HIZB-UT-TAHRIR

- 28.06.2014

Verlautbarung von Hizb-ut-Tahrir: USA zerstückeln den Irak

Im Namen Allahs des Erbarmungsvollen des BarmherzigenDie USA zerstückeln den Irak; und die Fraktionen der kolonialistischen Ungläubigen folgen ihnen.Dabei vergessen sie ihre Streitigkeiten, weil es um die Zerrüttung der Länder der Muslime geht!Seit dem 10.6.2014, dem Tag des Einmarsches der Revolutionäre in Mosul, überschlagen sich bis heute die Ereignisse im Irak auf eine scheinbar erstaunliche Weise. Der Zusammenbruch der irakischen Armee in Mosul und Tikrit entsprach eher einer Übergabe und Übernahme der Städte…, es ergingen dazu sogar Befehle von Armeekommandanten auf höchster Ebene! Darauf folgte der Aufruf Malikis, die Milizen anstelle der Armee zu mobilisieren. In Dyala kam es zu wiederholten Angriffen und Rückzügen… und bald sogar in Bagdad…! Auch in Baidschi, der größten Ölraffinerie des Landes, rittern Bomben, Raketenwerfer und Flugzeuge um die Vormachtstellung. Auch weit weg davon, in Tal Afar, zeigt sich ein ähnliches Schauspiel und das Bild lässt sich weiter fortsetzen. All das geschieht im Rekordtempo, als ob alles für diesen Zeitpunkt vorbereitet wurde…! Begleitet werden diese Ereignisse von konfessionellen und ethnischen Aufrufen religiöser Autoritäten und Volksgruppenführer, so dass die Fitna ihren Gipfel erreichte und nun mit Kopf und Angesicht herniederblickt. Allseits beklagt und bejammert breitet sie sich aus im Zweistromland - das einst das Zentrum der Welt war! Von dort aus rief der Kalif die Wolken an: Regnet nieder, wo immer es euch beliebt, denn euer Lehnsgeld gelangt zu mir!Obwohl die Ereignisse höchst dramatisch sind, waren die internationalen Reaktionen darauf weit unter ihrem Gewicht. Die Erklärungen der Politiker fielen allesamt berechnend aus und entsprachen keineswegs der Dramatik der Situation. Einige von ihnen machten die Syrienkrise dafür verantwortlich, andere sahen die Ursache im Umstand, dass den Sunniten im Irak ihre Rechte vorenthalten wurden. Und wiederum andere sahen die Ereignisse in der Tyrannei Malikis begründet. Alle diese Umstände waren aber schon früher vorhanden und sind nicht erst jetzt entstanden! Die Ereignisse hatten also nicht diese internationale Wirkung, die ihrer Dramatik entsprechen würde, es sei denn, die wirksamen Akteure auf dem politischen Parkett hatten Absprachen getroffen oder vorherige Kenntnis von der Eskalation! Die hervorstechendste dieser Erklärungen kam aus dem Munde Obamas, der am Freitag, den 13. 6. 2014, die Welt mit der Versicherung beruhigte, dass das Öl weiter fließen werde und dass es aus den Reserven der Golfstaaten ersetzt werden würde, sollte dessen Lieferung aus dem Irak Schaden nehmen. Das belegt, dass die US-Administration durch die Ereignisse am Boden nicht überrascht wurde, sondern bereits im Vorfeld Pläne vorbereitet hatte, um eine Ölkrise zu vermeiden. Auch erklärte Obama am 13. 6. 2014, dass Washington „sich an keiner Militäraktion beteiligen wird, solange ein von den Irakern selbst vorgestellter politischer Plan fehlt.“ Dies, trotz des existierenden Sicherheitsabkommens zwischen den USA und dem Irak und trotz der Erklärung des irakischen Außenministers Zibari in Jedda am Mittwochabend, den 18. 6. 2014, dass „Bagdad von Washington die Durchführung von Luftschlägen gegen die bewaffneten Aufständischen verlangte.“ Auch der amerikanische Generalstabchef Dempsey bestätigte bei einer Anhörung im Kongress den Eingang dieses Ansuchens. Das bedeutet, dass die USA keine Eile zur Intervention haben, diese vielmehr hinauszögern, um andere Arrangements zu erledigen. Obwohl die Interessen Großbritanniens im Irak anders gelagert sind als die der USA, folgt es nichtsdestotrotz demselben amerikanischen Weg, da die Sache mit der Zerrüttung muslimischer Länder in Zusammenhang steht. So erklärte der britische Außenminister William Hague am 16. 6. 2014 der BBC, als er nach dem Unwillen Großbritanniens zur Intervention gefragt wurde: „Die USA verfügen über mehr Kapazitäten und Ausrüstung als Großbritannien im Hinblick auf eine mögliche Intervention im Irak.