VERLAUTBARUNGEN - DEUTSCHSPRACHIGER RAUM

- 07.01.2015

Verlautbarung zu den PEGIDA-Demonstrationen

Seit mehreren Wochen versammeln sich – ausgehend von Dresden und nun auch in anderen deutschen Städten wie z. B. Köln – tausende Anhänger der Initiative Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes (PEGIDA) und sorgen mit ihren laufenden Protestaktionen für Schlagzeilen.Die im Oktober von dem bekannten Intensivtäter Lutz Bachmann gegründete Bewegung wurde durch die landesweite Berichterstattung schlagartig in die Wohnzimmer der gesamten Republik katapultiert und war fortan in aller Munde. Innerhalb weniger Wochen konnte die PEGIDA einen enormen Zulauf an Demonstranten verbuchen, ihre Präsenz in den sozialen Netzwerken ausbauen und die Gründung von bundesweit sechzehn Ablegern feiern. Dreh- und Angelpunkt der Bewegung ist der Schutz des Abendlandes vor einer vermeintlichen, schleichenden Islamisierung, die sich unter anderem durch den Bau von Moscheen, dem Tragen von Kopftüchern und dem Verzehr von Halal-Fleisch äußere. Großen Wert legen Bachmann und seine Unterstützer darauf, keine rassistische Randgruppe zu sein, sondern viel mehr den Querschnitt der deutschen Gesellschaft zu repräsentieren. In der Tat nimmt an den sogenannten „Spaziergängen“ vom Familienvater, Intellektuellen, Arbeiter bis hin zum Studenten und Schüler das gesamte Sinus-Milieu der Bundesrepublik teil.Die Reaktion der etablierten Parteien ließ nicht lange auf sich warten; und so mimten die Vertreter aller Fraktionen unisono den Saubermann und distanzierten sich umgehend von den aus „dem rechten und kriminellen Milieu“ stammenden Organisatoren. Mit großer Erleichterung vernahmen der Zentralrat und andere islamische Verbände die Äußerung Angela Merkels, in Deutschland gebe es „kein[en] Platz für Hetze und Verleumdung“, und erkannten trotz der Politik der letzten Jahrzehnte nicht die Heuchelei dieser und ähnlicher Lippenbekenntnisse. Denn bereits im Jahre 2010 verkündete die Bundeskanzlerin auf dem Deutschlandtag der Jungen Union, dass der Multikulti-Ansatz „absolut gescheitert“ sei und erteilte der Idee eines „freudigen Nebeneinander[s]“ eine Abfuhr. „Die Lüge“ der friedlichen Koexistenz sollte fortan der immer deutlicher zu Tage tretenden Wertediktatur der Mehrheitsgesellschaft weichen. Der Wesenskern des diplomatisch und steril klingenden Integrationsbegriffs ist nichts Geringeres als ein Angriff auf die Identität und das Wertesystem der in Deutschland lebenden Muslime. Die PEGIDA und ihresgleichen reflektieren tatsächlich nur das von Politik und Medien konstruierte Meinungsbild der letzten Jahrzehnte und sind das exakte Spiegelbild der von der Elite in diesem Lande so verstandenen deutschen Staatsräson. Abgesehen von marginalen Randforderungen wie der Abschaffung des „Genderwahnsinns“ deckt sich ihre Agenda mit der Staatsdoktrin der BRD. So heißt es in dem Thesenpapier der patriotischen Europäer: „PEGIDA ist FÜR den Widerstand gegen eine frauenfeindliche, gewaltbereite politische Ideologie, aber nicht gegen hier lebende, sich integrierende Muslime!