KONZEPTION

- 04.05.2021

Ramadan – Der Monat des Koran

 

﴿يَا أَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُواْ كُتِبَ عَلَيْكُمُ الصِّيَامُ كَمَا كُتِبَ عَلَى الَّذِينَ مِن قَبْلِكُمْ لَعَلَّكُمْ تَتَّقُونَ

O die ihr glaubt, vorgeschrieben ist euch das Fasten, so wie es denjenigen vor euch vorgeschrieben war, auf dass ihr gottesfürchtig werden möget. (2:183)

Wir befinden uns im gesegneten Monat Ramadan, welcher von Allah (t) als Fastenmonat auserwählt wurde. So hat Er (t) diesen Monat vor allen anderen Monaten bevorzugt, indem er ihn zum Monat der Barmherzigkeit und Ehrfurcht für alle Gläubigen machte. In der Tat ist der Ramadan der erhabenste aller Monate, denn in ihm hat Allah (t) den Menschen Seine (t) endgültige Botschaft offenbart – den Koran.

In diesem gesegneten Monat lesen wir täglich die offenbarten Worte Allahs (t) und rezitieren diese ausführlich während des tarāwīḥ-Gebets. Aber verstehen und praktizieren wir den Koran? Spiegelt unser Charakter die Botschaft des Koran so wider, wie ʿĀʾiša (r) den Charakter des Gesandten Allahs (s) als wandelnden Koran beschrieb? Setzen wir ihn in unserem Leben um? Spüren wir sein Gewicht auf unseren Schultern?

Allah (t) sprach:

﴿لَوْ أَنزَلْنَا هَـٰذَا ٱلْقُرْءَانَ عَلَىٰ جَبَلٍۢ لَّرَأَيْتَهُۥ خَـٰشِعًۭا مُّتَصَدِّعًۭا مِّنْ خَشْيَةِ ٱللَّهِ ۚ وَتِلْكَ ٱلْأَمْثَـٰلُ نَضْرِبُهَا لِلنَّاسِ لَعَلَّهُمْ يَتَفَكَّرُونَ

Wenn Wir diesen Koran (als Offenbarung) auf einen Berg hinabsendeten, würdest du ihn wahrlich aus Furcht vor Allah demütig werden und sich spalten sehen. Diese Gleichnisse prägen Wir den Menschen, auf dass sie nachdenken mögen. (59:21)

Allah (t) offenbart der Menschheit, dass wenn Er (t) den Koran auf einen mächtigen Berg herabgesandt hätte, dieser aus Furcht vor Allah (t) zusammenbrechen würde! Fühlen wir uns dann in unserer schmächtigen und unbedeutenden Statur demütig, weil der Koran zu uns und nicht auf einen Berg herabgesandt wurde? Leben wir nach den Geboten und Verboten, die Allah (t) in Seiner (t) letzten Offenbarung festgelegt hat?

Mit der Erlaubnis Allahs (t) werden wir diesen Monat fasten. Werden wir aber am Leben sein, um den nächsten Ramadan zu erleben? Wird dies unsere letzte Chance sein, die Barmherzigkeit Allahs (t) innerhalb dieses gesegneten Monats zu erfahren? Wir sollten unser Verhalten und unsere Handlungen bewerten und darüber reflektieren, ob der Tag an dem wir Allah (t) begegnen, der schönste oder der schlimmste Tag für uns sein wird. Jeder von uns wird von Allah (t) alleine zur Rechenschaft gezogen. Weder werden unsere Eltern dazu in der Lage sein, uns zu beschützen, noch werden unsere weltlichen Reichtümer uns erretten.

Allah (t) offenbarte:

﴿يَوْمَ يَفِرُّ ٱلْمَرْءُ مِنْ أَخِيهِ وَأُمِّهِۦ وَأَبِيهِ وَصَـٰحِبَتِهِۦ وَبَنِيهِ لِكُلِّ ٱمْرِئٍۢ مِّنْهُمْ يَوْمَئِذٍۢ شَأْنٌۭ يُغْنِيهِ

Am Tag, da der Mensch flieht vor seinem Bruder und seiner Mutter und seinem Vater und seiner Gefährtin und seinen Söhnen- jedermann von ihnen wird an jenem Tag eine Angelegenheit haben, die ihn beschäftigt. (80:34-37)

Nur unsere Taten aus diesem Leben werden bleiben. Lasst uns also auf das vergangene Jahr zurückblicken und reflektieren. Schauen wir auf das, was wir gemäß dem Islam richtig gemacht haben, damit wir auch weiterhin richtig handeln. Lasst uns außerdem darauf Blicken, was wir falsch gemacht haben, damit wir Allah (t) um Vergebung bitten können und in der Lage sind, uns darum zu bemühen, unsere Fehler nicht zu wiederholen.

