KALIFAT

- 23.02.2021

Die Errichtung des Kalifats und das Regieren nach dem, was Allah offenbart hat, ist die Existenzfrage der Muslime

 

Der folgende Artikel ist ein Auszug aus dem Buch Die Zerstörung des Kalifats von Scheich ʿAbd al-Qadīm Zallūm.

Die Muslime befinden sich heute in einer Lage, die schlimmer nicht sein kann. Der Ausweg aus dieser prekären Situation liegt zuallererst im richtigen Erkennen ihrer gegenwärtigen Probleme, ob es sich dabei um Existenzfragen handelt oder nicht. Bei jeder Existenzfrage haben sie dann auch die unabdingbare Maßnahme auf Tod oder Leben zu setzen, wie es ihnen der Islam vorgeschrieben hat. Vor allem dann, wenn es sich schlechthin um die alles umfassende Existenzfrage handelt. Solange diese Erkenntnis nicht klar und deutlich die Herzen erfüllt und die öffentliche Atmosphäre dominiert, werden die Muslime in einer permanenten Dekadenz und Niedergeschlagenheit verweilen, ohne die ihnen gebührende Bedeutung unter den Völkern zu bekommen.

Deswegen ist es zwingend notwendig für die Muslime, ihre Existenzfragen klar zu erkennen. Diese Erkenntnis muss ihren Weg in ihre Herzen, ihre Seelen und in die öffentliche Atmosphäre finden. Nur dann kann sie die Muslime dazu bewegen, mit unerschütterlicher Entschlossenheit und nie versiegendem Eifer jene Maßnahmen zu setzen, die Existenzfragen eben erfordern, nämlich Maßnahmen auf Tod oder Leben. Das ist die eigentliche Frage und das ist auch die Grundlage, auf der die Muslime all ihre Tätigkeiten zur Veränderung ihrer gegenwärtigen Situation aufbauen müssen.

Die heutige Realität der Muslime ist für jeden Muslim erkennbar, ohne dass es weiterer Erklärungen oder Ausführungen bedarf. Ihre Länder werden mit den Systemen des kufr regiert, somit sind sie ohne jeglichen Zweifel allesamt Stätte des Unglaubens (dār al-kufr). Darüber hinaus sind sie in mehr als vierzig Staaten aufgeteilt, in Republiken, Sultanate, Emirate und Scheichtümer. So sind sie zu schwach, als dass sie sich gegen die Ungläubigen stellen könnten. Deswegen muss das Ziel jedes Landes in der islamischen Welt sein, in eine Stätte des Islam (dār al-islām) umgewandelt und mit anderen islamischen Ländern vereint zu werden Diese Frage ist eine Existenzfrage für die Muslime, es ist für sie vielmehr die alles umfassende Existenzfrage, für die man die einzig zulässige Maßnahme, nämlich die Maßnahme auf Tod oder Leben setzen muss.

Allerdings ist diese Existenzfrage, die Umwandlung der Länder in der islamischen Welt in eine Stätte des Islam und ihre Vereinigung miteinander, ein Ziel, das man zu erreichen anstrebt. Der Weg aber um dieses Ziel zu erreichen, führt unweigerlich über die Gründung des Kalifats als Regierungssystem. Auf diese Weise werden die islamischen Länder in eine Stätte des Islam umgewandelt und können anschließend miteinander verschmolzen werden. Das ist die Kernfrage, die uns heute als Muslime beschäftigen muss.

Es muss uns aber klar sein, dass es dabei nicht bloß um die Aufstellung eines Kalifen geht, wo gesagt werden kann, dass es sich um eine Pflicht handelt, die lediglich zur Genüge von den Muslimen erfüllt werden muss, gemäß dem ḥadīṯ, den Ibn ʿUmar vom Propheten (s) berichtet:

«ومن مات ليس عليه إمام جماعة فإن ميتته ميتة جاهلية»

„Wer stirbt, ohne dass der Imam einer Gemeinschaft vorhanden wäre, stirbt einen Tod der ǧāhilīya!"

Dies wäre an sich keine Existenzfrage. Was die Muslime heute jedoch betrifft, ist die grundsätzliche Errichtung des Kalifats als Staats- und Regierungssystem, als Substitut für die heutigen Systeme und nicht bloß die Aufstellung eines Kalifen. Es ist also eine andere Realität mit der wir umzugehen haben. Selbstverständlich wird die Errichtung des Kalifats zur Aufstellung eines Kalifen führen.