“ Speziell der Aufruf zum Schutz der christlich-jüdischen Tradition Europas belegt die Seelenverwandtschaft der Demonstranten und der etablierten Parteien. Selbst die außenpolitische Positionierung bestehend aus der deutsch-israelischen Freundschaft und der internationalen Bekämpfung aller politischen islamischen Bewegungen sind Entlehnungen aus transatlantischen Strategiepapieren. Gruppierungen wie die PEGIDA sind nicht etwa aus heiterem Himmel entstanden, sondern die logische Konsequenz einer Politik, die den Kampf der Kulturen und Identitäten durch Hetze und Verleumdung jahrelang forcierte! So war der deutschen Regierung jedes Mittel recht, um Angst und Schrecken vor dem Islam zu schüren und zu verbreiten. Die Agitation fand ihren vorläufigen Höhepunkt in einem von Wolfgang Schäuble gezeichneten Untergangszenario, in dem er im Jahre 2007 vor einem bevorstehenden Atomschlag durch Islamisten warnte! All dies erklärt die Semidistanzierung von Politik und Medien, die sich dezidiert auf kriminelles und rechtsextremes Personal bezieht, die Kerninhalte der patriotischen Europäer jedoch verschont und sogar als berechtigte Forderungen anerkennt! Obwohl es „bei den Initiatoren problematische Entwicklungen“ gebe, würden die Teilnehmer „die Herausforderungen unserer Zeit“ erkennen und ihre Sorgen äußern, so Innenminister de Mazière. In dasselbe Horn stieß der Unions-Vizefraktionschef Hans-Peter Friedrich, dessen Ausführungen zufolge die Demonstranten „legitime Fragen“ aufwerfen und „ihre[r] Sehnsucht nach kultureller Identität“ Ausdruck verleihen würden. Es sind Aussagen wie diese, die Zeugnis darüber ablegen, dass die islamfeindliche Stimmung ihren Ursprung in den Parteien und Ministerien hat, sich ihren Weg durch die Redaktionshäuser bahnt, um schließlich als lautstarker Protest in den Straßen Deutschlands anzukommen.Dieser Tatsache zum Trotz wird die soziopolitische Dimension der jüngsten Ereignisse von den islamischen Verbänden in Deutschland nicht erkannt; und so erhoffen sich ihre Vertreter Schutz von ausgerechnet denjenigen, die das vergiftete Meinungsbild in der deutschen Gesellschaft etabliert haben!Hizb-ut-Tahrir ruft die Verbände und jeden einzelnen Muslim dazu auf, die wahren Drahtzieher solcher Demonstrationen und der damit einhergehenden wöchentlichen Brandanschläge und Übergriffe auf unsere Moscheen zu erkennen, den Verantwortlichen im Lande für halbherzig vorgebrachte, reine Lippenbekenntnisse nicht gleich die Stiefel zu lecken und diesen Tanz auf dem Vulkan zu beenden, bevor er uns allen zum Verhängnis wird! Weiterhin ruft Hizb-ut-Tahrir die Muslime dazu auf, sich endlich als Schicksalsgemeinschaft – als eine umma eben - zu begreifen und der für unsere islamische Identität tödlichen Zwangsintegration mit aller Kraft entgegenzutreten. Die Muslime in Deutschland und in allen anderen europäischen Ländern müssen all ihre Ressourcen und Kräfte bündeln, um die intellektuelle Auseinandersetzung und den politischen Kampf mit den wahren Urhebern dieser Hetze aufnehmen zu können. Ebenso erinnert euch Hizb-ut-Tahrir an die Pflicht eines jeden Muslim, sich nach Kräften für die Etablierung eines richtigen und rechtgeleiteten Kalifats in den islamischen Ländern einzusetzen, auf dass die islamische umma den Machenschaften der kapitalistischen Staaten überall auf der Welt nicht mehr schutzlos ausgeliefert ist. So sprach der Gesandte Allahs (s):«الإمام جنة، يقاتل من ورائه ويتقى به»Der Imam ist ein Schild, man kämpft hinter ihm und schützt sich durch ihn. (Bei Muslim){إِنَّ فِى هَـٰذَا لَبَلَـٰغً۬ا لِّقَوۡمٍ عَـٰبِدِينَ}Hierin liegt wahrlich eine Verkündung für ein Volk, das (dem Erhabenen) dient. (21:106) Das MedienbürovonHizb-ut-Tahririm deutschsprachigen Raum