist, die damit Missbrauch treiben können und eventuell ohne fundierte Kenntnisse der Schari'a ihren eigenen Interessen und Neigungen folgen und die Muslime wissentlich oder unwissentlich zu einer Sünde bewegen.

Das Konzept einer freien Gesellschaft

Die westlichen Gesellschaften definieren sich über ihre Freiheitsverständnisse. So gelten die Glaubensfreiheit, die Meinungsfreiheit, die persönliche Freiheit oder aber das Recht auf Eigentum als wesentliche Elemente demokratischer Gesellschaften. Die Glaubensfreiheit sieht vor, dass es jedem freisteht, an das zu glauben, was er will, sei es Gott, Buddha oder an gar nichts. Als Muslime wissen wir aber, dass wir in der Glaubensfrage absolut keine Freiheit besitzen. So heißt es hierzu in einem authentischen Ausspruch des Propheten Muhammad (s.a.s.):

„Wer seinen Din ( Lebensordnung ) ändert, den tötet."

Daher gibt es für die Muslime keine Glaubensfreiheit. In einem islamischen Staat haben aber die Buchreligionen einen gewissen Autonomiestatus und können ihre religiösen Angelegenheiten nach ihren Richtlinien verwalten. Ebenfalls widerspricht das Konzept der westlichen Meinungsfreiheit der islamischen Überzeugung, weil der Muslim keine andere Meinung als eine islamische Ansicht annehmen darf.

Allah (s.w.t.) sagt im Qur'an:

„Und es ziemt sich nicht für einen gläubigen Mann oder eine gläubige Frau, dass sie in ihrer Angelegenheit eine Wahl haben sollten, wenn Allah und Sein Gesandter eine Angelegenheit beschlossen haben. Und der, der Allah und Seinem Gesandten nicht gehorcht, geht wahrlich in offenkundigem Irrtum irre." (Sure 33, Al-Ahzab, Vers 36)

Auch das Konzept des Rechts auf Eigentum, wonach es jedem freisteht, etwas zu besitzen, was einem beliebt, entspricht nicht dem islamischen Verständnis. Diesem westlichen Konzept zufolge steht es jedem zu, z.B. einen Nachtklub oder eine Kneipe zu erwerben. Als Muslime haben wir aber nicht die Freiheit, das zu erwerben, was wir wollen. Vielmehr sind wir durch Allahs (s.w.t.) Gesetze und die Schari'a in unserer Erwerbsfreiheit eingeschränkt. Gerade durch dieses falsch verstandene Freiheitsverständnis sind die hohen Verbrechensstatistiken in den westlichen Staaten zu begründen und auch die perfide Ausbeutung der Weltressourcen durch die Kolonialstaaten. Diese Praxis hat dazu geführt, dass die Mehrheit der Weltbevölkerung dazu instrumentalisiert wird, eine Minderheit von Privilegierten in den westlichen Industrienationen zu dienen und zu ernähren.

Zuletzt sei auf das Konzept der persönlichen Freiheit eingegangen, wonach jeder sein Privatleben so regeln kann, wie er oder sie es will. So ist es dem einzelnen überlassen, ob er z.B. Drogen einnimmt, Alkohol trinkt oder aber außerehelichen Geschlechtsverkehr ausübt. Dieses Verständnis von persönlicher Freiheit führt zwangsläufig dazu, dass die so genannten freiheitlichen Gesellschaften ähnlich einem Dschungel werden. Statistiken machen deutlich, dass etwa die Hälfte aller fünfzehnjährigen bereits ein Verbrechen begangen haben. Ebenfalls haben ein Viertel aller vierzehnjährigen einen Ladendiebstahl verübt sowie ein Viertel aller fünfzehnjährigen bereits Cannabis geraucht. Leider sind auch viele muslimische Jugendliche diesen falschen Freiheitsbegriffen ausgesetzt. So werden mehr und mehr Muslime Mitglieder von Gangs, nehmen Drogen oder haben vor der Heirat schon Geschlechtsverkehr.

Menschenrechte

Besonders Begriffe wie "Menschenrechte" werden dazu benutzt, um deutlich zu machen, dass die Außenpolitik der westlichen Staaten von hohen ethischen Werten dominiert werde und dass ihre Politik dem Wohle der Menschheit diene. Gerade hier zeigt sich aber die Doppelzüngigkeit westlicher Politiker. Allen voran die Praxis von Großbritannien und der USA zeigen eindeutig die Instrumentalisierung der Menschenrechte im Sinne ihrer eigenen Interessen. So haben z.B. die USA trotz weltweiter Ächtung von ABC- Waffen dennoch sich nicht gescheut, Atombomben während des Zweiten Weltkrieges einzusetzen, oder aber biologische und chemische Waffen gegen Soldaten und Zivilisten anzuwenden, wie z.B. im Vietnamkrieg oder im Irak.