Der Gesandte Allahs (s) sprach:

«إِذَا دَخَلَ رَمَضَانُ فُتِّحَتْ أَبْوَابُ الْجَنَّةِ، وَغُلِّقَتْ أَبْوَابُ جَهَنَّمَ، وَسُلْسِلَتِ الشَّيَاطِينُ»

„Wenn der Monat Ramadan kommt, werden die Tore des Paradieses geöffnet, die Tore des Höllenfeuers geschlossen und die Satane in Ketten gelegt.“ (Al-Buḫārī)

Basierend auf diesem Hadith vertreten die Gelehrten die Meinung, dass der Himmel buchstäblich seine Tore öffnet, die Hölle ihre Tore schließt und die Satane in Ketten gelegt sind! Der einzige Feind, den wir also überwinden müssen, ist unser nafs – unser inneres Verlangen.

Nutzen wir diese Gelegenheit, in der die Satane in Ketten gelegt sind, um unser Verlangen zu überwinden und uns daran zu gewöhnen, Allah (t) in allen Angelegenheiten des Lebens ausnahmslos zu gehorchen. Ob wir in der Moschee oder in der Schule sind, ob wir zu Hause oder bei der Arbeit sind, ob wir ein Haus kaufen oder ein Auto verkaufen, spielt hierbei keine Rolle. Zusammengefasst gesagt, müssen wir die Gebote und Verbote Allahs (t) in allen Aspekten unseres Lebens befolgen.

Der Ramadan ist auch eine großartige Gelegenheit, nach islamischem Wissen zu streben und unser Bewusstsein für die islamische Lebensweise zu schärfen. Je mehr wir über den Islam wissen, desto besser können wir unser Leben nach den Geboten und Verboten Allahs (t) ausrichten.

Allah (t) sprach:

﴿إِنَّمَا يَخْشَى اللَّهَ مِنْ عِبَادِهِ الْعُلَمَاء

Allah fürchten von Seinen Dienern eben nur die Gelehrten. Gewiss, Allah ist Allmächtig und Allvergebend. (80:34-37)

Im Monat Ramadan verbrachte der Prophet seine Nächte damit, den Koran mit dem Engel Ǧibrīl zu studieren.

Ibn ʿAbbās (r) berichtete:

«حَدَّثَنَا عَبْدَانُ، حَدَّثَنَا عَبْدُ اللَّهِ، أَخْبَرَنَا يُونُسُ، عَنِ الزُّهْرِيِّ، قَالَ حَدَّثَنِي عُبَيْدُ اللَّهِ بْنُ عَبْدِ اللَّهِ، عَنِ ابْنِ عَبَّاسٍ ـ رضى الله عنهما ـ قَالَ كَانَ النَّبِيُّ صلى الله عليه وسلم أَجْوَدَ النَّاسِ، وَأَجْوَدُ مَا يَكُونُ فِي رَمَضَانَ، حِينَ يَلْقَاهُ جِبْرِيلُ، وَكَانَ جِبْرِيلُ ـ عَلَيْهِ السَّلاَمُ ـ يَلْقَاهُ فِي كُلِّ لَيْلَةٍ مِنْ رَمَضَانَ، فَيُدَارِسُهُ الْقُرْآنَ فَلَرَسُولُ اللَّهِ صلى الله عليه وسلم أَجْوَدُ بِالْخَيْرِ مِنَ الرِّيحِ الْمُرْسَلَةِ»

„Der Prophet war der großzügigste aller Menschen. Er war am großzügigsten im Ramadan, wenn er sich mit dem Engel Ǧibrīl traf und mit ihm den Koran studierte. Ǧibrīl traf sich mit dem Propheten jede Nacht im Ramadan, um ihn den Koran zu lehren. Der Prophet war so großzügig, wenn er sich mit Ǧibrīl traf, großzügiger als der Wind, der Regen bringt.“ (Al-Buḫārī; Muslim)