Die Errichtung des Kalifats ist, wie erwähnt, zweifelsohne eine Existenzfrage. Denn sie führt nicht bloß dazu, unsere Länder in eine Stätte des Islam (dār al-islām) zu verwandeln, vielmehr wird sie auch die Zerstörung der Systeme des kufr, des „offen aufkommenden Unglaubens“ also, zur Folge haben, was gemäß den aḥadīṯ des Propheten (s) eine klare Existenzfrage ist. So hat der Gesandte (s) gesagt: „... und dass ihr den Machthabern ihre Macht nicht strittig macht, es sei denn, ihr seht einen offen aufkommenden Unglauben...“

In einem anderen ḥadīṯ heißt es: „Man fragte: ‚O Gesandter Allahs, sollen wir sie nicht mit dem Schwerte bekämpfen?‘ Er antwortete: ‚Nein, solange sie das Gebet unter euch aufrecht halten!‘“ Daraus ergibt sich, dass die Methode, um eine Existenzfrage zu realisieren, selbst auch eine Existenzfrage darstellt. Denn sie ist ja der unabdingbare Weg, um diese Existenzfrage realisieren zu können. Außerdem zeigt der Rechtsbeweis aus der Sunna dies auf. Deswegen muss die einzig zulässige Maßnahme, nämlich die auf Tod oder Leben, auch hierfür gesetzt werden.

Nachdem sich nun die Regentschaft des kufr in ihrer vollen Größe über die Muslime ausgebreitet hat, und ihre Geschicke nunmehr von Ungläubigen, Heuchlern und Apostaten gelenkt werden, versuchen sie unentwegt, sich von der Hegemonie des Unglaubens, seiner Paten und Verbündeten zu befreien. Allerdings ist ihnen nicht bewusst, dass es sich bei dieser Angelegenheit für die sie kämpfen um eine Existenzfrage handelt, die einzig und allein die entschlossene Maßnahme auf Tod oder Leben erfordert. Der Verlust genau dieses Bewusstseins hat ihnen aber - als Gemeinschaft und Umma - die Bereitschaft geraubt, Leid, Gefängnis und Folter zu ertragen, geschweige denn Armut, Zerstörung und Tod. Dies sind jedoch alles Opfer, welche der Kampf um Existenzfragen immer erfordert und die untrennbar mit ihm verbunden sind. Deswegen waren all diese Versuche zum Scheitern verurteilt und sind dem Ziel für das sie kämpfen keinen Schritt nähergekommen.

Für die Muslime bedarf es keines großen Denk- und Betrachtungsaufwandes um zu erkennen, dass diese Angelegenheit eine Existenzfrage für sie darstellt. Vom ersten Moment an war klar, genauso wie es heute für jeden mit zwei Augen klar sein muss, dass der Unglaube, der kufr, es dem Islam niemals ermöglichen wird, ins politische Leben - d. h. an die Regierungsmacht - zurückzukehren, solange er noch ein Körnchen Kraft hat, gegen jene vorzugehen, die sich dafür einsetzen. Apostaten und Heuchler werden in dieser Angelegenheit nicht minder brutal und verbrecherisch vorgehen, als der Unglaube selbst. Sie werden die ganze ihnen zur Verfügung stehende Kraft aufwenden und alle in ihrer Reichweite liegenden Mittel einsetzen, um jene Gläubigen zu bekämpfen, ja zu bekriegen, die ihnen die Regentschaft entreißen wollen, um die Regentschaft Allahs an ihrer Stelle zu errichten und um Allahs Verbote durch Seine Strafgebote zu wahren.

Deswegen kann jeder Versuch, den die Muslime in der Angelegenheit unternehmen, unmöglich fruchten, solange sie diese Angelegenheit nicht als Existenzfrage ansehen, wo jeder Erfolg davon abhängt, die entschlossene Maßnahme auf Tod oder Leben zu setzen. Da sich die Muslime der Natur dieser Auseinandersetzung nicht bewusst waren und die Wahrheit des diesbezüglichen göttlichen Rechtsspruches nicht erkannten, versuchten sie sich auf eine Weise zu befreien, die einer Existenzfrage nicht entsprach. Es waren Versuche, die vielleicht für normale Angelegenheiten geeignet sind, nicht aber für solche, wo es um sein oder nicht sein geht. Die Maßnahmen, die sie diesbezüglich setzten, waren entsprechend unter dem Niveau der erforderlichen Maßnahmen auf Tod oder Leben.

Tatsächlich werden jene Angelegenheiten, die von Natur aus schicksalhaft sind, wie die Beseitigung des kufr-Systems und die Errichtung des Systems des Islam - wurden sie nun auf dieser Basis begriffen oder nicht - unmöglich von jemandem zu bewältigen sein, egal wie stark er ist und egal wie sehr er sich auch dafür einsetzen mag, solange er sich in seiner Tätigkeit und Konzeption ihrer Natur nicht bewusst ist und die erforderlichen Maßnahmen auf Tod oder Leben setzt, die ihre Natur ihm auch vorschreibt. Die Muslime, als Einzelpersonen und Gruppierungen, müssen sich offen eingestehen, dass kein Ausweg daran vorbeiführt, ihren Einsatz im Kampf gegen den kufr auf die Grundlage eines Kampfes auf Tod oder Leben zu setzen, weil die Natur dieser Existenzfrage ihnen dies vorschreibt und weil die Gesetzgebung aus Qur'an und Sunna dies ebenfalls belegt.