“Wer die laufenden Ereignisse eingehend untersucht, wird erkennen, dass es sich um ein Glied in einer Kette von Ereignissen handelt, die Amerika nicht erst mit der Besetzung des Iraks initiierte. Sie begannen bereits vor der amerikanischen Besetzung, als 1991 von den USA die Flugverbotszonen im Nordirak eingerichtet wurden. Das Gebiet Kurdistans wurde dadurch fast zu einem eigenen Staat. Und als die USA 2003 den Irak besetzten, legte der damalige amerikanische Zivilverwalter des Irak, Paul Bremer, eine Verfassung fest, die den Keim der Aufteilung des Irak bereits in sich trug. Sie strotzte nur so vor konventionellen und ethnischen Quotenregelungen. Dieser Keim wuchs bis in den Dezember 2011 - als die USA in ihrem militärischen Gewand den Irak verließen, aber in der politischen und sicherheitstechnischen Wirklichkeit weiterhin präsent waren - kontinuierlich heran. Zu dieser Zeit war das Gewächs der Fitna bereits ausgereift; und die USA nährten es weiterhin, indem sie an der Spitze der irakischen Regierung einen konfessionellen Tyrannen erster Klasse hinterließen. Maliki unterdrückte die Gebiete des Nord- und Westiraks mit voller Absicht. Er legte brutalen Despotismus und Ungerechtigkeit mit einer Arroganz an den Tag, die ihresgleichen suchte. Jedes Mal, wenn das Feuer der Fitna sich legte, entfachte er es durch provozierende Handlungen und Aussagen aufs Neue, so dass er diese Gebiete immerzu gegen sich aufbrachte. Auch steigerte sich die konfessionelle Aufladung durch die Gründung schiitischer Milizen weiter. Auf der anderen Seite wurde auf die ISIS als „sunnitischer Terror“ fokussiert, obwohl die Verbände, die in Mosul und Tikrit eindrangen, von unterschiedlichen Bewegungen stammen, zu denen unter anderem die ISIS zählt… Doch fand die Angelegenheit auch damit kein Ende. Vielmehr wetteifern die Nachbarstaaten darin, den konfessionellen Aspekt der Auseinandersetzung hervorzuheben.Und all das dient der Durchsetzung der amerikanischen Politik, hinter der sich auch Großbritannien und sämtliche Agenten und Vasallen eingereiht haben. Sie wollen den Irak nicht als geschlossene Einheit sehen, sondern als zerrüttete Splitterteile, die sich gegenseitig bekämpfen und töten! Jede Seite beißt sich in die Forderung einer Gebietszuteilung fest und ruft schon offen zu Gebietsunabhängigkeit und Teilung auf. Und da die Dinge unverdeckt ablaufen, hat die Region Kurdistan die Situation erkannt. So haben die zur Region Kurdistans gehörenden Truppen der Peschmerga zeitgleich mit der Einnahme Mosuls durch die Revolutionäre die Stadt Kirkuk und ihre umliegenden Gebiete vollständig unter ihre Kontrolle gebracht. So zitierte die Nachrichtenagentur Reuters am 15. 6. 2014 den Stabschef Barsanis Fouad Hussein mit den Worten: „Der Irak ist jetzt in eine neue Phase eingetreten, die sich vollkommen von der Zeit vor der Einnahme Mosuls unterscheidet. Und die Kurden werden untersuchen, wie mit diesem neuen Irak umzugehen ist.“Ihr Muslime…, ihr Araber…, ihr Kurden…, ihr Sunniten…, ihr Schiiten…, o Volk des Zweistromlandes!Euer Blut wird vergossen, euer Vermögen geplündert, eure Häuser, ja sogar eure Moscheen, werden zerstört. Der Irak ist zu einem zerbrechlichen, versagenden Staat geworden, der keinem Windstoß mehr standhalten kann. Ist denn unter euch kein redlicher Mann, der über das Geschehene nachdenkt?! Seht ihr denn nicht, dass die USA, ihre Vasallen und Anhänger allesamt Öl ins Feuer der Fitna gießen, sodass es auflodert und sich schließlich in drei Klüfte verzieht, drei Splitterteile, drei Regionen: der kurdischen, sunnitischen und schiitischen Region? Gebiete, die nur mehr vom „Haar Muʿāwiyas“ oder von noch viel weniger zusammengehalten werden! Ist es nicht so? Fragt ihr euch nicht, wie die USA das Gebiet Kurdistans geschützt haben und wie Bremer in seine Verfassung den Keim der konfessionellen und ethnischen Quotenregelung setzte? Fragt ihr euch nicht, wie die USA in der jetzigen Regierung einen Tyrannen kreierte, der ohne Scheu und ohne Scham Öl ins Feuer der Fitna gießt? Fragt ihr euch nicht, wie die USA die Ereignisse beobachten und nähren, damit sich die Kurden von den Arabern und die Sunniten von den Schiiten trennen? Fragt ihr euch nicht, wie die USA und Großbritannien gemeinsam mit all ihren Agenten und Anhängern Öl ins Feuer dieser