So haben Großbritannien und die USA im Irak Uranium angereicherte Munition verwendet wodurch seit Anfang der neunziger Jahre über eine Million Menschen an den Folgen gestorben oder aber es hat zu zahlreichen Missbildungen von Körperteilen bei Neugeborenen geführt. Ebenfalls sind die von der UNO befürworteten Sanktionen im Irak zu erwähnen, die dazu geführt haben, dass über eine Million Babys seither an Unterernährung gestorben sind. Wo sind hier die viel gepriesenen „Menschenrechte" dieser vielen Opfer geblieben?

Die heuchlerische Politik der USA wird besonders offenkundig durch die politische Unterstützung und den Verkauf von Waffen an terroristischen Staaten wie z.B. Israel, die diese Waffen kaltblütig gegen unschuldige Zivilisten in Palästina anwenden. Die verlogene Politik der USA ist auch durch die Weigerung, dem internationalen Gerichtshof beizutreten, für jedermann sichtbar geworden. Dabei hat die US-Administration gefordert, dass ihre Soldaten von der möglichen Untersuchung von Kriegsverbrechen, Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit auszuschließen seien. Diese Beispiele verdeutlichen, dass der Ruf nach den „Menschenrechten" lediglich ein Vorwand von imperialistischen Staaten darstellt, um sich in die inneren Angelegenheiten anderer Völker einzumischen und ihre nationalen Interessen zu wahren.

Eine islamisch geprägte Politik dagegen versucht die gerechte islamische Botschaft an alle Völker weiterzutragen und die Menschen von der Übereinstimmung der islamischen Lebensordnung mit der menschlichen Natur zu überzeugen. Der Islam verbietet es, unschuldige Zivilisten bestialisch zu ermorden, um dadurch seine Lehre auszubreiten.

Die Rolle der Vereinten Nationen

Die Vereinten Nationen (UNO) habe den Anspruch, für den Weltfrieden zu arbeiten, Konflikte friedlich beizulegen und die Sicherheit der Völker zu gewährleisten. Wenn man aber die Geschichte der UNO fundiert analysiert, so gelangt man zu der Erkenntnis, dass diese noblen Ziele nie erreicht wurden und auch nicht erreicht werden. Seit seiner Gründung im Jahre 1945 haben die Vereinten Nationen vor allem den USA sowie anderen imperialistischen Staaten als ein Werkzeug dazu gedient, ihre eigenen Interessen weltweit durchzusetzen. Nicht ohne Hintergedanken ist der Sitz der UNO in New York und der größte Geldgeber mit damit verbundenem Erpressungspotential die USA.

So war die erste Entscheidung der UNO die Gründung des Staates Israel und die damit einhergehende Vertreibung der Palästinenser aus ihrer Heimat. Im Verlauf hat die UNO außer bloßen Verlautbarungen und Resolutionen den Terror der Israelis nicht eindämmen können. Vielmehr war es der UNO ein leichtes Unterfangen, die US-Kampanie zum Angriff auf Afghanistan und den Irak zu unterstützen, obwohl die Weltöffentlichkeit von den offensichtlichen Lügen der US-Administration überzeugt war, die vordergründig als Kriegsgründe dienten. Die USA waren sich nicht zu schade, der UNO ein Ultimatum zu stellen und sie damit zu erpressen, ihre Kriegstreiberei zu unterstützen, anderenfalls würden sie im Alleingang ohne UN-Mandat angreifen.

Die gleiche UNO hat während des Bosnienkrieges den Muslimen das Recht auf Selbstverteidigung abgesprochen und deren Waffen eingesammelt und den Völkermord der Serben unverholen unterstützt. Als ein Symbol des Völkermordes gilt die bosnische Stadt Srebrenica, wo vor den untätig zuschauenden Augen der UNO etwa 7.000 Muslime massakriert wurden. Diese wenigen Beispiele verdeutlichen, dass die UN nichts anderes als ein Sklave für die imperialistischen Ziele ihrer Herren, allen voran der USA, darstellen, die seit ihrer Gründung den USA dazu gedient haben, die muslimische Welt wirtschaftlich, kulturell und militärisch zu kolonialisieren und ihre Interessen weltweit durchzusetzen.