Auch der Gesandte (s) hat uns gelehrt, unsere Angelegenheiten klar zu definieren und gegenüber jeder Schicksalsfrage die erforderliche Maßnahme auf Tod oder Leben zu setzen. So hat er (s), als ihn Allah (t) mit dem Islam entsandte und er durch intellektuelle Auseinandersetzung (aṣ-ṣirāʿ al-fikrī) begann, die Botschaft zu verkünden, seine Schicksalsfrage als die Emporhebung des Islam definiert und dafür die erforderliche Maßnahme auf Tod oder Leben gesetzt. Es wird berichtet, dass der Onkel des Propheten (s), Abū Ṭālib, ihm von der Forderung der Quraisch (Stamm der Mekkaner), er möge mit seinen Angriffen gegen sie aufhören, erzählte und ihm sagte: „So verschone doch mich und dich selbst und lege mir keine Bürde auf, die ich nicht ertragen kann!“ Daraufhin antwortete der Prophet: „O mein Onkel! Bei Allah, wenn sie die Sonne zu meiner Rechten und den Mond zu meiner Linken legen würden, damit ich diese Sache aufgebe, nimmer würde ich dies tun, bis Allah den Islam emporhebt, oder ich dabei umkomme!“ Und als der Prophet (s) den Staat gründete und den ǧihād mit dem Schwerte vollzog, definierte er auch hier seine Schicksalsfrage als die Emporhebung des Islam. In gleicher Weise setzte er dafür die erforderliche Maßnahme auf Tod oder Leben fest. So wird berichtet, dass der Prophet (s), als er auf dem Weg nach Mekka zur ʿumra war und vom kriegerischen Auszug der Mekkaner gegen ihn erfuhr, folgendes sagte: „Was glaubt denn Quraisch? Bei Allah, ich werde fortsetzen zu kämpfen für das, mit dem mich Allah entsandt hat, bis Allah diese Sache (den Islam) emporhebt oder sich dieses Haupt vom Rumpfe trennt!“, dabei deutete der Prophet auf seinen Hals. Die Emporhebung des Islam war für den Propheten demzufolge eine Existenzfrage, für die er jederzeit bereit war zu sterben.

In beiden Fällen also, sowohl beim Weitertragen der Botschaft durch die ideologisch-intellektuelle Auseinandersetzung, als auch beim Weitertragen durch den Jihad mit dem Schwert, hat der Prophet (s) sein Ziel als die Emporhebung des Islam festgelegt und dieses Ziel zur Existenzfrage erklärt. Er hat in beiden Fällen die dafür erforderliche, unabdingbare Maßnahme gesetzt, nämlich die Maßnahme auf Tod oder Leben. Die volle Bereitschaft also für diese Existenzfrage zu sterben. Im ersten Fall hat er dies mit folgendem Satz bekundet: „... bis Allah den Islam emporhebt, oder ich dabei umkomme!“, im zweiten Fall mit dem Satz: „...bis Allah es emporhebt, oder sich dieses Haupt vom Rumpfe trennt!“ Hätte der Prophet diese Angelegenheit nicht zur Existenzfrage erhoben und dafür nicht die entsprechende Maßnahme auf Tod oder Leben gesetzt, wäre der Islam niemals hochgekommen, weder durch seine Verkündung auf dem Weg der intellektuellen Auseinandersetzung, noch durch seine Verkündung auf dem Weg des bewaffneten Kampfes. Genauso verhält es sich mit den Muslimen in ihrer heutigen Realität, nachdem sie mit den Systemen des kufr regiert werden und sich die Ungläubigen und Heuchler ihrer bemächtigt haben. Solange sie diese Angelegenheit nicht zu einer Existenzfrage erheben und die dafür erforderliche Maßnahme auf Tod oder Leben setzen, werden ihre ganzen Bestrebungen nicht von Erfolg gekrönt sein und sie werden keinen einzigen Schritt vorankommen.

Deswegen rufen wir jeden Muslim inmitten dieses erdrückenden kufr, der die Länder der islamischen Welt beherrscht, dazu auf, sich für die Errichtung des Kalifats einzusetzen, als Weg, sein Land in eine Stätte des Islam zu verwandeln und es mit den anderen Ländern der Muslime zu vereinen. Die islamische Botschaft soll er in alle Welt weitertragen, im Bestreben, diesen Islam emporzuheben. Möge er in aufrichtigem Imān, in erleuchteter Erkenntnis und korrektem Bewusstsein stets die Worte des Propheten (s) wiederholen: „Bei Allah, wenn sie die Sonne zu meiner Rechten und den Mond zu meiner Linken legen würden, damit ich diese Sache aufgebe, nimmer würde ich dies tun, bis Allah den Islam emporhebt, oder ich dabei umkomme!“, „Bei Allah, ich werde fortsetzen zu kämpfen für das, mit dem mich Allah entsandt hat, bis Allah es hochhebt oder sich dieses Haupt vom Rumpfe trennt!“