HIZB-UT-TAHRIR

- 24.03.2011

Verlautbarung von Hizb-ut-Tahrir zur westlichen Militärintervention in Libyen

Im Namen Allahs des Erbarmungsvollen des BarmherzigenDer libysche Despot mit seinen blutigen Massakern und die Herrscher der Muslime mit ihrer Weigerung Libyen zu helfen sind Teilhaber am Verbrechen der Militärintervention Frankreichs, Englands und AmerikasIn der Nacht vom 19. auf den 20. März 2011 begannen die westlichen Staaten mit Luftschlägen gegen libysche Stellungen und mit deren Raketenbeschuss aus der See. Dabei nutzten sie die Tatsache aus, dass die Herrscher der Muslime - vor allem im benachbarten Ägypten - das libysche Volk im Stich gelassen haben und sich weigerten, es vor den Massakern Gaddafis, seiner Handlanger und Söldnertrupps zu retten.Es ist wirklich eine Tragödie, dass der libysche Despot mit seinen blutigen Massakern die Atmosphäre für eine Militärintervention in Libyen vorbereitet hat. Eine weitere Tragödie ist es, dass die arabischen Herrscher – sogar sämtliche Herrscher in den islamischen Ländern – durch ihre Weigerung dem libyschen Volk gegen diesen blutrünstigen Tyrannen zu Hilfe zu eilen aktiv zur Militärintervention beigetragen haben. Es wäre ihre Pflicht gewesen ihre Armeen zur Rettung Libyens in Bewegung zu setzen, um dem Despoten das Genick zu brechen und dadurch eine Intervention der westlichen Staaten in einem muslimischen Land zu verhindern. Eine zusätzliche Tragödie ist es nämlich, wenn Muslime einer giftigen Schlange Zutritt zu ihren Häusern gewähren, um Leid von ihnen abzuwenden.Der libysche Despot mit seinen blutigen Massakern und die Herrscher der Muslime mit ihrer Weigerung dem libyschen Volk zu Hilfe zu eilen um es aus den Fängen dieses Despoten zu retten, sind des Verbrechens mitschuldig, die Militärintervention der westlichen Staaten atmosphärisch vorbereitet zu haben. Nachdem diese Staaten zuerst politisch intervenierten, führen sie nun ihren Militärschlag auf Basis der Sicherheitsratsresolution 1973 durch. Die Militärintervention geschah unter dem Vorwand eines humanen Eingreifens zur Rettung des libyschen Volkes. Dies, obwohl die westlichen Staaten keine Humanität kennen, es sei denn, sie wird ihnen entlohnt. Es darf auch nicht irgendeine Entlohnung sein, vielmehr muss sie überhöht und ausbeuterisch ausfallen, und zwar in einer Weise, die ihre Interessen in den islamischen Ländern gewährleistet.Ihr Muslime! Wie kann die Umma ein lebenswertes Leben genießen, wenn sie die Aussage Allahs:{وَإِنِ اسْتَنْصَرُوكُمْ فِي الدِّينِ فَعَلَيْكُمُ النَّصْرُ}„Und wenn sie euch um des Glaubens willen um Hilfe bitte, so ist das Helfen eure Pflicht.“ (8; 72) vergessen hat und ihren Glaubensgeschwistern, denen Gaddafi schlimmstes Unrecht zufügt, nicht zu Hilfe eilt? Wie kann die Umma im Leben Glück erfahren, wenn sie die Aussage des Gesandten Allahs (s) vergessen hat, in der es heißt:«الْمُؤْمِنُ لِلْمُؤْمِنِ كَالْبُنْيَانِ يَشُدُّ بَعْضُهُ بَعْضًا وَشَبَّكَ بَيْنَ أَصَابِعِهِ»„‘Der Gläubige ist für den Gläubigen wie ein Mauerwerk, das sich gegenseitig zusammenhält.‘ Der Prophet (s) verschränkte dabei seine Finger.“ (Von Al-Buchariy überliefert) Wie kann die Umma auf ihren eigenen Beinen zu stehen kommen, wenn sie ihre Rettung aus der Tyrannei ihrer Herrscher nur in ihren Feinden sieht?Ihr Muslime! Das Unheil dieser Umma liegt in ihren Herrschern und auch in ihrem Schweigen zur Schlechtigkeit dieser Unrechtsherrscher und ihrer Willkür. Deshalb wird die Umma dieselbe Strafe treffen – nicht nur im Jenseits, sondern auch im Diesseits. So schaut sie zu wie ihr Feind ihre Länder bombardiert, ihren Luftraum durchkämmt und ihre Heiligtümer verletzt.{وَاتَّقُوا فِتْنَةً لَا تُصِيبَنَّ الَّذِينَ ظَلَمُوا مِنْكُمْ خَاصَّةً وَاعْلَمُوا أَنَّ اللَّهَ شَدِيدُ الْعِقَابِ}„Und hütet euch vor einer Drangsal, die nicht nur die Ungerechten unter euch treffen wird. Und wisset, dass Allah hart im Strafen ist.