Imam Aḥmad ibn Ḥanbal fügte zu dieser Überlieferung hinzu: „Und nichts, worum er gebeten wurde, würde er nicht geben.“ Außerdem berichtet Al-Baihaqī, dass ʿĀʾiša, möge Allah (t) mit ihr zufrieden sein, sagte: „Wenn Ramadan begann, ließ der Prophet alle Kriegsgefangenen frei und erfüllte die Bedürfnisse jeder Person, die ihn um etwas bat.“Lasst uns in diesem gesegneten Monat nach Wissen streben, indem wir die Bedeutung der Verse des ehrwürdigen Koran studieren. Belesen wir uns über das Leben des Propheten (s) und seiner Gefährten (r) und wie sie Leib und Leben opferten, um das Wort Allahs (t) zum Höchsten zu erheben. Erinnern wir uns an den Gefährten des Propheten (s) Musʿab ibn ʿUmair (r), der vom reichsten Mann zum ärmsten wurde. So arm, dass er zum Zeitpunkt seines Todes nicht genügend Kleidung besaß, damit man damit seinen eigenen Körper bedecken konnte. Warum befand er sich in einer solchen Situation? Weil er erkannte, dass das Versprechen Allahs (t) wahr ist. Lasst uns mehr über die islamischen Gesetze lernen, ob den Handel, das Finanzwesen, die Landwirtschaft oder andere Bereiche betreffend. Schauen wir uns an, wie der Islam die Beziehungen zwischen Männern und Frauen sowie Familie und Kindern regelt. Der Islam ist eine vollständige und allumfassende Lebensordnung, die es zu lernen gilt. In diesem gesegneten Monat sollten wir uns aufrichtig vornehmen, mangelnde Kenntnisse über einige Bereiche des Islam wettzumachen.

Lasst uns diese Gelegenheit nutzen, um die Brücken der Brüderlichkeit zu erweitern und gemäß der Überlieferung des Propheten (s) Muslime zum Fastenbrechen (ifṭār) einzuladen, auf dass uns jener Lohn zu Teil wird, den uns der Gesandte (s) versprach:

«مَنْ فَطَّرَ صَائِمًا كَانَ لَهُ مِثْلُ أَجْرِهِ غَيْرَ أَنَّهُ لاَ يَنْقُصُ مِنْ أَجْرِ الصَّائِمِ شَيْئًا»

„Wer einen Fastenden speist, bekommt die gleiche Belohnung wie dieser, ohne dass die Belohnung des Fastenden geschmälert wird.“ (Aḥmad)

Zu Lebzeiten des Gesandten Allahs (s) war der Monat Ramadan eine Zeit der Läuterung, in der das Gute geboten und das Schlechte verboten wurde. Mit dem eigenen Leben und Vermögen strebten die Muslime danach, das Wort Allahs (t) zum Höchsten zu erheben. Nach dem Tod des Propheten (s) trugen die Muslime diese Sunna weiter, wobei Allah (t) der Erhabene die Gläubigen nutzte, um den Lauf der Geschichte zu beeinflussen.

Ramadan war eine Zeit intensiver Tätigkeit, in der man den Tag auf dem Sattel und die Nacht im Gebet verbrachte, während man Allah (t) um Seine (t) Barmherzigkeit und Vergebung anrief. Dies war der Geist des Ramadan, der es unseren rechtschaffenen Vorfahren ermöglichte, sich scheinbar unmöglichen Herausforderungen zu stellen.

Machen wir also diesen Ramadan zum Monat des Gebets, der Anbetung, der Koranrezitation, der Abgabe der zakāt, der Stärkung der Beziehungen zwischen unseren Verwandten und der Großzügigkeit und Güte gegenüber den Bedürftigen. Dies wird mit der Erlaubnis Allahs (t) der Monat, in dem wir uns unserer Rede und unseres Handelns bewusster werden, in dem wir unsere Beziehung zu Allah (t) neu beleben und unsere Herzen reinigen, in dem wir unser Wissen über den Koran, die Sunna und in Hinblick auf die islamische Rechtswissenschaft (fiqh) erweitern und in dem wir uns in der daʿwa engagieren, um den Koran und die Sunna auf der Erde zu implementieren.

Möge Allah (t) der Allmächtige und Erhabene uns zu jener Generation von Muslimen machen, die das richtige Fundament der islamischen Herrschaft für die kommenden Generationen legen und uns zu jenen machen, die den Islam während des Ramadan und darüber hinaus umsetzen.

﴿ يَـٰٓأَيَّتُهَا ٱلنَّفْسُ ٱلْمُطْمَئِنَّةُ ٱرْجِعِىٓ إِلَىٰ رَبِّكِ رَاضِيَةًۭ مَّرْضِيَّةًۭ فَٱدْخُلِى فِى عِبَـٰدِى وَٱدْخُلِى جَنَّتِى

O du Seele, die du Ruhe gefunden hast, kehre zu deinem Herrn zufrieden und mit Wohlgefallen zurück. Tritt ein unter Meine Diener, und tritt ein in Meinen (Paradies)garten. (89:27-30)

(E. D.)