KALIFAT

- 03.03.2021

Die Frist, die den Muslimen gewährt wird, um einen Kalifen einzusetzen

 

Der vorliegende Artikel ist ein Auszug aus dem Buch Das Kalifat, welches von Hizb-ut-Tahrir veröffentlicht und herausgegeben wurde.

Die Frist, in der die Muslime einen Kalifen aufzustellen haben, beträgt zwei Nächte. Einem Muslim ist es untersagt, zwei Nächte verstreichen zu lassen, ohne dass es zu einer baiʿa kommt. Was die Festlegung auf maximal zwei Nächte betrifft, so ist die Aufstellung eines Kalifen eine Pflicht, die von dem Augenblick an zu erfüllen ist, in dem der vorherige Kalif stirbt oder abgesetzt wird. Jedoch ist bei der Ernennung eine Verzögerung von bis zu zwei Nächten erlaubt, in denen man sich damit befasst. Werden allerdings zwei Nächte überschritten, ohne dass ein Kalif aufgestellt wurde, so muss Folgendes untersucht werden. Sind die Muslime mit der Ernennung eines Kalifen beschäftigt, jedoch nicht imstande, seine Aufstellung aufgrund zwingender Angelegenheiten, die sie nicht verhindern können, innerhalb der zwei Nächte durchzuführen, entfällt von ihnen die Sünde, da sie mit der Erfüllung dieser Pflicht beschäftigt sind und zu der Verzögerung genötigt waren. So sagt der Prophet (s):

«إِنَّ اللَّهَ وَضَعَ عَنْ أُمَّتِي الْخَطَأَ وَالنِّسْيَانَ وَمَا اسْتُكْرِهُوا عَلَيْهِ»

„Meine Umma wird für Fehler, für Vergesslichkeit und für das, wozu sie gezwungen wurde, nicht zur Rechenschaft gezogen.“ Falls sie aber nicht damit beschäftigt sind, begehen sie allesamt eine Sünde, bis der Kalif aufgestellt wird. Erst dann entfällt die Pflicht von ihnen. Was jedoch die Sünde angeht, die sie begangen haben, indem sie die Einsetzung eines Kalifen unterlassen haben, so ist diese für sie nicht aufgehoben, sondern bleibt bestehen. Allah (t) wird sie dafür in gleicher Weise zur Rechenschaft ziehen wie für jede andere Sünde, die der Muslim begeht, wenn er eine Pflicht nicht erfüllt.

Hinsichtlich der Zeitspanne von zwei Nächten, in der die Muslime die Pflicht zur Aufstellung eines Kalifen erfüllen müssen, so liegt der Beweis darin, dass die Gefährten des Propheten, als sie Nachricht von seinem Tode erhielten, in der Saqīfa[1] zusammenkamen, um einen Nachfolger für ihn zu bestimmen. Der Disput zwischen ihnen in der Saqīfa hielt an, und am nächsten Tage versammelten sie die Leute zur baiʿa in der Moschee. Der ganze Ablauf erstreckte sich schließlich über einen Zeitraum von drei Tagen und zwei Nächten. Als weiterer Beweis dafür gilt der Umstand, dass der Kalif ʿUmar die „Ahl aš-Šura“[2] mit der Aufstellung eines Nachfolgers beauftragte, nachdem klar wurde, dass er an seiner Verletzung durch den Messerstich sterben wird. Er legte ihnen eine Frist von drei Tagen fest und bestimmte weiter, dass im Falle einer Nichteinigung auf einen Kalifen innerhalb dieser drei Tage derjenige nach dem dritten Tag zu töten ist, der einer Einigung im Wege steht. ʿUmar beauftragte 50 muslimische Männer mit der Ausführung, d.h. mit der Tötung desjenigen, der die Einigung behindert, und zwar ungeachtet der Tatsache, dass er zu den Ahl aš-Šura und zu den Ehrwürdigsten unter den Prophetengefährten zählte. All dies geschah unter den Augen und Ohren der ṣaḥāba. Es wird von ihnen nicht überliefert, dass irgendeiner sich dagegenstellte oder diese Vorgehensweise anprangerte. Somit ist der Konsens der Prophetengefährten (iǧmāʿ aṣ-ṣaḥāba) darüber erfolgt, dass es den Muslimen nicht erlaubt ist, länger als drei Tage und zwei Nächte ohne Kalifen zu bleiben. Der Konsens der Prophetengefährten stellt einen gültigen Rechtsbeleg dar wie der Koran und die Sunna.

[1] Saqīfatu Banī Saʿida, Versammlungsort der Anṣār, der ursprünglichen Einwohner Medinas, die dem Propheten und dem Islam durch ihre baiʿa Schutz und Zuflucht gewährten.

[2] Beratungsgremium