Fitna gießen, obwohl bekannt ist, dass sich die Interessen Amerikas und Großbritanniens unterscheiden, aber hier zwecks Zersplitterung der muslimischen Länder zusammengehen?Der Islam vereinte euch jahrhundertelang; und sein Banner hütete euch für eine beachtliche Zeit. Ihr wart stark und voller Würde. Ihr teiltet das Gute miteinander und bekämpftet das Schlechte miteinander. Euer Land ist das Land des Heldentums, das Land der Qādisīya-Schlacht und al-Buaibs, der persischen Yarmūk-Schlacht. Es ist das Land des Kalifen Harūn ar-Rašīds und al-Muʿṭasims. Das Land Saladins, das Land der früheren und - so Allah will - auch späteren Eroberer. Der vereinte Irak ist stark mit seinem Volke. Der zersplitterte hingegen ist schwach mit seinen Splitterteilen. Wenn die Kurden glauben, dass das Gebiet oder der Staat Kurdistan ihnen Würde verschaffen wird, so wird das nur von kurzer Dauer sein und sich dann in ein schlimmes Übel für sie wandeln. Und wenn die Sunniten glauben, dass die Existenz einer eigenen Region für sie im Norden und Westen des Iraks ihnen ein glückliches Leben bescheren wird, so wird dies von unbedeutender Dauer sein und in Leid und Drangsal enden. Und sollten die Schiiten glauben, dass ein Gebiet im Süden des Irak ihnen Macht mit Gewaltigkeit verschaffen wird, so wird das auch nur von kurzer Dauer sein, um schließlich in Schwäche und Erniedrigung zu enden.Ihr Muslime…, ihr Araber…, ihr Kurden…, ihr Sunniten…, ihr Schiiten…, o Volk des Zweistromlandes!Der Lotse trügt sein Volk nicht! Und Hizb-ut-Tahrir ist euch ein treuer Mahner. Stützt euch nicht auf Amerika und Europa, denn sie werden euch kein Gewicht schenken! Vielmehr sind sie erpicht darauf, euch ins Unheil zu stürzen, indem sie im Irak drei Kantone errichten, die mit einem losen Band in einem „Staat“ verbunden sind, der bloß dem Namen nach existiert. Und das ist nur die Vorstufe für das endgültige Kappen des Bandes in späteren Phasen. Dass die USA und der Westen ihre giftigen Pfeile gegen uns richten, können wir wohl verstehen. Dass aber das Volk des Irak dies hinnimmt und zur Durchsetzung dieses Plans miteinander ringt, wobei jede Gruppe Hilfe bei Amerika sucht, so ist das wohl das schlimmste Verderben!{وَلَا تَرْكَنُوا إِلَى الَّذِينَ ظَلَمُوا فَتَمَسَّكُمُ النَّارُ وَمَا لَكُمْ مِنْ دُونِ اللَّهِ مِنْ أَوْلِيَاءَ ثُمَّ لَا تُنْصَرُونَ}Und neigt euch nicht den Ungerechten zu, auf dass euch das Feuer erfasse. So werdet ihr außer Allah keine Beschützer finden, noch wird euch geholfen werden. (11:113) Ihr seid eine Umma, der Zersplitterung verboten ist:{وَاعْتَصِمُوا بِحَبْلِ اللَّهِ جَمِيعًا وَلَا تَفَرَّقُوا}Und haltet allesamt am Seil Allahs fest und zersplittert euch nicht. (3:103) Ebenso ist es verboten, dass ihr euch bekämpft, sonst wird eure Kraft zusammenbrechen und die Gier eurer Feinde geweckt:{وَلَا تَنَازَعُوا فَتَفْشَلُوا وَتَذْهَبَ رِيحُكُمْ}Und hadert nicht miteinander, damit ihr nicht versaget und euch die Kampfkraft verlässt. (8:46)Ihr Volk des Zweistromlandes! Diese Angelegenheit kann nur mit dem gerichtet werden, was sie zu Anfang richtete: das Regieren nach dem, was Allah herabgesandt hat, der ğihād auf dem Wege Allahs, das Festhalten am Seil Allahs, das Kappen aller Bande zu Seinen Feinden und das Abwerfen von Sektierertum und Stammesfanatismus:«دَعُوهَا فَإِنَّهَا مُنْتِنَةٌ»Lasst ab davon, es ist verrottet! Von al-Buḫārī über Ğābir tradiert. Trennt euch also von diesen sektiererischen und konfessionellen Bezeichnungen und haltet an der Bezeichnung fest mit der Allah uns bezeichnet hat:{هُوَ سَمَّاكُمُ الْمُسْلِمِينَ}Er ist es, Der euch schon vordem Muslime nannte. (22:78) So kehrt zu Ihm zurück und errichtet Seinen Staat, das rechtgeleitete Kalifat! Mit dem Kalifat werdet ihr Würde erlangen, mit ihm werdet ihr erneut die Wolken anrufen und mit ihm werdet ihr wieder die Diener Allahs in Brüderlichkeit sein!{إِنَّ فِي ذَلِكَ لَذِكْرَى لِمَنْ كَانَ لَهُ قَلْبٌ أَوْ أَلْقَى السَّمْعَ وَهُوَ شَهِيدٌ}Hierin liegt wahrlich eine Ermahnung für den, der ein Herz hat oder zuhört und ein Zeuge ist. (50:38) 21. Shaban 1435 n. H.19/6/2014                                                                                            Hizb-ut-Tahrir