Das kapitalistische Wirtschaftssystem

Die derzeit dominierende Weltlebensordnung basiert auf dem kapitalistischen Wirtschaftssystem. Die Prämisse dieser Ideologie basiert auf dem eigenen Nutzen und Profit und hat weltweit eine Situation geschaffen, die dadurch gekennzeichnet ist, dass einige wohlhabende Nationen die Ressourcen und Finanzmärkte dieser Welt kontrollieren und folglich einen Großteil der Weltbevölkerung ausbeuten. Die Statistiken besagen, dass etwa 20% der Weltbevölkerung circa 80% der Ressourcen der Welt konsumieren. Daher scheint es unvorstellbar, dass weltweit alle drei Sekunden ein Kind an Hunger und Unterernährung verendet, während die Welt soviel Nahungsmittel bietet und produziert, dass die gesamte Weltbevölkerung und zusätzlich noch etwa 20 Milliarden Menschen ernährt werden könnten.

Die islamische Betrachtung der Wirtschaftsordnung ist diametral entgegengesetzt der kapitalistischen Praxis. So wird der Mensch im Islam als ein Wesen betrachtet, das bestimmte Bedürfnisse hat und unterscheidet zwischen primären Bedürfnissen, wie die Nahrung, Obdach und Bekleidung und darüber hinausgehenden luxuriösen Bedürfnissen, die die Menschen anstreben. Der islamische Staat muss prioritär versuchen, die primären Bedürfnisse der Menschen zu erfüllen und gleichzeitig zu verhindern trachten, dass wirtschaftliche Ausbeutung und ungerechtes Vorgehen ausgeübt werden, wie z.B. das Horten von Kapital und die Monopole und Patentregelungen, die in der westlichen Welt vorherrschen. Das Streben nach Reichtum ist im Islam aber keineswegs verboten, jedoch eingebunden in einer gerechten Wirtschaftsordnung, die aus der Lebensordnung entspringt.

Zusammenfassung

Wir sehen heutzutage, dass die Muslime im Westen wenig Möglichkeit haben, ihr Islamverständnis korrekt zu erlernen und dass sie permanent den westlichen Lebensidealen und Werten mit seiner Kultur ausgesetzt sind. Der Ruf nach Integration bedeutet nichts anderes, als die Muslime mit säkularem Gedankengut vertraut zu machen und sie Werte und Systeme annehmen zu lassen, die dem Islam fundamental widersprechen. Wenn Eltern versuchen, ihr Gewissen zu beruhigen, und ihre Kinder zu wöchentlichem Unterricht in die Moscheen schicken, so kann dies bei weitem nicht den säkularen Einfluss begegnen, der durch die westlichen Medien, Gesellschaften und der kapitalistischen Ideologie auf sie permanent einrieselt.

Allah (s.w.t.) erklärt uns im Qur'an unsere Verantwortung folgendermaßen:

„O die ihr glaubt, rettet euch und die Euren vor einem Feuer, dessen Brennstoff Menschen und Steine sind, worüber strenge, gewaltige Engel gesetzt sind, die Allah nicht ungehorsam sind in dem, was Er ihnen befiehlt, und alles vollbringen, was ihnen befohlen wird." (Sure 66, Al-Tahrim, Vers 6)

Vom Propheten Muhammad (s.a.s.) wird überliefert:

„Wahrlich, der Imam ist ein Schild, hinter dem ihr kämpft und euch beschützt"

Dieser Schutz kann nur durch einen Staat garantiert werden, dessen Gründung auf der islamischen Aqida basiert. Dieser Staat wird uns, unsere Kinder und die muslimische Umma von den ständigen Beeinflussungen durch säkulare Konzepte, Werte und dem Einfluss der imperialistischen Staaten beschützen. Der Islamische Staat (Kalifat) wird ein Erziehungssystem anbieten, der die islamische Persönlichkeit ausformen hilft und dadurch die Ideen und das Verhalten beeinflusst. So ist ein Schutz der islamischen Gesellschaft gewährleistet. So eine Gesellschaft ist dann in der Lage, die islamische Botschaft intellektuell weltweit zu tragen, so dass diese Lebensordnung die Menschheit leitet, wie es seit Anbeginn der Gründung des Islamischen Staates durch den Propheten Muhammad (s.a.s.) und die nachfolgenden Generationen praktiziert wurde.

Allah (s.w.t.) sagt im Qur'an:

„Er ist es, Der Seinen Gesandten mit der Führung geschickt hat und dem wahren Glauben, auf dass Er ihn über alle anderen Religionen (Lebensordnungen) siegen lasse; mag es den Götzendienern auch zuwider sein." (Sure 9, Al-Tauba, Vers 33)