“ (8; 25)Der Ungerechte wird bekanntlich für sein Unrecht bestraft. Das Unrechtsopfer hingegen wird bestraft, wenn es zum Unrecht schweigt. Abu Bakr As-Siddiq berichtet, dass er den Gesandten Allahs (s) sagen hörte:«إِنَّ النَّاسَ إِذَا رَأَوْا الظَّالِمَ فَلَمْ يَأْخُذُوا عَلَى يَدَيْهِ أَوْشَكَ أَنْ يَعُمَّهُمْ اللَّهُ بِعِقَابٍ مِنْهُ»„Wenn die Menschen den Ungerechten sehen und ihn nicht in die Schranken weisen, wird Allah sie alle mit seiner Strafe erfassen.“ (Von Ahmad tradiert)Für ihren Verbleib auf krummen, trügerischen Machtsesseln scheuen diese Herrscher nicht davor zurück, Blut zu vergießen, die Feinde zu bedienen und Land und Leute zu verkaufen. Ihre Throne sind wahrlich Götter für sie:{قَاتَلَهُمُ اللَّهُ أَنَّى يُؤْفَكُون}„Allahs Fluch über sie, wie sind sie doch irregeleitet!“ (9; 30). Der libysche Despot weiß, dass die Leute ihn nicht wollen. Und Großbritannien, das ihn an die Macht hievte und ihn vierzig Jahre lang dort hielt, wird ihn in die Gosse werfen, sobald er seine Rolle ausgespielt hat. Nun hat er seine Rolle schon ganz oder fast ausgespielt, wobei ihm zuvor in seinesgleichen bereits eine Lehre beschert wurde. Wäre er vernünftig, würde er abdanken und verschwinden. Doch er zieht es vor, über einen Leichenberg libyscher Muslime sein Ende zu finden, im Gleichklang mit der feindlichen Intervention, ohne jede Scham vor Allah, Seinem Gesandten und den Gläubigen zu haben.Ihr Muslime! Ihr Herrscher in den Ländern der Muslime! Ihr Herrscher in der Festung Ägyptens! Ist denn unter euch kein rechter Mann, der das Unheil verhindert bevor es um sich greift? Ein Mann, der die Armeen nach Libyen in Bewegung setzt, um es vor Gaddafis Tyrannei zu retten und dem libyschen Volk sein Lächeln zurückgibt? Dies würde den Vorwand widerlegen, unter dem der Westen mit seinen Flugzeugen und Raketen den libyschen Luftraum durchzieht.Ist denn kein rechter Mann unter euch, der diese für die Muslime so erniedrigende westliche Militärintervention beendet? Es ist eine echte Tragödie, eine Ränke des irdischen Lebens, dass ein Unrechtsopfer niemanden findet, der es aus den Klauen des Ungerechten befreit. Niemanden ... außer seinen Feind!Sind eineinhalb Milliarden denn unfähig Libyen vor der Schlechtigkeit Gaddafis zu retten, so dass die Menschen sich an ihren Feind wenden müssen, um gerettet zu werden?Ihr Muslime! Ist es für euch nicht an der Zeit zu begreifen, wozu Hizb-ut-Tahrir euch aufgerufen hat und euch nach wie vor aufruft? Es ist allein die Errichtung des Kalifats, das Land und Leute schützen und den Feinden das Genick brechen kann.«إِنَّمَا الْإِمَامُ جُنَّةٌ يُقَاتَلُ مِنْ وَرَائِهِ وَيُتَّقَى بِهِ»„Der Imam ist ein Schirm; man kämpft hinter ihm und schützt sich durch ihn.“ (Von Muslim tradiert)Ist es für euch nicht an der Zeit zu begreifen, dass die islamische Umma im Schutze des Kalifats von allen Unrechtsopfern auf der Welt um Hilfe gebeten wurde, sie vom Unrecht zu befreien? Heute aber ist sie unter diesen säkularen Regimen und diesen minderwertigen, niederträchtigen Herrschern nicht einmal in der Lage, das ihr widerfahrene Unrecht zu beseitigen.Trotzdem kommt mit dem Ungemach die Erlösung. Auf die Finsternis der Nacht folgt das Licht des Morgens. Der Islam kann gewaltige Beben verursachen, die die Ungerechten und Feinde des Islam von dort ereilen werden, von wo sie es nicht erwartet haben:{وَاللَّهُ غَالِبٌ عَلَى أَمْرِهِ وَلَكِنَّ أَكْثَرَ النَّاسِ لَا يَعْلَمُونَ}„Und Allah setzt durch, was Er beschließt, doch die meisten Menschen wissen es nicht.“ (12; 21)15. Rabi‘ ath-Thani 1432 n. H.20. 3. 2011 n. Chr.                                                                 Hizb-ut-Tahrir